27.10.2016

Das Wort zum Freitag - Halloween...




...ist nicht nur einer unserer wichtigsten Feiertage, liebe Schwestern und Brüder, nein, es ist auch eine wunderbare Bestätigung für die Wahrheit unserer einzig wissenschaftlichen Religion:

-> Jeder weiß, die Erde wird wärmer, weil es zu wenig Piraten gibt
-> Jeder weiß, das Monster möchte deshalb, dass wir uns als Piraten zeigen
-> Jeder weiß, Halloween ist die Anzahl der Piraten besonders hoch und

--> Jeder weiß, nach Halloween wird es immer kälter. 

Welche andere Religion könnte mit solchen schlagenden Beweisen aufwarten?


Und doch feiern auch andere an diesem Tag ihre Feste. Eigentlich nicht wichtig, aber weil wir ein aufgeschlossenes Völkchen sind, möchte ich doch mal kurz Allerheiligen erwähnen. War das damals ein Durcheinander mit der Feierei, als noch jeder einzelne Heilige persönlich seinen Tag hatte. So ein Durcheinander, dass es selbst einem Papst einmal zu viel wurde. Kurzerhand hat er beschlossen, all die Tausenden Heiligen des Uraltgroßmütterchens katholische Kirche auf einen Tag zu legen. In bewährter christlicher Tradition auf einen, der vorher heidnisch belegt war. 


Aber auch die Evangelen feiern mit. Na gut, einen Tag später. Dafür haben sie sich was ganz besonderes ausgedacht. Sie feiern sozusagen ihren Gründervater, den Jähzornmönch Martin Luther. Was uns zeigt, wenn sie sogar den feiern, müssen sie ganz schön scharf auf einen Feiertag gewesen sein. Oder haben sie einfach vergessen, wofür Luther stand außer für eine Reformation des Katholizismus? 

Da helfen wir doch gern mit ein paar Zitaten nach, zumal die, ganz passend zu Halloween, wirklich richtig gruslig sind. Und sogar ein kleines Vorwort habe ich noch für euch:

"Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird ... die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiet im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zu völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt. In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden."
(Der evangelisch-lutherische Landesbischof Martin Sasse aus Eisenach im Vorwort zu seiner Schrift "Martin Luther und die Juden - Weg mit ihnen!", Freiburg 1938)



Luther als Antisemit

"...Summa, liebe Fürsten und Herren, so Juden unter sich haben, ist euch solcher mein Rath nicht eben, so trefft einen bessern, daß ihr und wir alle der unleidlichen teuflischen Last der Juden entladen werden, und nicht vor GOtt schuldig und theilhaftig werden alle der Lügen, des Lästerns, Speiens, Fluchens, so die rasenden Juden wider die Person unsers HErrn JEsu Christi, seiner lieben Mutter, aller Christen, aller Obrigkeit, und unser selbst so frei und muthwillig treiben, keinen Schutz noch Schirm, noch Geleit, noch Gemeinschaft sie haben lassen, auch nicht euer und eurer Unterthanen Geld und Güter durch den Wucher ihnen dazu dienen und helfen lassen. ...

... Erstlich, dass man ihre Synagoga oder Schulen mit Feuer anstecke und was nicht brennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacken davon sehen ewiglich. Und solches soll man tun unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, dass wir Christen seien ... 

Zum anderen, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben dasselbige drinnen, was sie in ihren Schulen treiben. Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder einen Stall tun ... 
Zum dritten, dass man ihnen nehme alle ihre Betbüchlein ... 
Zum vierten, dass man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren ... 
Zum fünften, dass man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe. Denn sie haben nichts auf dem Lande zu schaffen, weil sie nicht Herrn noch Amtleute noch Händler oder desgleichen sind. Sie sollen daheim bleiben ... 
Zum sechsten, dass man ... nehme ihnen alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold und lege es beiseite zum Verwahren. Und ist dies die Ursache, alles was sie haben (wie droben gesagt) haben sie uns gestohlen und geraubt durch ihren Wucher...

 ....Unsere Oberherren, so Juden unter sich haben, wünsche ich und bitte, daß sie eine scharfe Barmherzigkeit wollten gegen diese elenden Leute üben, wie droben gesagt, ob's doch etwas (wiewohl es mißlich ist) helfen wollte, wie die treuen Aerzte thun, wenn das heilige Feuer in die Beine kommen ist, fahren sie mit Unbarmherzigkeit und schneiden, sägen, brennen Fleisch, Adern, Bein und Mark ab. Also thue man hie auch, verbrenne ihre Synagogen, verbiete alles, was ich droben erzählt habe, zwinge sie zur Arbeit, und gehe mit ihnen um nach aller Unbarmherzigkeit; wie Mose that in der Wüste und schlug 3000 todt, daß nicht der ganze Haufe verderben müßte. Sie wissen wahrlich nicht, was thun, wollen's dazu wie die besessenen Leute nicht wissen, hören, noch lernen. Darum kann man hie keine Barmherzigkeit üben, sie in ihrem Wesen zu stärken. Will das nicht helfen, so müssen wir sie wie die tollen Hunde ausjagen, damit wir nicht, ihrer greulichen Lästerung und aller Laster theilhaftig, mit ihnen GOttes Zorn verdienen und verdammt werden. Ich habe das Meine gethan; ein jeglicher sehe, wie er das Seine tue. Ich bin entschuldigt."
(Von den Juden und ihren Lügen)
"Ganz gewiss! Ich wollte einem solchen eine Maulschelle geben. Wenn ich könnte, würde ich ihn zu Boden werfen und in meinem Zorn mit dem Schwert durchbohren. Da es nämlich nach menschlichem und göttlichem Recht erlaubt sei, einen Straßenräuber zu töten, viel mehr einen Gotteslästerer." (Auf die Frage, ob es erlaubt sein, einem gotteslästernden Juden einen Faustschlag zu versetzen)

 Luther als Hexenverfolger 

"Die Zauberinnen sollst Du nicht leben lassen... Es ist ein gerechtes Gesetz, daß sie getötet werden. Sie richten viel Schaden an... sie können auch ein Kind bezaubern... schaust du solche Weiber an, wirst du sehen, daß sie ein teuflisches Gesicht haben. Ich habe deren etliche gesehen... man töte sie nur...Ich habe etliche zu vermahnen, daß viele Wettermacherinnen sind, die nicht allein die Milch stehlen, sondern auch die Leute schießen (Anm."Hexenschuß")... Wenn sie sich nicht bekehren, werden wir sie den Folterknechten befehlen."

 Luther als Bauernschlächter

"Es ist besser, wenn Tyrannen hundert Ungerechtigkeiten gegen das Volk verüben, als dass das Volk eine einzige Ungerechtigkeit gegen die Tyrannen verübt."
"Drum soll hier erschlagen, würgen und stechen, heimlich oder öffentlich, wer da kann, und daran denken, daß nichts Giftigeres, Schädlicheres, Teuflischeres sein kann als ein aufrührerischer Mensch; (es ist mit ihm) so wie man einen tollen Hund totschlagen muß: schlägst du (ihn) nicht, so schlägt er dich und ein ganzes Land mit dir."(Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern)

 "Wenn es rechtmäßig zugeht, hat die Obrigkeit mit ihren Untertanen nichts anderes zu tun, als das Recht zu bewahren, Gericht zu halten und Urteile zu fällen. Wenn sie sich aber empören und auflehnen, wie es jüngst die Bauern taten, ist es recht und billig, gegen sie mit Gewalt vorzugehen....
Man darf dem Pöbel nicht zuviel pfeifen, er wird sonst gern toll. Es ist billiger, ihm zehn Ellen abzubrechen, als ihm in einem solchen Falle eine Handbreit, ja, die Breite eines Fingers einzuräumen. Und es ist besser, wenn ihm die Tyrannen hundertmal unrecht tun, als dass sie dem Tyrannen einmal unrecht tun. Denn weil ja das Unrecht gelitten werden muss, so ist vorzuziehen, durch die Obrigkeit zu leiden, als dass die Obrigkeit durch die Untertanen zu leiden hat. Denn der Pöbel besitzt und kennt kein Maß. In jedem einzelnen stecken wohl mehr als fünf Tyrannen, So ist es besser, von einem Tyrannen, d. h. von der Obrigkeit, Unrecht zu leiden als von unzähligen Tyrannen, d. h. vom Pöbel....
Es ist eine verdammte, verfluchte Sache mit dem tollen Pöbel. Niemand kann ihn so gut regieren wie die Tyrannen. Die sind der Knüppel, der dem Hund an den Hals gebunden wird. Könnten sie auf bessere Art zu regieren sein, würde Gott auch eine andere Ordnung über sie gesetzt haben als das Schwert und die Tyrannen. Das Schwert zeigt deutlich an, was für Kinder es unter sich hat, nämlich nichts als verdammte Schurken, wenn sie es zu tun wagten. Darum rate ich, dass ein jeder, der hier mit einem guten Gewissen handeln und das Rechte tun will, mit der weltlichen Obrigkeit zufrieden sei und sich nicht an ihr vergreife.
(Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526)


"Prediger sind die größten Totschläger..... Ich, Martin Luther, hab im Aufruhr alle Bauern erschlagen, denn ich hab sie heißen totschlagen; alle ihr Blut ist auf meinem Hals. Aber ich weise es auf unseren Herrn und Gott, der hat mir das zu reden befohlen."

Luther als Frauenfeind

"Eine Frau hat häuslich zu sein, das zeigt ihre Beschaffenheit an; Frauen haben nämlich einen breiten Podex und weite Hüften, daß sie sollen stille sitzen."  

 "Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass die Männer durch sie geboren werden."

"Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da."

Luther als Erzieher

"Ein toter Sohn ist besser als ein ungezogener."

Das schockt ganz schön, stimmts? Man kann Luther vielleicht ehren, immerhin hat er durch die Vereinheitlichung der deutschen Sprache bei der Bibelübersetzung wirklich etwas positives geleistet. Vielleicht kann man ihn, so man gläubig ist, auch ehren für seinen Kampf gegen bestimmte Auswüchse in der katholischen Kirche. Als Gesamtperson, für den Einfluss auf den Zeitgeist seiner Zeit der, siehe die Einführung, bis heute reicht, verdient er wohl eher Acht und Bann.

Außer an Halloween, da passt er wieder prima.

20.10.2016

Das Wort zum Freitag - Schülerfragen



"Denken Sie man könnte etwas bewegen, wenn auch hier in Schulen ein Fach mit dem Spaghettimonster eingerichtet werden würde?"

Diese Frage stellte mir Nadine. Sie hatte mich zunächst angerufen und wollte wissen, ob sie mir eine paar Fragen zur schriftlichen Beantwortung stellen darf. Fünfzehn sind es dann geworden.

Solche Anfragen von Schülern erreichen mich immer öfter. Aktuell wollte auch noch Hannes einiges von mir wissen. Immer geht es um einen Vortrag oder ähnliches, der in der Schule gehalten werden soll. Bei Hannes z.B. im katholischen Religionsunterricht. Wenn er den dort gehalten hat, wird er ihn auch uns zur Verfügung stellen, um ihn zu veröffentlichen. Wir haben es also, um die Antwort an Nadine vorweg zu nehmen, längst in die Schulen geschafft und auch Anfragen an mich, direkt in die Schulen zu kommen gibt es immer wieder.

Sicher interessiert auch euch, was die Schüler so wissen wollen und was ich antworte. Darum gibt es nun hier mal einige gesammelte Fragen:

Welche Ziele verfolgen Sie/ Ihre Religion?
Wir sehen uns gar nicht als Religion, sondern als Weltanschauungsgemeinschaft. Unser Ziel ergibt sich aus unserer Satzung. Wir möchten wissenschaftlich orientierte Weltanschauungen, besonders den evolutionären Humanismus, fördern und für die Gleichberechtigung von Weltanschauungs- und Religionsgemeinschaften kämpfen.

Die Religion vom Spaghettimonster nutzen wir, um dieses Ziel zu erreichen. Wir wollen damit zeigen, wie Religion funktioniert und wie lächerlich sie eigentlich ist und so den völlig unberechtigten Respekt vor Religion abbauen helfen.


Warum haben Sie sich den Pastafari angeschlossen? 
Anlass war ein Artikel im Spiegel im Jahr 2005. Ich war sofort von der Idee angetan, ein gesellschaftlich nützliches Anliegen mit Lust und Spaß zu verbinden. Genau diese Lust am Spaß verhindert, zu verbissen zu werden. Vor allem aber hat mich auch der Grundsatz der Pastafari, keine Dogmen zu akzeptieren, an allem zu zweifeln und nichts unhinterfragt zu glauben, begeistert.

Waren Sie bevor der Glaube auftauchte auch gläubig und haben sich von einer anderen Religion abgewendet, oder hatten Sie eher eine unreligiöse Stellung?
Ich war nie religiös, allerdings nicht immer religionskritisch. Das hat sich, vor allem durch deren wachseneden Einfluss auf mein Leben nach der Wende, dann aber sehr geändert.

Wie hat sich seit ihrem Bekenntnis ihr Leben verändert (Freunde, Verwandte, Beruf)?
Meine alten Bekannten reagieren unterschiedlich, aber nie ablehnend. Ansonsten habe ich durch das Pastafaritum eine Menge neuer Freude gefunden. In der Verwandtschaft gibt es Zustimmung bis leichte Ablehnung.

Wie denken sie über jemanden, der Ihre Lehre verspottet oder nicht anerkennt?
Gut so, der hat bereits den ersten Schritt gemacht. Er muss nur noch erkennen, dass das für alle Religionen gilt. Wer Religion ernst nimmt, ist selbst schuld. Ernst zu nehmen sind nur deren in der Summe negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Kann jeder eine Nudelmesse halten oder gibt es auch eine spezielle Ausbildung, eine Prüfung oder ein Ritual was erreicht werden muss?

Das kann jeder machen. Die meisten werden bei Nudelmessen etwas angelernt, dann kann jeder sofort loslegen.

Wie sieht es aus für die Leute die die Nudelmesse halten, gibt es auch eine Art Diakonie?
Was hat eine Messe mit Diakonie zu tun? Die gibt übrigens ganze 2% Eigenmittel für ihre Arbeit aus, der Rest kommt von der öffentlichen Hand und von Spenden. Da können wir locker mit halten, wir geben deutlich mehr Prozent unserer Mittel für gemeinnützige Zwecke aus, nämlich fast alles (außer ein bisschen Bürokosten).

Wie kann man als Pastafari heiraten, gibt es auch so eine Art kirchliche Trauung?
Natürlich gibt es die, ebenso wie auch Taufen. Einige Trauungen kannst du dir auf youtube ansehen, z.B. die
https://youtu.be/Tuc4ornqPF8

Im christlichen Glaube wird viel von Gotteserfahrungen gesprochen (Zeichen), hatte in ihrem Glauben auch schon jemand solch eine Erfahrung?
Ständig. 
Eine schöne Portion Spaghetti mit Fleischbällchen und dazu ein oder mehrere Biere, schon haben wir unsere Gotteserfahrung.

Ich erkenne einige christliche Elemente in ihrem Glaube wieder, warum haben Sie sich für das Spaghettimonster und nicht für Gott entschieden?
Natürlich habe ich mich für Gott entschieden. ES (das Fliegende Spaghettimonster) ist Gott. Der alte Jahwezausel ist nur ein falscher Götze. 

Wie sollte ein Atheist mit dem FSM umgehen? Sind sie eine „Religion der Atheisten"?
Wie er möchte. Manche mögen uns, manche behaupten, auch aus uns könnte mal eine richtige Religion werden. Das sind die, die unsere oberste Regel, nichts zu glauben und an allem zu zweifeln, nicht kennen.

In den USA kann jeder Pastafari sein, auch Gläubige. In Europa hat sich das anders entwickelt. Das liegt daran, dass hier die Gesetzeslage eine andere als in den USA ist. Weil es hier fast keine laizistischen Staaten gibt, haben sich die meisten europäischen Kirchen den Kampf um die Gleichberechtigung von Religion und Weltanschauung auf die Fahnen geschrieben. Einige darüber hinaus auch dem Kampf gegen Religion an sich. Den kann man aber nicht mit abergläubischen Menschen in den eigenen Reihen führen (wir machen keinen Unterschied zwischen Glauben und Aberglauben).

So gesehen sind wir dann tatsächlich nur für Atheisten, Agnostiker und Ähnliche offen. 

Was wenn man sich nachträglich zu eurem Glaube bekennt? Muss man aus der Kirche austreten?
Wenn man sich zu unserem Glauben bekennt, kann man auch in der Kirche bleiben. Allerdings muss man zu unserem Satzungsziel stehen, der Förderung wissenschaftlicher Weltanschauungen. Dazu passt es natürlich nicht, wenn man noch an falsche Götzen glaubt. Aber in den Kirchen gibt es zwischen 10 und 20% Atheisten. Die können gern auch Mitglied bei uns werden.

Wollen Sie ernst genommen werden? 
Als Religion nein, als Weltanschauungsgemeinschaft ja. 
Das haben wir auch schon ganz gut geschafft. Nachdem uns am Anfang viele nur für Spinner gehalten haben, weiß jetzt fast jeder, das wir ein ernstes Anliegen haben, auch wenn wir das mit großem Spaß verbreiten.

Ihre Religion ist ja entstanden, um dem Kreationismus im Schulunterricht entgegenzuwirken. Was würden sie davon halten, wenn die Lehre des FSM tatsächlich an Schulen unterrichtet werden würde, wie gefordert?
Das wird sie doch bereits, du bist ja selbst ein Beispiel dafür und es erreichen mich immer mehr solche Anfragen. Ich werde auch angefragt, selbst in der Schule Stunden zu halten. 
Aber du meinst wohl direkten Religionsunterricht, wie er bei uns gesetzlich vorgeschrieben ist. 
Das wollen wir nicht. Unser Ziel ist ja die Gleichberechtigung von Weltanschauungs- und Religionsgemeinschaften. Aber nicht auf Ebene der Kirchen, sondern auf unserer. Wir wollen also nicht deren Privilegien haben, sondern die sollen ihre verlieren. Sie sollen keine Körperschaften des öffentlichen Rechts mehr sein, sondern dem Vereinsrecht unterstellt werden und genau wie wir, regelmäßig Rechenschaft über die Verwendung ihrer Gelder ablegen müssen. 

Fast alle anderen Religionen existieren schon Jahrhunderte… was meinen Sie, hat es einen Grund oder macht es Pastafari fragwürdiger, dass dieser Glaube erst seit 2005 auftauchte?
Ganz im Gegenteil. Die Entwicklung geht doch immer vorwärts. Das heißt auch, dass neue Religionen viel besser sind als alte. Wir würden z.B. nie an sprechende Schlangen glauben oder daran, dass durch Zauberei 1000 Leute von einem Brot satt werden oder aus Wasser Wein wird. 

Im Übrigen sehen wir uns gar nicht als Religion, sondern als Weltanschauungsgemeinschaft.

Was machen sie hauptberuflich?
Ich bin Rentner. Vorher war ich 15 Jahre Jugendsozialarbeiter und habe einen kleine freien Träger der Jugendhilfe gegründet und geleitet.

Mussten sie schon so etwas wie Diskriminierung oder Nachteile aufgrund ihrer Religionsangehörigkeit erfahren? (wie zB einen Job nicht bekommen etc.)

Ich betrachte es als ständige Diskriminierung, wenn Weltanschauungsgemeinschaften nicht die gleichen Rechte zuerkannt werden, wie Religionsgemeinschaften. Ich betrachte es als ständige Diskriminierung, wenn mir durch kirchliches Sonderarbeitsrecht als Atheist große Teile des Arbeitsmarktes, gerade im sozialen Bereich, verschlossen bleiben. Ich betrachte es als ständige Diskriminierung, wenn ich als Atheist durch meine Steuern über den Staat Leistungen in Höhe von rund 20 Milliarden Euro jährlich an die beiden Großkirchen mitfinanzieren muss. Dabei sind z.B. die Gehälter der Bischöfe. Ich betrachte es als Diskriminierung, wenn mir an christlichen Feiertagen verboten wird zu tanzen oder lustige Filme anzusehen. Ich betrachte es als Diskriminierung, wenn Kirchen mich zwingen, nach ihren Anschauungen zu sterben und Sterbehilfe in Deutschland verhindern. Ich betrachte es als Diskriminierung,....
Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. 

Da ich, siehe oben, meinen eigenen Arbeitgeber hatte, bin ich selbst bei der Jobsuche nicht diskriminiert worden. Aber es gibt Pastafari, die auch im sozialen Bereich arbeiten und sich nicht outen, aus Furcht ggf. einen Job nicht zu 
bekommen.


Wer nun noch nicht genug hat, kann sich auch noch eine sehr gelungene Abiturarbeit von Daniel ansehen.






13.10.2016

Das Wort zum Freitag - U.S.- Christen zittern vor dem Euro-Monster


Malou und Simon aus Dänemark zur Nudelmesse in Templin
In letzter Zeit scheinen sich immer mehr  für die Rolle der Kirchen des Fliegenden Spaghettimonsters in den einzelnen Ländern und in der Vernetzung zu interessieren.
Gerade waren zwei Journalistikstudenten aus Dänemark bei uns um einen Radiobericht zu machen.

Vor längerer Zeit gab es eine Anfrage von Hanna aus Finnland, die in ihrem Soziologiestudium eine Zusammenfassung über die unterschiedlichen Kirchen Europas schreibt. Sobald sie fertig ist, werden wir das Ergebnis bekommen.

Noch nicht so lange her ist die Anfrage von Karen. Sie schreibt für "The Atlantic", ein großes US-Magazin, und war fasziniert, wie die amerikanische Monsteridee in Europa Fuß gefasst hat.

Ganz besonders von der Deutschen Kirche war sie angetan. Sie sieht in ihr das Flagschiff der europäischen Kirchen. Über die Jahre gesehen hat sie sicher Recht, im Moment scheint mir die Bewegung bei unsere italienischen Bruderkirche am größten zu sein. Aber auch in Polen, Luxembourg, Holland, Belgien und den Niederlande tut sich was.

Ihren Bericht könnt ihr hier lesen. Der ist nicht schlecht, wenn auch nicht überall ganz richtig. So wurde z.B. das Nudelsieb nie in Österreich als religiöse Kopfbedeckung anerkannt. Da gibt es einfach eine Gesetzeslücke, durch die sich bei der Fahrerlaubnis jeder auf den Kopf setzen kann, was er möchte, so lange ein schattenfreies Gesicht zu sehen ist.

Was aber, wie jedenfalls ich finde, am interessantesten ist, ist die Reaktion amerikanischer christlicher Kirchen. Die greifen das Thema auf, fürchten, in 15-20 Jahren werden die Christen in Deutschland in der Minderheit sein und führen das auch auf uns zurück.

Ich vermute, so lange wird das nicht dauern. Aber ein besseres Lob für unsere Arbeit können wir doch gar nicht bekommen, oder?

06.10.2016

Das Wort zum Freitag - Ein Gespenst geht um in Europa....



....das Gespenst der Pastafarianophobie.

Wir haben es gestern gehört, Deutschland ist ein Kirchenstaat. Nirgendwo weltweit werden Kirchen so viel Privilegien eingeräumt, wie hier. Religionen stehen also in hohem Ansehen bei unseren Politikern.

Nur wir, die einzig wissenschaftliche Religion, werden übel verfolgt. Gnadenlos bekämpfen die Amtskirchen mit Hilfe willfähriger Politiker unsere kleine Gemeinschaft.

Erste kleine Erfolge, z.B. Mein Passfoto mit piratiger Kopfbedeckung auf der Fahrerlaubnis, werden durch ihr Wirken kein dauerhafter Erfolg. Immer wieder werden solche Anträge abgelehnt.

Besonders drastisch ist das Beispiel einer Seilschaft aus Kirche und Politik bei unseren Nudelmessehinweisschildern. Längst genehmigt hat die das Rad der Geschichte versucht zurück zu drehen und sie wieder abnehmen zu lassen.

Wie anders wäre das zu erklären, als mit einer tief um sich greifenden Pastafarianophobie, die schon an Rassismus grenzt.


Wehren wir uns. Lassen wir uns nicht länger wie hilfloses Vieh zur Schlachtbank führen. Zeigen wir unseren Unterdrückern, wo die Nudel hängt. Stehen wir ein für die Gleichbehandlung von Religionen.
Kämpfen wir für die gleichen Privilegien, wie andere sie haben.


Na gut, auf
Genehmigung des Schächtens nach § 4a II TierSchG können wir gern verzichten. Ebenso auf Tanzverbot an stillen Feiertagen. 

Andere sind hingegen auch 
für uns unverzichtbar
Ganz wichtig ist die Insolvenzunfähigkeit. Die gibt, verbunden mit demVollstreckungsschutz, ein unschätzbares Gefühl der Sicherheit, falls doch mal eine Kaperfahrt mehr kostet als einbringt. Vor allem, wenn dann auch noch Staatsleistungen in hohem Maße an uns fließen. 

Erhöhen können wir dieses Gefühl noch durch Wahrnehmung des
Parochialrechts. Damit würden alle, die sich zum Pastafaritum bekennen, zwangsweise Mitglied unserer Kirche werden. Wenn wir dann noch dasBesteuerungsrecht dazu nehmen und der Staat im Rahmen der Gleichbehandlung die gleich für uns mit einzieht, gehen wir finanziell goldenen Zeiten entgegen. 

Aber auch rechtzeitige Nachwuchsarbeit ist wichtig, also ein klares Bekenntnis zum pastafarianischen 
Religionsunterricht. In die gleiche Rubrik fällt das Recht, Rundfunkräte in die Medienanstalten zu senden. Auch das Recht, eben solche Beiräte in den Ethikrat des Bundestages zu senden, in Jugendhilfeausschüsse und andere. 

Die 
Dienstherrenfähigkeit, verbunden mit kirchlichem Sonderarbeitsrecht wäre auch nicht zu unterschätzen.

Es ist zwar fast ausgeschlossen, dass jemand von uns friedfertigen Pastafari zur Armee geht, aber sollen wir deshalb auf pastafarianische
Militärseelsorge verzichten?

Ihr seht, wir haben noch viel Arbeit vor uns.


Oder wäre es vielleicht doch besser, die Gleichbehandlung zu erreichen, indem alle diese Privilegien komplett aufgehoben werden? Ist es überhaupt möglich, all das allen Religions- und Weltanschauungen in gleichem Teil zukommen zu lassen? Ist nicht wirkliche Gleichberechtigung nur möglich, in dem niemand Privilegien bekommt?

Ich denke, ja. Deshalb fordern wir Gleichbehandlung nicht auf dem Niveau der Großkirchen, sondern auf unserem.
Nehmt den Kirchen den Status der Körperschaft des öffentlichen Recht und macht sie zu eingetragenen Vereinen mit den gleichen Rechten und Pfichten, wie wir sie haben.
Nehmt den Kirchen alle Sonderrechte und beendet dir Rolle der Religion in der Politik. Nur so werden wir ein starkes und gesundes Land.