29.02.2012

Warum ich kein Christ sein kann

Eine Lesung mit Prof. Dr.-Ing. Uwe Lehnert aus seinem gleichnamigen Buch am 28.02.2012 im Historischen Rathaus Templin

Lesungen im säkularen Umfeld dürften in der Provinz eher selten sein. Da gibt es einfach nicht die Organistationen, die das durchführen, da gibt es aber auch nicht das bereits interessierte Publikum wie in Großstädten. Werbung ist also besonders wichtig. Deshalb sollte nicht nur der Hinweis in der Lokalzeitung stehen, die Lesung kam ebenfalls auf den offiziellen Veranstaltungskalender der Stadt und natürlich habe ich auch reichlich Plakate und Flyer verteilt. Im Rathaus, im Multikulturellen Zentrum, im Seniorenclub, in dessen Räumen die Veranstaltung stattfand, und natürlich auch in der Tourismusinformation. Weil ich wegen eines Druckfehlers die Flyer austauschen wollte, habe ich nach zwei Tagen noch mal die Runde gedreht. Alle Flyer, immhin 60 Stück, waren weg. Donnerwetter, mit solchem Interesse hatte ich nicht gerechnet. Das konnte dann doch ein knackevoller Saal werden. Jedenfalls, wenn nicht Mitbürger, denen der Titel vielleicht nicht so zugesagt hat, einfach alle Flyer entsorgt hatten. 

Bei Beginn der Veranstaltung wurde klar, es wird wohl eher Letzteres der Fall gewesen sein. Nur die vorderen Reihen waren, nach der üblichen Aufforderung doch dort zusammen zu rücken, besetzt. Es wurde trotzdem oder vielleicht sogar gerade deshalb, eine sehr interessante Lesung. Das lag an der klaren und präzisen Führung von Uwe Lehnert, der immer wieder mit Graphiken die Struktur seiner Lesung verdeutlichte und auch wichtige Abschnitte zum Mitlesen einblendete, das lag am brisanten Thema und an den Gästen. Ganz besonders an einer Gruppe von Baptisten. Einige von ihnen waren schon bei unserer letzten Lesung dabei und sorgten dort für etwas Wirbel.

Ein völlig anderes Miteinander erlebten wir nun. Natürlich waren in der Diskussion die Positionen nicht anzunähern. Aber wie die unterschiedlichen Ansichten vertreten wurden, wie wirklich versucht wurde, auf die Argumente zu reagieren und nicht den weltanschaulichen Gegner zu verurteilen, das war schon nicht schlecht. 

Wer Lehnters Buch oder ihn selbst kennt, weiß, er argumentiert nur mit Fakten, vermeidet Polemik und legt so den Grundstein zu einem sachlichen Klima. Das allein war es jedoch nicht.
Als ich ihm am Ende der Veranstaltung für seinen Lesung dankte, auch dafür, dass er dabei größtmögliche Rücksicht auf die klamme Kasse unseres Vereins genommen hatte, bedankte ich mich anschließend auch bei der Baptistengruppe. Ich war wirklich beeindruckt, wie sie die teilweise für sie recht harten Fakten aufgenommen hatten und wie sie diese sogar in vielen Fällen akzeptierten. Das fand ich nicht nur respektabel, das habe ich ihnen auch gesagt. Darauf erklärten auch sie, bei der letzten Lesung wäre es recht unglücklich gelaufen und sie wären auch deshalb heute erschienen, um zu zeigen, dass sie uns wahrnehmen und auch gesprächsbereit sind. Wir haben uns nicht nur freundlich voneinander verabschiedet, es wurden sogar gegenseitig Bücher getauscht. Obwohl da nicht ganz sicher ist, ob die auch gelesen werden, ausgeschlossen ist es nicht. Vor allem ging aber so der Abend viel angenehmer zu Ende, als bei damals. 

Um die gute Stimmung nachklingen zu lassen, dachte der säkulare Teil der Besucher sogar über einen gemeinsamen Entspannungstrunk in einer Gaststätte nach. Die Zeit war jedoch schon recht fortgeschritten und alle etwas in Eile. Es wurde jedoch vereinbart, sich demnächst zu einem ersten Atheistenstammtisch zu treffen. Vielleicht wird sogar ne Tradition daraus, auch wenn betont wurde, dass ja gar nicht alle Atheisten wären. Da wird uns aber schon ein Name einfallen, der jedem gerecht wird. ;)

Kommentare:

  1. das wäre ja super, wenn Ihr so im Gespräch bleiben könntet! Klasse! Ganz toll ! :) Dann kann ich auf weitere Videos hoffen, mich darauf freuen :)

    AntwortenLöschen
  2. Wir wollen noch mehr säkulare Schriftsteller nach Templin zu Lesungen holen. Dann werden wir natürlich auch wieder alle Kirchgemeinden, von denen bisher nur die Baptisten gekommen sind, einladen.

    Mal sehen, wie es dann weiter geht.

    AntwortenLöschen