18.05.2018

Das Wort zum Freitag - Ketzertag




Der Ketzertag ist tot, es lebe der Ketzertag!

Ein Fest der Säkularen inmitten der mit Steuergeldern tüchtig aufgeblasenen Feierlichkeiten, der größten Sekte der Welt. 


Im Gegensatz zum Katholikentag bekam der Ketzertag nicht einen müden Euro öffentliche Förderung. Trotzdem war es Daniela Wakonigg gelungen, ein anspruchsvolle kleine Veranstaltungsreihe zu organisieren. Der Zustrom war zu allen Veranstaltungen so groß, dass die Plätze nicht reichten. Schnell wurde ein Livestream eingerichtet. So konnten nicht nur die Besucher, die nicht mehr in den Veranstaltungssaal kamen, alles im großen Vorraum mitverfolgen, sondern auch die, die es nicht nach Münster geschafft hatten. Wir hatten die Ehre, den Abschlussgottesdienst zu halten. 


Zuvor waren wir aber schon tüchtig in der Stadt unterwegs. Mehrere Stunden hielten wir unser Banner inmitten der Ungläubigen hoch. Es gab richtig tolle Diskussionen, und einen Hardcorechristen, der uns beschimpfte, konnten wir gut als Beispiel christlicher Nächstenliebe vermarkten. 



Am Nachmittag ging es zum Bahnhof. Den hatte doch tatsächlich ein Bischof mit „geweiht“. 
Das konnte wir so nicht stehen lassen. In einer Prozession von rund 50 Leuten wedelten wir mit heiligem Nudelwasser die Flüche dieses Sektierers wieder weg. Das Monster war ganz augenscheinlich mit uns. Als der Sicherheitsdienst uns nicht in den Bahnhof lassen wollte, schenkte ES dem dann doch noch die Einsicht, was die Zeugen Jehovas dürfen, muss auch uns gewährt werden. 

Danach trafen wir uns mit anderen Pastafari, die bis aus Bayern nach Münster zur Messe gekommen waren. Während Elli S. Und ich uns erst mal im Hotelzimmer erholten, hielten die unser Banner unter den Ungläubigen hoch. Sie waren begeistert, wie oft sie fotografiert und angesprochen wurden. Flyer und Button wurden reichlich verteilt.

Dann war es so weit. Nach einem sehenswerten Vortrag „Das Fliegende Spaghettimonster – Religion oder Religionsparodie“ kamen wir auf die Bühne. 
Es war eine ergreifende Messe, was auf dem Video leider nicht so richtig rüber kommt. Leider gab es für den Livestream kein Raummikrofon das die tolle Atmosphäre wiedergeben konnte. Vor allem bei meinem „Gesang“ hätte das gute Dienste geleistet. Der war glücklicher Weise, im Saal als Einzelstimme nicht zu hören.

Es war ein ringsherum tolles Erlebnis, auch wenn wir am Ende des Tages mehr als müde waren. 
Dieser Ketzertag sollte unbedingt wiederholt werden. 

10.05.2018

Das Wort zum Freitag - Religiöse Zweifel



Als ich noch jung war, genoss ich die Gemeinschaft in streng gläubigen, wiedergeborenen, christlich evangelisch-lutherischen Gebetsvereinen. 

Ich schäme mich dafür heute nicht mehr so sehr - im Gegensatz zu meiner Vorliebe zur Kelly Family zur gleichen Zeit. Das war im Rückblick wirklich peinlich. Besonders der Tag, an dem ein guter Freund mit dem Banner „Paddy we want you“ durch die Heimatstadt zog. Aber darüber sollte ich an einer anderen Stelle schreiben.

Zumindest machte ich meine Erfahrungen mit sowas wie Sekten (auch hier wäre erneut ein Hinweis auf die Kelly Family angebracht). 
Das Erbaulichste in den Stunden der Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern war der Lobpreis und natürlich das private Bekenntnis. 

Zurückblickend finde ich den folgenden Zusammenhang besonders erwähnenswert: Jeder Gläubige kennt ein bis fünftausend Geschichten über jemanden oder sich selbst, in denen es darum geht, dass man mit seinem vorigen Leben nicht klar kam, bis man dann endlich zum richtigen Glauben kam. 
So war es zum Beispiel mit dem Agnostiker, der immer zweifelte, bis er die Liebe Gottes erfuhr. Vielleicht war manchmal auch die Partnerwahl schuld an der Misere - allerdings verlief eine jede Story in etwa gleich:

„Ich zweifelte und suchte. Dann kam jemand daher und laberte mich voll. Ganz plötzlich merkte ich, dass dieser penetrante Trottel tatsächlich die Wahrheit sagte. Dann kam der große Moment und ganz plötzlich wurde ich Christ.“


Gefolgt wurde das Bekenntnis meist von einer Runde, in der man von seinen Zweifeln am momentanen Glauben sprach. So war man z.B. nicht immer stark genug, morgens seine Bibel zu ergreifen und darin zu lesen oder das Gebet fühlte sich manchmal so an, als würde man nur gegen die Decke reden.


Dass der eine Zweifel ganz großartig ist, da er zum richtigen Glauben führt, während der zweite Zweifel vom Teufel geschickt wird, mutete niemand komisch an. Zweifel ist natürlich niemals gleich Zweifel, das wäre zu trivial.


Jetzt, da mich das FSM mit Seinen nudligen Anhängseln berührt hat, merke ich, dass der Zweifel der gleiche ist. Das ist gut so, denn das FSM liebt den Zweifel. Zweifeln schützt uns vor dem ganzen anderen Blödsinn da draußen. Zweifeln macht stark und ist gleichzeitig Dienst an IHM.

Brüder und Schwestern, das ist unsere Stärke: Der feste Glaube an ES und gleichzeitig der Zweifel an seiner Existenz. 

RAMEN



Ein Gastbeitrag von Dr. SAC

26.04.2018

Das Wort zum Freitag - Da steht er, der Söder....

© Marc Humer

....und möchte in alle bayrischen Amtsstuben das Kreuz hängen.

Ob er damit sagen möchte, es ist schon ein Kreuz mit Bayern?

Könnte möglich sein, welches Kreuz hat er nicht genau festgelegt.

Soll es nun die ganz hohe Schule mit Kadaver sein, auch Kruzifix genannt? Oder eher Modell Klappfix, so etwas praktisches aus zwei Holzleisten mit Scharnieren, die sich auch schnell zur Zigarrenschachtel falten lassen?

Das alles weiß man gar nicht so genau. Trotzdem tobt mehr als die halbe Republik. Studenten rufen, in einem Hauch von 68, zum zivilen Ungehorsam auf, Beamte rätseln, ob sie dann in ihrem Dienstzimmer auch alle anderen religiösen Symbole aufhängen oder doch lieber einfach ein Bild über das verordnete Kreuz, und sogar die Katholiken sind empört: "Kreuze sollen in die Behörden – nicht als religiöses Zeichen, sondern als Symbol der Leitkultur. Das ist ein Missbrauch des Heilszeichens.."


Bleibt die Frage, wie sollen wir Pastafari uns verhalten?

Für nichtbayrische ist das recht einfach. Die haben mal wieder herzlich was zu lachen. Es ist ein fröhliches und befreiendes Lachen, denn die wissen ganz klar, solche Religiotisierung des öffentlichen Dienstes wird eh gestoppt werden. Klagen sind schon angekündigt.

Schwierig wird es jedoch für bayrische Pastafari. Eigentlich könnten die genau so lachen, nur müssen die eventuell auch mal an dem Kreuz vorbei, wenn sie ihre Amtsgeschäfte erledigen müssen. Das kann, ja das muss, bei ihnen zu ernsthaften Gewissenskonflikten führen, steht das Kreuz doch gerade für das, was mit dem Pastafaritum so gar nicht zu vereinbaren ist: Dogmen und Gewalt.


Aber das Monster wäre nicht das Monster, wenn es uns nicht auch Hilfe aus diesem Dilemma beschert hätte: Nudelwasser.


Nehmt einfach ein bisschen mit, wenn ihr auf das Amt müsst. Nehmt auch einen Küchenpinsel mit. Den tunkt ihr in das Nudelwasser und spritz das dann in der Gegend herum. So wird jedes Amt pastafarianisch geweiht und ihr könnt es mit gutem Gewissen weiter aufsuchen. Sollte euch jemand daran hindern wollen, verweist auf diese Pastwa hier, die jeder Pastafari zu befolgen hat. Dann wird euch, von den in dieser Hinsicht sehr zuvorkommenden Bayern, das Weihen im Rahmen der Religionsfreiheit gewährt werden.


Noch besser. Versammelt euch in Gruppen, setzt eure Dreispitze auf, bindet eure Bandanas, legt eure Augenklappen an und haltet richtig schöne Zeremonien im öffentlichen Bereich vor den Ämtern ab. Gern auch mit etwas Bier von SEINEM  Biervulkan. So macht das Weihen mehr Spaß.


Wenn euch das alles nichts ist, findet einfach Trost in der Lyrik. Noch besser als "Da steht er, der Söder" reimt sich nämlich


"Da geht er, der Söder."


Geht ihr also demnächst mit eurem Kreuz verantwortungsvoll um.

20.04.2018

Das Wort zum Freitag - Gleiches Recht für alle Religionen



Wenn wir, liebe Brüder und Schwestern, gleiches Recht für alle Religionen fordern, müssen wir uns erst einmal fragen: Gibt es überhaupt ungleiches Recht zwischen den Religionen?

Schauen wir uns doch einfach mal an, welche Vorteile christliche Kirchen gegenüber unserer haben.

Es fängt ganz klein an, mit der Taufe.
Eine kirchliche Zeremonie führt zu einer rechtlich anerkannten Mitgliedschaft in einer Kirche und in Folge zu kräftigen Finanzschüben in die Kirchenkassen, denn daraus begründet sich die Pflicht zur Zahlung von Kirchensteuer.

Es geht weiter mit dem Religionsunterrichtvom Staat, und damit von uns, finanzierte Mission. Nur deshalb, um missionieren zu können, findet der in nach Religionen und Konfessionen geteilten Gruppen statt.

In der Armee gibt es die  Militärseelsorge.
Natürlich auch wieder fast völlig vom Staat und damit auch von uns Pastafari bezahlt.

In Krankenhäusern, im Gefängnis und bei der Polizei gibt es die
Sonderseelsorge. Natürlich auch wieder finanziert von....

Geborene Sitze in öffentlichen Gremien, vom Rundfunkbeirat über die Jugendhilfeausschüsse bis hin zum Fernsehbeirat garantieren, dass ein Christ auch in seiner Freizeit optimal betreut wird und nebenher noch vermieden werden kann, dass durch all zu kritische Beiträge seine Gefühle verletzt werden. Zusätzlich gibt´s noch kostenlose Sendezeit für die Kirchen in Funk- und Fernsehen. Natürlich wieder finanziert von uns.

Sucht ein Christ Arbeit, wird er, dank des kirchlichen Sonderarbeitsrechtes, vor uns bevorzugt. Kirchliche Betriebe und Einrichtungen dürfen sich, sonst strikt verboten, ihre Mitarbeiter nach der Weltanschauung aussuchen. Natürlich dürfen die dann auch keine Betriebsräte wählen oder gar streiken.

Bei so vielen Vorteilen kann man als Christ sicher  verschmerzen, dass der Staat ihm gleich die Kirchensteuer über das Finanzamt abzieht. Es bekommt ja seine Kirche und immerhin darf er, wieder auf Kosten der Allgemeinheit, die sogar noch von der Steuer absetzen.

Die Kirchen sparen durch Steuereinzug vom Staat viel  Geld, auch wenn der nicht ganz umsonst ist. Ein Vergleich mit Österreich, wo die Kirchen eigene Ämter zum Einzug betreiben müssen, hat ganz klar gezeigt, die deutschen Kirchen müssten unter diesen Bedingungen ein Mehrfaches von dem ausgeben, was sie jetzt als Entschädigung an den Staat zahlen.

Für uns alle ist hier eine Verletzung des Rechts, seine Weltanschauung nicht offenbaren zu müssen, gegeben. Denn um den Steuereinzug durch den Staat gewährleisten zu können, muss man die  zwangsweise gegenüber Ämtern und seinem Arbeitgeber angeben.

Besonders die Großkirchen, aber auch andere Religionsgemeinschaften, haben also nicht nur Vorteile gegenüber uns, nein, wir finanzieren ihnen diese Vorteile sogar mit unserem Geld.

Das heißt, wir werden nicht nur diskriminiert, sondern auch ausgebeutet!

Natürlich muss sich das ändern. In Österreich versuchen die Almisten, eine Sekte von Nudelsiebträgern, gerade, als Religion anerkannt zu werden. Sollten wir diesen Weg auch gehen? Sollten wir auch versuchen, all diese Privilegien für uns zu bekommen.

Ich sage euch: Nein, das ist nicht unser Weg. Aus zwei Gründen:
Er ist sehr mühevoll und hat wenig Aussicht auf Erfolg, vor allem aber beendet er die Ungerechtigkeit nicht, die dann weiterhin zwischen Gruppen mit unterschiedlicher Weltanschauung bestehen würden.
Wir sind keine Christen, wir gehören zu den Guten. Wir wollen keine Vorteile für uns, sondern eben diese Gleichbehandlung für alle.

Nun sagen Befürworter der Kirchenprivilegien, es wäre auch Gleichbehandlung möglich, wenn alle nach einem gleichen Maßstab gefördert würden. Dabei denken sie zuerst an die Mitgliederzahl. Aber wie ließen sich Mitgliederzahlen vergleichen, wenn die Mitgliedschaft bei den einen durch einen bei der Taufe automatisch abgeschlossenen Zwangsvertrag begründet wird, bei anderen aber vom mündigen Bürger selbst beantragt werden muss?

Nein, ein solches System der Gleichbehandlung auf gleicher Förderung kann nicht funktionieren. Es gibt es auch nicht. Die Evangelische Kirche bekommt trotz geringerer Mitgliederzahl mehr Geld vom Staat, als die Katholische. Die Höhe der Förderung wird nur durch Lobbyarbeit festgelegt.

Unser Staat soll weltanschaulich neutral sein. Neutral bedeutet, sich nicht einzumischen, weder fördernd, noch benachteiligend. Ein Staat verhält sich im Krieg neutral, indem er keine Kriegspartei unterstützt, nicht, in dem das bei allen tut. Genau so hat es bei den Weltanschauungen zu sein.

Weg mit all den Kirchenprivilegien, weg auch mit dem Sonderstatus der Körperschaft des öffentlichen Rechts, und Einbeziehung aller Vereinigungen die den haben in das Vereinsrecht.

Nicht wir müssen den Status der Kirchen bekommen, sondern die Kirchen unseren.

Macht die Kirchen zu Vereinen und fördert diese nur noch genau so, wie jeden anderen Verein....
....und, vor allem, lasst sie so, wie jeden anderen Verein auch, Rechenschaft für die Verwendung der Mittel ablegen.

Nur so ist wahre Gleichberechtigung aller Weltanschauungen möglich.


Erstveröffentlichung 06.09.2013