08.11.2018

Das Wort zum Freitag - Hochzeit mit Zugabe


Schlimmer hätte es nicht anfangen können. Gerade waren die ersten Hochzeitsgäste eingetroffen, da kam die Nachricht, andere sind auf der Autobahn liegen geblieben. Glücklicherweise nur mit defektem Anlasser. 


Von da an war das Monster aber voll bei uns. Alle anderen kamen heil an und die Stimmung war sofort riesig. Auch das Fernsehteam war genau so unauffällig, wie bei der Absprache ausgemacht. Ihr Bericht ist toll geworden, was mit besonders freut, weil wir noch keine Bilder von der Hochzeitsfotografin bekommen haben. So können wir euch wenigstens den zeigen. Kurz sind auch die Hochzeitstorten zu sehen. Die sahen einfach toll aus.




Bei der Demo für unsere Gleichberechtigung am nächsten Tag war die Fotografin schon nicht mehr dabei, und wir haben selbst geknippst. Start war das Neue Rathaus. Dort hatte ich beim letzten Besuch Kreidezeichen über der Tür entdeckt. Die waren nicht, wie ich dachte, Gaunerzinken, sondern irgend ein katholischer Zauber. Weil so etwas in öffentlichen Gebäuden nichts zu suchen hat, mussten wir den unschädlich machen. Das ging nur mit einer kompletten Weihe des ganzen Hauses. Mit Dudelsack und Nudelwasser ging es zunächst zu einer Ecke des Hauses. Mit einem Segensspruch wurde diese mit SEINEM Wasser besprengt. 


Das wiederholte sich an der anderen Ecke.



Letztlich beteten wir gemeinsam vor dem Eingang: Oh du unser Monster, mögest du allen falschen Zauber von diesem Hause nehmen und machen, dass in ihm nur noch weise und bürgernahe Entscheidungen getroffen werden. 


Als es dann weiter Richtung Maria-Magdalenen-Kirche ging, hatte sich uns schon eine Gruppe Radfahrer angeschlossen. Da war die Reporterin des Nordkuriers schon weg, die in ihrem Bericht von 14 Teilnehmern sprach. Die Berliner Zeitung hat uns noch einen mehr zugebilligt. Tatsächlich waren wir 18 und auf dem Marktplatz zur Messe sogar über zwanzig. 



Die Polizei war auch gut und locker drauf und hat uns sicher geleitet.



 Einen Zwischenhalt gab es noch an der Kirche.



Anlass war dieses Werbeplakat. Das hatten wir, ganz entsprechend der Bestimmungen, am ersten Mast der mindestens 10m von der Kreuzung weg ist, aufgehangen.
Von allen aufgehangenen Plakaten war dies das einzige, was gestohlen wurde. Wir hängten es neu auf und zur Demo hing es noch. Als wir es abnehmen wollten, war es wieder verschwunden. Ich werde wohl mal bei der Pfarrerin nachfragen, ob sie uns helfen kann, die wieder zu beschaffen.


Die Messe auf dem Marktplatz kam gut an, auch Landratten haben am Abendmahl teilgenommen.
Vor allem aber haben wir nun in Röddelin eineinhalb neue Pastafari. Einer wird sogar Vereinsmitglied. Auch ein Almist war dabei, erkennbar am Nudelsieb. Unser Bruder kommt aus Russland und sicher werden wir auch ihn einmal wieder sehen. Vielleicht schenken wir ihm dann  eine Bandana.




01.11.2018

Das Wort zum Freitag - Auf zum Europäischen Gerichtshof


unter Verwendung eines Bildes von Cédric Puisney

Es ist mir ein dringendes Bedürfnis, diesem Wort eine Erklärung voran zu stellen:

Ich bin kein Verschwörungstheoretiker!

Zu dieser Vermutung könnte vielleicht der eine oder andere regelmäßige Leser kommen. Habe ich doch bereits einmal darüber berichtet, wie eine hochgradig abergläubische Person, Schwester einer Bischöfin und damals Kulturministerin von Brandenburg, regelwidrig unsere Nudelmessenhinweisschilder verboten hat.

Nun hat wiederum eine hochgradig abergläubische Person, aktives Mitglied einer katholischen Studentenverbindung, verhindert, dass über die Rechtmäßigkeit dieser Schilder, verbunden mit unserem Status als Weltanschauungsgemeinschaft, höchstrichterlich entschieden wird. Da könnte man schnell zum Schluss kommen, hier hat sich jemand gegen uns verschworen.

Was so ähnlich klingt, ist aber etwas anderes.
Sabine Kunst, jetzt Chefin der Humboldt Uni Berlin, und Ferdinand Kirchof, Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichtes, frönen zwar einem ähnlichen, doch nicht dem gleichen Aberglauben.


Sabine Kunst hat seinerzeit ihre Entscheidung zwar falsch, aber immerhin begründet.
Ferdinand Kirchof hat davon Abstand genommen.

Sabine Kunst hat eine einsame Entscheidung getroffen.
Ferdinand Kirchof hat gemeinsam mit Richterin Ott und Richter Christ (!) entschieden.

Sabine Kunst hat höchstwahrscheinlich in klarer Verteidigungshaltung ihrer eigenen Weltanschauung kompetenzüberschreitend eine andere bewusst benachteiligt.
Bei Ferdinand Kirchhof sehe ich das anders.
Bei einem noch amtierenden stellvertretenden Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes kann man davon ausgehen, dass er privat und dienstlich trennen kann. Schwer könnte dass allerdings werden, wenn höchste Richter eng mit der Kirche zusammenarbeiten und sich sogar willig vom Papst persönlich einseifen lassen, wie einst in Freiburg geschehen. Vielleicht liegen auch dort die Gründe für Entscheidungen wie diese:
"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil eine weltanschauliche Betätigung des Beschwerdeführers nicht plausibel gemacht wurde. Von einer Begründung im Übrigen wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen. Diese Entscheidung ist unanfechtbar."

Entscheidungen des BVerfGG sind immer unanfechtbar, das hat mich nicht getroffen. Als völlige Missachtung der durch die eingereichte Verfassungsbeschwerde gut begründeten Interessen unserer Weltanschauungsgemeinschaft empfand ich jedoch, dass keine Begründung geliefert wurde. Das Gesetz lässt das zu, aber in unserer Beschwerde ging es auch um Grundsätzliches, wie um die genaue Definition von Weltanschauungsgemeinschaft. Da sollte schon ein bisschen mehr kommen, als diese drei Sätze.

Wir hatten uns beim höchsten deutschen Gericht mehr versprochen. Wir waren sicher, es wird zumindest verhandelt. Die Hoffnung, dann auch ein positives Urteil zu bekommen, war nicht all zu groß. Dazu kennen wir die KirchenrepublikDeutschland zu gut.

So sehen wir dann auch diese Abweisung der Beschwerde eher positiv. Wir waren von Anfang an darauf eingestellt, auch auf europäischer Ebene unser Recht zu suchen. Dort werden wir nun sehr viel früher sein. Bis zu einer Verhandlung vor dem BVerfG hätte es noch Jahre gedauert, die wir nun sparen.

Auch Polen und die Niederlande streiten bereits. Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied. Die streiten für die Anerkennung als Religion, wir für die als Weltanschauungsgemeinschaft. Es wird darauf ankommen, diesen Unterschied richtig heraus zu arbeiten.

Aber es kommt auf noch viel mehr an. Auch die europäischen Richter könnten selbst abergläubisch sein, auf jeden Fall sind sie so sozialisiert. Aberglauben durchzieht noch heute unsere und andere Gesellschaften und ist zum Teil sogar wieder im Anstieg.
Lasst uns darum kämpfen, jeder an seinem Platz mit seinen Mitteln, dass wir diesen Aberglauben klar als solchen benennen. Es gibt keinen Grund, zwischen der Angst vor schwarzen Katzen, Wahrsagen, Voodoo, Hexerei und anderem oder organisiertem Aberglauben, wie ihn die Religionen bieten, einen Unterschied zu machen.

Nehmen wir dem Aberglauben den Respekt, den manche ihm noch entgegen bringen. Klären wir auf, dass mehrere tausend Jahre alte Regeln nicht taugen, heutige Gesellschaften zu lenken, sondern diese behindern.

Aber, und das ist ganz wichtig, bieten wir auch etwas, was den Einzelnen wie die Gesellschaft vorwärts bringt. Bieten wir unterschwellig unsere 8 ALWM´s an und machen wir mit den 10 Angeboten des evolutionären Humanismus weiter.
Dieser Humanismus, der sich ständig selbst an aktuellen Erkenntnissen erneuert, ist das, was wir zu bieten haben.

Nehmt es an und tragt es weiter.



26.10.2018

Wort zum Freitag – Weltnudeltag



Das Wort zum Freitag schließt den Weltnudeltag ab, der am 25.10. gefeiert wird. Damit sind die Nudeln und mit ihnen sicher auch das Monster, das erste Lebensmittel mit weltweitem Feiertag.

Passend zur Feier des Tages gibt es auch Neuigkeiten aus der Welt des Rechts. Die Richter des Bundesarbeitsgerichts in Sachen Kirchenarbeitsrecht, haben entschieden, ob die Kirchen in Stellenausschreibungen generell auf die Religionszugehörigkeit der Bewerber Augenmerk legen dürfen. Auch hier haben die Kirchen, wie immer, mit aller Kraft versucht, ihre ungerechten Regeln, die keine vernünftige Grundlage haben bis zum Letzten zu verteidigen, statt mit der selbst gepredigten Offenheit und Nächstenliebe, musste nun wieder ein Gericht, hier über den Umweg des EuGH, der Vernunft Gehör verschaffen.

Umso mehr stellt sich wieder einmal die Frage, wo denn bitte der Grund für diese absurde Forderung war. Die Stelle war nicht mit der Verbreitung der Glaubenslehre beauftragt, trotzdem wurde irrwitzigerweise wieder einmal indirekt unterstellt, man könne als Atheist, mehr noch als Nichtchrist, keine höheren moralischen Werte haben.

So zeigt sich auch zum Weltnudeltag wieder einmal wer Wasser predigt und Wein trinkt. Könnte es besser zusammenkommen?

Eigentlich kaum, genießt euren Freitag, auf das Urteil erstmal einen großen Teller Nudeln!(ee)

18.10.2018

Das Wort zum Freitag -
Nudelsieb, die x-te



Eriks Wort vom letzten Sonnabend hat großes Echo gefunden. Zunächst persönlich. Mienke de Wilde hat sich gemeldet und war erstaunt, warum wir davon ausgegangen sind, sie kommt nun nicht mehr nach Templin. Darauf hatte ich ihr gleich persönlich und öffentlich in einem Kommentar geantwortet. Dort bin ich auch schon kurz auf die inhaltlichen Aspekte eingegangen.
Es scheint aber angebracht, auf die und konkret auf unsere Ablehnung des Nudelsiebs, noch einmal näher einzugehen.

Sammeln wir erst einmal die Fakten.

Wir haben uns 2006 gegründet. Bis 2011 war es allen Pastafari weltweit klar, wir haben Piraten zu sein. Da ist das Evangelium eindeutig. Piraten sind Sein auserwähltes Volk, wir haben uns zu bemühen, Piraten zu werden, Gebete werden eher erhört, wenn man Piratenornat oder wenigstens eine Augenklappe trägt und nur mit genügend Piraten können wir die Erderwärmung stoppen. Ganz eindeutig wollte uns das Monster als Piraten, nichts anderes:

" Außerdem zeugt es von mangelndem Respekt, unseren Glauben zu verbreiten, ohne das Ornat Seiner Wahl zu tragen - die Kluft der Piraten. Das lässt sich gar nicht genug betonen, allerdings leider nicht näher erklären, weil hier der Platz dazu nicht reicht. Die präzise Erklärung lautet:

ES wird böse, wenn wir es nicht tun."

Das änderte sich 2011. Niko Alm, damals Vorsitzender des Zentralrats der Konfessionsfreien, wollte schon früher ein  Zeichen gegen Kirchenprivilegien setzen. Ausgesucht hatte er sich die Sonderregel mit den Kopfbedeckungen auf der Fahrerlaubnis. Vom Fliegenden Spaghettimonster hatte er gehört, aber sonst wohl nichts darüber gewusst. Auf jeden Fall nicht, was Pastafari zu tragen haben. Deshalb hat er etwas genommen, was es in seiner Küche gab, ein Nudelsieb. Der Führerschein mit dem war ihm genehmigt wurden. Wie sich selbst für manche Behörde erst in der Auseinandersetzung darum herausstellte, gab es im österreichischen Recht schlicht eine Gesetzeslücke. In Deutschland steht irgendwo "Für die Fahrerlaubnis gelten beim Lichtbild die gleichen Vorschriften wie für den Personalausweis". Diesen Satz haben die Ösis schlicht vergessen. Deshalb kann sich dort beim Führerschein, nicht aber beim Perso, jeder aufsetzen, was er möchte, egal ob religiös oder gar nicht begründet. Somit gab es keine Möglichkeit für die Behörde, Niko seinen Führerschein zu verweigern.

Inzwischen war er Mitinitiator der Initiative gegen Kirchenprivilegien. Da fiel ihm die Fahrerlaubnis ein, die schon zwei Jahre auf dem Amt lag und auf Abholung wartete. Er veröffentlichte sie und das Nudelsieb war in der Welt.

Wir fanden die Aktion toll, haben uns aber gleich gefragt: Wieso Nudelsieb? Das kam für uns nicht in Frage. Wir wollten weiter dem Spaghettimonster und dem Evangelium folgen und haben das auch begründet. Alle, die Niko Alm folgen und ein Nudelsieb tragen, nannten wir fortan Almisten.

Aber natürlich sind wir keine normale Religion, in der Abweichler bekämpft und teilweise sogar komplett ausgerottet werden. Wir sehen die Almisten nicht als Feinde, wir helfen ihnen sogar, wenn wir können. So haben wir ihnen Grafiken und Flyer zur Verfügung gestellt und auch mit geworben, als sie für ihren Rechtsstreit unbedingt 300 Mitglieder brauchten:

"Deshalb lade ich euch nochmals ein, werdet Mitglied unserer Gemeinschaft wenn ihr aus Deutschland kommt und erklärt euch amtlich als Pastafari, wenn ihr Österreicher seid. Auch in der Schweiz gilt es, sich zusammen zu schließen. Wem das alles nichts ist, gründet eine Gemeinschaft. Gemeinscahft macht nicht nur stark, sondern auch Spaß. Aber letztlich gilt immer:


Viele Wege führen zum Biervulkan!"

Aufforderungen, dass auch wir das Nudelsieb offiziell als Kopfbedeckung anerkennen, lehnen wir allerdings ab. Das wird auch so bleiben, denn wir haben gute Gründe dafür.

1. Ja, das Pastafaritum kennt keine Dogmen, aber keine Dogmen zu haben, bedeutet nicht, keine Regeln zu haben. Da gibt es vor allem drei Punkte, die wir für wichtig und unbedingt erhaltenswert ansehen, das Prinzip Pastfaritum = Piratentum,  die 8 ALWM´s und die Pflicht zum Zweifel. 

Was heraus kommt, wenn man das eher locker sieht, zeigt sehr schön die bekannte, aber völlig unsinnige Losung "ES kochte für unsere Sünden". 
Was für ein Blödsinn, der ganz klar zeigt, es funktioniert eben nicht, christliche Standards einfach zu übertragen. 

Sünden sind Verstöße gegen göttliche Gebote. Die gibt es bei uns gar nicht, also auch keine Sünden. Mal völlig davon abgesehen, dass dieses alberne Konstrukt überhaupt nur Sinn macht bei einem schizophrenen Gott. Nur wenn die Bewusstseinsspaltung mindestens zwei in eins erzeugt hat, kann ja eins geopfert werden, damit das andere zufrieden ist. 

Bei uns braucht niemand gekocht zu werden, ES ganz gewiss nicht. ES ist der Schöpfer, der von Anfang an so war.

2. Philosophisch gesehen ist das Nudelsieb ein Antisymbol, ein Symbol gegen Kirchenprivilegien. 

Durch diese Anti-Rolle des Nudelsiebes beschränkt dieses das Pastafaritum zu sehr in eine Richtung und macht es beliebig. Es verspottet nur, aber bietet keine Alternative. Wir wollen positiv wirken. Wir bieten die 8 ALWM´s und die 10 Angebote des evolutionären Humanismus als Entwurf einer eigenen Ethik. Das käme mit dem Nudelsieb unter die Räder.

3. Die rechtliche Situation in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, spricht klar für piratige Kopfbedeckung, Dreispitz, Bandana, Tuch u.ä. Wenn man ein Foto mit religiöser bzw. weltanschaulicher Kopfbedeckung auf Ausweis oder Fahrerlaubnis durchsetzen kann, braucht es drei Voraussetzungen. Die erste ist die Anerkennung der Religion/Weltanschauungsgemeinschaft. Das allein reicht aber noch nicht. Weitere Voraussetzung ist, dass man sich zum Tragen der Kopfbedeckung persönlich verpflichtet fühlt. Als Nachweis zählt hier, dass man sie auch wirklich ständig trägt. Möchte ernsthaft jemand immer mit Nudelsieb rumlaufen?
Dritte und letzte Voraussetzung ist, dass sich diese Pflicht auch aus den religiösen Schriften ableiten lässt. In Holland bei Mienke ist es gar nicht erst bis zu dieser dritten Voraussetzung gekommen. Da war schon bei der ersten Schluss. In Canada aber war das anders. Da musste jemand seinen vorläufigen Führerschein mit Nudelsieb wieder abgeben, weil er eben diese Pflicht nicht nachweisen konnte. Mit Dreispitz oder Tuch wäre das nicht passiert, was das Beispiel von Isabelle zeigt.

Na, und ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal ist unsere konsequente Haltung schließlich auch.
Wir werden also weiter dabei bleiben, wir werden aber auch weiter die Almisten als unsere Brüder und Schwestern sehen, die nur auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel auf einen kleinen Abweg gekommen sind.