11.07.2019

Das Wort zum Freitag -
"Bruder Spaghettus" auf dem Personalausweis



So sieht er aus, mein neuer Ausweis. Na ja, fast jedenfalls, ein paar Angaben müssen nicht unbedingt öffentlich sein. Aber dass dort unter Ordens- oder Künstlername nun „BRUDER SPAGHETTUS“ steht, kann ruhig jeder wissen. Mehr noch, es sollte sogar jeder wissen. Es könnt ja glatt sein, ich unterschreibe  irgendwo mit meinem Pastafarinamen, vielleicht unter einem Kaufvertrag für ein Auto oder bei der Eröffnung eines Bankkontos. Dann sollte der jeweilige Vertragspartner schon wissen, was in meinem Ausweis eingetragen ist. Denn diese Unterschrift ist voll rechtsgültig.

Cool, oder?


Deshalb möchte ich nicht vergessen, denen besonderen Dank zu sagen, die mir zu diesem Ausweis verholfen haben.


Da wäre erstens die Person, die mich bei Facebook verpetzt hat. Mein Profil „Bruder Spaghettus“ musste ich danach umbenennen in Rüdiger D. Weida, ich wisst schon, Klarnamenspflicht und so. Nun fordere ich dort meinen alten Profilnamen zurück.


Da wäret zweitens ihr Pastafari dort draußen. Ohne euren Einsatz, der uns überall bekannt gemacht hat, ohne euer Mitziehen und Anstoßen wären wir nicht so bekannt, wie wir es heute sind. So habt auch ihr dazu beigetragen,  dass mein Antrag von der Templiner Meldestelle positiv beschieden wurde.


Da ist vor allem aber die Kirche und ihre phantastische Lobbyarbeit. Ihr gebührt mein größter Dank, denn ohne sie und ihre politischen Seilschaften würde es solche Ausweise heute gar nicht mehr geben.


Sensationelles war passiert. Wie in den meisten Ländern Europas )*  üblich, wurde im Jahre 2007 auch in Deutschland der Eintrag „Ordens- oder Künstlername“ abgeschafft. Damit sollte Bürokratie abgebaut und Verwaltungsaufwand vermieden werden, denn vor allem bei den Ordensnamen hat es immer wieder Schwierigkeiten mit dem Nachweis der Richtigkeit des Namens gegeben.


Wenn das schon erstaunlich war, ein weiterer Fakt war absolut unglaublich. Der Gesetzgeber hatte die Kirchen nicht, wie sonst bei allen erlassenen Gesetzen in Deutschland üblich, im vorab über das neue Passgesetz informiert. Aber nicht das war der Grund, warum die Kirchen ihren Lobbyapparat auf Touren brachten. Die braven Ordensleute fühlten sich ihrer Identität beraubt, quasi regelrecht hingerichtet. Also kümmerte sich das Katholische Büro in Berlin, sammelte Beschwerden, gab die an das Bundesinneministerium weiter und konnte das dann im persönlichen Gespräch von der Wiedereinführung des Ordensnamens überzeugen. Die FDP schloss sich später mit der Forderung, auch den Künstlernamen wieder einzuführen, an.


So kam es denn, wie es kommen musste. Nach einer erneuten Gesetzesänderung können nun auf Antrag sowohl Ordens- als auch Künstlernamen wieder auf dem Ausweis eingetragen werden. Eine Franziskanerin zieht Fazit: „Der Ordensname hat seinen angestammten Platz in deutschen Personaldokumenten wieder zurück erhalten. Dies, obwohl Ordensleute in der Bundesrepublik immer mehr eine Minderheit bilden und es in fast allen anderen Ländern der Europäischen Union  unüblich ist, einen Ordens- oder Künstlernamen in die Personaldokumente einzutragen. “


Allerdings, und hier kommt der Pferdefuß, nur Ordensnamen von Orden, die zu einer öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaft gehören.

Wir Pastafari und viele andere Gläubige haben also nicht die mindeste Chance auf einen solchen Namen, selbst wenn wir extra einen als eigenen eingetragenen Verein aufgestellten Orden gründen würden.

Ihr ahnt es, mein Eintrag erfolgte als Künstlername. Das ist vielleicht dem Einen oder der Anderen ein Dorn im Auge. Damit darauf hinweisen, wie unsinnig der Ordensname auf Ausweisen ist, kann man damit aber genau so gut…und nebenher bin ich nun auch noch ganz offiziell Satiriker und Aktionskünstler.

Mir gefällt das.

Deshalb schließe ich mich gern auch dem Rest des obigen Fazits an: “ Hat sich der Aufwand für die erneute Gesetzesänderung gelohnt? In jedem Fall für die Künstler, denn im Kirchenrecht spielt der Ordensname keine Rolle.“


)* Nur in der Slowakei, den Niederlanden und England gibt es diese Eintragung noch. In Irland darf nur der Künstlername eingetragen werden.

04.07.2019

Das Wort zum Freitag - Kopflos durch Religion

Die Helmpflicht für Motorradfahrer gilt auch dann, wenn man sich durch eine höhere Macht geschützt fühlt.


Symbolbild des bekanntesten Piraten,
der seinen Kopf nicht richtig schützte.

Den alteingesessenen Pastafari und die meisten Atheisten vermag das nicht zu überraschen, erinnert man sich doch an den alten Störtebeker, der schon vor vielen Jahren nicht auf seinen Kopf achtete und diesen verlor.

Manch anderer klagt für sein Recht, die Religion über den Verstand zu stellen, auch mal bis zum Bundesverwaltungsgericht. (Eine Einschätzung gibt es unter anderem hier.)


Was ist passiert?

Ein Anhänger der Sikh hatte in Konstanz eine Befreiung von der Helmpflicht beantragt, da sein Turban nicht unter selbigen passt.
Diese wurde ihm verweigert, da keine gesundheitlichen Gründe vorliegen. Damit fing der Klageweg an.
Nach dem alten Grundsatz „Jeder schützt, was ihm wichtig ist.“ hat sich also der Gläubige aufgemacht, statt eines Hirns seinen Glauben zu schützen und für sein Recht auf ungeschützte Verkehrsteilnahme zu klagen.

Meine Einschätzung

Interessant erscheint, dass die Gerichte grundsätzlich eine Beeinträchtigung der Religionsfreiheit bestätigt sahen. Die Frage, die sich hier stellt, ist dann wohl, wie das auf die Weltanschauungsgemeinschaften zu übertragen ist. Wir erinnern uns ja, dass diese gleichgestellt sind, also theoretisch.
Ich halte dieses Urteil für eine klare Absage an das Motorradfahren mit Dreispitz, glücklicherweise hatte das wahrscheinlich eh niemand von uns vor.

Auf der anderen Seite ist das Urteil aber auch eine Weichenstellung für den Prozess von Bruder Spaghettus bezüglich seines Personalausweises mit Piratenfisch, da er sich ja sehr wohl dazu verpflichtet fühlt diesen stets zu tragen und alles andere ein Eingriff in seine freie Ausübung seiner Weltanschauung ist.




Beim Führerschein hatte es da, siehe unten, keine Komplikationen gegeben.



Fazit

Auch die Verwaltungsgerichte (v.a. in Baden-Württemberg) räumen der Religion einen extrem hohen Stellenwert ein. Dass ein Sikh uns mit einem solchen Prozess zuvor kommt, beschämt uns sehr, sind wir doch sonst die, die sich mit Schenkelklopfern über die Bevorzugung von Religionen lustig machen.

Wir bleiben sportlich.

Meine Glückwünsche für den gelungenen Scherz gehen heute nach Konstanz.

29.06.2019

Das Wort zum Freitag - Auf dem Ketzertag 2019



Und so ergab es sich, dass im Jahre anno 2019 zum 22. Juni die evangelische Kirchengemeinde ihre Anhänger zu einem großen Fest des Unglaubens zu Dortmund einlud, um ihren falschen Gott zu lobpreisen und zu ehren. Anlass genug, alle Piraten der 7 Meere auf ihren freibeuterischen Zügen anzurufen und zu einer Aktion zur Bekehrung zum wahren Glauben all dieser fehlgeleiteten Seelen zu verhelfen.

Keine Kosten scheuend, jedem Sturm trotzend, eilten die Piraten auf dem schnellsten Wege ins lasterhafte Dortmund, um sich zu versammeln. Als Treffpunkt wurde die Schauburg gewählt, welche dem parallel zum evangelischen Kirchentag stattfindenden Ketzertag als abendliche Kundstätte für säkulare Vorträge und Diskussionen diente. So lief bis 14.00 Uhr ein Grüppchen von mehr als 20 statthaften und motivierten Piraten zu ihrem Prozessionszug durch Dortmund eben hier ein. Es sei freudig erwähnt, dass wir damit eine Mobilisierungsquote von über 4% erreicht haben, wovon die evangelischen Christen mit ihren mickrigen 0,57% nur träumen können.





Nach kurzer Absprache und folgender Formierung des Zuges machten sich die verbal wehrhaften Freibeuter wagemutig auf den Weg durch die weißgrünen Wogen der Evangelikalen; keiner Klippe ausweichend, verteilten die Helden des einzig wahrhaft nahrhaften Glaubens Informationsmaterial und monströses Gebäck und hielten jedem durch die Evangelikalen provozierten Streitgespräch stand – wie z. B. der Geschichte eines alten Mannes, bei dem man annehmen konnte, dass er diese Story vielleicht noch selbst erlebt hat: es ging um einen unbekannten Josef und seine Brüder, derer auch schon Thomas Mann habhaft wurde. Des Ungläubigen formulierte Angst vor dem jüngsten Gericht klärte einer der Piraten dahingehend auf, das genau das jetzt mit ihm geschehe und das er sein Jüngstes Gericht gerade in diesem Moment erlebe und durch die Umkehr zum wahren Glauben ihm sofort seine Angst genommen sei. Als Zeichen der Güte der Pastafarianer boten wir ihm zugleich die Enttaufung an; aber der Ungläubige wollte sich nicht bekehren lassen, und so gingen wir weiter unseres Weges.



Dampfnudel wurde nicht müde, den Besuchern die 30 Tage Gott zurück Garantie schmackhaft zu machen; auch Enttaufungen wurden immer wieder angepriesen und auch in mindestens zehn Fällen vollzogen – ein durch seine Nudeligkeit geweihtes Handgebläse diente uns als mystisches Werkzeug, die Spuren von Wasser und Salbung des Rituals der Ungläubigen von der Stirn der zu Enttaufenden restlos zu entfernen.





Glückselige Momente der nun befreiten Menschen erquickten unseren schweren Gang, denn auch Unbelehrbare säumten den Weg und nicht nur das: Bei der Moses-Statue vom 11. Gebot und an der Lutherstatue angekommen, lief die Freibeuterschaft auseinander, um sich unter die Ungläubigen zu begeben und in Einzelgesprächen die ein oder andere Aufklärungsarbeit zu leisten.



Doch zum größten Teil obsiegten bei den Angesprochenen Grünschalträgern immer wieder ihre eigenen Überzeugungen und in der Masse fühlten sie sich entweder zu stark oder zu schambesetzt, um zum wahren Glauben zu finden. Einige tapfere Reckinnen und Recken vom 11. Gebot und vom Ketzertag, welche dort über den gesamten Kirchentag hinweg Aufklärungsarbeit leisteten, begleiteten unseren Weg von hier an.



Nach einigen Fotos und spontanen Enttaufungen sammelten wir uns wieder, um unseren freibeuterischen Siegeszug fortzusetzen; immer wieder gab es die ein oder andere Anekdote, in der die Ungläubigen uns diffamieren oder uns der Lächerlichkeit preisgeben wollten – die darauf von uns formulierten Konter konnten sie in keinem Fall argumentativ aushebeln – wie z. B. den Hinweis darauf, dass wir die einzige Kirche ohne Kindesmissbrauch sind, und wie sie selbst in ihrer eigenen Kirche zu diesem Punkt stehen und wie sie sich dies erklären.

Und dann begab sich eine Szene, die schon im antiken Rom nicht funktionierte: ist euch das Phänomen „Verhindern durch Beten“ bekannt, indem sich bereits im alten Rom die damals verfolgten Christen vor den nahenden Römern auf die Knie warfen, und zu beten begannen, auf das das Böse an ihnen vorbei eilt und der Betende dadurch nicht berührt wird?

Genau so ein Erlebnis bot sich uns, den Pastafarianern, kurz vor Erreichen unseres Start- und Zielortes, der Schauburg. Ein Besessener warf sich vor uns auf die Knie und begann sofort zu beten – nicht, auf dass das Böse an ihm vorbeiziehe, sondern sein Wahn zwang ihn wohl dazu, uns aufhalten zu wollen. Nur durch den Einsatz der Polizei, die ihn darauf hinwies, dass er eben nicht überall beten könne und bitteschön den Weg zu räumen hätte, bevor ein Platzverweis ausgesprochen würde, konnten wir unser Ziel erreichen.



Den netten Beamten sei an dieser Stelle großes Lob ausgesprochen, geleiteten sie uns doch pflichtbewusst und sicher durch dichteste Christenmassen in ihrem Streifenwagen und zu Fuß. Es war schon ein erhebendes Gefühl, wenn sich der Streifenwagen vor uns einen Weg durch die menschengefüllte Einkaufsstraße und halb durch einen aufgestellten Christehchor bahnte um uns eine Gasse für unsere nudelige Prozession zu öffnen.




Endlich an der Schauburg angekommen, stärkten wir uns vorerst am Biervulkan, um dann mit voller Energie die Nudelmesse abhalten zu können. Diese verlief wie immer planmäßig und erfolgreich, auch wenn eine Gruppe Indoktrinierter sicherlich absichtlich genau zu diesem Zeitpunkt an der nächsten Straßenecke ihre blasphemischen Chorale schrecklich darboten.








Durch die Kohlehydrate vollends auf Vordermann gebracht, erlebten wir noch das Ende des Ketzertages mit dem Streitgespräch zwischen Michael Schmidt-Salomon und einem schwurbelnden Theologieprofessor in der Schauburg.

Zum Abschied huldigten wir ein letztes Mal an diesem Tag dem Biervulkan, auf das sich dann jeder Pirat auf seine Fregatte zurückzog, um sein Ziel des Freibeuterns wieder aufzunehmen!

Verfasst von Bruder Pasta L’adoratore, Dampfnudel und Margaritos von Bucatini

Fotos von Daniela Wakonigg und Winfried Rath

25.06.2019

Neues vom TeamFSM

Das TeamFSM grüßt alle Pastafari.

Nun sind wir schon fast eine Woche auf Raubzug.

Die Tage wurden immer länger bis hin zur ununterbrochen Helligkeit.
Unser einst so starkes Stahlross ist nur noch ein müder Klepper der sich ,laut schnaufend, seinen Weg gen Norden bahnt.
In seiner unendlichen Güte führte uns das Spaghettimonster sicher durchs Wikingerland und lies uns neue Freunde finden, die reges Interesse an ihm hegen.

Von Hamburg aus ging es, ohne Navigation, durch Dänemark und das wunderschöne Schweden, bis hin zum Polarkreis.

Heute durchquerten wir die Lofoten, vorbei an reißenden Flüssen und Bergen so schön, das jeder einzelne der heilige Biervulkan sein könnte.
Unsere nächste Station ist das Nordkap, von wo aus und das Monster mit seinen Anhängseln hoffentlich sicher durch Russland führt.
Wir geben unser bestes und wünschen euch eine spaßige Nudelmesse,

Arrrrggh,


eure Captain Dralle und Captain Brummbart.




Wer das TeamFSM auf seiner Tour verfolgen möchte, kann dies via Picdeer Instagram oder Facebook tun. Die beiden sammeln mit ihrer Tour Spenden für den Flaschenkinder Iserlohn e.V.