12.07.2018

Wort zum Freitag - Die Seeschlacht um das Kreuz

Seit nun bald 1,5 Monaten gilt in Bayern der Kreuzerlass. Wie zu erwarten formiert sich Widerstand, doch dieser braucht noch (d)ein Gesicht.


Turner, The Battle of Trafalgar (1806)
Klassisches Bild einer Seeschlacht

Der Bund für Geistesfreiheit München sucht mit seinen Unterstützern Privatpersonen aus Bayern, die sich an der Klage gegen den Kreuzerlass beteiligen (Link zum entsprechenden hpd-Artikel). Da die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland seit jeher eine große Anhängerschaft im Freistaat hat, sehen wir hier natürlich Potential.


Bereits im März hat Bruder Spaghettus, genau hier, ein paar Möglichkeiten genannt, euch gegen diese Vereinnahmung mit Kreuzen zu wehren, gezeigt, wie einfach es ist, ein Amt pastafarianisch zu weihen. Ein klarer, einfacher, piratischer Akt des Widerstandes.

Doch nun ist der Tag gekommen, an dem ihr mit wenigen Worten die Möglichkeit habt, in die Seeschlacht für die Freiheit zu ziehen. Statt dieser kleinen Scharmützel könnt ihr an Deck des BfG München euren Teil beitragen die Ämter Bayerns von Nachbildungen altertümlicher Folterinstrumente zu befreien.


Ob ihr nun klar als Pastafari vor Gericht zieht oder ohne Bandana und Dreispitz, das ist euch überlassen, doch wie schon Bobby Henderson sagte: „Heutzutage ist es so einfach, sich zurückzulehnen und Ausreden zu suchen. Wenn Sie wissen wollen was in der Welt passiert, ziehen Sie los und machen Sie sich schlau!“


Wir als Verein wissen, dass solche Verfahren ihre Zeit brauchen, sowohl selbst, da sie sich ziehen können, als auch von den Beteiligten, die dafür freinehmen müssen und sich vorbereiten, die Liste ist lang, doch es lohnt sich. Ihr könnt mit Fug und Recht später vor euren Enkeln prahlen und dann in Ewigkeit am Biervulkan sitzen und jedem immer wieder erzählen wie ihr dereinst in die Schlacht segeltet und die Flotte der Kreuzritter plündertet.


Das beste aber kommt erst noch, die Kosten werden zu 100% übernommen! Keiner geht an eure Schatztruhe. Meldet euch zahlreich beim BfG München (info@bfg-muenchen.de).

Für alle die nicht aus Bayern kommen gilt es natürlich weiterhin wachsam zu sein, nicht dass plötzlich Markus Söder euer Schiff kapert und dann plötzlich euer Kreuz in Bayern an der Wand hängt.

05.07.2018

Das Wort zum Freitag - Aberglaube im Fußball


Eine Art Fußball wurde schon im 17. Jhdt. in Florenz gespielt

Nun spielen sie wieder.

Aber sie rennen nicht nur hin und her, hauen sich die Beine weg und nehmen den Kopf als drittes Bein zum Toreschießen, nein, sie treiben auch sonst ganz seltsame Sachen.

Vielleicht kommt es von den Kopfbällen, vielleicht liegt es daran, dass Fußball älter ist, als gedacht, es haben sich eine ganze Reihe merkwürdiger Rituale entwickelt, die den Sieg beim Bälleschubsen bringen sollen. Erstmals hatte ich davon gehört, als berichtet wurde, wie ein Trainer heimlich eine Münze auf dem Platz des Gegners in den Rasen drückt, um dort zu gewinnen. Bestechung kann`s nicht sein, es reicht auch ein Cent. Es kann sich nur um Aberglauben handeln

Aber das ist nicht der einzige Fall. Manche wechseln das Trikot nicht, wenn sie mal gewonnen haben, andere essen kein Hühnerfleisch, tragen zu kleine oder zu große Fußballschuhe, rasieren sich nicht mehr oder wechseln das Trikot nicht, tauschen ihre Zahnpasta, tragen ein Kondom an den Füßen oder verspritzen Nonnenwasser.

Da scheint jeder sein eigenes Ding zu machen. Fast jeder.
Mir ist aufgefallen, dass viele Fußballer ein Geste machen, die immer ziemlich gleich aussieht: Finger werden zusammen gelegt, dann zeigen sie erst nach oben, dann nach unten, dann nach rechts und dann nach links. Oder war es erst nach links und dann nach rechts?

Was hat das zu bedeuten? Hatte für diese Spieler die Fitnessabteilung so einen Art Akupunktur mit den Fingern erfunden? Aber müsste das dann nicht, ähnlich wie Doping, verboten werden?

Also musste es wohl etwas anderes sein, und es musste eine Erklärung geben, warum so viele Spieler die gleiche Geste machen.

Sollten die Finger an der Stirn darauf hinweisen, dass dort die beste Stelle für den Kopfball ist? Gut möglich. Eindeutiger schien mir die Richtung nach unten. Da konnte es sich nur um eine Aufforderung an den Darm handeln, doch unbedingt durch zu halten. Verständlich. Wer will schon gern über´s ganze Spielfeld schreien: "Schiedsrichter, ich muss mal kacken". So wird es allen Fußballern gehen, nicht nur manchen. Das könnte die Gleichartigkeit der Beschwörungsformel erklären, denn auch das Tippen auf die Schultern könnte etwas sein, was für alle Spieler gilt. Sie wollen sich so daran erinnern, eine gerade Körperhaltung anzunehmen.

Aber etwas stimmt noch nicht. Wenn es so wäre, dann würden das doch alle Spieler machen und nicht nur manche. Um sicher zu gehen habe ich mal im Lexikon des Aberglaubens nachgeschlagen und dort gefunden:

"Beim Geisterbeschwören berühren wir zuerst die Stirn. Wir denken an den Luftgeist, Herrscher des Himmels, der über allem steht.
Dann geht die Hand nach unten. Wir denken an den Erdgeist, der sich ganz nach unten begeben hat und dort für uns zu Gras geworden ist. Er kam in einem Stall zur Welt, als Kind armer Eltern und er stieg tief hinab in das Erdreich, um mit starken Wurzeln am dritten Tage als Rasen aufzuerstehen.
Zum Schluss geht die Hand ganz nach links und nach rechts. Der Geist des Sieges erfasst uns ganz, er hüllt uns wie in einen Mantel und schützt uns mit seiner Macht und seiner Wut vor dem Verlieren."

Ein gute, ein vernünftige Erklärung. Was aber, wenn Spieler zweier Manschaften den gleichen Geist beschwören? Wie soll sich der Geist entscheiden? Muss er sich zerreißen?
Ist es gar vermessen von den Spielern überhaupt noch zu spielen, wenn sie die Geister angerufen haben? Müssten sie dann nicht über Sieg und Niederlage ein Geistergericht entscheiden lassen?

Müsste dann die FIFA, UEFA oder wer auch immer nicht erst recht solche Geisterbeschwörungen verbieten? Die würden ja das ganze schöne Geschäft mit dem großen Geld völlig versauen. Wer kauft sich schon teure Eintrittskarten für eine Verhandlung von unsichtbaren Geistern? Wer weiß auch, ob die überhaupt bereit wären, dazu ins Stadion zu kommen?

Jetzt, mitten beim Schreiben, fällt es mir endlich wie Schuppen von den Augen. Ich habe die Lösung. Meine ganze Recherche, meine ganzen Gedanken waren völlig umsonst. Alles war reine Zeitverschwendung. Es liegt doch ganz klar auf der Hand. Diese Zeichen sind völlig bedeutungslos, sie haben nicht die geringste Wirkung.

So erklärt sich alles. Warum Sieg und Niederlage bei Fußballspielen nicht einfach von der Anzahl der Beschwörungszeichen abhängt und warum die Schnelligkeit der Geste, die genaue Fingerhaltung, die Weite der Ausholbewegung usw. keine Vorhersage über den Ausgang eines Spieles zulassen.
Die wirken einfach nicht. Nicht im Stadion oder sonst irgendwo. Deshalb sind sie auch nicht verboten. Soll doch jeder zur Belustigung der anderen beitragen, wie er möchte.


Am 07.07.16 erstveröffentlicht und aus gegebenem Anlass wieder hochgeholt. 

28.06.2018

Das Wort zum Freitag - Doppeladler? Nö!


Argh, Pirat/innen!

Sicherlich habt ihr mitbekommen, was sich während des Fußballspiels Schweiz / Serbien vor wenigen Tagen ereignet hat: Pastafaris auf der ganzen Welt stellten beglückt fest, dass Anhänger des FSM mittlerweile sogar als Fußballprofis auftreten (natürlich in völlig unpassender Montur) und so unseren Glauben in die entlegensten Winkel tragen.

Kurze Zeit später wurden die Hintergründe bekannt: es handelte sich nicht um friedliebende Pastafaris und deren Monstergruß, sondern es war eine Geste, mit der ehemalige Staatsbürger eines Landes ein anderes Land beleidigen wollten.
Wie gehen wir nun mit dieser Unannehmlichkeit um? Augenscheinlich gibt es eine Verwechslungsgefahr dieser Geste, die tatsächlich nicht gewollt sein kann. Man könnte sich an die politischen Institutionen im Kosovo wenden, um darum zu bitten, sich ihrerseits von dieser dem politischen ‚Gegner‘ als abfällig empfundenen Handbewegung zu distanzieren und dies auch publik zu machen – und dadurch die Bevölkerung zu sensibilisieren und gleichzeitig ihre Ehrerbietung der KdFSM gegenüber öffentlich zu machen.

Oder wir ändern den Monstergruß – nur: wie sollte er dann aussehen und was, wenn wir ES dadurch verärgern? Ein großes Wagnis, das darüber hinaus noch nicht mal Öffentlichkeit / Presse generieren würde. Vielleicht sollten wir einen Piraten oder eine Freibeuterin ausfindig machen, die der albanischen Sprache mächtig ist und unserer Gemeinschaft dementsprechend unterstützend zur Seite stehen könnte, damit begonnen werden kann, dieser unsägliche Verwechslungsgefahr die Stirn zu bieten!

Sollten Glaubensgenossen andere Vorschläge haben, wäre es toll, diese zu hören – meldet euch eifrig, wir brauchen Ideen!

Ramen

Bruder Pasta Amico Intimo

22.06.2018

Wort zum Freitag – Religiöser Extremismus


Als mir klar wurde, dass mit dem Vorsitz auch die Aufgabe das Wort zum Freitag zu schreiben auf mich zu kommt dachte ich „Mensch, was schreibst du da nur jede Woche?“




Doch auch diese Woche findet sich wieder ein aktuelles Thema. Diesmal wie der Überschrift zu entnehmen religiöser Extremismus. Wieder scheint es geplante Anschläge, oder zumindest einen geplanten Anschlag zu geben, der verhindert werden konnte, wieder ist er religiös motiviert.

Grund genug für mich mir Gedanken zu machen, ob ich einmal als Vorsitzender des Vereins in die Situation kommen werde, dass ich mich von etwas Ähnlichem distanzieren muss. Klar, eigentlich gibt das Evangelium sowas nicht her, aber man weiß ja nie…



Also habe ich mich gefragt, wie sieht Extremismus im Namen des fliegenden Spaghettimonsters aus? Heraus kam obige, an eine alte mir bekannte Karikatur angelehnte, Zeichnung.



Gerade mit der Ablehnung von Dogmen und der Ausrichtung an den Werten des evolutionären Humanismus sehe ich uns gut gewappnet gegen Extremismus. Doch viele andere Religionen scheinen Fanatismus und Extremismus immer noch als Mittel zum Zweck zu nutzen oder wenigstens zu billigen. Ich spreche hier nicht vom einzelnen, der natürlich eine abweichende Meinung haben kann, doch trotzdem gibt es immer wieder radikale Vereinigungen im Namen vor allem der Bibel und des Koran.

Doch auch hier ist zu sagen, dass nicht die Religion einen Menschen dazu bringt andere zu töten, sie es jedoch leider auch nicht verhindert. Es sind Menschen die solche Taten begehen und wieder Menschen die sie dazu anstiften, hier eben im Namen der Religion, zu anderen Zeiten, an anderen Orten im Namen von etwas anderem.

Und doch kommt auch immer wieder das Heilsversprechen. Wie oft kommt es nach einem Anschlag zu einem Trauer- oder Gedenkgottesdienst. Ja, manchen mag er Trost spenden und doch versucht man den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben.



Wir sollten uns auf die Menschen fokussieren, sollten den Menschen stärker in den Mittelpunkt stellen uns um die kümmern die abgehängt wurden, sich nicht als Teil dieser Gesellschaft fühlen und ihnen eine Perspektive geben, denn solange wir das nicht tun, tun es andere, die eine Perspektive auf Glück im Jenseits versprechen.