19.09.2019

Das Wort zum Freitag - Sprich wie ein Pirat



Wieder einmal ist es so weit.  Wie in jedem Jahr feiern wir heute, am 19. September, einer der großen Feiertage der Pastafari, den Talk Like A Pirate Day.

Unser Prophet meint, dieser Tag ist eine prima Gelegenheit für alle Pastafari, ihre Wurzeln zu feiern. Wir sollen uns auf die Suche nach Weibern und Grog machen und dabei die Missionarsarbeit nicht vergessen, für die dieser Tag eine gute Gelegenheit bietet, da Grog selbst den hartleibigsten Geist erweicht und die Menschen für alternative Angebote öffnet. Es wird geschätzt, dass etwa die Hälfte der jährlichen Bekehrungen zur Kirche des FSM an diesem Tag stattfinden.


Am besten dürfte das wohl klappen, wenn man die so herrlich unkomplizierte und direkte Sprache der Piraten  zur Überzeugungsarbeit nutzt. Wer nicht sicher ist, wie er das machen soll, findet hier Hilfe, für Englisch gibt es sogar einen Übersetzer in Pirate. Aber man kann sich auch einfach was einfallen lassen, so was wie „Beim Klabautermann, deine Bibel wird mir heute in der Kombüse das Grogwasser heiß machen“ oder „Mast- und Schotbruch, du Almist. Wag ja nicht, mit deinem Nudelsieb mitzufeiern. Grog und Bier gibts nur für Piraten“
Mit Musik gehts vielleicht sogar noch besser, Musik, wie der hier:



Aber egal wie, egal wo und letztlich auch egal wann. Steht immer fest an Deck, lasst euch nicht umhauen sondern haut die anderen um. Hier und da und für alle Zeit.

13.09.2019

Das Wort zum Freitag - Pro Taufe

Vor einiger Zeit hatten die Österreicher angefragt, ob ich nicht einmal einen Gastbeitrag für ihre Seite schreiben könnte. Das hatte ich fast vergessen, als mir dort ein Beitrag zur Taufe unter die Augen kam. Der bot so richtig Stoff zur Erwiderung und meine Antwort kam ganz gut an. Weil wohl die wenigsten von euch dort mitlesen, stelle ich ihn nun auch noch mal bei uns ein.



Es war Gabis „Wider die Taufe“, die mich daran erinnert hat, dass ich mal einen Artikel für euch schreiben sollte. Weil ich das ganz anders als Gabi sehe, war das der willkommene Anlass, es nun endlich zu tun.

Wichtig ist sich klar zu machen, wir gehen natürlich beide von sehr unterschiedlichen Voraussetzungen aus. Während wir um unsere Anerkennung als Weltanschauungsgemeinschaft kämpfen und dabei offen zugeben, die Satire vom FSM ist nur ein Mittel zum Zweck, kämpft ihr um eure Anerkennung als Religion und müsst euch dementsprechend verhalten. Während wir als ganz locker mit der Taufe umgehen können, ist ja eh nur irgendwelches Gebrabbel, müsst ihr das vielleicht anders sehen. Trotzdem könnte das Folgende auch für euch interessant sein.
Ursprünglich dachte ich ähnlich wie Gabi. Als mich jemand bat, seinen Sohn zu taufen, war ich überhaupt nicht davon angetan. Weil es aber um unseren stellvertretenden Vorsitzenden (wir haben noch nicht solche schönen Namen für unsere gesetzlich Handelnden wie ihr) ging, war ein Kompromiss angesagt. Der bestand darin, dass unsere Taufe mit dem 14 Lebensjahr automatisch erlischt. Logisch völlig unnötig, denn unsere Taufe hat ja keinerlei Konsequenzen, weder rechtlich noch kirchlich.

Die Feier war dann richtig schön. Bruder Nudelwasser hatte sich viel Mühe gegeben, ein tolles Taufkissen zurecht gezaubert und ein noch tolleres Spaghettimonster gebaut. Das haben wir heute noch.



(Fortsetzung hier)

(Weitere Bilder hier)

Es war die erste Zeremonie, die wir durchgeführt haben, und wir haben gemerkt, Zeremonien machen Spaß, stärken den Zusammenhalt und man kann die Kirchen und ihre Zeremonien so richtig schön parodieren.
Das wären schon die ersten Punkte, die für die Taufe sprechen.

Rituelle Kindstaufen hatten wir seit dem nicht mehr, aber wir haben die Erwachsenentaufe eingeführt. Auch die verstehen wir als Parodie. Sie unterscheidet sich in zwei Punkten ganz wesentlich von der christlichen Taufe:
Sie erfolgt nicht mit Wasser, sondern mit Bier von Seinem Biervulkan und sie erfolgt nicht von außen, sondern von innen.
Ihr versteht, was ich meine?


Das besonders praktische daran, man kann sich auch ganz alleine taufen. Natürlich macht es in Gemeinschaft viel mehr Spaß, weshalb es bei uns auch Massentaufen gibt. Bei unserem diesjährigen Treffen in Osnabrück werden wir heftig zuschlagen.

Der wichtigste Punkt für mich, kräftig zu taufen, ist mir erst vor kurzem aufgegangen. Da habe ich erfahren, die offiziell anerkannte Neuseeländische Kirche hat Schwierigkeiten mit den Saufboldvorstellungen von Stripperfabrik und Biervulkan. Bilder von weiblichen vollbusigen Piratinnen sind beleidigend und ihr Monster ist so geschlechtsneutral, dass es keine Bälle und kein Fleisch mehr hat, sondern nur noch 100% Kohlehydrate. Gleichzeitig wird bedauert, dass manche da nicht mitziehen, noch in den 50gern hocken und das normal finden.

So kann man denken, aber, und das ist der Punkt, nur wenn man sich auch wirklich als Religion sieht. Dann möchte man besser sein und den anderen Religionen zeigen, wie es gehen könnte.

Wenn man sich jedoch eher als Satire versteht, muss man es genau umgekehrt machen. Dann muss man noch einen drauf setzen um zu zeigen, was Religion ist. Dann muss man die überbieten, indem man statt 72 Jungfrauen eine Stripperfabrik bietet und statt einem Harfenorchester einen Biervulkan. Dann muss der Gott richtig dicke Fleischbällchen haben und dann haben auch Taufen und andere Riten ihren Sinn.
Diese Riten müssen allerdings immer auch Parodien sein. Fangen wir an, eigene Riten zu entwickeln, unseren Himmel von Stripperfabrik und Biervulkan zu befreien und unseren Gott, das Monster, gendergerecht und vegan zu machen, verlassen wir die Satire und fangen an, uns wirklich zur Religion zu entwickeln und uns als solche ernst zu nehmen.

Was die Gesellschaft braucht ist aber nicht mehr, wenn auch bessere, Religion, sondern möglichst wenig bis gar keine.

Das meint jedenfalls euer
Bruder Spaghettus.

05.09.2019

Das Wort zum Freitag - Religiöse Speisevorschriften



Das Pastafaritum lebt.
Das sehen wir immer wieder an den Mails, die uns von euch erreichen. Mit sinnsuchenden, tiefgreifenden Fragen wendet ihr euch voller Vertrauen an uns, wie hier ein Bruder zu obigem Thema:




"Geben Sie den Mitgliedern Ihrer Kirche Religiöse Ernährungsvorschriften? Ich mag Schweinefleisch gern (Muslim kann ich also nicht werden), suche aber eine Glaubensgemeinschaft, die apodiktisch folgende Ernährung vorschreibt: Hummer, Langustinen und ähnliche Krustentiere, Schwein (nur Filet), Lamm (Filet und Lachse), Rind (Filet, Rumpsteak).

Diese Religion wäre vor allem im Hinblick auf zukünftige Krankenhausaufenthalte oder Wehrübungen interessant (Wo ist mein Hummer, soll ich den Wehrbeauftragten anrufen?).

Falls solche Vorschriften für Mitglieder Ihrer Kirche noch nicht existieren, nehmen Sie es bitte als Anregung.

Mit freundlichem Gruß
Bruder Lucius Lucullus

Hinweis: als ich durch Geburt in die kirchliche christliche Gemeinde eintrat, war mir noch nicht klar, dass das Essen von Schalentieren, wie Muscheln oder Hummer, ein Gräuel darstellt (Lev. 11:10). Nach Bekanntwerden dieser Tatsache bin ich aus diesem Verein natürlich sofort ausgestiegen.

Die ganze Zeit nur Pasta zu essen (bis das fliegende Spagettimonster wiederkehrt), ist keine Option. Einigen wir uns, dass als Pastabeilage Hackbällchen aus Rinderfilet oder wahlweise Schweinefilet gegessen werden müssen, sofern kein Hummer und keine Langustinen verfügbar sind?

Vielleicht könnte man als Ernährungsvorschrift noch aufnehmen, dass Filets – außer in Notzeiten – in Gorgonzola- oder Pfeffersauce von grünem Pfeffer genossen werden sollten. In Notzeiten muss das Filet mit Sauce Hollandaise gegessen werden und mit Spargel, soweit verfügbar.

Das lässt sich bestimmt noch weiterentwickeln. Die Getränkekarte ist ja noch gar nicht Gegenstand der Diskussion. Eines der größten Versäumnisse von Jesus Christus ist, dass er, obwohl er gerne Wein trank, keine Angaben zu Rebe, Lage und Jahrgang seinen Jüngern als Hilfestellung an die Hand gegeben hat.

Vorerst verbleibend mit freundlichem Gruß
Bruder Lucius Lucullus

p.s. Ich werde vor einer Schale Spagetti meditieren, mit einem Pesto aus Nordseekrabben, schwarzen Oliven und Rucola, möglicherweise kommen mir noch ein paar göttliche Eingebungen."

Wir freuen uns sehr über solchen Anfragen und geben uns größte Mühe, ein wohlgenudelte Antwort zu finden:

"Sehr interessante Gedanken, Bruder.
Die Antwort auf deine Gedanken ist viel einfacher, als du vielleicht denkst. Sie liegt in unserem Monsterunser:
"....und vergib uns unsere
Reiskugeln wie auch wir vergeben den Kartoffelessern...."

Wir haben schlichtweg keine Ernährungsvorschriften, auch wenn gern gesehen wird, dass wir wenigstens am Freitag, unserem heiligen Tag,
Pasta essen.

Nudlige Grüße
Bruder Spaghettus"

Sollten auch euch ähnlich schwerwiegende Fragen quälen, wendet auch vertrauensvoll an uns, wenn ihr mögt, gleich hier in den Kommentaren.
Wir werden unsere Gehirnnudeln garen bis sie al dente sind, um für euch die richtigen Antworten zu finden.

Möge das Monster mit euch sein.







30.08.2019

Das Wort zum Freitag - Pastor Farians Pilgerfahrt


Er hatte sich angekündigt, Pastor Farian, Oberhaupt der dänischen Kirche. Dann war er da auf seiner Pilgerfahrt. Wir haben uns sofort miteinander wohl gefühlt.


Es wurde ein schöner Abend, und gespannt warteten wir am nächsten Morgen, einem Freitag, auf Besucher zur Nudelmesse. Erstmals seit Wochen waren wir allein. Aber schön war´s, und es gab eine Menge Fragen, Fotos und Notizen.



Nach der Messe gab es noch Spaghetti mit Fleischklößchen und Tomatensoße, dann ging es erst mal auf kleine Fahrt zum nächsten Nudelmessenhinweisschild. Das übliche Pilgerfoto stand an.


Bis der nächste Stop kam, dauerte deutlich länger. Es ging zum Jahrestreffen der polnischen Kirche nach Slesin. Elli Spirelli und ich hatten uns dort auch angemeldet, so konnten wir gemeinsam fahren. Über fünf Stunden waren wir unterwegs. Als wir endlich ankamen, wurden wir mit lautem Hallo begrüßt. Es waren unsere Outfits, full pirate regalia, die Begeisterung auslösten. So waren wir sofort im Gespräch mit den polnischen Pastafari. Wir bekamen einen Button mit dem Monster ausgehändigt, auf dem noch mit Stift unser Name eingetragen wurde. Bei ca. 60-70 Teilnehmern eine gute Idee, so wusste man, wen man vor sich hat. Außerdem hatte man so gleich eine Möglichkeit, die Pastafari von den übrigen Gästen am Strand zu unterscheiden. Das war gar nicht so leicht. Es gab zwei oder drei mit Piratenhüten, die unterschiedlichsten T-Shirts aber ca. die Hälfte war in ganz normaler Kleidung.

Daran ließ sich auch das Vorgehen der polnischen Pastafari, die in allen größeren Städten regelmäßige Treffen haben, ablesen. Sie sind mehr eine Gesellschaft die alle aufsammelt und dann versucht, sie an pastafarianisches Denken zu führen. Die Organisationsform ist so etwas wie ein nicht eingetragener Verein. Sie nehmen keine Beiträge, es werden nur zweckorientiert, z.B. für das Treffen, Gelder gesammelt.


Die Beach Bar und der Grill trugen viel zur Stimmung bei. Als in der Bar dann die Musik anfing, waren wir sofort zu dritt auf der Tanzfläche und verließen die nur noch, um mal an der Bar Nachschub zu holen. Natürlich waren wir da nicht lange allein, ein ausgelassener Haufen hatte sich gefunden. Doch irgendwann schlug die Müdigkeit zu und ab ging es in die Heia.

Am nächsten Tag gab es einige Möglichkeiten, sich zu betätigen. Von Brettspielen über Paint Ball bis hin zur pastafarianischen Medidation "Observation of the Monster". Später gab es auch noch "Life of the Brian".



Immer wieder wurden Fotos gemacht.....


....und Freundschaften geschlossen, hier mit Przemek.


Dann kam der erste Höhepunkt, die Autos der anwesenden Pastafari wurden in einem heiligen Akt gesegnet. 


Über den Autos wurde die Spaghetti zerbrochen, dabei der Zeremonienmeister Krzysztof, Oberhaupt der Kirche,  mit vielen kleinen Nudelstücken beworfen und anschließend ein Aufkleber auf dem Auto angebracht.


Ein anderer Höhepunkt war sicher für die engagierten Pastafari die Generalversammlung. Es gab einen großen Richtungsstreit. Sollte die Kirche weiter versuchen um ihre Anerkennung als solche zu kämpfen? Immerhin liegt bereits eine Klage deshalb beim Europäischen Gerichtshof. Oder wäre es besser, sich richtig zu organisieren? Wir haben nicht viel mitbekommen, was da so diskutiert wurde. Aber das Ergebnis war klar: Der neue Weg der "Polski Kościoł Latającego Potwora Spaghetti" wird der in eine NGO sein, die bisherige Form wurde aufgelöst. Damit ist die Klage in Straßburg hinfällig. Wir hatten das Gefühl, dieser Richtungsstreit hat etwas auf die Stimmung geschlagen. Der bisher aus neun Mitgliedern bestehende Kirchenrat hat momentan nur noch acht, ein Mitglied hatte den Rat verlassen.

Aber die Sonne schien weiter und uns ging es gut. Wir hatten Bandanas, CDs, Button und Aufkleber mitgebracht und wurden auch selbst beschenkt.


Schließlich wurde das riesengroße Monster, das sonst immer beim polnischen Woodstock dabei ist, auf den Platz getragen. Mit dem mussten wir uns natürlich verewigen.


Danach war es Zeit für das Gruppenbild. Ich hatte unser Banner mit, und wollte das zur Seite stellen. Als ich darauf angesprochen wurde, meinte ich, es wäre vielleicht nicht so toll auf einem polnischen Gruppenbild ein deutsches Banner zu haben. "Warum? Das sieht doch toll aus und die alten Zeiten sind vorbei". Wojtek nahm das Banner selbst in die Hand und legte den Grundstein für die Freundschaft zwischen unseren Kirchen.


Das wir die unbedingt aufbauen sollten, meinte auch Natalia vom Rat der polnischen Kirche. Hier mit Pastor Farian, dem Oberhaupt der Dänen.


Ein wunderschönes Wochenende ging mit einem phantastischen Abend bei Feuer am Strand zu Ende. 
Möge es noch viele geben.