23.02.2012

Das Wort zum Freitag

Islamischer Ehrenmord und christliches Familiendrama?

Es war eine kleiner Artikel, der mich auf das Thema brachte, und eine sich daraus ergebende Diskussion auf Facebook. Grundschüler mit Migrationshintergrund haben gegenüber anderen Schülern einen in der Nähe der Schule begangenen Ehrenmord gerechtfertigt und die grundsätzlich für gut geheißen. Schüler im Alter von bis zu 10 Jahren, ein Alter, bei dem man davon ausgehen kann, sie haben nur das wiedergegeben, was sie im Elternhaus erfahren haben. Die Schule reagierte prompt, sie versuchte sich mit einem Brief an eben diese Elternhäuser zu wenden. Eine, wie ich finde, prima Aktion. Es reicht nicht, Ehrenmorde zu verfolgen, es sollten auch die Anschauungen, die diesen rechtfertigen, gewandelt werden.
Welche Anschauungen sind das aber? Ist Ehrenmord wirklich ein typisch islamisches Problem und seine Ursache in dieser Religion zu suchen?
Der erste Teil der Frage lässt sich klar beantworten. Ehrenmord ist tatsächlich ein Phänomen, das in erster Linie in islamischen Gesellschaften vorkommt. Paktistan fällt hier besonders negativ auf. Dort sind in den ersten neun Monaten des Jahres 2011 mindestens 675 Frauen und minderjährige Mädchen familiären Ehrenmorden zum Opfer gefallen. Aber es gibt Ehrenmorde nicht ausschließlich dort. Auch in katholisch geprägten Ländern wie Brasilien, Ekuador und sogar in Italien kommen sie vor. Sogar in Deutschland, wenn dort auch ausschließlich durch Migranten. Noch ein anderes Indiz, dass Ehrenmord seine Ursache nicht im Islam hat ist die Tatsache, dass es ihn schon lange vor dem Islam gab. Patriarchalische Gesellschaften mit ihrem Besitzanspruch an die Frauen, haben durch unsinnige Ehrenkodexe diese Sonderform des Mordes hervorgebracht, der neben dem Schutz der Ehre auch der Aufrechterhaltung der Herrschaft der Männer und der Kontrolle weiblicher Sexualität dient.
Klarer Freispruch also für den Islam? Nein, denn immerhin gibt es tatsächlich islamische Gelehrte und islamische Organisationen, die nicht nur der Meinung sind, der Islam rechtfertige Ehrenmorde, sondern er fordere sie sogar. Vor allem aber ist der Islam ein System, das nicht nur solche patriarchalischen Gesellschaften konserviert und fördert, er gibt auch mit vielen Aussagen eben dem Denken recht, das die Frau als Eigentum des Mannes sieht, das die Sexualität der Frau unter die Kontrolle des Mannes stellt und das angestammteEhrvorstellungen mit gesellschaftlich akzeptierten religiösen Werten in eine enge Verbindung bringt, da der Koran und die Überlieferung für das sittsame Verhalten der Frau zahlreiche Vorschriften enthalten.
Hier trifft er sich nun wieder mit dem Christentum, weshalb es mich nicht wundert, wenn außerhalb des islamischen Gebietes ausgerechnet in katholischen Ländern ebenfalls Ehrenmorde vorkommen. Wenn das weitaus weniger sind, liegt das sicher nicht am Christentum selbst, sondern an Aufklärung und Humanismus, die der christlichen Religion schon lange das Setzen von Wertmaßstäben abgenommen haben. 
Mein klares Fazit deshalb:
Weder Islam noch Christentum sind die Ursachen für Ehrenmorde, aber beide begünstigen sie.

Deshalb gilt es auch aus diesem Grund für die Verringerung des Einflusses von Religion auf Gesellschaft zu kämpfen.
Ach ja, fast hätte ich die Überschrift vergessen, die ich selbst gewählt habe. Man hört immer wieder, was bei den Muslimen Ehrenmord genannt wird, nennen wir bei den Christen/in Europa/bei uns einfach Familiendrama. Wer wirklich so denkt, hat das Wesen von Ehrenmorden nicht ansatzweise verstanden. Aber das Thema führe ich nicht mehr selbst aus, sondern setze einen Link
Hier noch eine Aufstellung weiterer, zum Teil bereits im Text gesetzter interessanter Links zum Thema:

Der Ehrenmord  Eine sehr aufschlussreiche Arbeit des Islaminstituts
Soll man Ehrenmorde überhaupt Ehrenmorde nennen?
Ehrenmorde in Deutschland  Eine Studie des BKA 







Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen