16.02.2012

Das Wort zum Freitag

Save Hamza Kashgari!
Was, wir sollen helfen, einen Moslem zu retten, der von anderen Moslems zu Tode gehetzt werden soll? Sollen wir die nicht einfach ihr Ding unter sich ausmachen lassen? Wir verlangen ja schließlich auch, dass sich niemand in unsere Angelegenheiten einmischt.
Berechtigte Fragen. Wie immer helfen da nur zwei Sachen, die richtige Antwort zu finden: Ein erster tiefer Blick in uns selbst und ein zweiter tiefer Blick in unsere Heiligen Schriften.
Als ich gestern im Spiegel las "Zehntausende fordern in einer Facebook-Gruppe die Bestrafung des saudi-arabischen Journalisten Hamsa Kaschgari, weil er den Propheten Mohammed beleidigt haben soll. Sie wollen ein Exempel statuieren und verlangen die Hinrichtung des 23-Jährigen. Kaum einer stellt sich dem Hass entgegen." brauchte ich nicht erst tief in mich blicken. Sofort kam das Entsetzen, das Bedürfnis zu helfen und das Unverständnis, dass Facebook diese Seite im Netz lässt.
Das ist die normale Reaktion eines jeden Menschen der mit ansehen muss, wenn ein anderer Mensch so gejagt wird. Wir sind völlig von selbst alle altruistisch und helfen uns gegenseitig, da braucht es nicht erst aufgesetzte Moralvorstellungen.
Wieso kann dann aber eine solch große Masse Menschen jagen? Das ist nicht schwer. Der gejagte Mensch darf nur nicht mehr als Mensch wahrgenommen werden. Religionen, aber auch andere Weltanschauungen mit alleinigem Wahrheitsanspruch eignen sich hervorragend dazu, aus Menschen erst Andere, dann Feinde und schließlich Unmenschen zu machen, bei denen unsere angeborene Hilfsbereitschaft nicht mehr greift.
Wenn dieser Mechanismus bei mir als Pastafari nicht wirkt, muss das Ursachen haben. Blicken wir in unser Evangelium. Dort lesen wir gleich im ersten AmLiebstenWäreMir "Am liebsten wäre mir, wenn ihr euch nicht wie frömmlerische, selbstgerechte Esel benehmen könntet, sobald ihr Meine Nudelige Göttlichkeit beschreibt. Falls meine Leute nicht an mich glauben, ist das okay. Ehrlich. So eitel bin Ich nicht. Ausserdem: Um die geht es gar nicht, also bleibt beim Thema."
Auch das zweite AmLiebstenWäreMir gibt eine eindeutige Antwort auf unsere Frage:"Am liebsten wäre mir, wenn ihr Meine Existenz nicht benutzt zur Unterdrückung, Unterwerfung, Bestrafung, Entleibung und/oder um zu anderen gemein zu sein. Ich brauche keine Opfer, und Reinheit ist etwas für Bier und Trinkwasser, nicht für Menschen."
So eine klare Aufforderung, uns alle gemeinsam als Menschen zu sehen, gibt es in keiner anderen Religion. Wenn wir dann noch bedenken, Monster hat nicht mal eine Hölle geschaffen, sondern nimmt auch die Ungläubigen mit in Seinen Himmel auf, bleibt nicht der mindeste Zweifel.

Wir müssen Hamza Kashgari helfen.
Die Frage ist nur, wie? Da, muss ich zugeben, bin ich selbst noch etwas ratlos.
Das erste, was ich gestern gemacht habe war, der Facebookgruppe "Save Hamza Kashgari" beizutreten. Nur ein symbolischer Akt, aber auch die sind wichtig. Tretet auch ihr dieser Gruppe bei, ladet eurer Freunde ein, helft sie bekannter zu machen und so ein virtuelles Gegengewicht zu bilden zu
Wie kann es sein, dass Facebook diese Gruppe überhaupt im Netz lässt? Ich vermute nicht, aus Gründen der Presse- oder Meinungsfreiheit. Jemand zu Tode zu hetzen dürfte dadurch nicht gedeckt sein. Entweder ist es ihnen einfach egal, oder sie wollen es sich dort nicht mit der Mehrheit verscherzen.
Zeigen wir Facebook, dass es noch eine viel größere Mehrheit gibt. Melden wir die Seite. Dazu auf das Feld mit dem kleinen Rädchen neben "Gruppenbeitritt beantragen" klicken und die Gruppe melden. Dann kann sich jeder aussuchen, ob er "Hassreden" oder "Gewalt und verletzendes Verhalten" wichtiger findet.
Ich habe mich für "Gewalt - Glaubhafte Androhung von Gewalt" entschieden.
Vielleicht zeigt es auch Wirkung, sich direkt an die Saudi-Arabische Botschaft zu wenden. Auf der Seite, zu der man Bemerkungen über diese Botschaft machen kann, gibt es schon eine Menge Unterstützung für Hamsa Kaschgari.
Wirkungsvoller wird es aber wohl sein, sich an die Botschaft direkt zu wenden. Entweder unter den dort angegebenen Möglichkeiten, oder an das Kulturbüro der Botschaft. Ich habe meine Mail an 'deemb@mofa.gov.sa' geschickt:

Sehr geehrte Exzellenz,
die derzeitige Hexenjagd in Ihrem Land bestätigt auf´s trefflichste die Behauptungen all derer, die den Islam als unmenschlich, ungerecht und lebensfeindlich hinstellen. Mehr noch, dieser Vorgang zeigt, dass Religion in erster Linie tötet, statt Leben zu schützen. Das trifft mich als Pastafarianer, einem Anhänger der friedlichsten Religion der Welt in deren Namen noch nie ein Krieg geführt, noch nie jemand ermordet, ja noch nicht einmal geschlagen, gefoltert oder sonst gequält wurde, besonders.
Ich fordere Sie deshalb auf, helfen Sie diesen Wahnsinn zu stoppen. Helfen Sie denen in Ihrem Land, die den Islam liberal gestalten möchten. Helfen Sie aber vor allem, einen unsinnigen Tod auf dem Altar des "wahren" Islam zu verhindern.

Last but not least wäre noch die Aktion von Amnesty International zu empfehlen. Falls jemand noch andere Ideen hat, immer rein damit in die Kommentare.

Edit: Manuel hat mich noch auf folgende Petitionen aufmerksam gemacht und aufgefordert, diese mit zu unterzeichnen:
http://www.facebook.com/groups/217865731642049/

https://www.change.org/petitions/king-abdullah-immediately-release-journalist-hamza-kashgari


http://www.thepetitionsite.com/1/death-calls-for-saudi-poet-and-blogger/


http://www.change.org/petitions/saudi-government-interpol-and-malaysian-government-freedom-for-hamza-kashgari



Auch eine deutsche Facebookgruppe, in der versucht wird, konkrete Aktionen zu verabreden, gibt es inzwischen.

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