12.03.2015

Das Wort zum Freitag - Götterrangelei



Es trug sich vor langer Zeit zu, dass immer weniger Christen zu den sonntäglichen Gottesdiensten erschienen. Taten sie es doch ab und an, wurden sie von den kirchlichen Würdenträgern ihrer Gemeinde mit Fragen gepeinigt, warum sie so selten erscheinen.

Da mussten Ausreden her und zwar glaubhafte. Mit der Wahrheit: „Nö, keine Lust“, trauten sie sich nicht heraus. Gern sagte dann der Schwänzer, er hätte nicht genau gewusst, wann der Gottesdienst beginnt.

Also sannen die Pfarrer nach einer im Zeitalter ohne Handys und Internet sicheren Lösung, ihre Herde in die Kirche zu zwingen. Überall wurden Gottesdiensthinweisschilder angebracht, sogar auf Autobahnen, damit selbst der reisende Christ keine Ausrede findet, sofort beim Erblicken dieses Schildes vom Gas geht und ins Gotteshaus einzieht.
Alles war gut.

Nun schickten sich aber in jüngster Zeit Pastafari an, ihren Glauben etwas ernster zu betreiben, als sie es all die Jahre zuvor taten. Sie wollten nicht mehr als der wilde Haufen von Piraten angesehen werden, sondern sich mehr zu ihrem Gott, dem Fliegenden Spaghettimonster, hinwenden und nach Seinen Acht-Am-Liebsten-Wäre-Mirs leben. Sogar eine kleine Kapelle weihten sie Ihm. Damit ihnen nicht ähnliches wie den Christen geschieht, beschlossen sie, Nudelmessenhinweisschilder aufzustellen, damit auch der Pastafari weiß, wann er die Nudelmesse feiern kann und sie taten es sofort.
Nichts war gut.

Kaum waren die Schilder angebaut, wurden sie auch schon entfernt. Es gab Streit, die Christen waren empört. Sie gönnten den Pastafari ihre Schilder nicht und gaben das auch lauthals in den Medien kund.

Aber es sollte noch schlimmer kommen. Unsere Schilder wurden mit einem schwarzen Stift bekritzelt, später mit Klebeband, das die Aufschrift „VORSICHT GLAS“ trägt, überklebt. Die Pastafari nun versuchten, die Schuldigen zu finden und vermuteten dahinter intolerante Christen. Also wandten sie sich an deren Gemeindeoberhäupter. Diese stritten das ab, teilten mit, dass solcherlei Sachbeschädigung nicht von ihren Schäflein vorgenommen wurde.

Christen leben nicht nach den Acht-Am-Liebsten-Wäre-Mirs. Sie leben nach 10 Geboten. Nach denen soll man nicht lügen, seinen Nächsten achten, wie sich selbst und vieles mehr. Da davon auszugehen ist, dass sie ihre Gebote einhalten, können sie in der Tat nicht als Täter in Frage kommen.
Wer also war´s?

Es können nur die Götter gewesen sein, das wird mir langsam klar. Niemand hat die Schilderbeschmutzer auf frischer Tat ertappt, Spuren konnten nicht gesichert werden. Wie auch?! Bisher hat sich noch kein Gott gezeigt, geschweige denn auf frischer Tat erwischen lassen. Und unser Monster?! Statt für uns allzeit da zu sein, lag es bestimmt wieder einmal in süßem Schlummer, nachdem der Besuch am Biervulkan ein ausgedehnter war.

Was lernen wir daraus?
Wir werden uns in erster Linie auf uns selbst verlassen müssen, um unser Recht als Weltanschauungsgemeinschaft gleichberechtigt mit Glaubensgemeinschaften wahrnehmen zu dürfen.

Was lernen die Christen daraus?
Sie beten Götter an, die böse, hinterhältig und neidzerfressen sind, während sie denen, die an sie glauben, Gebote auferlegen, die sie selbst nicht als Vorbild vorleben.

Ich bin stolz ein Pastafari zu sein und an das FSM zu glauben, einen zwar manchmal schussligen Gott aber auch einen, der es mir erlaubt, eigenständig zu leben.



RAmen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen