28.06.2013

Umstrittene Staatsleistungen an Kirchen werden weiter gezahlt



Wie die TAZ berichtet, wurde heute ein Antrag der Linkspartei zur Ablösung der enormen jährlichen Staatsleistungen  an die Kirchen im Bundestag mit der Mehrheit von Union, SPD und FDP bei Enthaltung der Grünen, abgelehnt.  Die Linke hatte vorgeschlagen, „eine einmalige Entschädigungszahlung in Höhe des Zehnfachen des zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Gesetzes gezahlten Jahresbeitrags“ , das wären immerhin 4,8 Mrd Euro, zu leisten.  Sie konnte sich auf einen klaren Verfassungsauftrag berufen, der aus der Weimarer Verfassung übernommen wurde. Danach hätten die Zahlungen bereits seit über 90 Jahren nicht mehr erfolgen dürfen.

Genau darin sieht die SPD aber nun einen Grund, sich auch jetzt noch reichlich Zeit zu und, womöglich, alles beim Alten zu lassen.
Die Kirchen wären mit der Ablösung einverstanden, aber nicht mit der Summe. Sie fordern 19,2 Mrd Euro.

Dabei hätten sie sich schon über die angebotenen 4,8 Mrd Euro freuen sollen, denn es gibt überhaupt keinen Anspruch auf diese Zahlungen, der abgelöst werden müsste. Man könnte sie einfach einstellen.

Im Wesentlichen wird der ewige Geldfluss vom Staats- ins Kirchensäckel mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 begründet, der angeblich Entschädigung für Enteignung von Kirchenländereien sein soll.

Hier gibt es gleich 2 Fehler.

1. Die Kirche wurde nicht, bzw. nur in wenigen Ausnahmen, enteignet.  Bei den betreffenden Ländereien handelte es sich nicht um Besitz, sondern um Lehen.  Die wurden einfach neu verteilt. 
2. Damit die Kirchenfürsten, die nun ohne Ländereien und somit ohne Einnahmen da standen, weiterhin ein standesgemäßes Leben führen konnten, sollte sie vom Staat alimentiert werden. Auf Lebenszeit, nicht in alle Ewigkeit. Der Reichsdeputationshauptschluss ist da ganz eindeutig, wenn er in § 50 sagt:
"Den sämmtlichen abtretenen geistlichen Regenten ist nach ihren verschiedenen Graden auf lebenslang eine ihrem Range und Stande angemessene freie Wohnung mit Meublement und Tafelservice, auch den Fürstbischöfen und Fürstäbten des ersten Ranges ein Sommeraufenthalt anzuweisen; wobei sich von selbst versteht, daß dasjenige, was ihnen an Meublen eigenthümlich zugehört, ihnen gänzlich überlassen bleibe, das aber, was dem Staate zugehört, nach ihrem Tode diesem zurückfalle."

Also ein Grund, sich zu freuen, dass die Ablösung und damit ein weiteres Geschenk an die Kirchen nicht zustande kam?

Ich fürchte nicht. Vielmehr ist zu vermuten, dass CDU, SPD und FDP weiter treu auf Kirchenrepublikskurs bleiben und entweder alles beim Alten lassen oder die Forderung der Kirchen nach einer Ablösungssumme von 19,2 Milliarden erfüllen werden. Da spielt es auch keine Rolle, dass, selbst wenn die betreffenden Ländereien nicht Lehen, sondern Kirchenbesitz gewesen wäre, deren Wert im Laufe der Jahre bereits mehrfach abgezahlt ist.

27.06.2013

Das Wort zum Freitag - Zemplener Berge

An den Klickzahlen habe ich gemerkt, ein Reisebericht als Wort zum Freitag ist nicht so ganz nach eurem Geschmack. Aber ich hatte den zweiten Teil angekündigt, deshalb kommt er nun auch. Ich werde mich aber größtenteils auf unsere Fotoerlebnisse beschränken.

Nächste Woche gebe ich mir dann ganz große Mühe, ein Thema, das alle interessiert, zu finden. Versprochen.



Von Tvarosna in der Slowakei bis zu unserem neuen Quartier in Sarospatak, Ungarn, waren es nur drei Stunden Fahrt. Im Granatalmas Vendeghaz waren wir schon zwei mal. Auch hier gab es nette Wirtsleute, die Einrichtung im Landhausstil entspricht unserem Geschmack und der Preis von 3500 ft pro Person und Nacht ist ortsüblich. Es gibt ein kleines Vorzimmer mit Kochecke, Sofa, Tisch und Schrank, ein Schlafzimmer und ein Bad. Besonders genießen wir immer die Abende auf dem Balkon mit Blick über die Dächer und einer Flasche Egri Bikaver.


Für die Tage hatten wir uns einen "Abschiedsplan" gemacht. Wir wollten noch mal Flecke besuchen, die uns immer gut gefallen haben und natürlich auch unsere Freundin Enikö. Ganz oben stand ein Besuch in Tengerszem, ein ehemaliger Steinbruch aus dem Mittelalter, in dem Mühlräder geschlagen wurden. Dieses Nahausflugsziel für die Sarospataker ist nicht nur schön, es gibt auch interessante Tiere dort. Schon auf dem Weg nach oben sahen wir eine Smaragdeidechse am Wegesrand



und das war nicht die einzige. Mindestens 8-10 haben sich gezeigt, wenn auch nicht alle so stattlich und mit blauer Kehle, wie die.
Oben angekommen bot sich ein toller Blick, zunächst auf ein paar nicht fertig gewordene Mühlsteine, dann auf das Meerauge, so heißt Tengerszem übersetzt, selbst. 





So sieht es aus, wenn man unten am Wasser auf dem Weg steht, durch den die fertigen Steine abtransportiert wurden.



Einen Hirschkäfer hatten wir dieses Mal hier nicht gesehen, dafür aber dann am nächsten Tag im Park der Burg.


Das Fotoglück blieb uns weiter hold. Als wir, wie immer, mit Gummistiefeln in einem kleinen Bach lang liefen, um Mineralien, Jaspis, Achat, Geysirit u.a. zu finden, stießen wir auf einen Fleck voller Prachtlibellen. Weil wir unsere Kameras nicht dabei hatten, sind wir extra noch mal hin gefahren.


Am Tag vor der Abfahrt steht unser Plan immer fest. Morgens auf den Markt, um uns mit dem leckeren örtlichen Speck und mit Wurst einzudecken, dann entspannen und abends das Auto für die Abfahrt packen.





Dieses Mal kam alles anders und das begann schon einen Tag zuvor. Da wollten wir zur Armadiburg wandern. Auf dem Weg dorthin sahen wir Löcher in einer Steilwand und dachten, da können wir Uferschwalben fotografieren. War aber nichts. Es war eine kleine Kolonie Bienenfresser. Die hatten wir bis dahin überhaupt nur einmal gesehen. Also die Knipsen raus und rangepirscht. Zu Hause angekommen mussten wir dann feststellen, wir hätten noch weiter ran gemusst. Es half nichts, wir mussten am Tag vor der Abfahrt noch mal hin. 

Diesmal schlich ich mich näher heran, stellte die Kamera auf eine Ständer und legte mich ins hohe Gras in der Hoffnung, dort realtiv unsichtbar zu sein. Irgendwie hat es auch geklappt, nach vielleicht 20 min ging das normale Treiben bei Bienenfressers weiter,  man fing Bienen.



Zwischendurch wurde ich noch durch ein paar Holzbienen abgelenkt.


Aber dann war ich doch wieder im richtigen Moment zur Stelle für diesen Schuss.

Wir waren rundrum glücklich nach dem Erlebnis mit diesen herrlichen Vögeln. Das Auto wurde am nächsten Morgen schnell beladen, und weil wir nicht nur mit den Vögeln schöne Erlebnisse hatten, sind wir nun schon gar nicht mehr ganz so sicher, ob es wirklich unsere Ungarnabschiedsfahrt war.







20.06.2013

Das Wort zum Freitag - Zipser Gespannschaft

Fast immer, und das ist ja auch der Sinn, geht es im Wort zum Freitag um weltanschauliche Fragen. Man könnte fast denken, Pastafari beschäftigen sich mit nichts anderem. Doch, doch, tun sie. Reichlich sogar. Denn das Leben soll in erster Linie Spaß machen. 

Weil uns unser Urlaub sehr viel Spaß gemacht hat und weil es oft auch Spaß macht, Urlaubsberichte zu lesen, gibt es nun den ersten Teil unseres Urlaubsberichtes.

Jahrelang fahren wir nach Ungarn. Oft über Polen und die Slowakei. Dabei kamen wir immer durch eine Gegend, die uns so wohl von der Landschaft, als auch von den schnuckligen kleinen Häuschen her sehr sympathisch war. Sogar eine große Burg gab es dort. Beim Suchen nach der stellte ich fest, es ging um die Zipser Gespannschaft

Wir wollten wieder nach Ungarn in die Zemplener Berge fahren und diesmal sollte es unsere Abschiedsfahrt werden, also war es die letzte Möglichkeit bei der Durchfahrt mal in Zips anzuhalten. Über das Internet fanden wir eine Pension die noch die gewünschten 3 Tagen Platz für uns hatte und los gings. 

Das Wetter haben wir bis nach Zips mitgenommen. Die Berge der Hohen Tatra, die man sonst von Käsmark und Umgebung aus stolz in den Himmel ragen sieht, haben wir nur am ersten Tag kurz gesehen. 



Auch unser Quartier in Tvarozna fand ich nicht gleich. Ich hatte auf GoogleMaps nachgesehen, wusste, das liegt am Dorfende und fuhr schnurstracks dort hin. Doch davon gabs wohl mehrere. Es wäre besser gewesen, einfach den kleinen Schildern zu folgen, die sicher dort hin führten. Aber wir fanden es dann doch und waren ringsherum hoch zufrieden. Das ganze Grundstück bis in die Zimmer war mit viel Liebe zum Detail eingerichtet, wenn auch nicht unbedingt nach unserem Geschmack. Aber das Gefühl der Leere, das Hotelzimmer bieten, hatte man nie. Das wichtigste waren aber Jan und Anna, die den Laden schmissen. Hervorragend. Für 20,- Euro gab´s nicht nur Halbpension, also früh eine reichliche Platte und Abends 3-Gänge Menü, sondern auch Unterkunft und vor allem, einen Menge Herzlichkeit. Jan spricht deutsch, gab Tipps für Ausflüge, half hausgeschlachtete Wurst und besondere Spirituosen zu kaufen und fuhr uns mit seinem Jeep sogar durch das ehemalige Militärgelände hinter den Bergen. Hier hatte sich die Natur wunderbar ausgebreitet und es gab immer wieder schöne Ausblicke. 


Manchmal sogar mit einem Hauch Sonne. 


Käsmark selbst, die Stadt zu der Tvarozna gehört, ist wirklich sehr sehenswert. Bei den Durchfahrten war uns immer eine große Kirche aufgefallen. Wir waren ganz sicher, die war, bei ihrem Baustil und dem angefügten "Minarett" eine ehemalige Moschee. Weit gefehlt. Sparsame Käsmarker Bürger hatten sich einfach vom Haufbaurat einen Entwurf erbeten, den der mal für den Orient gemacht hatte, aber nicht losgeworden war. Nun gab er ihn kostenlos ab. Diese Kirche ist die neue evangelische Kirche. Weil die Evangelen dort einst nicht gut gelitten waren, mussten sie ihre erste Kirche nur aus Holz und ohne Turm vor den einstigen Stadtmauern bauen. Auch die ist sehr sehenswert. Fotos haben wir leider nicht, weil wir vergeblich auf besseres Fotowetter warteten. Aber diesen phantastischen Musiker, der sich an einer Ecke der Altstadt passend präsentiert hat, konnten wir uns nicht entgehen lassen. Wir haben ihm mindestens eine halbe Stunde zugehört.








Auf der Rückfahrt ins Quartier haben wir noch Ausschau nach guten Standorten für Fotos der Tatra gesucht und auch gefunden. Wie ihr schon wisst, vergeblich. Aber ein paar andere Schnappschüsse sind dabei noch entstanden.




Immer wieder waren wir von den Wiesen fasziniert. Immer sehr durchwachsen mit verschiedenen Wiesenblumen und Kräutern, immer mindestens kniehoch. Ein Traum, auch wenn man hier auf dem Bild nicht viel davon sieht.



Am nächsten Tag sollte es zur Zipser Burg gehen. Jan überzeugte uns, dass die Burg Lubau (Stara L´ubovna) sich mehr lohnen würde. Wir haben es nicht bereut, seinem Rat gefolgt zu sein. Gleich neben der Burg gab es noch ein kleines Museumsdorf, das uns aber nicht so interessiert hat. Die Burg  selbst war wirklich ansehenswert. Gruppen von Schulklassen waren im Anmarsch, alle wurden vom Burgherrn empfangen.


So wie er am Eingang, standen an vielen Punkten weitere Führer in historischen Trachten bereit, um Erläuterungen zu geben. Manche konnten das sogar in Deutsch. Wir bekamen ein Faltblatt mit Infos zu all diesen Punkten  und konnten so unabhängig laufen. Es gab viele interessante Punkte. Auch fürs geistige Wohl hatten die Burgherren gesorgt, es gab sogar eine Brauerei und  eine Brennerei.



Für viele der Kinder und auch für mich war der Höhepunkt aber die Falknerei. Obwohl mir die Vögel dort schon irgendwie leid taten. Aber stolze Tiere waren es trotzdem.




Auch am letzten Tag besserte sich das Wetter nicht wesentlich. Immer wieder Regen. Deshalb folgten wir nochmal Jans Rat, uns einmal Levoca anzusehen. Er hatte uns erzählt, dort gibt es jedes Jahr eine große Prozession. Aus bis zu 40 km im Umkreis kommen die Leute zu Fuß angelaufen, wenn die Glocken rufen. Nichts für uns. Auch die großen Bauten um den Marktplatz nicht, was vielleicht auch mit daran lag, dass dort gebaut wurde. Aber die kleinen Seitengassen haben es uns angetan.







 Am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Sarospatok/Ungarn. Dort wollten wir noch mal alte, liebgewordene Plätze besuchen. Den Bericht darüber gibts nächste Woche.










18.06.2013

13.06.2013

Das Wort zum Freitag - Habemus Pasta

Die Sommerpause ist vorbei. Weiter geht´s mit dem Wort zum Freitag.

Weil es letztes Mal so gut geklappt hat, lasse ich es auch diese Woche  jemand anderen sprechen. 


Hier ein Bericht von Deutschlandradio Kultur von Josefine Janert, die uns bei einer Nudelmesse in Berlin besucht hatte.