28.04.2016

Das Wort zum Freitag - Stoppt Pastafarianophobie!



Lange haben wir gelitten und geduldet. Kein Pastafari hat sein Entermesser gezückt, wenn er seine religiöse Kopfbedeckung nicht auf seinem Ausweis tragen durfte, keine Kanone wurde abgefeuert, wenn unsere Nudelmessenhinweisschilder zerstört wurden, wir waren stolz darauf, wie friedlich und duldsam wir waren. 

Nun hat die Pastafarianophobie, die sich in unserem Land breit macht, aber ein Ausmaß angenommen, bei dem wir nicht mehr duldsam bleiben dürfen. Der Staat will es auch gar nicht so, denn in §166 StGB hat er festgelegt, Beleidigungen unserer Religion werden nur verfolgt, wenn wir danach auch den öffentlichen Frieden gefährden.

Dazu rufe ich euch nun auf. Lasst uns Bilder stürmen, Arbeit verweigern und nach Lynchjustiz schreien. Melden wir unsere Kinder vom Unterricht ab, sollte es dort nicht jeden Tag Pasta geben, und fordern wir Trauer- und Prozessionsverbote an unseren Feiertagen. Das ganze Land hat da gefälligst zu lachen, sonst knallts! Vor allem aber lasst uns gegen Kinderärzte vorgehen.

Ja, einer dieser üblen Sorte war es, der nun das Maß hat überlaufen lassen. Immerhin war es weder reine Polemik noch wurden wir verunglimpft. Das steht zweifelsfrei fest. Sonst hätte unsere Lokalzeitung, nach ihren eigenen Angaben, diesen Leserbrief niemals veröffentlicht: "Briefe, die reine Polemik enthalten und andere verunglimpfen, werden nicht veröffentlicht." Es ist also normal, uns zu unterstellen, wir hätten nichts anderes im Sinn als Templin und seine Bürger zu verspotten. Es ist also kein Problem, falls wir nicht endlich aufhören, die Gerichte zu belästigen, zu fordern: "Es ist deshalb an der Zeit, darüber nachzudenken, ob nicht auch andere Institutionen zur Beurteilung provokanter Querulanz herangezogen werden sollten". Ich wusste es ja schon immer, irgendwo hier im Osten lebt die Stasi noch weiter. Oder geht es um die Inquisition? 

Aber lest selbst, den Leserbrief von Herrn Dr. Hubert Kaul und meine Antwort, die ich, mit der Bitte um zeitnahe Veröffentlichung, an die Templiner Zeitung geschickt habe. 



Liebe Redaktion,

als ich gestern auf den Leserbrief von Dr. Hubert Kaul aufmerksam gemacht wurde, war ich etwas erstaunt über seine Veröffentlichung. Ich halte den schon für einen der deutlich verunglimpfenden, die Sie lt. Ihrem eigenen Hinweis nicht veröffentlichen wollen.

Deshalb möchte ich Sie jetzt bitten, nun auch meine nachfolgende Antwort möglichst zeitnah zu veröffentlichen.

Mit nudligen Grüßen
Rüdiger Weida


Leserbrief:

Herr Dr. Hubert Kaul hat es auf den Punkt gebracht. Ein Verein nicht arbeitender, verhinderter Möchtegernseeräuber hat es sich zum Ziel gesetzt, die Stadt Templin und ihre Bürger zu verspotten und der Lächerlichkeit preis zu geben.
Es zeigt sein großes Gespür für die Einheit von Sinn und Form, wenn er sich als besorgter Bürger bei diesen Feststellungen auch des entsprechenden Stils bedient. Konsequent setzt er auf Unterstellung und Verleumdung bei völligem Verzicht auf Fakten. Aus Kostengründen würde er gern die Nachfolgeinstanzen bei Gericht abschaffen oder zumindest selbst entscheiden wollen, wann die in Anspruch genommen werden dürfen.
Sollte jemand damit nicht einverstanden sein, kann es sich nur um provokante Querulanten handeln, um die sich andere Institutionen kümmern müssen. Wahrscheinlich würde unseren Rechtsstreit eh nur der Steuerzahler über Prozesskostenhilfe bezahlen.

Dabei wäre es so einfach gewesen, sich über Fakten zu informieren. Alle großen Medien haben berichtet. Durchweg mit Sympathie und klarem Verständnis für unser Anliegen und auch darüber, dass wir die Gesamtkosten für die Verhandlung in nur zehn Tagen über Spenden erhalten haben. Nirgendwo wurde über Templin gelacht. Im Gegenteil, die Stadt hatte eine solche Masse an kostenloser Werbung, dass schon spekuliert wurde, Bürgermeister Tabbert und ich hätten uns die Aktion nur zu diesem Zwecke ausgedacht.

Unser Anliegen, der Kampf um Gleichberechtigung von Weltanschauungen und ihrer jeweiligen Organisationen, gleichgültig ob religiös oder nicht, wurde klar heraus gestellt. Genau auf diese Gleichstellung zielt auch die Verordnung zur Aufstellung von Gottesdiensthinweisschildern ab. Das wird im Vorwort ausdrücklich erwähnt und deshalb möchten wir die als Weltanschauungsgemeinschaft genau so selbstverständlich in Anspruch nehmen, wie Religionsgemeinschaften. Nicht jeder muss das mögen, aber es sollte jeder verstehen und akzeptieren können.

Wir, die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V., sind auch auf Grund dieser Gleichstellung als gemeinnützige Körperschaft anerkannt. Wir wollen wissenschaftliche Weltanschauungen fördern und bedienen uns dabei sehr gern der Satire. Die wird, wie sich hier wieder zeigt, nicht nur in der Türkei nicht erkannt bzw. geschätzt. Das ist uns klar. Neu ist aber, wenn nun auch in Deutschland gefordert wird, dass sich spezielle Institutionen um daraus entstehende Probleme kümmern sollen.
Hoffen wir, das führt nicht dazu, dass der auch durch unsere Aktion bestätigte Eindruck eines toleranten, weltoffenen Templins kippt und Deutschland doch noch über unsere Stadt lacht.


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