27.11.2014

Das Wort zum Freitag - Gottesdiensthinweisschild "Nudelmesse"


Wieder einmal, liebe Brüder und Schwestern,  tapfere Piratinnen und holde Freibeuter, ist uns etwas Neues gelungen im Kampf um die Gleichbehandlung von Pastafari mit anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften. 


Nachdem wir 2006 die erste  pastafarianische Gemeinschaft Europas, vielleicht sogar der Welt, waren, die überhaupt juristische Person geworden ist, nachdem wir 2011 wieder die erste waren, die als gemeinnützige Körperschaft anerkannt wurde, nachdem wir im Mai die erste pastafarianische Kirche weltweit geweiht haben und seither regelmäßige Nudelmessen bieten, sind wir nun wohl auch die erste, die mit behördlicher Genehmigung an den Ortseingängen der Stadt auf ihre Nudelmessen hinweisen darf.  

Templin, Prenzlauer Allee

Den Antrag hatten wir im September gestellt. Als ich nach vier Wochen telefonisch nach dem Stand der Bearbeitung gefragt habe, gab es Grund zur Freude. Der Antrag wurde bewilligt. Allerdings erst einmal nur mündlich. Dann dauerte es noch etwas, bevor die Genehmigung auch schriftlich kam, dann mussten noch die Schilder bestellt werden, dann war es so weit. Heute habe ich die an allen vier wichtigen Ortseingangsstraßen Templins angebracht.

Templin, Lychener Straße
Das Anschrauben war fast schwerer, als die Genehmigung zu bekommen. Wahrscheinlich sind in der Uckermark die Behörden besonders weltoffen. Gut, was meinen Personalausweis mit religiöser Kopfbedeckung betrifft, kann man das nicht gerade sagen, aber als es damals um den Führerschein ging lief auch alles reibungslos. Das war übrigens auch weltweit der erste Führerschein mit pastafarianischer Kopfbedeckung, der aus religiösen Gründen genehmigt wurde. Nicht, weil das Nudelsieb Nikos, dessen Vorbild ich damals gefolgt bin, keine pastafarianische Kopfbedeckung ist. In Österreich gibt es, wie sich nach Nikos Antrag herausgestellt hat, einfach eine Gesetzeslücke, dank der man sich beim Führerschein alles aufsetzen kann, was nicht das Gesicht beschattet.

Templin, Vietmannsdorfer Straße
Eine weitere Überraschung war, dass die Schilder deutlich billiger waren als angenommen. 900,- bis 1200,- Euro waren im Netz als Kosten pro Schild angegeben. Wir sind mit allen zusammen noch deutlich darunter geblieben. Deshalb habe ich kurz überlegt, ob ich unseren Käptn Flunkenfug, der sich bereit erklärt hatte, die Kosten für ein Schild komplett zu übernehmen, nicht einfach frage, ob er nun alle übernimmt.

Templin, Zehdenicker Straße

Doch dann kam mir eine andere Idee. Warum sollten wir nicht euch die Möglichkeit geben, auch mit an unserer Aktion teilzuhaben und die Kosten und einen Teil der Folgekosten zu übernehmen? Vielleicht möchte der eine oder die andere von euch voller Stolz sagen können, ich war dabei, denn für dieses Schild bin ich Pate?

Klar, das kostet schon ein bisschen was und wir haben nicht mal viel zu bieten. Mehr als euch zu danken, euch den Titel "Nudelmessenhinweisschildpate" zu geben, eure Namen hier auf der Seite zu veröffentlichen (wenn ihr das wollt) und auf der Rückseite der Schilder zu vermerken, können wir nicht. Doch, eins noch, jedem Paten eine Patenbrief mit unserer Piratenfischbandana und unserer CD mit Pastfariliedern zu schicken.

Auf was es also wirklich ankommt ist, ob ihr einfach Lust habt, noch nachträglich Teil der Aktion zu werden und jedem voll Stolz von eurem "eigenen" Schild erzählen zu können, dem ihr das erzählen wollt.

Wem das einmalig 160,- Euro wert sind, der kann uns eine Mail schicken und fragen, ob noch ein Schild einen Paten sucht oder auch gleich das Geld überweisen. Sollte kein Schild mehr frei sein, eins geht ja schon an Käptn Flunkenfug, überweisen wir natürlich sofort zurück.

Und nun bin ich gespannt. Nicht nur, ob sich Paten finden, auch sonst auf eure Reaktionen.
Ich hoffe, ihr lobt uns tüchtig. ;)

PS. Ich habe den Text noch mal überflogen und denke, es braucht diesen Zusatz.

Ja, wir können stolz auf uns sein. Aber andere können das auch. Die russische, die polnische die italienische und sogar die türkische Kirche haben deutlich mehr Mitglieder als wir. Auch sie haben schon tolle Aktionen gehabt oder haben sie gerade. In der Türkei läuft z.B. eine Petition, mit der die Pastafari dort auf Kopftücher in Schulen reagieren. Sie möchten, dass auch ihre Kinder mit ihren Kopfbedeckungen in die Schule kommen dürfen. Da sollten auch wir mit unterschreiben.

Aus Italien hat mich gerade vor einer Stunde die Nachricht erreicht, dass dort ein neues Buch zum Pastafaritum veröffentlicht wurde. Leider bisher nur in italienisch, aber die Brüder dort wollen wenigstens eine kleine Zusammenfassung auf deutsch schicken. Vielleicht demnächst im Wort zum Freitag.





20.11.2014

Das Wort zum Freitag - Wenn die Zeugen zweimal klingeln

Foto: Steelman


Heute, meine Piratenschar, bin ich stolz, euch einen Gastbeitrag im Wort zum Freitag präsentieren zu können. Falko Pietsch, einer der besten Slamer, hat folgenden Text dafür zur Verfügung gestellt. Etwas länger, ja, aber es lohnt sich unbedingt, den auch zu lesen:

Man erkennt die guten Menschen am Rentner-Beige über der schlaffer werdenden Haut, an der immergleichen Schiebermütze - und dem absoluten Mangel an Takt: Die Zeugen. 
Sie praktizieren eine Form der Öffentlichkeitsarbeit, die in den 1920ern erfunden wurde, um Abonnenten für Zeitungen und Zeitschriften zu werben: Haustürvertretung. 
Kurz nach der Wende war die Methode vielleicht gerade noch so en vogue, um naiven Rentnern   Staubsauger,   Kaffeefahrten   und   Rheumadecken   anzudrehen.   Statt   wie  jeder andere   Anbieter   dubioser   Inhalte   mit   der   Zeit   zu   gehen   und   über   irgendwelche halbseidenen   Datenbanken   e-mail-adressen   zu   organisieren   oder   gleich   die   Cloud anzuzapfen, klingeln sie ungebeten an der Tür und stecken einem Heftchen minderer Qualität zu. Kurz gesagt: Klingeln und Vollabern ist dermaßen 1992.

Andererseits sitzen die Zeugen Jehovas seit 1914 auf gepackten Koffern und warten auf die Apokalypse. Wenn das irdische Leben ohnehin jederzeit endet - warum noch am Zeitgeist orientieren?
Zu hause ist man nicht vor ihnen sicher, aber auch nicht an öffentlichen Plätzen. Jede zweite Kreuzung, Fußgängerzone und Haltestelle haben sie okkupiert; selbst vor den Trutzburgen   der   Wissenschaft   schlagen   sie   Wurzeln:   An   Bibliotheken   und Universitätsgebäuden. Ich werte das als dreistes Manöver, ja, als Angriff.

Prinzipiell befürworte ich ja, dass Menschen den Weg zur Bibliothek finden. Sie sollten aber auch REINGEHEN und LESEN. Davor stehen zu bleiben allein hilft nicht.

"Wir haben die Frohe Botschaft für Sie. Sind sie an der Wahrheit interessiert?"
"Gern, immer. Und sie meinen, sie können mir da weiterhelfen?" gab ich zurück. 
Die beiden älteren Damen reagierten freudig auf mein scheinbares Interesse. Was mich in der  Annahme bestärkte, dass es Menschen gibt, die Ironie selbst dann nicht erkennen, wenn  sie ihnen mit nacktem Arsch voran ins Gesicht springt.  Jedenfalls war ich auf dem Weg  zum Abendessen bei einem befreundeten Paar und ohnehin zu früh dran. Da konnte ich  mir doch fünf Minuten Zeit nehmen für "die Wahrheit", oder?

"Fragen sie sich denn gar nicht, ob es einen Schöpfer gibt, der uns liebt?"
Ich persönlich fand es eigentlich schon immer wichtiger, dass man Familie und Freunde hat, denen man vertrauen und auf die man sich verlassen kann. Für den kafkaesken Über-Vater der Bibel war in meinem Weltbild daher nie Platz und er hat mir auch nie gefehlt. 
Aber gut.

"Sie meinen, Gott kann uns helfen? Ja? Bei Erderwärmung und Euro-Krise?" Mühsam verkniff ich mir die Frage, ob Gott auch was gegen den Papst unternehmen könnte. Man soll nicht zu viel verlangen. Erstmal Weltfrieden... klein anfangen.

"Ja, sehen sie: Die Katastrophen, die wir derzeit erleben - das sind die Vorboten auf das Reich Gottes. Die Erdbeben und Tsunamis, die Kriege und der Hunger. Jesus kehrt bald wieder und wird die Gerechten ins Paradies führen."  
"Das find ich klasse. Wäre es nicht nett, Jesus käme jetzt schon, würde den Leidenden, Hungernden und Obdachlosen ihr Elend ersparen und sie geradewegs durch die goldenen Pforten geleiten?" 
"Es wird schon bald passieren. Die Leiden sind eine Prüfung, die Gott uns gibt. Wir müssen IHN erkennen und in seinem Geiste leben, um Erlösung zu finden." Ihre Begleiterin lächelte bestätigend und beinahe vorfreudig.

"Das klingt mir etwas zu abstrakt. Was genau muss ich denn tun?"
"Lesen sie die Bibel. Nehmen sie sich das Wort Gottes zu Herzen."

Fange ich jetzt eine Diskussion mit ihr an, dass die Bibel ja doch zweifelsfrei 
Menschenwerk ist? Dass es von geschätzten dreißig Evangelien ganze vier ins Neue Testament geschafft haben? Dass die Schriften von Thomas, Philipp und gar vom Heiligen Petrus vernichtet wurden - immerhin: War er, Petrus, nicht Jesu liebster Apostel und erster Papst? Was, wenn ich ihr vom Evangelium der Maria Magdalena erzähle und ihrer alles andere als platonischen Beziehung zum vermeintlichen Jesus? - Wird die fromme Zeugin sich dann das Buch der Offenbarung in die Ohren stopfen und im Kopf rasch das Vater-
Unser aufsagen?   

"Wir dürfen uns nicht dem verdorbenen Zeitgeist hingeben und all den Lastern. Gott will nicht, dass wir Unzucht treiben, uneheliche Liebe und... na, sie wissen schon, ... diese Schwuchteln. Das werden ja auch immer mehr."

Ich simulierte Verwunderung: "Ach, Sie meinen, Homosexuelle kommen nicht ins Paradies?"
"Ich bitte sie, die sind doch krank!" entfuhr es ihr, erschrocken über mein Unwissen. Die zweite im Bunde schüttelte sich, als müsste sie sich von dem Gedanken befreien. Und hastig blätterten sie synchron in ihren Bibeln. 

"Sie haben Gott nicht erkannt. Sie trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung. Sie sind voll Ungerechtigkeit und Schlechtigkeit. Wer so handelt, verdient den Tod. ... Römerbrief, 1,26." 
Stolz und erleichtert tippten sie nachdrücklich auf die betreffende Seite. Ich konnte ihre Freude nicht ganz teilen.

"Gott liebt also nicht alle Menschen auf die gleiche Art?" fragte ich enttäuscht. 
"Freilich nur die, die nach seinen Geboten leben. Er hat Mann und Frau gemacht, damit sie einander lieben und Kinder machen können. Alles andere ist gegen seinen Plan und widernatürlich."
"Sind wir nicht alle seine Geschöpfe?"
"Ja, sicher."
"Die Tiere und die Menschen?"
"Ja, sicher."
"Und hat er uns nicht auch mit Trieben und Instinkten ausgestattet, damit wir 
überleben?" "Ja, alle Kräfte im Menschen und in allem, was lebt, kommen von Gott."
... "Wenn doch aber bislang bei über 90% aller Säugetierarten mitunter homosexuelles Verhalten beobachtet wurde? Kommt das dann nicht auch von Gott? Und ist es dann nicht der Natur entsprechend?" 

Für eine Sekunde dachte ich, jetzt hätte ich die Zeugen 
bei den Eiern. Mich überkam ein innerer Vorbeimarsch. Wenn alles Gottes Schöpfung ist, dann muss doch auch all das gut sein, was Gott geschaffen hat? Da kann es doch unter denkenden Menschen keine zwei Meinungen geben!

"Die Tiere kennen nicht Gottes Gesetz. Sie haben keine Vernunft. Der Mensch aber kennt Gottes Wort und muss seine Triebe zügeln." Diese Damen waren schlagfertig, gut trainiert.
Zugegeben. Mich streifte das Bild, wie man ihnen den Kopf aufgeflext haben musste, um drinnen kräftig durchzubohnern; dann zwei Bibeln rein als Dämmmaterial gegen die Kälte und wieder zugemacht. Meine Blicke suchten ihre Schläfen unauffällig nach Schweißnähten ab.

"Woher kommen diese Triebe dann aber, wenn nicht von Gott? Warum gibt Gott manchen Menschen Begierden, die er für verwerflich hält?"
"Sie vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit Bildern eines 
vergänglichen Menschen. Darum lieferte Gott sie entehrenden Leidenschaften aus. Die  Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen; ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander. Römerbrief 1,23." 

Und wieder schauten sie einander beglückt an, denn sie hatten die 
Antwort in ihrer Bibel gleich gefunden. Ich begann, diesen Gott reichlich perfide zu finden, der die Ungläubigen mit Trieben straft, die in seinen Augen Sünde sind - nur um sie nachher noch mit Tod und Höllenfeuerein zweites Mal peinigen zu können. Ich entschloss mich, die Strategie zu wechseln:

"Jetzt mal Gott beiseite: Hat ihnen ein homosexueller Mensch je etwas böses getan?"
"Nein, aber... entschuldigen sie, das hat Gott nicht gewollt. Wenn sich zwei Männer küssen, das ist doch ekelhaft."
"Gut, es wäre sicher nichts für mich... aber: bei zwei Frauen, meinen sie nicht, da drückt Gott ein Auge zu und schielt mit dem zweiten?" fragte ich schelmisch.
Wieder schüttelte es die beiden Damen.
"Im ernst: ich finde auch Menschen eklig, die Muscheln schlürfen; nur weil ich etwas eklig finde, ist das noch lange kein Grund, es zur Sünde zu erklären."

"Ihr sollt nicht essen, was aus dem Meer kommt, doch weder Schuppen noch Flossen hat. Levitikus 11,10." - "Und Deuteronomium 14,11!", fügte die zweite schnell hinzu. Gott schien mit seiner Abneigung gegen Meeresfrüchte auf meiner Seite zu sein. Andererseits: Heuschrecken, Gazellen und Lämmchen zu schlachten, findet er okay.  Levitikus 11,22. ... Gott und ich könnten uns nie auf ein gemeinsames Buffet einigen.

"Darf ich sie etwas Privates fragen?"
"Nur zu, junger Mann, fragen sie!"
"Gott hat also Mann und Frau als Paar geschaffen, damit sie sich vermehren können und nach seinem Gesetz leben."
"Ja."
"Wenn ich so indiskret sein darf: Sie sind etwa 70 Jahre alt..."
"74!"rief sie lächelnd aus und war offenbar geschmeichelt.
"...sie haben also sicher einen liebenden Mann, Kinder und auch Enkel?"
Sie stockte einige Sekunden. Und mit mütterlich-sinnierendem Tonfall erklärte sie mir, dass es nur einen Mann in ihrem Leben gegeben habe. Da sei sie 18 Jahre alt gewesen. Aber Gott habe ihr gezeigt, dass er nicht der richtige war. Und seitdem war sie allein geblieben.

"Haben sie es je mit Frauen ausprobiert?" hakte ich nach und biss mir augenblicklich auf die Zunge. Sie wurde rot ... und ich wusste nicht, ob vor Wut ... oder vor Scham. Mein Bus kam, ich verabschiedete mich eilig und ging zur Haltestelle. Ich war ja noch zum Essen eingeladen. 
Sie tat mir leid, die alte Dame, dass sie über 50 Jahre lang auf alle leiblichen Freuden verzichtet hatte. Was mich jedoch ekelte, war, dass sie der Welt jene Beziehungsratschläge und Sexualmoral aufzwingen wollte, die sie in ihrem antiken Mythenbuch gefunden hatte.
Eine Paartherapeutin mit Soziophobie. Prost Mahlzeit.
Ein Mensch mit Höhenangst wird schließlich auch kein guter Fluglehrer, nur weil er mal ein Buch über Zugvögel gelesen hat.
Als ich bei Florian und Tom klingelte, öffnete ihr vierjähriger Sohn grinsend die Tür.


Es gab Muscheln. 

Na, habe ich zuviel versprochen? Es hat sich gelohnt, das zu lesen. Noch besser ist nur, das von Falko live zu hören. Wer die Gelegenheit hat, unbedingt hingehen. 

Aber auch ernsthaft kann Falko richtig gut. Hier ein Video mit ihm, in dem die Pascalsche Wette auseinander genommen wird. Er ist der ist der Typ mit dem Bart.



13.11.2014

Das Wort zum Freitag - Helft der ZEIT ONLINE



Diese glaubensoffene Zeitschrift hat ihre Leser aufgefordert in kurzen Artikeln zu schildern, wie sie zum Glauben gefunden oder den verloren haben. Weil sich nur Christen meldeten, gab es extra eine Aufforderung an Nichtchristen, sich zu beteiligen. Natürlich habe ich sofort reagiert.

Erschienen ist mein am 06.11.14 eingereichter  Beitrag jedoch nicht. Vielleicht habe ich einfach zu schlecht geschrieben? An der Religion kann es nach der obigen Aufforderung ja nicht gelegen haben.

Deshalb bitte ich euch, meine Schwestern und Brüder, schreibt auch ihr an die Zeit. Hier findet ihr einen Beitrag vom 08.11.14 zur Orientierung. Eigenartiger Weise wieder von einem Christen. Ihr seht also, es ist dringend nötig, dass auch ihr zu Feder greift und diese Serie komplett macht. Schickt euren Beitrag, der nicht mehr als 3000 Zeichen habe sollte, an leseraufruf@zeit.de und vergesst nicht das Stichwort "Glaube" im Betreff sowie euren Namen und Adresse unter dem Text. Helft der ZEIT! :)

Mein Beitrag sah übrigens so aus:

Nichts geht ohne Pasta

„Gott ist allmächtig und gütig“ hatte ich schon oft gehört und immer ein bisschen geschmunzelt.
Nun hat sich mein Leben geändert. Zum Guten, denn als Atheist, der ich vor meiner Erweckung war, ist das Leben kompliziert und voller Selbstvorwürfe.

Aufgewachsen bin ich im Osten in einer „Bergarbeiterwohngemeinde“. Der Umgangston dort war eher rau, die Ansprachen direkt und man hatte zwar davon gehört, dass manche Leute kirchlich wären, kannte vielleicht sogar welche, aber ein Rolle hat das nie gespielt. Irgendwann erfuhr ich, dass Oma, Opa und mein Vater evangelisch waren und meine schon verstorbene Mutter neuapostolisch. Weil man sich nun nicht einig war, wie ich getauft werden sollte, wurde ich es gar nicht. Glück gehabt.

Nein, nicht weil ich was gegen Glauben habe. Es sollte nur der richtige sein. So war ich einfach offen für den, der wirklich zu mir passt und nicht durch meine Umgebung vorgeprägt ist. Bis ich den allerdings fand, dauerte eine Weile. Mehr als 50 Jahre. Das ist nicht wirklich verwunderlich, denn das Pastafaritum ist eine sehr neue und frische Religion. Erst 2005 hat sich das Fliegende Spaghettimonster offenbart und ist seit dem eine, vielleicht sogar die am schnellsten wachsende Religion. Schon über 30 Millionen sind wir weltweit.

Es hat mich sofort erfasst, als ich die Botschaft unseres Propheten Bobby Henderson vernahm. So einleuchtend, so klar und, vor allem, so zeitgemäß war die, da wusste ich sofort, mit dem Atheismus ist es bei mir vorbei. Ganz besonders gefällt mir, dass wir keine Dogmen akzeptieren und alles hinterfragen müssen. Dadurch war der Umstieg vom Atheismus nicht so schwer.

Schwer war eher, dass ich noch niemand hatte, mit dem ich über meinen neuen Glauben reden konnte. Irgendwann konnte ich nicht mehr anders und habe mich meiner Frau offenbart. Das war nicht leicht für sie, sie war zunächst alles andere als Feuer und Flamme. Doch dann kam auch bei ihr die Neugier und kurz danach war ich nicht mehr der einzige Pastafari in unserer Familie. Schnell kam dann noch unser Sohn, der schon lange selbstständig war, dazu. Noch größer wurde die Freude, als sich weitere Pastafari aus Berlin und dem Barnim meldeten, wir wohnten inzwischen in der Uckermark, mit denen wir uns trafen. Es wurden regelmäßige Treffen, wir entwickelten Zeremonien und gründeten schließlich eine Kirche. Die wuchs und wuchs und ist heute gemeinnützige Körperschaft. Es macht stolz, so eine Gemeinschaft wachsen zu sehen. Wichtiger ist aber das große Vergnügen, das Empfinden von Gemeinschaft und das Wissen, mit dem Tod muss nicht alles vorbei sein. Ja, auch wir haben einen Himmel in dem wir dann verwöhnt werden: Mit einer Stripper(innen)fabrik und einem Biervulkan.

Bis dahin ist es aber hoffentlich noch ein bisschen hin. Pastafari leben gern auf der Erde. Nur manchmal tut es etwas weh, wenn andere uns als Spaßreligion bezeichnen. Die meinen es sicher nicht böse. Manchmal verstehe ich sie sogar, wenn wieder mal jemand mit einem Nudelsieb auf dem Kopf zu sehen ist und behauptet, er wäre Pastafari. Das muss ja komisch wirken.

Tatsächlich ist diese Alberei nur eine aus Unwissenheit in Österreich entstandene Unsitte, die nichts mit unserem Glauben zu tun hat. Pastafari, so sagt es unser Evangelium völlig eindeutig, stammen von Piraten ab und haben sich als solche zu kleiden. Auch, um die Erderwärmung zu stoppen. Es ist statistisch klar erwiesen, dass zeitgleich mit dem Aussterben der Piraten die Erde immer wärmer wurde. Das muss sich wieder ändern.

Mit ein Teil derer zu sein, die das mit offenem Herzen und freiem Sinn angehen, gibt ein tiefes Gefühl der Befriedigung. Mehr noch, es stärkt die Persönlichkeit eines jeden von uns. So gibt mir und anderen Pastafari unsere Religion, die uns zwar Spaß macht, aber die wir doch sehr ernst nehmen, die Möglichkeit, aus eigener Kraft und nicht auf Kosten anderer erfolgreich durch das Leben zu gehen.  

11.11.2014

Heute feiern wir das Marzianifest - feiert alle mit



Damit ihr nicht vergesst, heute anderen großzügig Nudeln in die Tasche zu stecken, hier noch mal die schöne Geschichte, wie dieser pastafarianische Brauch entstanden ist:
Wer von euch Pastafari weiß eigentlich noch, woher das Marzianifest seinen Namen hat?

Wir alle kennen die Marziani. Sie erinnert uns irgendwie an die Mittelgräte eines Piratenfisches.

Vor so langer Zeit, dass die Geschichte fast in Vergessenheit geriet, zog ein sehr alter und sehr hungriger Mann durch die Straßen seiner Stadt. Es war November, ein besonders nasskalter. Seine Beine trugen ihn kaum noch, als er gegen den Sturm ankämpfte. So klopfte er an die Türen der Häuser, um nach Essbarem zu fragen. Aber er hatte wenig Glück. Einen einzigen Fisch bekam er geschenkt. Den verschlang er heißhungrig und steckte dann die Gräten in seine Manteltasche. Er wollte sich ein Feuer machen und die Gräte auskochen, um so noch ein heißes Getränk zu bekommen, das ihn wärmen sollte.

Als er so am Feuer saß, kamen Kinder vorbei. Sie hatten sich beim Spielen verspätet, es war ihnen kalt und so setzten sie sich kurz mit ans Feuer, um sich zu wärmen. Als sie sahen, was für eine karge Mahlzeit da am Entstehen war, fassten sie den Entschluss, den Alten einfach mit nach Hause zu nehmen.

Im November, dem Monat, in dem die Piratenweiber Nudelvorräte für das ganze Jahr bereiten, ist es warm in jeder Kate. Außerdem fällt immer mal was ab für einen, dem die Knochen schon fast klappern, weil kein Gramm Fett mehr auf seinen Rippen ist.

So wurde der Fremde freundlich aufgenommen und bekam einen ordentlichen Teller Nudeln vorgesetzt. Mit dem noch unverarbeiteten Teig formten die Kinder die Nudeln in neuer Form, um ihrer Mutter Marzia zu zeigen, woraus der Alte sich Suppe kochte. 

Das rührte die Mutter so sehr, dass sofort weitere Nudeln formte, die dann bald überall Marziani genannt wurden. Als sie getrocknet waren, stopfte sie so viele in die Taschen des Alten, dass die Taschen fast die Form von zwei Fleischbällchen hatten. Er sollte so schnell nicht wieder Hunger verspüren.

Als sie ihm jedoch ein Nachtlager anbieten wollte, denn es war inzwischen stockfinster, verabschiedete sich der Alte. Er musste weiter, hatte ein paar Orte weiter eine kranke Frau zu versorgen. Das gutherzige Piratenweib schickte die Kinder auf den Boden, um die Laternen zu holen. Sie sollten den Alten noch ein Stück Wegs aus der dunklen Siedlung der Piraten begleiten, damit er heil zu seiner Kate fand.

All das geschah am 11. November und wurde von Generation zu Generation weiter erzählt. Seither feiern alle Pastafari den 11. November, indem sie sich abends ums Feuer versammeln. Ein großer Kessel mit Marziani köchelt und auch andere Leckereien werden gereicht. Jeder darf sich bedienen, ob arm oder reich. Alle Menschen der Umgebung sollen teil haben an der Freude der Piraten.

Geht das Fest seinem Ende entgegen, bekommt jeder, der es verlässt, eine Marziani in die Jackentasche gesteckt, damit ihm niemals die Pasta ausgeht. Dieser Brauch hat sich bis heute erhalten, wie auch Lampionumzüge der Kinder.

06.11.2014

Das Wort zum Freitag - Pastafarianische Trauung




Nichts hält die Gemeinschaft der Piraten besser zusammen, als gemeinsame Zeremonien. Schon früh haben wir deshalb welche entwickelt. Als erstes natürlich die Nudelmesse. Dann kam die Taufe, ja vor der Trauung. :)  Aber die kam auch und sie scheint recht erfolgreich zu werden. Am letzten Wochenende hatten wir in Frankfurt/Main schon die dritte. 


Ganz piratig haben Farfellina Carbonara und Bruder Gnocchi Gorgonzola, Herr des flammenden Nudeltodes, sich auf einem Schiff auf dem Main das Aye gegeben. Ein Schiff voller Piraten, denn auch alle Gäste waren welche, schipperte da den Fluss lang.

Wer sind die nächsten? Wir stehen bereit.

30.10.2014

Das Wort zum Freitag - Der direkte Draht zu Ihm



Wischen ist für viele von uns schnöde nervige Hausarbeit. Aber das täuscht, liebe Brüder und Schwestern. Auch ich fand das Wischen nicht gerade besonders aufregend. Allerdings bin ich jüngst von Ihm erleuchtet worden. Ich wischte so vor mich hin, die Hände hatten zu tun, die Beine folgten und der Kopf hatte Pause. Halbherzig und halb dösend bearbeitete ich den Fußboden. Da kam es, das Zeichen, das überfallartig meinen dösenden Zustand beendete.
Ich sah mir also meinen fransigen Mop genauer an. Falls ihr auch wollt, seht hier

Nudlige Anhängsel“, schoss es mir unterm Piratenkopftuch hervor. Ein Zeichen!

Noch nie benutzte ich meinen Mop trocken, um den Staub von einer Ecke in die andere fliegen zu lassen und schaute nachdenklich in den Wischeimer mit Wasser. Unser Monster liebt das Wasser und die Piraten. Früher belächelte ich alle Hausfrauen, die sich bei staubiger Arbeit ein Kopftuch in piratiger Manier umbanden. Jetzt ist mir klar, dass sie Pastafari waren, die aber aufgrund ihrer Unorganisiertheit nicht zu erkennen waren. Eine Hausfrau kommt bekanntlich wenig herum und stand damals obendrein ohne Internet und Smartphone o.ä. da. Außerdem wäre es bei der älteren Generation sicher nicht ganz ungefährlich gewesen, sich als Pastafari erkennen zu geben.

Ich tauchte also mit einem breiten Lächeln im Gesicht die nudligen Anhängsel meines Monstermops ins angewärmte Nass. Etwas Luxus darf schon sein. Mit großer Freude setzte ich meine Arbeit fort, bis aller Staub entfernt war. Die Staubteilchen, die die direkte Verbindung zu Ihm hätten verwirbeln oder gar verhindern können, waren beseitigt.

Jetzt, da ich meine Erkenntnisse aufschreibe, um sie mit euch zu teilen, überkommt mich das unbändige Verlangen, sofort den Monstermop zu holen, das Piratentuch zu binden und mich der Hausarbeit zu widmen. Seid also nicht böse, dass ich mich heute kurz fasse und tut es mir ggf. nach. So haben wir alle am Freitag den direkten Draht zu Ihm geebnet.

Ramen


Eure Deckschrubberin Elli

23.10.2014

Das Wort zum Freitag - Im Namen der Nudel



Es kommt spät heute, das Wort zum Freitag. Dafür ist es aber ein ganz besonders schönes. 

Decksmann Sprottenköder wurde vom IHM erleuchtet. Die Worte flossen nur so aus ihm heraus und wurden zur Melodie. Schön, wie da die Finger über die Saiten und noch so manches andere glitten. 

Freuet euch, Pastafari, auf "Im Namen der Nudel"