24.03.2010

Nimms - Leicht - Stuhl statt Beichstuhl
















"Zum Weltjugendtag am 27. März kommt das «Beichtmobil» nach Berlin. Wie das katholische Hilfswerk «Kirche in Not» am Montag mitteilte, wird der fahrende Beichtstuhl, ein umgebauter Mini-Bus, am Ludwigkirchplatz seelsorglichen Rat anbieten und jungen Besuchern die Beichte abnehmen."

Diese Nachricht hat unsere Hilfsbereitschaft geweckt. Vor allem, als sich heraus gestellt hat, diese Aktion ist Teil der Weltjugendtagsfeier der Berliner Diözese.

Klar, die Katholische Kirche ist nicht das, was wir unbedingt mögen. Aber so, wie sie jetzt gerade gebeutelt werden, tun sie selbst uns leid. Also springen wir ihnen mal kurz bei. Obwohl sie doch gerade jegliche Glaubwürdigkeit in Sachen moralische Instanz verspielt haben, bieten sie jungen Besuchern weiterhin seelsorgerischen Rat an. Althergebracht im Dunkel des Beichstuhls soll die jugendliche Seele gerettet werden.


Dabei geht das viel einfacher. In unserem "Nimms Leicht Stuhl" nämlich. Dort kann jeder öffentlich über kleine und größer Sünden berichten und über sie lachen. Hier kann aber auch jeder Platz nehmen und uns über unsere kleinen Sünden befragen. So wird die Moral wieder auf den Kopf gestellt und alle können gemeinsam erfahren: Sünde gibt es nicht, nur Verantwortung vor sich selbst und der Gesellschaft.

Für die meisten jedenfalls. Katholische Würdenträger können natürlich auch in unserem Stuhl Platz nehmen und öffentlich wirkliche Sünden beichten. So geläutert laden wir sie dann herzlich zu unserer öffentlichen Nudelmesse ein.

Wer das gern mit erleben möchte: Der "Nimms-Leicht-Stuhl" steht am 27. März ab 15:00 Uhr am Ludwigkirchsplatz in 10719 Berlin Wilmersdorf. Unsere öffentliche Nudelmesse, zu der wir alle recht herzlich einladen,  wird um 16:00 beginnen.


Kommentare:

  1. Ihr glaubt also, dass man Kindesmissbrauch auf die leichte Schulter nehmen sollte?

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  2. Ganz im Gegenteil.

    Wir haben nur erkannt, dass der Beichtstuhl mit seiner Anonymität, mit seiner Einseitigkeit Beichter - Vergeber,
    vor allem aber mit einer auf völlig falschen Grundlagen aufgebauten Lehre das eher begünstigt als verhindert.

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  3. Dass ein Kidnerschänder über seine Vergehen lachen soll, ist natürlich viel besser. Schade, dass es den "Nimms-leicht-Stuhl" nicht schon viel eher gegeben hat. Zur Zeiten der KZs zum Beispiel. Was wäre das für ein Gelächter geworden.
    Wie gut, dass es keine Sünde gibt, sonst würde mir ja das Lachen im Halse stecken bleiben.

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  4. Da hast du wohl was kräftig falsch verstanden.

    Es ging doch nicht darum, dass ein Kinderschänder über sein Vergehen lachen soll. Es ging darum, dass sich über Jahrhunderte gezeigt hat, dass der Beichtstuhl das völlig ungeeignete Instrument ist. Sowohl für die Geschändeten als auch für die Schänder. Besonders die Taten von letzteren gehören ans offene Tageslicht der Strafverfolgung und nicht in den dunklen Verschleierungskasten der Kirchen.

    Darum ging es mir in meinem obigen Post.

    Nicht aber bei unserer Aktion. Die hatte keinen direkten Bezug zu Kinderschändern. Die hatte nur einen Bezug zu der sinnlosen Konstruktion der Sünde. Es kam uns darauf an zu zeigen, dass nicht der Aufbau von Sünden durch einen Gott und deren Erlass durch dessen Bodenpersonal der rechte Weg ist, sein Leben zu gestalten.

    Das, was ihr Sünden nennt, gibt es nicht. Deshalb ist es besser, die leicht zu nehmen und wegzulachen. Ernst nehmen muss man lediglich "Sünden" die gleichzeitig Gesetzesverstöße oder gar Verbrechn sind. Aber, siehe oben, gerade die gehören nicht in den Beichtstuhl, sondern vor den Staatsanwalt.

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  5. Warum sollte man über die Gesetzesverstöße oder Verbrechen nicht lachen? Wollt ihr uns das Lachenverbieten?

    Die meisten Verbechen verjähren. Was bleibt dann? Die Verbrecher haben gut lachen.

    Aber gut, wenn ihr die Sünde, die Schuld, die Verbrechen, die Menschen begehen und begangen haben, nicht ernst nehmen wollt. Versteht, dass ich das lächerlich finde.

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  6. Klar verstehe ich das. Wer von klein auf dazu erzogen wurde, die Sünde (also ein Verstoß gegen Gottes Gebote) zu akzeptieren, kommt schwer davon los.

    Schade ist, dass du versuchst etwas zu unterstellen, was ich nie gesagt und wir nie gewollt haben: Die Verbrechen, die Menschen begangen haben, nicht ernst zu nehmen. Genau das fordern wir. Nur sind das für uns keine Sünden, sondern halt Verbrechen. Wer als Gläubiger die dann auch noch als Sünde sehen will, kann das gern tun.

    Was aber nicht sein darf, dass, so wie in der katholischen Kirche, der Täter seine "Sünden" beichtet und danach der Strafverfolgung entzogen wird.

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  7. Und wer definiert bitte schön, was Verbrechen sind? In China ist das Töten Andersdenkender kein staatliches Verbrechen.

    Zudem ist nicht alles im Strafgesetzbuch geregelt. Wenn ich einem anderen die Frau ausspanne, ist das kein Verbrechen. Was sagt ihr dann dem Betrogenen? Oder dem Betrüger? "Macht euch nichts draus, es ist ja kein Verbrechen." Bilden sich die Leute ihre Schuldgefühle oder ihren Schmerz nur ein?

    Und vorweg: Ich halte Nudelsuppe für keine gute Antwort auf die Frage.

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  8. Völlig klar, wer das deffiniert: Eine an den Menschenrechten orientierte Gesetzgebung.

    Göttliche Gebote sind völlig ungeeignet das zu deffinieren. Erst Recht nicht die 10 christlichen.
    Warum sollte sich eine Frau nicht einen neuen Mann suchen dürfen, wenn es mit dem alten nicht mehr läuft? Ist doch ne normale Sache.

    Und ja, viele Leute, speziell Gläubige, bilden sich ihre Schuldgefühle nur ein, weil sie ihnen eingeredet werden.

    Könnt speziell ihr Katholiken nicht selbst und direkt mit eurem Gott kommunizieren, dass ihr den Umweg über sein Bodenpersonal mit der Beichte braucht? Wenn diese, meist völlig weltfremden, Priester Ratschläge zur Ehe oder Sexualität geben, kann das doch nur schief gehen.

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  9. Ich hoffe mal die Opfer bilden sich den Schmerz auch nur ein.

    Ich halte "Sünde" für sehr real - auch ohne religiösen Kontext. Nicht alles menschliche Handeln lässt sich an staatlichen Recht festmachen.
    Jeder kann zwischenmenschlich verletzt werden, auch ohne Verbrechen. Wenn ein Freund einen anderen verrät - was ist das dann? Einbildung, nicht so schlimm, menschliches Konstrukt. Alles zum Lachen ja?

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  10. "Sünde" - soweit man hiermit keine strafrechtlich sanktionierten Verhaltensweisen bezeichnet - fällt entweder in die Kategorie unethisches Verhalten (nämlich dann, wenn es die Rechte anderer beeinträchtigt), das in der Regel eine prompte soziale Reaktion hervorruft und auf das man daher und aufgrund des Kategorischen Imperativs verzichten sollte, wenn man eine funktionierende Gesellschaft will... oder in die Kategorie "opferloses Verbrechen" ("Du sollst nicht masturbieren.", "Du sollst nicht begehren..." Herrje, die Gedanken sind frei und was man selbstverantwortlich mit dem eigenen Körper macht, geht keinen was an!)

    Was ist Sünde nach deinem Begriff? Wer entscheidet, was Sünde ist? Gott? Woher willst Du seinen (gesetzt, es gäbe ihn) Willen kennen? Weil es in der Bibel/einem anderen Buch steht? Die wurden auch von irgendwem aufgeschrieben. Glaubst Du alles, was in Büchern steht?

    Letztendlich sind "Sünden" genauso menschengemachte (nämlich der Menschen, die sie formulieren oder verbreiten) Konstrukte wie Verbrechen etc. Nur auf einer so niederschwelligen Ebene, dass sie nicht als strafwürdig anzusehen sind, sondern soziale Reaktionen hierauf völlig angemessen sind.

    Und zum Thema Kindesmissbrauch: Die Opfer gehören ordentlich entschädigt und zwar auf Kosten der Verursacher und nicht des Staates und soweit erforderlich auch auf deren Kosten therapiert. Die Täter gehören vor Gericht.

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  11. Ich glaube halt nicht an menschliche Ethik. In anderen Kulturen war es üblich kleine Kinder in die Wildnis zu jagen um zu sehen wer stark genug ist, um zu überleben. Total ethisch voll korrekt.

    Warum sollte ich auf die Philosphen hören? Wer ist denn dieser Kant, dass er mir einen Befehl (Imparativ) geben kann. Mit dem würd ic hgern mal ein Wörtchen reden - aber soviel ich weiß ist er bereits gestorben.

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  12. Bin z.Z. vom Netz abgeschnitten und kann nur mal von anderen Anschlüssen antworten, deshalb die lange Pause.

    Klar, Kant ist tot. Aber den hats wenigstens gegeben. Ganz im Gegensatz zu Elfen, Faunen, Göttern und sonstigen Fabelwesen.

    Seine Gedanken sind klar nachvollziehbar, ganz im Gegensatz zui dem Geschwafel der Bibel, das jeder auslegt wie er es braucht. Solche Beliebigkeit als moralische Grundgerüst ist doch die blanke Katastrophe.

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