28.11.2013

Das Wort zum Freitag - Elch Edvin und das Pastat



Weshalb Pastafari im Dezember gern rote Mützen tragen, wisst ihr ja schon. Wisst ihr auch, weshalb die Kinder der Pastafari gern Mützen oder Haarreifen mit Geweihen tragen? Nein? Dann will ich es euch erzählen.

Vor vielen vielen Jahren gab es einen Piraten Namens Cox Nudler. Cox heißt auf norwegisch Steuermann. Sein Vorname ist über die Jahre in Vergessenheit geraten, da alle ihn nur Cox riefen.

Dieser Cox war ein recht lustiger Geselle. Er war beliebt bei Jung und Alt, denn er wusste sie alle stets mit sehr abgefahrenen Geschichten zu unterhalten. Cox, eine Art norwegischer Käptn Blaubart, konnte nämlich flunkern, dass sich die Balken bogen.

Ging Cox in der Pastatzeit von Bord, um es sich in seiner warmen Kate gemütlich zu machen, lauerten schon alle Kinder der Umgebung, dass er sich ans Feuer setzte. Es dauerte nicht lange und er wurde von ihnen umringt. Sie drängten ihn dann so lange, bis er nachgab und ihnen eine Geschichte erzählte. Ähnlich erging es Cox, sobald er sich aus dem Haus begab. Erblickten ihn die Kinder, setzten sie alles daran, ihn in ihre Kate zu zerren, damit er ihnen am Feuer mit seinen Geschichten wieder mal einen Bären aufbinden konnte.

Cox war groß und stattlich und schon von Weitem auszumachen, ähnlich eines Leuchtturms. Alle erkannten ihn an seinem dick gestrickten Pullover. Auf der Brust prankte ein riesiger Elch mit einer roten Nase. Auf dem Kopf trug er stets eine gestrickte rote Wollmütze mit einer großen weißen Bommel drauf.

„Warum trägst du immer diesen Elch auf der Brust“, fragten die Kinder. Da lehnte er sich zurück, stopfte sein Pfeifchen, zog eine Augenbraue hoch und blinzelte die Kinder an. Eine kleine Weile dachte er nach. So fing es immer an. Die Kinder waren ganz still und starrten gebannt auf seinen Mund und schon begann er zu erzählen:

„Als ich ein Junge war, ging ich nur so zu meinem Vergnügen gern in den Wald hinein. Ich war gut zu Fuß und konnte mich schon damals ausgezeichnet orientieren. So kam es nicht selten vor, dass ich morgens los lief und erst in der Dämmerung nach Hause kam. Ich suchte mir meist in der Mittagszeit eine Lichtung und setzte mich ins Dickicht am Rande. Dabei beobachtete ich die Tiere des Waldes. Von ihnen kann man nämlich sehr viel lernen. Irgendwann kamen dann auch mal Elche vorbei. So riesig, wie die waren, hatte ich großen Respekt. Da bemerkte ich einen ganz jungen Elch. Er zog ein Bein nach und sah sehr gequält aus. Als ich genauer schaute, erkannte ich eine Tierfalle an seinem Hinterbein. Er war schon ganz schwach, konnte der Herde kaum noch folgen. Die großen Tiere trabten langsam weiter, entfernten sich aber zusehends von dem kleinen Elch. Da fasste ich mir ein Herz, ging langsam auf ihn zu und sprach beruhigend auf ihn ein. Er sah mich aus traurigen Augen an, konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Blut sickerte aus dem verletzen Bein. Ich gab ihm zu verstehen, dass er ruhig sein soll, wenn ich ihm helfe. Er nickte stumm und ergab sich in sein Schicksal. Da griff ich mit aller Kraft in das Eisen und stemmte es auf. Schnell zog der kleine Elch sein Bein heraus und sank erschöpft zu Boden. Ich riss sofort einen Hemdsärmel ab, machte daraus schmale Streifen und umwickelte das verletze Bein. Auch eine Schiene legte ich ihm aus einem gerade gewachsenen Ast an. Zum Glück hatte ich in meinen Hosentaschen stets Taschenmesser, Strippe und Süßkram. So konnte ich nach fachmännischer Wundversorgung dem Elch sogar noch etwas Zuckerzeug in die Gusche schieben. Er verschlang es geradezu und sah danach gleich besser aus. Ich erklärte ihm, dass ich jetzt täglich zu dieser Lichtung kommen werde, um nach der Wunde zu schauen. Er nickte, schien mich zu verstehen. Ich fragte, ob er auch einen Namen hat. Da schrieb er mit einem Vorderhuf den Namen „Edvin“ in den Sand. Ich war verblüfft.

Die anderen Elche bemerkten wohl das Fehlen des kleinen Edvin, kamen zurück, um nach ihm zu schauen. Mir wurde ganz mulmig zumute. Das war nicht nötig, denn die klugen Tiere erkannten, was geschehen war, kamen langsam an mich heran und stupsten mit ihren langen Elchnasen liebevoll gegen meine Hand. Das kitzelte etwas und ich musste lachen. Das Eis war gebrochen. Ich verabschiedete mich fürs erste und machte noch einmal allen eindringlich klar, sich morgen hier wieder einzufinden. Dann ging ich nach Hause.

Täglich ging ich nun in den Wald, traf Edvin und seine Freunde. Das tat ich so lange, bis Edvin wieder ganz gesund war. Am letzten Tag verabschiedeten wir uns besonders herzlich, denn meine neuen Freunde wollten nun weiter ziehen. Es war aber kein Abschied für immer, wie sich nach Jahren heraus stellte.

Die Jahre vergingen, ich wurde erwachsen, fuhr zur See als Steuermann. Ihr wisst ja, ich war ein wandelndes Navigationssystem. Gegen das Wetter konnte ich aber leider nicht an. Einmal, gerade als wir zum Pastat nach Hause segeln wollten und schon fast die Küste erreichten, wurde es so kalt, dass unser Schiff vom Eis eingeschlossen wurde. Wir kamen nicht vor und nicht zurück. Eine ganze Woche steckten wir schon so fest. Die Vorräte gingen langsam zur Neige. Da entdeckte ich am Ufer eine Gruppe von Elchen. Ich hatte nichts zu verlieren und rief nach Edvin. Es hätte ja sein können, dass er unter ihnen war. Nach so vielen Jahren hätte ich ihn sicher nicht mal aus der Nähe erkannt. Ich rief also mehrfach seinen Namen. Aber nichts geschah. Am folgenden Morgen aber stand Edvin da und mit ihm seine Gefährten. Sie hatten außerdem alle in erreichbarer Nähe befindlichen Elche zusammen getrommelt. Sämtliche Elche legten sich nun auf das kalte Eis und bildeten eine lange Kette bis ans Ufer. Sie tauten mit ihrer Körperwärme das Eis auf und schafften uns eine Fahrrinne. Edvin war besonders wagemutig. Er, inzwischen zu einem sehr stattlichen Elchbullen herangewachsen, stieg ins kalte Wasser und schob das Schiff von hinten an. So kam es langsam in Fahrt und bald schon erreichten wir das Ufer.

Erst jetzt sah ich, dass Edvin eine ganz rote Nase hatte. Sie war ihm im eiskalten Wasser etwas erfroren. Das tat mir mächtig leid. Ich bedankte mich sehr bei Edvin. Der begann auf einmal zu mir zu sprechen. Er dankte mir für meine Hilfe, als ich noch ein Junge war und beteuerte, dass er die rote Nase nicht so schlimm findet. Es macht ihn einmalig und obendrein kann ich ihn daran von jetzt an immer erkennen. Ich schlang meine Arme um seinen Hals und wir verabschiedeten uns, nicht ohne uns gegenseitig ein schönes Pastat zu wünschen. Noch am selben Abend bat ich meine Mutter, mir einen dicken Pullover zu stricken, der auf der Brust das Bild eines Elches zeigt. Auch wenn ich Edvin nie vergessen werde, so sollen doch auch all die Menschen um mich herum ihn sehen und das, was ich erlebte, ihren Kindern und Kindeskindern erzählen, wenn es mich schon nicht mehr gibt.“

Die Geschichte hat den Kindern so sehr gefallen. Auch sie gingen zu ihren Müttern, wünschten sich Pullover mit Elchmotiven oder Mützen mit Elchgeweihen. Sie hatten die Botschaft verstanden, die Cox Nudler ihnen vermittelte.

Cox lebt schon lange nicht mehr, die Kinder sind inzwischen Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großeltern von Kindern, die diese Geschichte noch kennen. Seht euch um, in der Pastatzeit werdet ihr so manches Kind, sogar Erwachsene mit Elchmützen oder zumindest roten Mützen sehen. Pullover mit Elchen auf der Brust werden hier und da getragen. Man nennt sie heute Norweger Pullover, nach dem Land, aus dem die Geschichte von Cox Nudler und seinem Elch Edvin stammt.

Erzählt auch ihr die Geschichte euren Kindern und habt ein schönes Pastat.




21.11.2013

Das Wort zum Freitag - Weida ./. Stadt Templin VI



Pünktlich zum Wort zum Freitag kam die Ablehnung meines Widerspruchs. 
Auf den ersten Blick fallen mir zwei Sachen auf:


1. Auf Seite 2, zweiter Abschnitt, wird scheinbar wieder auf den völlig falschen Sachverhalt zurückgegriffen den die Stadt behauptet und dem ich schon hier widersprochen habe.  Scheinbar versucht man im Rathaus so falsche Fakten zu schaffen. Es wird also auch ein weiteres Schreiben an den Bürgermeister zu meiner, immer noch nicht beantworteten, Dienstaufsichtsbeschwerde nötig. 


2. Auf Seite 4, erster Abschnitt, wird mein Argument, es käme nicht darauf an, ob Religionsgemeinschaften Kopfbedeckungen vorschreiben, sondern nur, ob sich der einzelne Gläubige dazu verpflichtet fühlt, geantwortet:


Dieses Argument ist insoweit zurück zu weisen, dass die religös bedingte Verpflichtung zum Tragen einer bestimmten Kopfbedeckung im vorliegenden Fall für die Beurteilung der Sachlage als maßgebliches Tatbestandsmerkmal entscheidend ist. 


Für mich hat das den Aussagewert: Es ist so, weil es so ist. Andere sehen das auch anders.




 




15.11.2013

Das Wort zum Freitag - Das Neutralitätsgebot des öffentlich - rechtlichen Rundfunks



Evelin König, Moderatorin bei ARD-Buffet, trug ein nicht übersehbares großes Kreuz. Das nicht zum ersten Mal, ein Anlass für mich, auf der fb-Seite der Sendung nachzufragen, ob das nicht dem Neutralitätsgebot widerspricht. Wie die Likes zu dieser Frage zeigen, scheint das nicht nur meine Meinung zu sein.

Aber es gab auch, an anderen Orten, Vorwürfe, das würden nur fundamentalistische Atheisten so sehen, mir würde es an Toleranz mangeln oder ich sei überempfindlich.

An letzterem könnte durchaus was dran sein. Denn wir selbst waren schon zwei Mal Opfer dieser fehlenden Neutralität. Das macht vielleicht empfindlicher. Oder Berichte wie dieser: Kirche im TV: Wer macht es und wer zahlt?
Das muss empfindlich machen, wenn festgestellt wird, dass den Kirchen die Kosten für die Übertragung der sonntäglichen Gottesdienste von im Schnitt 100.000 Euro ohne jeden rechtlichen Zwang einfach erlassen werden. Andere Kirchensendungen kommen hinzu, finanziert von unseren Gebühren, die ohne diese Großzügigkeit niedriger wären.

Ich sehe meine Frage jedenfalls als berechtigt an und weil auf der Facebookseite immer noch keine Antwort kam, schreibe ich nun an den Intendanten des SWR:


Sehr geehrter Herr Boudgoust,


als relativ regelmäßiger Zuschauer beim ARD-Buffet ist mir aufgefallen, dass Moderatorin Evelin König wiederholt ein übergroßes Kreuz trägt. Letztmalig am 08.11.2013.

Auf der Facebookseite der Sendung habe ich deshalb angefragt, ob darin nicht ein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot des öffentlich rechtlichen Rundfunks zu sehen wäre. Völlig unabhängig von der Intention mit der Frau König es trägt, ist es zweifellos das markanteste Zeichen einer Religion.

Leider gab es auf meine Frage auf Facebook bisher keine Reaktion des Senders.

Deshalb möchte ich nun Sie fragen:

Ist das Tragen von religiösen oder anderen weltanschaulichen Symbolen durch Angehörige einer öffentlich - rechtlichen Fernsehanstalt während einer Sendung, in der sie als solche tätig sind, nicht ein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot?

Mit freundliche Grüßen
Rüdiger Weida




11.11.2013

Das Marzianifest



Wer von euch Pastafari weiß eigentlich noch, woher das Marzianifest seinen Namen hat?

Wir alle kennen die Marziani. Sie erinnert uns irgendwie an die Mittelgräte eines Piratenfisches.

Vor so langer Zeit, dass die Geschichte fast in Vergessenheit geriet, zog ein sehr alter und sehr hungriger Mann durch die Straßen seiner Stadt. Es war November, ein besonders nasskalter. Seine Beine trugen ihn kaum noch, als er gegen den Sturm ankämpfte. So klopfte er an die Türen der Häuser, um nach Essbarem zu fragen. Aber er hatte wenig Glück. Einen einzigen Fisch bekam er geschenkt. Den verschlang er heißhungrig und steckte dann die Gräten in seine Manteltasche. Er wollte sich ein Feuer machen und die Gräte auskochen, um so noch ein heißes Getränk zu bekommen, das ihn wärmen sollte.

Als er so am Feuer saß, kamen Kinder vorbei. Sie hatten sich beim Spielen verspätet, es war ihnen kalt und so setzten sie sich kurz mit ans Feuer, um sich zu wärmen. Als sie sahen, was für eine karge Mahlzeit da am Entstehen war, fassten sie den Entschluss, den Alten einfach mit nach Hause zu nehmen.

Im November, dem Monat, in dem die Piratenweiber Nudelvorräte für das ganze Jahr bereiten, ist es warm in jeder Kate. Außerdem fällt immer mal was ab für einen, dem die Knochen schon fast klappern, weil kein Gramm Fett mehr auf seinen Rippen ist.

So wurde der Fremde freundlich aufgenommen und bekam einen ordentlichen Teller Nudeln vorgesetzt. Mit dem noch unverarbeiteten Teig formten die Kinder die Nudeln in neuer Form, um ihrer Mutter Marzia zu zeigen, woraus der Alte sich Suppe kochte. 

Das rührte die Mutter so sehr, dass sofort weitere Nudeln formte, die dann bald überall Marziani genannt wurden. Als sie getrocknet waren, stopfte sie so viele in die Taschen des Alten, dass die Taschen fast die Form von zwei Fleischbällchen hatten. Er sollte so schnell nicht wieder Hunger verspüren.

Als sie ihm jedoch ein Nachtlager anbieten wollte, denn es war inzwischen stockfinster, verabschiedete sich der Alte. Er musste weiter, hatte ein paar Orte weiter eine kranke Frau zu versorgen. Das gutherzige Piratenweib schickte die Kinder auf den Boden, um die Laternen zu holen. Sie sollten den Alten noch ein Stück Wegs aus der dunklen Siedlung der Piraten begleiten, damit er heil zu seiner Kate fand.

All das geschah am 11. November und wurde von Generation zu Generation weiter erzählt. Seither feiern alle Pastafari den 11. November, indem sie sich abends ums Feuer versammeln. Ein großer Kessel mit Marziani köchelt und auch andere Leckereien werden gereicht. Jeder darf sich bedienen, ob arm oder reich. Alle Menschen der Umgebung sollen teil haben an der Freude der Piraten.

Geht das Fest seinem Ende entgegen, bekommt jeder, der es verlässt, eine Marziani in die Jackentasche gesteckt, damit ihm niemals die Pasta ausgeht. Dieser Brauch hat sich bis heute erhalten, wie auch Lampionumzüge der Kinder.


07.11.2013

Das Wort zum Freitag - Weida ./. Stadt Templin V

Gestern hatte ich wieder Post in der Sache. Nicht so ganz was Entscheidendes, aber immerhin per Einschreiben mit Rückschein verschickt.
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Eigentlich sehe ich keine große Notwendigkeit zu antworten. Ich hatte ja schon meine grundsätzlichen Einwände benannt. Letztlich wird die Sache sowieso nur über Gericht entschieden werden können. Damit aber nicht unnütze Wartezeit verstreicht, geht morgen folgende Antwort raus:

Sehr geehrte Frau.....


meine wesentlichen Einwände habe ich bereits im Widerspruch an den Bürgermeister Templin erläutert:



- Das Grundgesetz schreibt die uneingeschränkte Gleichbehandlung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften vor. Unabhängig davon, als was wir uns sehen, hätten Sie also auch die Möglichkeit prüfen müssen, ob wir als Angehörige einer Weltanschauungsgemeinschaft Anspruch auf ein Passbild mit weltanschaulicher Kopfbedeckung haben könnten.
- Religionsfreiheit/Weltanschauungsfreiheit ist ein Individualrecht, nicht das Recht von Gruppen. Es kommt nicht darauf an, ob Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften das Tragen von Kopfbedeckungen vorschreiben, sondern nur darauf, wozu sich der Einzelne verpflichtet fühlt. 

Ich bitte Sie jedoch um eine möglichst schnelle Antwort, um nicht noch mehr Zeit bis zur wohl notwendigen gerichtlichen Klärung verstreichen zu lassen.


Mit freundlichen Grüßen
Rüdiger Weida


Was bisher geschah:

Weida ./. Stadt Templin I

Weida ./. Stadt Templin II

Weida ./. Stadt Templin III

Weida ./. Stadt Templin IV