22.01.2015

Das Wort zum Freitag - Wie geht´s weiter



Das ist einen Frage, die mir in den letzten Tagen öfter gestellt wird und auch eine, die ich mir selbst stelle. Nicht, ob es weiter geht, aber wie genau.

Wir werden auf jeden Fall den Rechtsweg beschreiten, und zwar in zwei Richtungen.

Einmal, was die geschändeten Nudelmessenhinweisschilder betrifft.

Aber auch das Verhalten der Kultusministerin Brandenburgs, Sabine Kunst, war wohl nicht ganz astrein. Diese Ministerin hat eine Entscheidung verkündet, nämlich, dass wir keine Nudelmessenhinweisschilder mehr genehmigt bekommen, die gar nicht in ihre Entscheidungskompetenz fällt. Dafür ist der Landesbetrieb Straßenwesen zuständig, der zum Verkehrsministerium gehört. Dort wusste der zuständige Sachbearbeiter noch 2 Tage nach der Erklärung der Ministerin nichts davon. Er erklärte mir im Gegenteil am Telefon, die entsprechenden Briefe lägen unterschriftsreif auf seinem Tisch.

Bezeichnend, dass die Verkündung der Entscheidung der Ministerin über die Katholische Nachrichtenagentur erfolgte. Da könnte man schon mal auf den Gedanken kommen, hier waren religiöse Seilschaften am Werk.

Potsdam (KNA) Die "Kirche des fliegenden Spaghettimonsters" darf in Brandenburg keine weiteren Hinweisschilder für ihre "Nudelmessen" aufstellen. Das erklärte Brandenburgs Kultusministerin Sabine Kunst (SPD) in einer Antwort auf eine "Kleine Anfrage" der SPD-Landtagsfraktion, die der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt. Das Ministerium räumte ein, dass entsprechende Schilder in Templin auf Grundlage der "Richtlinie für das Aufstellen von Hinweisschildern auf Gottesdienste und sonstige regelmäßige religiöse Veranstaltungen von Kirchen und sonstigen Religionsgemeinschaften" vom Landesbetrieb Straßenwesen genehmigt worden waren. Die Richtlinie des Bundesverkehrsministeriums gestattet Kirchen und Religionsgemeinschaften, am Straßenrand mit 75 mal 75 Zentimeter großen Hinweisschildern für ihre Gottesdienste zu werben. Da es sich bei der "Kirche des fliegenden Spaghettimonsters" aber nicht um eine Religionsgemeinschaft, sondern um eine "Religionsparodie ohne ernsthafte religiöse Substanz" handele, werde der Landesbetrieb künftig keine weitere Genehmigung für die Aufstellung von Hinweisschildern erteilen, erklärte Kunst. mit/kws/pko

Was uns noch fehlt ist ein Verwaltungsrechtler. Wenn dort jemand einen kennt, bitte gebt uns ein Zeichen. Bis dahin werden wir von einem Juristen beraten, dessen Herz für uns schlägt.

Ich gehe davon aus, dass die eindeutige Absprache, die wir in dem Dreierabkommen mit der Stadt Templin und dem Landesbetrieb Straßenwesen, vertreten u.a. durch seinen Direktor Heyne, getroffen haben, die mündliche Bewilligung unseres Antrages auf Gottesdiensthinweisschilder war. Die erfolgte im Einverständnis auf der Grundlage unseres alten Antrags.
Das werden wir vom Verwaltungsgericht prüfen lassen.

Nicht vorgehen werden wir gegen die Einschätzung des Kultusministeriums, wir wären keine Religion. Das ist für die Bewilligung unerheblich, da wir die eindeutig als Weltanschauungsgemeinschaft erhalten haben, eben weil wir uns schon laut Satzung als solche verstehen. Bis es zu einem Urteil kommt, kann allerdings noch dauern. Bei unserem letzten Prozess vor dem Finanzgericht Cottbus waren es drei Jahre, bis wir einen Termin hatten. 

Bis dahin werden die Schilder weiter an den Masten der Stadt hängen. Die hält sich erfreulicher Weise an die Absprache und bietet uns dort Asyl, bis die Angelegenheit rechtlich geklärt ist. 

Wir werden damit wohl auch noch das eine oder andere Mal in der Presse sein. Aktuell wird noch der Tagesspiegel berichten, die Bildanfrage eines Verlags aus Bayern liegt vor, am Montag kommt der NDR nach Templin und die Lokalzeitung hat schon berichtet.

Die Journalistin, die mich vorher anrief, war echt empört am Telefon. Aber nicht darüber, dass unsere Schilder schon wieder geschändet wurden, sondern dass ich vermutet habe, das könnte ein intoleranter Christ gewesen sein. In ihrem Artikel unterstellt sie mir dann sogar: „Jetzt sind sie mit roten Balken überklebt. Für Monsterchef Rüdiger Weida ein gefundenes Fressen.“
Nein, Frau Werner, ich wäre mehr als zufrieden gewesen, wenn sich alle an die Absprache gehalten hätten und die Angelegenheit vorbei wäre. Es braucht eine Menge Zeit und Energie, die weiter zu führen. Beides hätte ich sehr gern gespart.

Sehr schön immerhin der Kommentar ihres Journalistenkollegen direkt neben dem Artikel. Gerald Bahr meint, Meinungsfreiheit gilt für alle und titelt: „Mit zweierlei Maß gemessen“.   Er führt die Verfassung Brandenburgs und ein Urteil des brandenburgischen Verfassungsgerichtes an und meint: „Wenn das Kulturministerium festlegt, dass die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters – die sich als Weltanschauungsgemeinschaft und nicht als Religion sieht – keine neuen Hinweisschilder aufstellen darf, lässt sich das wohl nicht als Gleichbehandlung bezeichnen. Und das nur, weil eine Satire-Weltanschauung die Glaubensstrukturen etablierter Religionen in Frage stellt.“

Das macht doch Hoffnung, dass sich unsere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit positiv ändert und unser Anliegen erkannt wird, oder?

20.01.2015

Pressemitteilung - Unzulässige Einflussnahme der brandenburger Kultusministerin auf die Entscheidung einer Behörde?

Diese Pressemitteilung habe ich an verschiedene Zeitungen geschickt.
Bitte tragt auch ihr dazu bei, sie zu verbreiten. Schickt sie an euch bekannte Journalisten und teilt sie auf in den sozialen Medien.





1. Erneut Vandalismus an unseren Nudelmessenhinweisschildern.
Infos unter http://www.pastafari.eu/index.php?artnr=47914505

2. Unzulässige Einflussnahme der brandenburger Kultusministerin auf die Entscheidung einer Behörde?

In einem Gespräch mit dem Templiner Bürgermeister Tabbert und Vertretern des Landesbetriebs Straßenwesen im Dezember wurde mir von letzteren mündlich die Genehmigung zur Aufstellung eigener Masten für unsere Nudelmessenhinweisschilder erteilt und die schriftliche Ausfertigung in kurzer Zeit zugesichert. Ausdrücklich nicht als Religions-, sondern als nach dem GG gleichberechtigte Weltanschauungsgemeinschaft.

Am 15.01.2015 meldet KNA, die Ministerin erklärt, künftig werden keine Nudelmessenhinweisschilder mehr genehmigt.
Am 16.01.2015 erklärt das Kultusministerium auf Anfrage des rbb, die jetzt hängenden Schilder müssten abgenommen werden.
Am 17.01.2015 vormittags erklärt der zuständige Sachbearbeiter beim Landesbetrieb Straßenwesen auf meine Anfrage,  die Genehmigung läge bereits schriftlich vor und müsste nur noch versandt werden.
Am 17.01.2015 nachmittags teilt dessen Vorgesetzter Bürgermeister Tabbert mit, der Landesbetrieb Straßenwesen werde keine schriftliche Genehmigung ausstellen.

Da die Feststellung des Kultusministeriums, unsere Kirche wäre keine Religionsgemeinschaft, für diese Entscheidung unerheblich ist, s.o., ist eine weltanschaulich motivierte Einflussnahme des Kultusministeriums nicht auszuschließen.

Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschlands wir dazu Akteneinsicht beantragen und wegen der Verweigerung der schriftlichen Genehmigung durch den Landesbetrieb den Rechtsweg einschlagen.

Die Stadt Templin hält sich an die getroffene Vereinbarung. Die bereits an ihren Masten hängenden Hinweisschilder dürfen bis zum Ende des Rechtsstreits dort hängen bleiben.

Ausführliche Informationen im Anhang

Rüdiger Weida
Vorsitzender KdFSMD e.V.


Anhang




- Am 18.11.2014 erhält die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. (KdFSMD e.V.) vom Landesbetrieb Straßenwesen die Erlaubnis zum Anbringen unserer Gottesdiensthinweisschilder.
Telefonisch wird abgesprochen, dass die mit an die Masten kommen, an dem schon die anderen hängen.

- Templiner Kirchen beschweren sich. Auf Initiative des Bürgermeisters Templins, Herrn Tabbert, wird versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Dazu wird ein Gespräch mit dem Landesbetrieb Straßenwesen, dem Bürgermeister und mir zum 09.12.2014 vereinbart.


- Am 08.12.2014 berichtet der rbb von einer kleinen Anfrage der religionspolitischen Sprecherin der SPD an den Landtag. Gefragt wird u.a., ob die KdFSMD eine Religionsgemeinschaft sei. Ein vom rbb befragter Religionswissenschaftler und Dekan bejaht das vor der Kamera.

- Bei dem Gespräch am 09.12.2014 sind anwesend:
Herr Tabbert, Bürgermeister Templin
Herr Heyne, Herr Benedix und Herr Thiedig, alle Landesbetrieb Straßenwesen
Herr Weida, Vors. KdFSMD e.V.

Herr Bendix überreicht Herrn Weida ein Schreiben, das er als Aufhebung des Bescheides vom 18.11.2014 deklariert.
Herr Weida erklärt, Widerspruch einzulegen.
Herr Tabbert bietet an, die Schilder kostenlos an Masten der Stadt zu hängen.
Herr Weida lehnt ab. Er möchte keine Werbeschilder, sondern Gottesdiensthinweisschilder.
Herr Heyne erklärt, die KdFSMD wäre keine Religionsgemeinschaft.
Herr Weida erklärt, ein Religionswissenschaftler sähe das anders und verweist auf die Sendung des rbb. Das wäre im übrigen unwichtig, denn die KdFSMD versteht sich seit ihrer Gründung als Weltanschauungsgemeinschaft und hat das auch in ihrer Satzung festgeschrieben. Weltanschauungsgemeinschaften sind lt. Grundgesetz mit Religionsgemeinschaften gleichberechtigt. Zusätzlich werden in der entsprechenden Verordnung Glaubens- und Weltanschauungs-richtungen ausdrücklich gleichgestellt.

Es wird vereinbart:

Der KdFSMD e.V. bekommt einen neuen Bescheid, in dem ihm als Weltanschauungsgemeinschaft Nudelmessenhinweisschilder nach der Richtlinie für das Aufstellen von Hinweisschildern auf Gottesdienste genehmigt werden.
Diese kommen an eigene Masten, die im Abstand von ca. 20 m vor oder hinter denen der Religionsgemeinschaften stehen.
Weiter bekommt er die Genehmigung, lt. Verordnung Zusatzschilder mit dem Namen „PAZ – Gedächtniskirche“ unter den Nudelmessenhinweisschildern anzubringen.

Es wird zugesichert, den Bescheid kurzfristig zu erstellen.
Herr Weida verpflichtet sich im Gegenzug, dafür bis zu zwei Wochen keinen Widerspruch gegen die eventuelle Aufhebung des alten Bescheides einzulegen.

Herr Tabbert erklärt für die Stadt, dass die Nudelmessenhinweisschilder bis zur Aufstellung eigener Masten an Masten der Stadt hängen können.
Herr Weida erklärt sich bereit, die am nächsten Tag von den Masten der Religionsgemeinschaften ab und an diese Masten anzumontieren.

- Am 22.12.2014 legt die KdFSMD Widerspruch gegen die Rücknahme der Genehmigung vom 18.11.2014 ein.

- Am 23.12.2014 ruft Herr Weida Herrn Bendix an und teilt ihm mit, dass der Widerspruch nicht bearbeitet werden braucht, falls die im Gespräch vom 19.12.2014 erteilte mündliche Genehmigung auch noch schriftlich eingeht. Herr Benedix erklärt, das ginge in Ordnung, es habe nur urlaubsbedingt Verzögerungen gegeben und liest Teile des bereits gefertigten Schreibens vor. Es werde allerdings erst in der ersten oder zweiten Neujahrswoche werden.

- Am 15.01.2015 meldet die Katholische Nachrichten Agentur:
Potsdam (KNA) Die "Kirche des fliegenden Spaghettimonsters" darf in Brandenburg keine weiteren Hinweisschilder für ihre "Nudelmessen" aufstellen. Das erklärte Brandenburgs Kultusministerin Sabine Kunst (SPD) in einer Antwort auf eine "Kleine Anfrage" der SPD-Landtagsfraktion, die der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt. Das Ministerium räumte ein, dass entsprechende Schilder in Templin auf Grundlage der "Richtlinie für das Aufstellen von Hinweisschildern auf Gottesdienste und sonstige regelmäßige religiöse Veranstaltungen von Kirchen und sonstigen Religionsgemeinschaften" vom Landesbetrieb Straßenwesen genehmigt worden waren. Die Richtlinie des Bundesverkehrsministeriums gestattet Kirchen und Religionsgemeinschaften, am Straßenrand mit 75 mal 75 Zentimeter großen Hinweisschildern für ihre Gottesdienste zu werben. Da es sich bei der "Kirche des fliegenden Spaghettimonsters" aber nicht um eine Religionsgemeinschaft, sondern um eine "Religionsparodie ohne ernsthafte religiöse Substanz" handele, werde der Landesbetrieb künftig keine weitere Genehmigung für die Aufstellung von Hinweisschildern erteilen, erklärte Kunst. mit/kws/pko

- Am 16.01.2015 berichtet die Märkische Oderzeitung, der Nordkurier und Brandenburg Aktuell.
Letztere fragen im Brandenburger Kultusministerium nach, was die Meldung konkret bedeutet. Ein Ministeriumssprecher erklärt, die Schilder müssten abgenommen werden.

- Am 17.01.2015 vormittags ruft Herr Weida deshalb bei Herrn Benedix an. Dieser erklärt, er wüsste davon nichts. Er hätte zwei Schreiben fertig, eins an den Bürgermeister Templins, in dem die Genehmigung zum Aufstellen der Nudelmessenhinweisschilder erteilt und die konkreten Standorte benannt werden, ein weiteres, in dem dem KdFSMD e.V. mitgeteilt wird, dass gegen die Rücknahme des Bescheides kein Widerspruch möglich wäre.
Herr Weida macht klar, dass er das anders sieht und erklärt sich auch mit der Art und Weise der Erteilung der neuen Genehmigung nicht einverstanden, da diese nicht der mündlichen Genehmigung vom 09.12.2014 entspricht, 
sondern nach der Richtlinie für Werbeschilder erfolgte. Herr Benedix will das Herrn Heyne mitteilen, der noch abwarten möchte, was in Potsdam passiert. 

- Am 17.01.2015 nachmittags ruft Herr Heyne bei Bürgermeister Tabbert an und teilt diesem mit, dass sich der Landesbetrieb Straßenwesen nicht mehr an die Zusage vom 09.12.2014 halten und es keine Genehmigung, egal welcher Art, geben wird.

Der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters e.V. kündigt an, nunmehr den Rechtsweg zu beschreiten.

Bürgermeister Tabbert erklärt für Templin, dass sich die Stadt an die Vereinbarung halten wird und die Schilder bis zur endgültigen rechtlichen Klärung an den Masten der Stadt hängen können.

17.01.2015

Offener Brief an die Christen Templins



Sehr geehrter Herr Chrzon, sehr geehrter Herr Höhle, sehr geehrter Herr Schein, liebe Christen,

wieder sind unsere Nudelmessenhinweisschilder durchkreuzt worden. Dieses Mal mit rotem Klebeband, das sich nicht einfach ablösen lässt. Es bleiben Farbspuren, die aufwändig entfernt werden müssen.

Aufgrund der Art und Weise der Durchkreuzung sind wir inzwischen überzeugt, dass es sich weder beim ersten Mal noch jetzt um alterstypische Taten eines Jugendlichen handelt, sondern um bewusste Aktionen eines intoleranten erwachsenen Christen.
Schon bei der letzten Aktion hat Herr Schein bedauert, dass diese auf die Christen Templins zurück fallen wird. Diese Gefahr besteht auch dieses Mal.

Wir sind überzeugt, die Mehrheit der Templiner Christen ist  tolerant und möchten Ihnen deshalb die Möglichkeit geben, das zu zeigen und sich so von den Aktionen zu distanzieren. Bis zum nächsten Wochenende werden wir warten, bevor wir versuchen, die Schilder selbst zu säubern. So haben Sie die Möglichkeit, dies zu übernehmen. Das könnte auch ein Zeichen setzen, um solchen Vandalismus künftig zu vermeiden.

Darüber würden wir uns sehr freuen, denn die Meldung des rbb, unsere Schilder müssten auf Weisung des Kultusministeriums abgenommen werden, ist falsch. Das liegt nicht in der Kompetenz dieses Ministeriums und dessen Befund, wir wären keine Religion, ist unerheblich. Unsere Nudelmessenhinweisschilder haben wir als Weltanschauungsgemeinschaft beantragt, als die wir uns seit unserer Gründung verstehen. Die sind laut Grundgesetz mit Religionsgemeinschaften gleichgestellt. Im einführenden Text zur Richtllinie zum Aufstellen von Hinweisschildern wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese in Kraft gesetzt wurde, um weitere Gleichberechtigung zwischen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zu schaffen.

Mit freundlichen Grüßen

Rüdiger Weida
Vorsitzender
Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V.
Gemeinnützige Körperschaft




Nachtrag: Inzwischen ist die erste Antwort eingetroffen. Für die katholische Kirche schreibt Gemeindereferent Vedder:

Hallo,
nicht so leicht, eine Niederlage einzustecken, kann ich verstehen.
Ihnen persönlich alles Gute
Reiner Vedder

15.01.2015

Das Wort zum Freitag - Herr Vedder und die Toleranz



Der Gemeindereferent der Katholischen Kirche Templins hatte uns nicht nur im auf rbb als bösartigen Karnevalsverein verleumdet, den gleichen Ton hatten Mails an mich und zwei Leserbriefe von ihm, die Mitte Dezember in der Templiner Zeitung veröffentlich wurden.

Dort heißt es im ersten unter dem Titel "Verhöhnung christlicher Werte geht zu weit" u.a.

"Ich möchte nicht, dass in unserem toleranten Brandenburg plötzlich wieder jemand behauptet, die Weisheit mit den "Spaghetti"-Löffeln gegessen zu haben. Wir haben die Meinungsfreiheit, aber auch das Recht, das nicht auf unseren religiösen Gefühlen herumgetrampelt wird"

Im nächsten, betitelt "Zynismus wird in Hohn und Spott enden" schildert er die schrecklichen Folgen, die unsere Nudelmessenhinweisschilder angeblich für Templin hätten. Er wirft uns Rassismus vor und meint: "Das Fliegende Spaghettimonster steht exakt für das Gegenteil von Toleranz." und schließt später "Die Folgen dieser Kampagne werden wir alle zu tragen haben. Noch ist es nicht zu spät"

Wozu, Herr Vedder?


Mein als Gegendarstellung gedachter Leserbrief wurde, wie üblich gekürzt, gestern veröffentlicht. Erst meine Nachfragen beim Chefredakteur hatten dazu geführt.
Hier ist er in voller Länge:



Der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. ist eine
anerkannte gemeinnützige Körperschaft. Auch wenn uns ein führender
Religionswissenschaftler im rbb bescheinigt hat, Religionsgemeinschaft zu sein, wir verstehen uns eher als Weltanschauungsgemeinschaft. Als eine, die gemeinsame Ideale, Riten und Traditionen entwickelt und pflegt. Dabei greifen wir zurück auf die Werte von Aufklärung und Humanismus. Werte, die oft unter großem persönlichem Einsatz gegen den Widerstand der Kirchen erkämpft werden mussten, Werte wie Gleichberechtigung, Toleranz, Selbstbestimmung, Menschenwürde. Werte, auf denen unser Gundgesetzt beruht, Werte, die Basis unserer heutigen offenen Gesellschaft sind und von denen die Kirchen nun, nachdem sie sich gesellschaftlich durchgesetzt haben, gern behaupten, das wäre ihr Verdienst.

Wenn wir jetzt unsere regelmäßigen Veranstaltungen genau so ankündigen
wie Religionsgemeinschaften, entspricht das nur dem geltenden Recht.
2008 wurde die entsprechende Regelung, die bis dahin nur der evangelischen und katholischen Kirche solche Hinweisschilder erlaubte, mit dem erklärtem Ziel geändert, mehr Gleichberechtigung zwischen Religions- und Weltanschauungs-gemeinschaften zu schaffen. Deshalb kann jetzt jede von diesen eigene Schilder aufstellen.

Was jetzt in Templin geschehen ist, ist also nur ein Stück Normalität.
Das mögen die nicht so empfinden, die da bisher ein alleiniges Privileg hatten, was jedoch nichts an dieser Tatsache ändert.

Es mutet grotesk an, wenn der katholische Gemeindereferent Vedder nun
den Untergang des Abendlandes oder zumindest Templins beschwört.
Geradezu Verleumdung ist es, wenn er unseren Verein als böse und exaktes
Gegenteil der Toleranz beschreibt. Zur Erinnerung, wir haben jahrelang
die Schilder seiner Kirche toleriert, mit denen die zu Veranstaltungen einlädt, auf denen nach ihrem Eigenverständnis Fleisch und Blut eines vergöttlichten Menschen zu sich genommen werden. Wir nehmen nur Bier und Pasta zu uns und doch wurden unsere Schilder nach nur drei Tagen beschmiert und durchkreuzt.

Deutschland und die Welt lacht auch nicht über Templin. Im Gegenteil, das hat sich Ansehen verschafft. In den sozialen Netzwerken wurde sogar geunkt, der ganze Schilderstreit wäre nur eine clevere Marketingidee gewesen, um Templin bekannt und attraktiver zu machen. Gelacht wurde nur über zwei Templiner Kirchen. Daran sind aber nicht andere schuld, sondern allein das Verhalten ihrer Vertreter in den Medien und vor Ort. 


Was aber weder Templin noch die Welt untergehen lassen wird.

Rüdiger Weida
Vorsitzender KdFSMD e.V.


08.01.2015

Das Wort zum Freitag - Charlie lebt



Zwei vermummte Männer, ausgerüstet mit Kalaschnikow und Raketenwerfer, haben versucht, eine gesamte Redaktion auszulöschen. Zu einem großen Teil haben sie es unter den Rufen "Allah ist groß" und "Wir haben den Propheten gerächt" geschafft. Beide standen unter Beobachtung der französischen Polizei, einer war wegen versuchter Teilnahme am Dschihad bereits im Gefängnis.

Frankreich reagiert fantastisch, Tausende gehen auf die Straße und zeigen, wir lassen uns nicht unterkriegen und wehren diesen Generalangriff auf unsere offene Gesellschaft ab. Comiczeichner greifen sofort zum Stift. Die ganze Welt zeigt Solidarität. Fast die ganze. Radikale Muslime feiern ihre terroristischen Glaubensbrüder für die Tat.

In Deutschland stellt Innenminister de Maizière fest: "Die Anschläge von Paris haben nichts mit dem Islam zu tun."

Wieso nicht, Herr Minister?

Weil der Islam eine Religion des Friedens ist, also gar nichts damit zu tun haben kann? Vielleicht waren es sogar Atheisten, die diese Religion nur beschmutzen wollen? Gläubige können es ja angeblich nicht gewesen sein, denn "wer auch immer mit automatischen Waffen in eine vollbesetzte Redaktion eindringt und dort hilflose Menschen niedermetzelt, steht außerhalb jeglichen religiösen Heilsversprechens, sondern ist geradeaus auf den Weg in die Hölle."

Noch ist manches nicht geklärt. Auffallend ist jedoch, dass sich bisher keine terroristische Organisation zur Tat bekannt hat. Deshalb wird von Einzeltätern ausgegangen, wie oft in letzter Zeit bei terroristischen Anschlägen von Muslimen.
Gerade dieser Fakt aber, der zeigt, dass nicht die Zugehörigkeit zu einer Organisation die Motivation gibt, ist doch ein ganz starkes Indiz, dass es doch an der Religion liegt. Nichts anderes verbindet all diese Einzeltäter.

Trotzdem darf es nicht dazu kommen, dass muslimische Einrichtungen angegriffen werden. Ein großer Teil der Franzosen hat bereits gezeigt, dass er Muslime nicht unter Generalverdacht stellen will.

Genau so sollten wir es halten. Es wäre fatal, wenn der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben werden soll, religiöser Wahn mit anderem religiösem oder braunem Wahn.

Das kann nur gelingen, wenn die Politik endlich bereit ist, auch Religion mit den gleichen kritischen Augen zu sehen wie andere Weltanschauungen.

Das kann nur gelingen, wenn die Politik Sorgen der Bürger ernst nimmt, egal ob die begründet sind oder nicht und auf sie Antworten gibt.

Das kann nur gelingen, wenn auch wir aufhören, alle, die sich nicht wohlfeil verhalten, in die braune Ecke zu stellen, sonst bleibt denen keine andere mehr, wo sie hin können.

Das kann nur gelingen, wenn auch wir mit denen reden, die nicht unserer Ansicht sind, wenn wir die, genau wie die Muslime, nicht unter Generalverdacht stellen, sondern gemeinsam nach den Ursachen suchen, warum Gesellschaft so reagiert, wie sie es tut.

Das kann nur gelingen, wenn wir es uns auch weiterhin erlauben, über Lächerliches auch zu lachen.

Danke, Oliver Maria Schmitt, für deine Feststellung:

"Es ist aufklärerische Menschenpflicht, jede Religion zu kritisieren"

                                            Charlie lebt!