19.01.2017

Das Wort zum Freitag - Sünden?



Am Anfang der Zeit, als Pastafari noch friedlich mit Menschen anderer Religionen oder Weltanschauungsgemeinschaften leben konnten, war die Welt in bester Ordnung. Der Glaube an Götter gehörte bei fast allen Menschen zum Alltag. Viele Götter waren im Angebot und wer einen oder mehrere zu brauchen glaubte, suchte sich individuell den für ihn gerade hilfreichen Gott aus dem überaus großen Götterangebot heraus. Wollte man jagen, ging man ins Zwiegespräch mit der Göttin der Jagd, musste man auf die hohe See hinaus, wurde der Gott des Meeres besonders ins Gebet gezogen oder gar Opfergaben erbracht. Hatte man Fußpilz, fand sich da bestimmt auch ein anbetungswürdiges Wesen.

Durch das Leben in der Gemeinschaft pflegten die Mitglieder, die in ihr lebten, meist die gleichen Sitten und Gebräuche. So taten es auch die ersten Pastafari. Ihnen genügte der eine Gott, ihr geliebtes und oft so nachsichtiges Monster. Damit waren sie ausreichend abgesichert und zufrieden.

Natürlich kamen die Pastafari auch mit anderen Gemeinschaften in Kontakt. Man tauschte sich aus, letztlich auch über religiöse Angelegenheiten. Aber am Ende übte jeder seinen Glauben weiter aus und ließ die anderen einfach machen. So lebten alle friedlich nebeneinander her.

Unsere Pastafari waren mit ihrem Leben sehr zufrieden. Ihre Tage waren von purer Lebensfreude durchzogen. Sie hatten ein gutes Auskommen. Das Meer bot ihnen ausreichend Nahrung, das Land obendrein Brennholz, Baumaterial und Fasern zur Herstellung ihrer Kleidung. Die Pastafari, die nicht zur See fuhren, verarbeiteten all das, hielten Tiere und kümmerten sich um die Häuser des Dorfes. Jeder Pirat und jede Freibeuterin ging seinen bzw. ihren Aufgaben nach. Man half sich untereinander und kam gut miteinander aus.

Ging der Tag in den Abend über, belohnten sich die Piraten in geselliger Runde mit gutem Grog oder kühlem Bier, je nach Jahreszeit. Dazu gab es feine Pastagerichte. Die Stimmung war ausgelassen, man feierte den Abend. Noch heute kennen wir den Begriff „Feierabend“, obwohl er heute meist anders begangen wird, als in den Anfängen des Pastafarianismus. War man erst einmal gestärkt und berauscht, begannen bald alle zu singen und zu tanzen. Es wurde viel geschäkert und geflirtet, man küsste und herzte sich. Wem dabei das Blut zu sehr in Wallung geriet, der zog sich zurück und beendete den Abend im abgeschiedenen Kämmerlein, natürlich nicht allein. War die Partnerwahl ein Volltreffer, stand der Familiengründung nichts im Wege. Passte es nicht so, wartete man am folgenden Tage wieder auf den Feierabend. Der tüchtige Pirat suchte erneut sein Glück. Zach waren unsere Vorfahren nicht. Der wilde Haufen verstand es prima, das Leben zu genießen. So lebten viele Generationen in Eintracht und Freude ihr Leben. Das Monster sah erfreut auf sein erwähltes Lieblingsvolk und wusste, dass Es alles richtig gemacht hatte.

Als sich neben den alten Religionen auch das Christentum auf den Weg machte, kam ganz langsam die Ungemütlichkeit auf diese Erde. Ihr wisst, was ich meine. Zu viel Lebensfreude wurde plötzlich unmoralisch. Hatten Christen zu ausgelassen gefeiert, mussten sie beichten und büßen. Alles, was Spaß machte, wurde als Sünde verrufen. Noch schlimmer, alle Menschen galten für diese Truppe als von der Erbsünde befallen, nur weil zwei Urchristen Äpfel gegessen hatten. Die lustigste Geschichte der Christen in dem Zusammenhang kommt noch. Ein Teil ihres gedrittelten Gottes war so sauer auf die Menschen, die er selbst so geschaffen hatte, dass er sich gar nicht mehr beruhigen konnte. Als einzige Möglichkeit sich wieder zu beruhigen fiel ihm ein, ein anderes Gottesdrittel zu opfern und den Martertod sterben zu lassen. Danach verkündete er stolz: Ich starb für eure Sünden.

Schon merkwürdig, jeder anständige Pirat hätte einfach gesagt: Da hab ich wohl Mist gebaut, aber nun ist gut. Keiner wäre auf den Gedanken gekommen, sich ein Bein abzuhacken um wieder mit sich selber ins Reine zu kommen.

Wobei, so ganz sicher bin ich da doch nicht. Immer wieder muss ich mal ein Bild des Monsters sehen unter dem steht: ES kochte für eure Sünden.
Wie kann man nur auf solche Gedanken kommen? Wie es scheint, haben die Christen ihre Meme erfolgreich unter das Volk gebracht. Es geht nun mal nicht, einfach Schlagworte dieser Ungläubigen zu übernehmen und sie in unseren Glauben zu basteln.
Bei uns gibt’s weder Erbsünde noch „normale“ Sünden. Sünden sind Verstöße gegen göttlich Gebote. Die haben wir nicht. Unser Monsterchen hat nur ein paar bescheidene Bitten geäußert, aber nichts befohlen.


ES wurde auch nicht gekocht. ES war schon immer da. So, wie es ist.

Na ja, vielleicht muss man, um so etwas zu erkennen, wirklich mal das Evangelium gelesen haben.
Mein Tipp deshalb: Ab in den nächsten Buchladen und eins besorgt. Das hilft und kostet nicht einmal 10,00 EURO.

Allerdings nur, wenn ihr es nicht einfach in die Nachtischschublade legt, sondern auch lest. ;)

12.01.2017

Das Wort zum Freitag - Amazon und das FSM



Noch immer bekommen wir nicht, wie die Großkirchen, jährlich Unsummen von nicht rechenschaftspflichtigen Mitteln vom Staat in unsere Schatztruhe gelegt. 


So wollte ich eigentlich dieses Wort beginnen. Dann fiel mir auf, das ist ja falsch gedacht. Wir wollen ja nicht Gleichberechtigung auf der Ebene der Großkirchen, sondern auf unserer. Nicht wir wollen also deren Vorteile, sondern die sollen ebenfalls dem Vereinsrecht unterstellt werden. Nicht nur, aber auch wenn es um Geld geht. 



Also fange ich noch mal so an:



Noch immer bekommen die Großkirchen jährlich Unsummen von nicht rechenschaftspflichtigen Mitteln in ihre Klingelbeutel gelegt. Ein Zustand, der auf Dauer nicht haltbar ist, wenn Gleichberechtigung unter Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis herrschen soll. 



Leider wird es noch dauern, bis diese Einsicht auch in der Politik einzieht. Um so wichtiger ist es für uns, diese Ungleichbehandlung doch ein bisschen zu mildern. 



Auf eine neue Möglichkeit hat mich da Jan-Moritz gebracht. Der hatte mir auf unserer Facebookseite folgende Nachricht geschickt: 



"Bei amazon soll ich unter dem Motto "Einkaufen und Gutes tun." eine Organisation eintragen, die für jeden Einkauf eine Provision erhalten soll. Kann ich euch dort eintragen und wenn ja wie?"



Von dieser Möglichkeit hatte ich noch nichts gehört und deshalb nachgeforscht.
Tatsächlich, diese Möglichkeit gibt es und ab und an fordert amazon direkt dazu auf. Wenn man das möchte, kann man einer Organisation seiner Wahl 0,5% der Einkaufssumme von Amazon weiter geben lassen. Richtig, ohne selbst etwas dafür zu zahlen. 



Das hört sich doch mal gut an und so haben wir uns zunächst bei stifter-helfen.de angemeldet und die notwendigen Papiere eingereicht. Danach gab es gespanntes Warten. Bei der ING-DIBa hatte es seinerzeit ja erst einiges Protestes bedurft, ehe die uns akzeptiert haben. Hier ging alles wunderbar glatt. 



Ab sofort sind auch wir dort als Organisation wählbar. 



Klar, nicht jeder mag amazon und niemand sollte extra seine Einkaufsgewohnheiten ändern, nur um uns zu unterstützen. Aber wer sowieso dort einkauft..... ;)



Auf unserem Konto habe ich es mal ausprobiert und dauerhaft auf Kirche des FSM Deutschland e.V. eingestellt. Das ist der Name, den ihr dort angeben müsst. Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. war für die Maske beim Eintrag einfach zu lang. 



Und so geht das:



Erst amazon aufrufen. Dann kommt die Anfrage, ob man teilnehmen möchte, wie auf dem Bild oben. Jetzt auf "Organisation auswählen" klicken. Es erscheint folgende Maske:





Hier unten rechts bei "Name und Standort der Organisation" Kirche des FSM Deutschland e.V. eintragen und auf Suche klicken. Weiter geht es mit



Nun auf "Auswählen" und in der nächsten Maske das Häkchen setzen.



Dann geht es weiter mit dem Einkauf. Wenn dabei angezeigt wird "Unterstützt wird Kirche des FSM Deutschland e.V." hab ihr alles richtig gemacht. 



Wer uns bei jedem Einkauf unterstützen möchte, kann sich dann gleich einen Link zu smile.amazon.de in die Browserleiste legen und seine Bestellungen über den abwickeln. 


Auch, wenn es wohl nicht die großen Summen werden, wir können sie gut gebrauchen. Vor allem aber ist es ein gutes Gefühl, wenigstens auf dieser Ebene gleichberechtigt behandelt zu werden. 







05.01.2017

Das Wort zum Freitag -
Wenn die Presse religiös fühlt




Wir haben eine Mail bekommen:

Liebe FSM-Jünger!
Beim Ausmisten meines Archivs tauchte der Entwurf  einer Glosse auf, die zur Veröffentlichung in einer Berliner Tageszeitung bestimmt war. Der Beitrag wurde mit der Begründung zurückgewiesen, daß er "religiöse Gefühle" (was auch immer das ist) verletzen könnte.
Vielleicht habt ihr Spaß daran. Sollte er auch eure "religiösen Gefühle" verletzen, löscht ihn einfach.
Für 2017 wünsche ich euch möglichst viele Überläufer von der Christenheit.
Hans-Jürgen Russow


Na, unsere weltanschaulichen Gefühle sind so schnell nicht zu verletzten, auch wenn manches nicht ganz genau beobachtet ist. Deshalb bringen wir die Glosse nun hier als Gastbeitrag.

Religionen sind Teil der kulturellen Evolution. So haben wir uns an die teils grausamen, teils grotesken Geschichten wie Mord und Vergewaltigung im Namen Gottes, Höllenqualen, unbefleckte Empfängnis, Auferstehung usw. irgendwie gewöhnt, ob wir daran glauben oder nicht. Völlig andere Geschichten, die ebenfalls weder beweisbar noch widerlegbar sind, werden jedoch als abwegig und verrückt abgetan. Das kennen auch die Mitglieder des Kirche Fliegenden Spaghetti Monsters, die sich südlich von Berlin im brandenburgischen Templin etabliert hat.

Diese Glaubensgemeinschaft lehnt sich an bewährte Muster an. Ich hatte die Gelegenheit, an einer Nudelmesse teilzunehmen, deren Ablauf an das christliche Abendmahl erinnert: Der Oberpriester versenkt in dem weit geöffnetem Mund des Gläubigen eine ca. ein Meter lange spaghettiförmige Teigware, dabei einen weitgehend sinnfreien Spruch murmelnd. Ihm sekundiert so eine Art Ministrant, der einen Kelch mit abgestandenem Bier bereithält, um evtl. Verstopfungen durch Nudelreste im Schlund des Empfangenden zu lösen. 

Der kannibalistische Aspekt des christlichen Abendmahls ist bei diesem Ritual nicht zu erkennen, da der Oberpriester sich nicht zu der Behauptung versteigt, bei der Nudel handele es sich um den Leib des Spaghetti-Monsters. Auch bei den Reliquien läßt man sich von bekannten Vorbildern anregen. So wurde die anläßlich der Kirchen-Gründung geleerte Bierflasche zu einem heiligen Gegenstand erklärt, angeregt durch die im Dom zu Hannover aufgebahrten und einst von Frau M. Käßmann auf ex getrunkenen Wodkaflasche, bevor sie sich zu einer heiter-beschwingten Autofahrt aufmachte. 
 
Bei der liturgischen Gestaltung der Nudel-Messe werden völlig neue Wege beschritten, die auch bei den etablierten Glaubensrichtungen die nicht zu übersehende Religionsverdrossenheit vielleicht etwas mildern könnten. So treten die Messe-Besucher im Piraten-Look auf , was eine Stimmung erzeugt, die sämtliche rheinischen Frohsinns-Zumutungen in den Schatten stellt und nur in der brandenburgischen Karnevalshochburg Templin anzutreffen ist, und das ganzjährig!

Das Drumherum des Einbringens der Nudel in den Gläubigen läßt bei manchem Teilnehmer den wehmütigen Gedanken aufkommen: So einen Kindergeburtstag hätte ich früher auch mal gern erlebt!

Wäre er der Bundespräsident, würde Otto Waalkes sagen:
Die Kirche des Fliegenden Spaghetti-Monsters gehört zu Deutschland!“



29.12.2016

Das Wort zum Freitag - Gunnars Glaube



Gunnar lebte bei seinen Großeltern im schönen Bayern. Er war sieben Jahre alt und ging das erste Jahr zur Schule. Seine Großeltern liebten ihn sehr und versuchten alles erdenkliche, um ihn über den Verlust seiner Eltern, die bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen, hinweg zu helfen. Damals war Gunnar gerade einmal fünf Jahre alt. Er musste seine gewohnte Umgebung von einem Tag auf den anderen verlassen. Von nun an lebte er nicht mehr am Meer sondern in den Bergen. Aber auch wenn er seine Eltern manchmal vermisste, fühlte Gunnar sich doch wohl auf dem Bauernhof seiner Großeltern. Er liebte die Tiere, die es dort gab und konnte sich in dem kleinen Dorf frei bewegen. Die Leute im Dorf waren nett zu ihm, schon weil sein Schicksal sie berührte. Gunnar lebte sich gut ein und fand auf seinen Streifzügen durch das Dorf bald Spielkameraden in seinem Alter. Sein erstes Jahr im Hause seiner Großeltern verlief für ihn gut, er hatte viele neue Eindrücke zu verarbeiten und das verdrängte immer mehr den Kummer. Schon bald entpuppte er sich als wahre Frohnatur.

Als Gunnar seinen sechsten Geburtstag gefeiert hatte, fragten ihn die Großeltern eines Sonntags, ob es ihm etwas ausmachen würde, wenn sie ihn mal für zwei Stunden allein lassen müssten. Dagegen hatte er nichts, denn er war kein besonders ängstliches Kind und ja nun schon sechs Jahre alt, also fast erwachsen, wie er meinte. Neugierig war Gunnar allerdings schon, warum er die Großeltern nicht begleiten sollte, wie sonst auch, wenn sie das Haus verließen. Die wichen seiner Frage allerdings aus und meinten, dass sie mit ihm darüber erst sprechen möchten wenn er etwas älter geworden ist. An den kommenden Sonntagen blieben die Großeltern wie gewohnt zu Hause und Gunnar vergaß die Geschichte, bis wieder mal ein Sonntag kam und sie ohne ihn los wollten.

Gunnar wartete ab, bis sie das Haus verließen und ging ihnen nach. Sie steuerten auf ein Haus zu, was etwas abseits vom Dorf auf einem Hügel stand. Es hatte einen hohen Turm und von dem Turm aus hörte er das Geläut einer Glocke. Nicht nur die Großeltern, sondern fast alle Leute aus dem kleinen Dorf strömten dort hin, alle herausgeputzt in ihrer besten Kleidung. Bis ganz auf den Hügel wagte Gunnar sich nicht, aber er wartete ab, was dort geschah und hörte bald, dass Gesang aus dem geheimnisvollen Hause kam. Als der Gesang verstummte, wurde es ihm bald langweilig und er beschloss, lieber wieder in das Haus der Großeltern zurück zu kehren. Als die beiden dann endlich heim kamen, hielt er es nicht mehr aus und löcherte sie so lange, bis sie nachgaben und das Geheimnis lüfteten.

So erfuhr Gunnar erstmals vom Glauben an Götter im Allgemeinen, von Kirchen und all dem, was man da so tut, vom Glauben seiner Großeltern und letztlich vom Pastafaritum. Seine Eltern waren Pastafari, glaubten also nicht an den Gott, den die Großeltern damals verehrten. Anfangs verstimmte die das sehr.
Als Gunnar dann geboren wurde und auf Wunsch der Eltern keine Taufe erhalten sollte, waren sie fassungslos. Die Eltern meinten, dass Gunnar, sobald er das vierzehnte Jahr erreicht hat, selbst entscheiden kann, ob er getauft werden möchte. Dann ist er alt genug, zu entscheiden, ob er sich einem Glauben zuwenden möchte, oder nicht. Das fanden die Großeltern bei näherer Betrachtung ganz einleuchtend. Sie versprachen den Eltern, Gunnar nicht mit ihren religiösen Ansichten zu beeinflussen.

Als dann der schreckliche Unfall geschah und die Eltern von einem Tag zum anderen nicht mehr da waren, begannen die Großeltern sehr stark an ihrem Glauben zu zweifeln. Ihr lieber Gott hatte sie im Sich gelassen, obwohl sie sich immer bemühten, so zu leben, wie es ihnen der Pfarrer in der Kirche predigte. Das war auch die Zeit, in der sie das Evangelium der Pastafari zu lesen begannen. Anfangs taten sie das mehr aus Verpflichtung gegenüber ihrem Enkel. So beim Lesen des Evangeliums freundeten sie sich jedoch ganz langsam mit dem Glauben an das Fliegende Spaghettimonster an. Sie waren sich einig, ihrem Enkel zu gegebener Zeit darüber zu erzählen. Vorerst hielten sie sich allerdings erst einmal ganz allgemein, um einen Sechsjährigen nicht mit all dem zu überfordern oder zu beeinflussen.

Als Gunnar an diesem Abend im Bett lag, konnte er lange nicht einschlafen und dachte über das Gehörte nach. Aber irgend wann klappten ihm doch die Augen zu und am anderen Morgen dachte er darüber nicht mehr weiter nach.

Seine Großeltern besuchten von Zeit zu Zeit die Kirche, aber Gunnar wusste ja nun Bescheid. Die Großeltern gingen nur deshalb noch zur Messe, weil sie ahnten, was ihnen blühte, wenn sie nicht lebten, wie alle anderen im Dorf.

Bald aber fingen die Dorfbewohner an, nach Gunnar zu fragen. Sie wollten wissen, warum er nicht mit zum Gottesdienst kam. Die Großeltern eierten herum, die Dorfbewohner wurden hartnäckiger und bohrten so lange, bis die Großeltern nicht mehr verheimlichen konnten, dass Gunnar nicht getauft ist und weil das Thema nun auf dem Tisch war, stellten sie sich hinter Gunnar und kehrten von einem zum anderen Moment ihrer Kirche den Rücken, erleichtet, endlich reinen Tisch gemacht zu haben. Das war das Ende der unbeschwerten Tage für Gunnar und gleichzeitig der Beginn seiner Schulzeit.

Von den vielen Spielkameraden blieb ihm nur einer übrig, Hans. Die Eltern von Hans hielten es ähnlich mit der Religion, wie Gunnars Großeltern. Sie sprachen mit Hans, als er die Geschichte über Gunnars Fliegendes Spaghettimonster mit nach Hause brachte und fanden es ziemlich schuftig, einen Freund zu verstoßen, bloß weil er nicht mit ihnen sonntags die Kirchbank drückt. So blieben Hans und Gunnar auch weiterhin Freunde.

Gunnar blieb es nicht erspart, den Religionsunterricht zu besuchen. Erst freute er sich, endlich mehr darüber zu erfahren, was da in dem Kirchlein auf dem Hügel so geschah, denn die Großeltern wollten von diesem Thema erst mal gar nichts mehr wissen. Dann wunderte er sich, dass nicht auch über andere Religionen Wissen vermittelt wurde. Also fragte er den Lehrer danach. Leider ging das so richtig in die Hose. Der Lehrer machte ihm deutlich, dass das hier nicht zur Debatte steht und schmiss noch ein paar unschöne Bemerkungen hinterher. Für den Rest der Klasse war das Feuer aufs Stroh. Ihre gelegentlichen Hänseleien wurden von nun an häufiger und schärfer. Die Klasse fühlte sich im Recht, hatte sie ja alle Erwachsenen auf ihrer Seite.

Seine Mitschüler begannen jetzt bei jeder passenden Gelegenheit mit dem Finger auf Gunnar zu zeigen, auf der Stelle zu hopsen und „Monster, Monster, Monster“ zu rufen. Dabei wurden sie immer lauter und traten immer kräftiger auf. Ohrenbetäubender Lärm entstand.

Gunnar war darüber sehr traurig, verließ die Schule auf schnellstem Wege, sobald sie zu Ende war. Nachmittags verabredete er sich zum Spielen mit Hans. Bald aber tauchte der Rest der Klasse auf, egal wo die beiden spielen wollten, um Gunnar zu ärgern. So verging der Herbst und der Winter kam, brachte Schnee und Eis mit.

Hans und Gunnar verabredeten sich zum Schlittschuhlaufen auf dem Dorfweiher. Der hatte schon ein paar Tage eine schöne Eisdecke. Sie setzten sich auf die Steinbank am Ufer und zogen die Schlittschuhe an. Die Bank erinnerte Gunnar an sein Zuhause am Meer. Auf genau so einer Bank saß er oft mit dem Vater und sah ihm dabei zu, wie er Netze reparierte. Dann zeigte er Gunnar auch immer einige Seemannsknoten. Das erzählte Gunnar jetzt seinem Freund. Dann prüften beide vorsichtig die Eisdecke, bevor sie sich aufs Eis wagten.

Es dauerte nicht lange, und der Rest der Klasse folgte. Gunnar und Hans verging die Lust aufs Schlittschuhlaufen. Langsam machten sie sich aus dem Staub und steuerten das Ufer an. Die Schulkameraden hingegen eroberten schnell den See. Wieder zeigten sie auf Gunnar, wieder riefen sie „Monster, Monster“ und sprangen dabei im Gleichtakt, sprangen und sprangen und dann knackte es. Durch die zu heftige Vibration brach das Eis und alle fanden sich im kalten Wasser wieder. „Hilfe“ brüllten sie aus vollen Kehlen, „Gott, rette uns.“ Doch der ließ sich weit und breit nicht blicken.

Die Hilfe kam einzig von Hans und Gunnar. Hans holte sein neues Taschenmesser, das sogar eine kleine Säge hatte, aus der Hosentasche. Schnell schnitt er damit den langen Strick durch, der an einer Trauerweide nahe des Weihers angebracht war. Unten am Strick baumelte noch der große Reifen, von dem aus sie im Sommer ins Wasser sprangen. Was war das für ein Spaß! Jetzt aber wurde der Reifen schnell über das Eis geschoben und gewissermaßen als Rettungsring eingesetzt. Das andere Ende des Stricks band Gunnar an der Bank fest. Alles ging blitzschnell, fast wie im Traum. Die Jungen kletterten einer nach dem anderen aus dem Wasser und rannten, so schnell sie konnten, nach Hause.

Am folgenden Tag war die Klassenstärke um die Hälfte geschrumpft, so viele hatten sich erkältet. Aber die, die zum Unterricht kamen, plagte das schlechte Gewissen. In der Pause gingen sie dann auf Gunnar und Hans zu, um sich bei beiden zu bedanken. Natürlich entschuldigten sie sich auch für ihr dummes Lästern. Einige waren sich nicht sicher, ob sie ebenso mutig und beherzt zur Rettung bereit gewesen wären und gestanden das auch Gunnar und Hans ein.

Jetzt zögerte Gunnar nicht mehr länger und erzählte der Klasse vom Fliegenden Spaghettimonster und was er alles schon von Ihm lernen konnte. Gespannt hörten die anderen Kinder zu und fragten sich am Ende, warum sie sich Gunnar gegenüber so idiotisch verhalten hatten. Ihnen wurde klar, dass sie sich ohne zu überlegen und nachzudenken von den Erwachsenen beeinflussen ließen, die es einfach nicht fertig brachten, tolerant gegenüber Mitmenschen zu sein, die nicht haargenau so ticken, wie sie selbst. Von nun an gelobten sie, erst einmal ihren Verstand einzuschalten, bevor sie sich auf Dinge einließen, die ihnen am Ende peinlich sein mussten.

Gunnar hatte es mit seinen Erzählungen geschafft, bei ihnen die Neugier auf das Fliegende Spaghettimonster zu wecken, denn das Gesagte fanden sie gar nicht so verkehrt. Sie wollten mehr über das Fliegende Spaghettimonster wissen. Das Gehörte verfehlte seine Wirkung bei Gunnars Klassenkameraden nicht und Gunnar ging von diesem Tage an wieder sehr gern in die Schule.

Den Tag am Weiher vergaß keiner der Gruppe. Gunnar entschied sich mit vierzehn Jahren, Pastafari zu werden, so wie der eine oder andere der Klasse auch.


So zog ein neuer Glaube in ein kleines Dorf Bayerns ein. Ein guter Anfang!