07.06.2019

Das Wort zum Freitag – Die Hinrichtung des Pastafari mit dem Namen Josef K.

Ein Atheist hatte im dörflich geprägten Stadtteil Hambach der südhessischen Kreisstadt Heppenheim an der Bergstraße, unterstützt von gesellschaftlich organisierten Freunden, gegen die Verquickung von Schule und Kirche protestier. Das sogar mit teilweisem Erfolg. Was Pfarrer, Politiker und örtliche Honoratioren davon halten, haben sie mit ihrem Festwagen  zur „Brennesselkerwe“ klar gestellt. An dem hing, neben dem Schild „Stammtisch“, auch das folgende.

Da kann man nur noch schwarz sehen meint Alexander Michael Stier im folgenden Gastbeitrag:

„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne, dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet“. Das ist der einleitende Satz des Romans „Der Prozeß“ von Franz Kafka. Ich heiße Josef K. und bin der Protagonist des Romans. Danach bin ich nie mehr glücklich geworden.
Was für uniformierte Menschen waren denn das? Warum so viele, acht an der Zahl, und bewaffnet? Wovon sprachen sie? Welcher Behörde gehörten sie an? K. lebte doch in einem Rechtsstaat, die Gesetze waren sicher nicht außer Kraft gesetzt. Wie kam es dazu, dass sie ihn heimlich nachstellten?
Josef K. hatte zwei Kinder, 3 und 6 Jahre alt, bei sich zuhause. Als die stummen Männer ihn in Ketten legten und wie einen Verbrecher abführten, durften sich die Kinder von K. nicht verabschieden. Einsatztaktik nannten diese Menschen ihr behördliches Vorgehen. Das wird ganz sicher alles rechtens sein, dachte sich Josef K. Und das bestätigten sie ihm auch später so – ungefragt. Sie bestätigten ebenfalls, es gäbe Denunzianten, so etwa ein Dutzend. Deren Namen dürfe er aber niemals erfahren.
Der allmächtige Inquisitionsrichter, dem K. dann vorgeführt wurde, frage barsch und fordernd:
„Kennen Sie einen Bruder Spaghettus? Haben Sie mit ihm Kontakt? Wie oft?“
Das alles stritt Josef K. nicht ab, stets im Glauben, vor der Inquisition die Wahrheit sagen zu müssen. Es packten ihn dann aber doch Zweifel, ja sogar die Angst. Wie wird es jetzt Bruder Spaghettus damit ergehen, dass die Inquisition diese Verbindung bestätigt hat? Wird Bruder Spaghettus nun auch bedrängt? Und wie viele werden es sein? Wird Bruder Spaghettus ihn nun als Verräter ansehen? Werden ihm auch die Hände zusammengebunden? Wird er irgendwo gewaltsam verbracht? Der Inquisitionsrichter entließ K. jedenfalls unbescholten von der Anklagebank. Eine freiwillige Zahlung, und jedenfalls sein Fall war damit unwiderruflich und mit Unschuldsvermutung für immer eingestellt.
Wirklich? K. sollte doch nie wieder glücklich werden, so verlangte es doch der Roman!
Folglich tat der Inquisitionsrichter, was er tun musste: Er schrieb in seiner bester Handschrift eine geheime Notiz an seinen Dienstvorgesetzten in dem gleichen Gebäude: „Sorgerechts-Verfahren für Tochter und Sohn des Angeklagten anlegen“ Er unterstrich dabei die Worte Tochter und Sohn.
K. veröffentlichte zuvor bei Facebook die Homepage der gemeinnützigen Körperschaft KdFSM e.V. Ferner postete er, wer sich wirklich hinter dem Pastafari-Namen Bruder Spaghettus befand. Und er stellte den Trailer der Dokumentation ein, in dem Bruder Spagehttus prominent erschien. K. ließ bei Facebook keinen Zweifel daran, dass er jetzt ordentliches Mitglied der KdFSM e.V. geworden sei, und auch eine anerkennende Zuwendung in Hinblick auf deren Beschwerde beim EMGR geleistet habe. K. wusste ja um den untadeligen Rechtsstaat, und dass überall Gesetze bestanden.
Nun war K. per nachgewiesenem Brief verfügt worden, dass am nächsten Donnerstag wieder eine kleine Untersuchung in seinem Fall, jetzt also eine Begebenheit seiner beiden Kinder, stattfinden würde. Man machte ihn darauf aufmerksam, dass diese Nachforschung zunächst eine erste sei, und hielt sich offen, ob es zu regelmäßigen, wenn auch vielleicht nicht jede Woche, so doch mehrmaligen Untersuchungen in der Abfolge kommen würde. Es liege einerseits in seinem, wie auch im allgemeinen Interesse, den Prozess geschwind zu Ende zu führen, anderseits aber hätten die Prüfungen in jeder Hinsicht hundertprozentig zu erfolgen. Eine einvernehmliche Regelung sei dabei unbedingt anzustreben. Auch seine Frau, bisher niemals beschuldigt, sei geladen und zu befragen. In jedem Fall sei sein persönliches Verhalten ausschlaggebend für den Ausgang der Entwicklung. Um welches Verhalten es da ging – das weiß wirklich niemand, denn das ist offenbar unaussprechbar.
K. machte dem neuen Richter, der diese weitere Untersuchung eingeleitet hatte, vor allem mal klar, um wen es sich bei Bruder Spaghettus eigentlich handle, nämlich um den Pastafarinamen von Rüdiger Weida. Dieser sei Ehrenvorsitzender der gemeinnützigen Körperschaft „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V.” Ein Verein, der mit Satire und Humor den in weiten Teilen von der Giordano Bruno Stiftung weiterentwickelten evolutionären Humanismus als Weltanschauung verbreite. Aufklärend, ja besserwisserisch wie ein Schulbub fügte K. noch hinzu: Feen, Elfen, Götter, Geister, Engel, Trolle oder andere Fabelwesen kämen darin jedenfalls nicht vor.
Der Richter beendete die Untersuchungen und Erforschungen mit seinen Kindern noch während der Anhörung: Es läge offenbar gar kein Problem vor. Ohnehin habe man ja nur mal reden wollen. Eigentümlich und befremdlich erschien K. dennoch die Erkundigung, die wie eine Anordnung klang, ob er, K., nicht bestenfalls mal einen Monat gar nichts bei Facebook posten könne.
Josef K. traut seitdem den Schwarzmantel-Männern und ihren Laufburschen mit den Ketten nicht mehr über den Weg. Denn niemand sonst weiß besser als Josef K. darüber Bescheid, wie sein Ende tatsächlich aussehen wird. Die letzte Beschreibung seiner Bestimmung lautet nämlich wie folgt:
„Aber an K.s Gurgel legten sich die Hände des einen Herrn, während der andere das Messer ihm tief ins Herz stieß und zweimal dort drehte. Mit brechenden Augen sah noch K., wie die Herren, nahe vor seinem Gesicht, Wange an Wange aneinander gelehnt, die Entscheidung beobachteten. ‚Wie ein Hund!‘ sagte er, es war, als sollte die Scham ihn überleben.“

31.05.2019

Das Wort zum Freitag - Nudelmesse und pastafarianische Taufe

Ein Gastbeitrag von Bruder Stellinus


Wie schon einige Male vorher segelten Pastafaris von nah und fern zum Restaurant „Mathes Nudeltöpfchen“. Die bekannte Crew wurde diesmal von den Pastafaris des Rallye-Teams „TeamFSM“ (Teilnehmer der Baltic Sea Challenge) ergänzt.

Nudler war wieder Bruder Stellinus.

Nach einem gemeinsamen Monsterunser stellte der Nudler den Piraten drei Schatzfragen aus dem Piratenleben. So konnten die Pastafaris sich wieder vor unserem lieben Monster als wahre Anhänger beweisen. Da zu allen Schatzfragen die Lösungen genannt werden konnten, bekamen die erfolgreichen Schatzjäger Ramen-Nudelsuppen bzw. einen FSM-Pin.

Anschließend wurde im Rahmen der Predigt das Thema „Taufe von Pastafaris?“ ausführlich erläutert:

Unser liebes Monster gibt uns im Evangelium des Propheten Bobby keine besonderen Hinweise zu Taufen.

Sehen wir uns doch einmal an warum andere Religionen Taufen durchführen.

Wikipedia sagt:

„Manche Kirchen verstehen die Taufe als einen Ritus, der die Reinigung von religiös definierter Schuld (Sünde bzw. Erbsünde) beinhaltet und in der Folge die persönliche Erfahrung einer Gottesnähe ermöglicht. Die symbolische Taufhandlung gilt als Teilhabe an der Sündenvergebung durch den Tod Christi am Kreuz und wird als die „Eingliederung in den gestorbenen und auferstandenen Christus“ und damit als Eingliederung in die kirchliche Gemeinschaft begriffen….“

und

„Ein Exorzismus-Gebet (oder „Gebet um Schutz vor dem Bösen“) ist bis heute fester Bestandteil des katholischen Ritus der Kindertaufe.

    Weil die Taufe Zeichen der Befreiung von der Sünde und deren Anstifter, dem Teufel, ist, spricht man über den Täufling einen Exorzismus (oder mehrere). Der Zelebrant salbt den Täufling oder legt ihm die Hand auf; danach widersagt der Täufling ausdrücklich dem Satan. So vorbereitet, kann er den Glauben der Kirche bekennen, dem er durch die Taufe ‚anvertraut‘ wird [Vgl. Röm 6,17]. – Katechismus der Katholischen Kirche, Abs. 1237“

1.Unser Fliegendes Spaghettimonster hat uns keine Erbsünde auferlegt und auch Sünden sind im Pastafaritum unbekannt. Unser liebes Monster liebt uns! – So wie wir sind und dies selbstverständlich immer!

Einen Teufel als Gegenspieler des Fliegenden Spaghettimonsters? Seltsame Vorstellung! Und machen wir eine „Teufelsaustreibung“ mit dem Kind? Welch ein Schwachsinn!
Wenn wir Verbrechen (nach den Gesetzen unsere Landes) begehen, verführt uns nicht ein „Teufel“, sondern daran ist nur unsere persönliche Unvollkommenheit bzw. Unzulänglichkeit schuld – denn wer ist schon vollkommen?

Wenn eine Pastafarifamilie ein Kind taufen lassen will, so kann dies in unserem Glauben nicht mehr als die Absichtserklärung sein, dem Kind zukünftig wissenschaftliches Denken und rationales Verhalten zu vermitteln. Das Kind soll sich dann, wenn es reif genug für eine eigene Entscheidung ist, selbstbestimmt für das FSM entscheiden können. Wir indoktrinieren unsere Kinder nicht!
Was folgt daraus für den pastafarianischen „Taufritus“?

Macht eine schöne Feier für die Familie/Gemeinde daraus!
Nehmt die Wünsche der Eltern hierzu ernst!
Es soll ein Fest zur Geburt werden und keine Verpflichtung für den Täufling und
die Eltern!


Nun wurde es ernst für 2 der Schiffsjungs vom TeamFSM – sie wurden getauft. Bruder Magaritos von Bucatini führte durch die Taufhandlung. Nach erfolgreicher Nudelprobe, die Schiffsjungs mussten mit dem Mund Penne auf einzelne Spaghetti fädeln, erhielten sie ihre pastafarianischen Namen, Captain Brummbart und Captain Dralle.



Damit endete unser Nudelmesse und der Rest des monstermäßigen Abends wurde mit der Planung unserer Aktionen zum Ketzertag in Dortmund (19. bis 21. Juni) verbracht. Nähere Informationen folgen demnächst.


23.05.2019

Das Wort zum Freitag - Der Prophet spricht oder
15 Jahre Spaghettimonster




Lange hatten wir darauf gewartet, nun hat er sich dazu ein interessantes Medium gesucht, den Guardian. „Pasta strainers and pirates“ heißt der Artikel dort. Was schon mal zeigt, viel Ahnung von dem, was Pastafaritum ist, haben die dort nicht. Wenn man schon darauf abstellt, heißen die Dinger colander.

Auch sonst lässt der Artikel einiges zu wünschen übrig. Wird da doch tatsächlich behauptet, das Pastafaritum hätte nichts gegen Religion sondern sieht eher große Ähnlichkeit mit den Quäkern.

Wir sind keine Antireligion, wir sind wie der Quäkerismus?
Sicherlich nicht wir in Deutschland. Für uns ist Religion ein soziales Übel, aber aus demokratischen Gründen kann sie innerhalb bestimmter Grenzen akzeptiert werden. Ich denke, Österreich sieht das genauso und viele andere auch.

Aber dann kommts, richtig dicke und richtig gut. Der Reporter sieht eine Gefahr und fragt: „Wenn die Kirche des FSM ihre eigenen Rituale entwickelt und ihre eigenen Mythologien pflegt, besteht dann die Gefahr, dass sie ihren satirischen Biss verliert und sich zu einer weiteren Religion verfestigt?“

Eine Gefahr, die nicht von der Hand zu weisen ist. In manchen Ländern scheint man da schon recht weit zu sein. Die Israelis sehen in der Stripperfabrik einen Missbrauch der Persönlichkeitsrechte und wollen das gern feministisch anpassen. Die Neuseeländische Kirche lehnt die Jungensmentaliät, die in Stripperfabrik, Biervulkan und Big Balls stecken, ab. Ihr FSM hat weder Bälle noch Fleisch um geschlechtsneutral zu sein und besteht zu 100% ausschließlich aus Kohlehydraten. Gleichzeitig wird bedauert, dass manche Kulturen noch in der Gendermentalität der 50ger stecken.

Sicher richtige Überlegungen. Jedenfalls aus dem Blickwinkel einer Religion. Nicht aber aus dem einer Satire. Die muss einfach deftig sein, auf die Kacke hauen und auch mal übertreiben. Jeder Schritt aus der Satire hinaus ist ein Schritt auf dem Weg zur echten Religion zu werden.

Ganz wichtig für uns ist deshalb Bobbys Antwort:

"Viele neue Pastafarians haben keine Ahnung, wie das alles begann, sie wissen nur, dass es aus irgendeinem Grund existiert. Züchte das 200 Jahre lang und ich habe keine Ahnung, was du bekommst.

Aber wir müssen es mit einigen positiven Ideen versehen, solange wir noch können. Halten Sie Religion von staatlichen Schulen fern, halten Sie Geld von der Religion fern, und so weiter."

Seien wir vorsichtig, dass wir Satire bleiben und nicht wirklich zu Religionen werden. Bleiben wir dazu genau in der Rolle des Evangeliums und wir werden keine echte Religion werden, und bauen wir die Schranken in die Gesellschaft ein, die verhindern, dass Religion überhaupt gefährlich werden kann. Ganz im Sinne von Bobbys Worten.

09.05.2019

Das Wort zum Freitag - Mit Monsters Segen zum Nordkap



Unser Glaube ist erstaunlich weit verbreitet. Nennt man das Monster, wissen die meisten grob, worum es geht und lediglich in Sachen Nudelsieb oder Piratenmontur gibt es manchmal Unsicherheiten. Nicht so bei den beiden Rally-Fahrern Captain Brummbart und Captain Dralle vom TeamFSM, die sich vorbildlich mit Piratenhüten auf die Segnung ihres Gefährts vorbereitet hatten.
So trafen denn am vergangenen Sonntag Dampfnudel, Bruder Mayo und Margaritos von Bucatini zur mittäglichen Segnungs-Nudelmesse auf einem ruhigen Parkplatz in Hagen ein, bereits erwartet von einer munteren Schar von Mitstreitern und Familie des TeamFSM. Rasch wurde ein Altar aufgebaut und der Rally-Wagen in Position geparkt.

Das TeamFSM hat sich die Aufgabe gestellt, bei der Baltic Sea Circle Rally innerhalb von 16 Tagen die 7.500km lange Strecke rund um die Ostsee und am Nordkap vorbei zu meistern. Mit einem mindestens 20 Jahre alten Fahrzeug und ohne elektronische Navigationshilfsmittel. Für dieses wahrlich piratige Vorhaben galt es nun den Segen des Monsters zu erbitten.


Nach Lesungen aus dem Evangelium, einer Menge guter Segenswünsche und dem gemeinsamen Monsterunser, schritt Margaritos begleitet von Bruder Mayo zur Tat und besprenkelte das Gefährt, die Rally-Fahrer und alle die nicht rasch zur Seite sprangen mit Nudelwasser von seinen nudeligen Ahängseln. Das Monster war uns hold und ES lies die Sonne für die Dauer der Messe scheinen. Doch oh Wunder, auch hier, wie schon bei ähnlichen Anlässen zuvor, war die Temperatur, ob der Anwesenheit so vieler Piraten und jener, welche das Piratentum im Herzen trugen, wieder gefallen (die Anreise erfolgte durch dichten Hagelschauer). Dies deuteten wir als gutes Zeichen, denn die beiden TeamFSM-Rally-Fahrer und ihre Mitstreiter sind demnach würdige Piraten in SEINEN Augen.

Das folgende Glaubensbekenntnis geriet daher zur reinen Formsache und die Nudelmesse mit Nudeln von SEINEN nudeligen Anhängseln und Bier von SEINEM Biervulkan rundete die Veranstaltung ab.



Wir freuen uns über die muntere Piratenschar in Hagen und sehen Euch gerne wieder bei unseren nächsten Treffen am 24.05. im Nudeltöpfchen.
Wer das TeamFSM auf seiner Tour verfolgen möchte, kann dies via Picdeer, Instagram oder Facebook tun. Die beiden sammeln mit ihrer Tour Spenden für den Flaschenkinder Iserlohn e.V.

Ein Gastbeitrag von Margaritos von Bucatini