07.12.2017

Das Wort zum Freitag - Wei(h)nachten, wie es wirklich war




Schon lange ist erwiesen, mit dem Christentum hat Weihnachten nichts zu tun. Das hat nur ein altes Fest gekapert und verfälscht.

Wie aber war es wirklich? Wie entstand Weihnachten und seine Bräuche?
Wir bringen Klarheit und Licht ins Dunkel.

Weihnachten ist das Fest alter pastafarianischer Piraten. Die waren nicht, wie Piraten heute, Schurken die Lösegeld erpressen, sondern Robin Hoods der Meere. Sie nahmen den Reichen, um den Armen zu geben. Ganz besonders hatten sie dabei die Kinder im Blick. Übers Jahr jagten sie den Reichen zu unrecht erworbenes Vermögen ab. Manche Reiche mit sozialem Gefühl spendeten sogar freiwillig. An das Verschenken ging es, wenn die Schifffahrtssaison vorbei war. In der dunklen Jahreszeit gab`s sonst nicht viel zu tun.

So entstand die Tradition des Weihnachtsgeschenks und der Zeitpunkt für das Fest.

Damit die Piraten auch immer den Weg zu den Kindern fanden, machten die ihnen Licht.
Leuchttürme konnten Kinder nicht bauen aber so ähnlich sollte es sein. Da kam ein Kind auf den Einfall, einen Schiffsmast mit alle seinen Rahen verkleinert nachzubauen und mit Kerzen zu beleuchten

Daraus entwickelte sich der Weihnachtsbaum.

Weil die Kinder die Piraten ehren wollten, suchten sie eine Figur, in der sie alle Piraten vereint sehen konnten. Die Uniformen der Piraten wurden zum Umhang, die langen Pudelmützen, die Piraten im Winter an Land trugen, wurden erhalten. Geändert haben sich die Farben. Die sind nicht, wie viele vermuten, ein Werbegag von Coca Cola. Nein, die Farben geben das Rot-Weiß der Leuchttürme wieder.

So entstand der Weihnachtsmann.


Waren die Piraten fertig mit ihrer Geschenkaktion, waren sie rechtfertig stolz auf ihr Werk.
Sie trafen sich bei einer oder auch mehreren Flaschen Wein. Die Kinder, glücklich über ihre Geschenke und die vielen Süßigkeiten, die die Piraten für sie bereit gestellt hatten, sausten munter zwischen den Tische herum. Das klappt immer ganz prima, bis einmal ein etwas zu schneller Knabe die Flasche eines Piraten umstieß, dass der Wein auslief.  Da war er sehr erschrocken und kurz vor dem Weinen.

Tröstend erklärte ihm der Pirat deshalb, wie viel Arbeit im Wein steckt, wie schwer die Winzer an ihrem Weinberg arbeiten müssen der oft nicht mal ihr eigener ist, sondern einem bösen Grafen oder König gehörte.  Ganz vorsichtig und milde gab er dem Knaben trotzdem die Mahnung mit auf den Weg: „Du musst den Wein achten!“

So entstand die Fabel vom Weinberg des bösen Herrn und das Wort Weinachten, später durch ein h verfremdet.

Auch deshalb feiern manche Pastafari heute nicht mehr ihr WeinAchtsFest, sondern „Nudliges Lichterfest“. Statt dem Weinachtsmann kommt dann der Lichterpirat.

30.11.2017

Das Wort zum Freitag - Grenzenlos tolerantes Pastafaritum?



"Nanu, was ist denn hier in der Gruppe los? Ich dachte, hier geht es um Spaß und das lustige Monsterchen? Aber ihr hetzt nur gegen andere Religionen"
So ungefähr lautete der erste Post, den Tina Schulze in unserer Gruppe abgesetzt hatte. Leider ist das nicht mehr nachlesbar, dieses Fakeprofil wurde inzwischen gelöscht und damit sind auch alle ihre Beiträge weg. "Tina Schulze" war lediglich Mitglied in einer Gruppe, in unserer.

Im Weiteren hat sie und auch andere uns vorgeworfen, ein falsches Pastafaritum zu pflegen. Das hätte immer tolerant zu sein und nicht andere Religionen anzugreifen.

Nun, mal davon abgesehen, dass sich das Pastafaritum in jedem Land anders entwickelt hat und es das eine, geschlossene gar nicht gibt, lohnt es sich doch, die Behauptung einmal zu untersuchen.

Fangen wir bei unserem Propheten Bobby Henderson an. Ein lieber und netter Typ und ganz sicher tolerant. Aber als in Kansas die Genesis der Bibel gleichberechtigt mit Darwins Evolutionstheorie im Biologieuntericht gelehrt werden sollte und dann auch wurde, hat es ihm gereicht. Er schrieb den "Offenen Brief an das Schulamt von Kansas", mit dem das Pastafaritum begründet wurde. Ich würde das nicht unbedingt als Akt der Toleranz sehen.

Aber das Pastafaritum selbst?

Ganz zweifellos ist das 1. ALWM ein klares Zeichen der Toleranz. Noch wesentlich deutlicher wird die Aufforderung zu der im 3. ALWM.

Toleranz gehört also klar zum Pastafaritum.
Aber immer und in jedem Fall?

Schon im IV ALWM kommen da Zweifel auf: "... Wem das nicht passt, der kann mich mal – Ich glaube, die Formulierung lautet: am Arsch lecken."
Ganz eindeutig wird es im V.: "...Esst etwas, dann macht euch über die Idioten her."

Es ist bekannt, dass ES nicht die hellste Birne im Universum ist. Es ist auch bekannt, dass ES nicht der strafende Herr, sondern eher so der Kumpel von nebenan ist, mit dem man auch schon mal auf ein Bier geht. Aber genau wie der Kumpel von nebenan kann auch das Monster mal böse werden. Vor allem, wenn man die falsche Kopfbedeckung trägt:

" Außerdem zeugt es von mangelndem Respekt, unseren Glauben zu verbreiten, ohne das Ornat Seiner Wahl zu tragen - die Kluft der Piraten. Das lässt sich gar nicht genug betonen, allerdings leider nicht näher erklären, weil hier der Platz dazu nicht reicht. Die präzise Erklärung lautet:

ES wird böse, wenn wir es nicht tun."

Mag sein, der Eine oder die Andere, die sich das Monster immer nur als süßen Wattebausch vorgestellt haben, sind nun enttäuscht. Aber das braucht ihr nicht, denn, was uns das Monster sagen möchte, ist eine einfache Wahrheit: Grenzenlose Toleranz ist das Ende der Toleranz.

Ganz im Sinne von Karl Popper, der in seinem Werk "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" das Toleranzparadoxon so beschrieb:

„Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen......

.....Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“

Dem bleibt nichts hinzuzufügen.

23.11.2017

Das Wort zum Freitag - Feiertage im Wandel




Seit Urzeiten gab es Feiertage, die entstanden, um die Götter zu ehren, an die man gerade glaubte. Schon weit vor dem Christentum gab es viele Kulturen, die am kürzesten Tag des Jahres die Wiedergeburt der Sonne und des Lichtes feierten. In den nordischen Ländern wurde dieses Fest JUL oder JOL genannt. Es bildete den Höhepunkt der dunklen Zeit und hat einen ganz alten Bezug zu Odin. Sonnen-, Toten- und Fruchtbarkeitsriten wurden durchgeführt bis Papst Hippolytos im Jahre 217 den 25. Dezember als Tag der Christgeburt benannte. Der alte Sonnengott ging, der neue Christengott kam. Seinen uralten Ursprung hat dieses Fest in die Mythenwelt unserer Vorfahren.

Ob sie sich wohl darüber beklagten, dass sie nun den Christengott statt ihres Sonnengottes anbeten sollten? Ob sie ihn heimlich trotzdem noch eine Zeit lang weiter anbeteten, bis er ganz langsam in Vergessenheit geriet? Lassen wir ihnen ihr Geheimnis.

Alles im Leben rächt sich irgendwann. Jüngst verfolgte ich im TV eine Reportage über die Vorweihnachtszeit. Es wurde berichtet, dass die Weihnachtsmärkte vielerorts bereits Mitte November ihre Tore öffnen, damit es sich der Aufwand für die Händler auch lohnt. Da der gottlos glückliche Mitmensch dieses Angebot gern annimmt und schon mal im nasskalten und grauen November den Genüssen der Weihnachtsmärkte erliegt, scheinen Angebot und Nachfrage zu harmonieren.

Die Christen finden das allerdings nicht so toll oder tun zumindest aus zwingendem Gehorsam so. Ich erfuhr, dass der November ein ruhiger Monat zu sein hat, in dem man sich besinnt, bevor dann im Advent wieder gefeiert werden kann. Nicht schlecht!

Mal runter zu fahren tut bestimmt so manchem gestressten Mitmenschen gut. Braucht er das aber gerade nicht oder ist ihm mehr nach Lichterglanz, Glühwein, Bratwurst, Pfannkuchen, wird er Orte finden, wo er das bekommen kann, was ihm gut tut, vielleicht auch auf Weihnachtsmärkten. Das Weihnachtsfest, wie es die Christen verstehen, gibt es wohl kaum noch. Hardliner praktizieren es vielleicht noch, ansonsten ist das Christkind wohl gegangen und vom Weihnachtsmann abgelöst worden. Einzig geblieben ist die Wintersonnenwende. Nur die Art, sie zu feiern, wandelt sich ständig.

Schleierhaft ist mir, wie man sich aufregen kann, dass Weihnachtsmärkte bereits im November öffnen. Hätte mich das gestört, würde ich ihnen fern bleiben. Kann doch jeder machen, wie er will.

Ich freue mich auf unser Pastatfest, das in diesem Jahr am 1. Dezember beginnt. Und weil es so schön ist, dürfen in diesem Jahr wieder 4 Kerzen auf den Pastatskranz.


Habt eine schöne Pastatszeit. Ihr wisst ja, das Monster ist nicht grummelig, falls ihr schon mal vorher die Pastatsfreuden genießen wollt und Es wird euch auch nicht bestrafen, falls ihr dieses Fest einfach ignoriert. Alles geht, nichts muss.

17.11.2017

Das Wort zum Freitag - Gesellschaft und Religion in Wechselwirkung



Vor zwei Wochen habe ich von der Demonstration in Göttingen berichtet. Die war Teil eines Pastafariwochenendes, das die Alte Schule Fredelsloh organisiert hatte. Ein weiterer Höhepunkt war dort am Abend das Streitgespräch zwischen Pfarrer Klaus-Wilhelm Depker und mir. Zunächst gab es einen Vortrag (siehe unten) zum Thema.
Weil ich es stark fand, dass sich ein Pfarrer stellte, der Templiner Pfarrer Schein hat auf ein ähnliches Angebot nicht einmal geantwortet, wollte ich versöhnlich anfangen. Deshalb wählte ich als Einstieg den Hinweis auf zwei Pfarrer, die ich bis heute bewundere. Walter Schilling lernte ich kennen, als ich Ende der 70ger mit Leuten von der Jenaer Jungen Gemeinde bei ihm in Braunsdorf war. Christoph Wonneberger war Pfarrer in der Weinbergkirche in Dresden. Die war Treffpunkt anders denkender und oft auch aussehender Leute und ich war oft dort.

Pfarrer Depker revanchierte sich, indem er zum Einstieg seiner Erwiderung bekundete, von unseren 8ALMWs könnte er alle sofort unterschreiben. Wir mussten fast nach einem Streitthema suchen, die Diskussion mit einem Hardliner wäre sicher spannender gewesen.
Aber letztlich fand sich doch noch dies und jenes. Vor allem auf Carsten Frerk, dessen Bücher ich empfohlen hatte, war er gar nicht gut zu sprechen.

Schade, dass pünktlich zum Ende der Diskussion seine Frau erschien und ihn abholte. Ich hätte gern noch bei einem Bier weiter gemacht.

Weiter ging es dann am nächsten Tag. Da war in Fredelsloh Lichterfest. Wegen der Sturmwarnung nicht zentral an einem Ort, sondern aufgeteilt in Garagen. Wir liefen alle ab und spendeten jeder SEINEN Segen. Nebenher verteilte Elli Spirelli noch unsere Lutherflyer, die gingen weg wie warme Semmeln. Den letzten schlugen wir dann nach Lutherart an die Tür der wirklich sehr interessanten Kirche.


Schöne war´s, wir haben uns wohl gefühlt.

Bleibt nur noch mein Vortrag. Ich habe hier versucht, ihn anhand meiner damaligen Stichpunkte auszuformulieren. Er war als Impulsvortrag für die Diskussion gedacht, ist also keinesfalls bis in alle Enden ausgearbeitet. Über Vorschläge zu Ergänzungen würde ich mich sehr freuen.


Kirchenkritik ist für Viele selbstverständlich. Nach anfänglicher sanfter Zuneigung kam ich schon in der DDR zu der Ansicht, Kirche und SED stehen auf einer Ebene: beide missbrauchen eine populäre Idee zum Machterhalt.

Die katholische Kirche spielte keine große Rolle, mit Kirche meine ich die evangelische. Die verfügte über einen großen Besitz an Grundstücken und Gebäuden, hatte eigene Schulen und Krankenhäuser, und bekam Geld vom Staat. Bis 1981 immerhin fast 700 Millionen Mark. Zum Vergleich, das Anfangsgehalt eines Diplomingenieurs lag so bei 500,- Mark.
Die Kirche hatte eigene Zeitungen und in inneren Angelegenheiten war sie immer frei.
Die stand letztlich fest zum Staat, was sie mit ihrer selbst gegebenen Begrifflichkeit "Kirche im Sozialismus" auch klar nach außen bekannte. Nur einzelne Pfarrer, die dafür von ihren Oberen gemaßregelt und sogar ihrer Funktion enthoben wurden, waren oppositionell.
Nun dienen diese Pfarrer der Kirche dazu, die Legende von der "Kirche im Widerstand" zu prägen.

Heute geht es den beiden Großkirchen allerdings, verglichen mit der DDR, geradezu paradiesisch. Inzwischen sind es rund 20 Mrd. Euro, die sie vom Staat jährlich abfassen. Hinzu kommt eine Unmenge von Sonderrechten.

Manche meinen, das wäre verdient, denn die Kirchen tun ja so viel Gutes. Ja, sie tun auch Gutes. Aber das könnten andere sogar noch besser. Diakonie und Caritas, die weltgrößten Sozialkonzerne, geben gerade mal 2% Eigenmittel für ihre Arbeit aus. Der Rest kommt von Spenden und vom Staat. Dafür haben sie ein Sonderarbeitsrecht, das ihre Mitarbeiter deutlich schlechter stellt und sogar weltanschaulichen Gehorsam fordert. Vor allem aber sind das fantastische Propagandamaschinen, auf die viele Leute herein fallen. Jeder freie Träger könnte diese Sozialarbeit, mit weniger Kosten für den Staat, bei gleicher und besserer Qualität ausüben. Der dürfte es sich z.B. nicht leisten, bei Patienten im Hospiz die Patientenverfügung zu missachten und Kranke einfach gegen ihren ausdrücklichen Wunsch weiter an Schläuchen leiden zu lassen, um Gottes angeblichen Willen zu erfüllen.


Nicht so selbstverständlich ist Religionskritik. Da gibt es das völlig richtige Argument, jeder muss glauben können, was er möchte. Da gibt es aber auch den über Generationen anerzogenen Respekt vor Religion. Religion ist eine Form von Weltanschauung. Wenn man Religion nur deshalb respektieren müsste, müsste man das bei jeder Weltanschauung tun. Niemand würde aber auf die absurde Idee kommen, das auch für Faschismus oder Stalinismus zu fordern. Warum dann für Religion ein Sonderrecht gewähren?

Vielleicht wegen der gängigen Vorstellung, Religion wäre als Grundlage und Hüter einer Moral unbedingt notwendig? Mancher ist ja der Meinung, der Mensch wäre nur gut, wenn ein Gott ihm sagt, was er zu tun und zu lassen hat, das Handeln der Menschen dann allzeit überwacht und die einen in den Himmel und die anderen in die Hölle schickt.

Was will denn der bei uns gängigste Gott so?
613 Ge- und Verbote hat er erlassen. Dabei solche wie:
- Dass ein Samenflüssiger, wenn er rein geworden ist, ein Opfer bringen müsse.
- Dass eine Frau, welche ihre Periode hat, unrein ist und auch andere verunreinigt.
- Dass man aus einem Vogelnest nicht die Mutter samt den Jungen nehmen dürfe, sondern die Erstere wegschicken müsse.
- Dass man den sündigen Nächsten zurechtweise, ermahne.
- Den Gottlosen soll man mit Schlägen züchtigen.
- Das Gericht kann durch das Schwert richten lassen. Auch durch den     Strang. Auch durch Feuer.  Auch durch Steinigen. Auch durch Hängen.
- Dass niemand sich kleide mit Zweierlei (Leinen und Wolle in einem und demselben Zeuge gewebt).
- Dass kein Priester eine Hure zur Frau nehme

Beschränken wir uns auf die so hochgelobten 10 Gebote. Die meisten sind überhaupt nicht mit heutigem Recht vereinbar, zwei wenigstens überwiegend und nur eins ganz. Als Moralgeber ist Religion also denkbar schlecht geeignet. Sie macht den Menschen nicht besser, sie befähigt ihn eher, den Anders- bzw. Nichtabergläubigen als Feind zu sehen und so den natürlichen Altruismus zu überwinden. Ganz im Sinne des Zitats von Steven Weinberg: "Religion ist eine Beleidigung der Menschenwürde. Mit ihr oder ohne sie würden gute Menschen Gutes tun und böse Menschen Böses. Aber damit gute Menschen Böses tun, bedarf es der Religion.“

Positiv wirkt Religion also nicht auf die Gesellschaft, sondern eher negativ. Dafür steht nicht nur die Erkenntnis von Weinstein. Religion beinhaltet immer Dogmen. Solche Denkverbote behindern klar den gesellschaftlichen Fortschritt. Aktuelle Beispiele sind die Sterbehilfe und die Präimplantationsdiagnostik. Hier werden durch die doch inzwischen ziemlich moderaten deutschen Christen, ihre Parteien und Kirchen bessere und von der Mehrheitsgesellschaft gewollte Lösungen verhindert.

Dieses Beispiel zeigt klar, nicht nur fundamentale Religion ist ein Übel.

Trotzdem bleibt es dabei, jeder muss denken und glauben können, was er möchte. Um unsere Gesellschaft besser zu machen, bleibt uns nur ein Weg. Wir müssen immer und überall zeigen, was Religion bewirkt. Wir müssen den unbegründeten Respekt vor Religion abbauen und zeigen, wie lächerlich sie eigentlich ist. Vor allem aber müssen wir eine Alternative bieten, eine Alternative wie den evolutionären Humanismus. 

So wirkt die Gesellschaft auch auf Religion und Religiöse. Das Christentum ist ja nicht durch Selbsterkenntnis moderat geworden. Die Werte von Humanismus und Aufklärung haben die Gesellschaft ergriffen. Der Druck dieser neuen Werte hat auch die christlichen Kirchen verändert. Deshalb, und nicht etwa Dank Luther, sind die heute in Europa auch deutlich moderater als z.B. in Afrika.

10.11.2017

Das Wort zum Freitag - Schülerfragen




"Hallo,

wir wollten uns hiermit noch mal für die freundlichen und interessanten Antworten auf unsere Fragen bedanken. Wir wünschen Ihrer Gemeinde viel Erfolg für die Zukunft."

Das schrieben mir Nicolas und Tibor von der Ernst-Reuter-Schule 2 in FFM.
Immer öfter kommen Anfragen von Schülern, bei denen das FSM Unterrichtsthema ist. Ich hatte schon einige veröffentlicht.
Meist ähneln sich die Fragen, aber die hier waren mal etwas anders.
Deshalb möchte ich euch die und meine Antworten nicht vorenthalten:

1. Warum glauben Sie?

Ich glaube nicht im Sinne der religiösen Bedeutung des Wortes.

2. Was glauben Sie?
Ich glaube, dass auf Erden alles natürlich zugeht, also keine Gnome, Feen, Faune, Götter, Trolle oder sonst so.
Wir sehen uns nicht als Religions-, sondern als Weltanschauungsgemeinschaft und vertreten den evolutionären Humanismus.



3. Was denken Sie über Ungläubige?
Sie haben keine Denkverbote (Dogmen), sind also sehr wahrscheinlich schöpferischer und kreativer.

4. Wie groß ist die Toleranz gegenüber anderen Religionen?
Religionsfreiheit ist ein hohes demokratisches Gut, zu dem wir uns voll bekennen.
Aber dieses Gut beinhaltet sowohl die Freiheit von Religion als auch die Freiheit, Religion in jeder Weise kritisieren zu können. Dazu gibt es durchaus Anlass, denn
Religionen sind immer schädlich für die Gesellschaften, weil sie die nach ihren Ansichten und Dogmen formen möchten.

5. Teilglaube, Supermarkt der Religionen Möglich?
Möglich, denn letztlich gibt es keinen Grund, zwischen Religion und Aberglaube zu trennen. Den kann sich aber jeder zusammenbasteln, wie er möchte.
Sinnvoll ist Aberglaube nie, auch nicht als Supermarktreligion.

6. Lässt sich die Evolutionstheorie mit der Schöpfung vereinen? Wenn ja wie?
Nein. Die Evolutionstheorie ist Wissenschaft, die Schöpfung Märchen.

7. Haben wir einen freien Willen? Oder ist unser Weg vorbestimmt?
Das eine muss nicht zwingend das andere bedeuten.
Der Wille ist nicht frei in dem Sinne, dass es immer ganz konkrete Ursachen gibt, die uns diesen Willen geben.
Aber fehlende Willensfreiheit muss nicht fehlende Handlungsfreiheit bedeuten.
http://www.schmidt-salomon.de/bruno/Archiv/realfreih.pdf

8. Entwickelt sich die Religion weiter?
Ja, man kann sogar von einer Evolution der Religionen sprechen.
Allerdings erfolgt diese Entwicklung nicht nur aus sich selbst heraus, sondern auch, manchmal vor allem, auf Druck der Umgebungsgesellschaft. So hat nicht etwa moderate Religion Humanismus und Aufklärung gebracht, sondern Humanismus und Aufklärung moderatere Religionen.

9. Was denken Sie wie sieht die Zukunft des Glaubens aus? Wird es die Pastafari in 20 Jahren noch geben?
Die Pastafari wird es so lange geben, wie noch gezeigt werden muss, wie albern und unsinnig Religion ist.
Es wäre schön, wenn das in 20 Jahren schon vorbei wäre. :)'

10. Denken Sie, die Wissenschaft verdrängt irgendwann das Bedürfnis des Glaubens? Was denken Sie würde dann aus den verschiedenen Religionen?
Es gibt kein Bedürfnis des Glaubens. Gäbe es das, wie ließe sich erklären, dass in den neuen Bundesländer auch nach der Wende der Anteil an Gläubigen nicht gestiegen ist? Trotz massiver Evangelisierungsversuche der Kirchen ist im Gegenteil der Anteil der Atheisten noch weiter gestiegen auf deutlich über 80%.
Die Religionen werden immer bedeutungsloser werden. Zur Erklärung der Welt haben sie nie getaugt und das erkennen immer mehr Menschen. Ein Überleben sehe ich auf der Ebene von Traditions- und Trachtenvereinen.

11. Wie finanziert sich die Kirche? Reichen die Spenden?
Unsere Kirche ist als Verein organisiert. Die Mitglieder bezahlen Vereinsbeiträge und wir bekommen Spenden. Da wir ein große Zahl von Sympathisanten haben reichen die für unsere Aufgaben aus.
Wir hätten gern, dass wir gleichberechtigt mit den Großkirchen wären. Das aber auf unserem Niveau, die Großkirchen sollten also auch Vereine werden und ihre Sonderrechte incl. staatlicher Subventionen von über 20 Mrd. Euro jährlich verlieren.

12. Für was werden die Einnahmen benutzt?
Das schreibt uns unsere Vereinssatzung vor: Zur Förderung wissenschaftlicher Weltanschauungen mit sachlichen und satirischen Mitteln unter besonderer Berücksichtigung des evolutionären Humanismus der Giordano-Bruno-Stiftung. Das Pastafaritum ist das satirische Mittel.

02.11.2017

Das Wort zum Freitag - Luther, Vater der Kinder-Euthanasie



Dieses Wort hätte gut auch den Titel "Vom Winde verweht" tragen können. Besser noch, vom Sturm verweht. Wir hatten unsere Demo mit Nudelmesse in Göttingen gut angekündigt, zwei Zeitungen hatten im Vorfeld berichtet und vier Journalisten waren vor Ort. Wie ausnehmend gut es ihnen gefallen hat, könnt ihr unten in dem Kurzvideo sehen. Wir waren also ganz, ganz sicher, tolle Berichte über uns in den Medien zu haben. Auch bei RTL, die sich unser Video schicken ließen.

Dann wütete Sturm Herwart. Als ich RTL um den Link zum Beitrag gebeten habe, kam "Vielen Dank nochmal für Ihre Mühe. 
Das Material war durchaus sendbar, leider hatten die Kollegen am Montag durch den Sturm doch keinen Platz mehr in der Sendung. Das ist natürlich besonders ärgerlich und tut mir wirklich leid."


Ähnlich wird es wohl bei den Zeitungen gewesen sein. 
Na, wenigstens bleibt uns unser eigener Zusammenschnitt und natürlich der Text der Predigt. Womit wir dann auch wieder beim Titel oben wären.




Die meisten wissen es gar nicht. Der Reformator war ein Luder. Unter dem Namen lebte er über 30 Jahre. Ein ziemliches Schimpfwort, das damals noch weitaus stärker war als heute. Ist ja verständlich, wenn einer nicht so heißen möchte, auch wenn es noch so passend war.
Sucht euch was aus, das waren damals übliche Deutungen für Luder: Verlockung, betrügerischer Anschlag, Fallstrick, Hinterhalt, liederliche Lebensführung, der Üppigkeit, dem Wohlleben, schwelgen, schlemmen, verfallenes Lotterleben. Im Luder liegen bedeutet: Sich dem Lotterleben, speziell dem Suff, der Trunkenheit ergeben.

Namensforscher Prof. Udolf meint:
Der Luder, ein Meister der Selbstdarstellung, wählte die hochdeutsche edle Variante seines Namens, um sich nicht der Gefahr auszusetzen, dass jemand anzügliche Bemerkungen über seinen Namen machen könnte.

Ätsch, wir machen sie trotzdem und behaupten "Nomen es Omen". 

„Wir Menschen sind so: Wenn wir einen Pfennig haben, so wollen wir gern einen Gulden. Wenn wir einen Gulden haben, hätten wir gern hundert. Wenn ich eine Kanne Bier habe, wollte ich gern das ganze Fass.“ – So sah Luther sich selbst. (Aus den Tischreden 1532) Bier war ihm ungeheuer wichtig. 
Kein Wunder also, wenn in der Standardausgabe der Luther-Werke aus Weimar das Wort Bier über 250 Mal vorkommt. 

Aber natürlich reicht einem wie ihm Alkohol allein nicht. Wieder er selbst:

„Gestern musste ich daran denken, dass ich ein sehr gutes Bier daheim habe und dazu eine schöne Frau …“  (Brief an seine Frau 1534)

Ja, aus dem Angsthasen vor allem Weiblichen war ein Sexprotz geworden. Stark, was eine entlaufene Nonne alles so drauf hat. 

Aber davon wird man nicht fett. Luther hatte mit dem Kloster auch dem Fasten abgeschworen und ist auf der Wartburg zum Völler geworden. Von da an gings nur noch bergauf...mit seinem Gewicht. Nach und nach legte er sich durch übermäßigen Genuss sämtliche Wohlfahrtskrankheiten zu: Verdauungsstörungen, Gallen- und Nierenkoliken, Schwindel und Kreislaufattacken, Gicht und Rheuma. 

Ja, ich weiß, das geht euch zu sehr gegen den Menschen. Ad hominem ist nicht die feine englische Art.
Aber bei einem, der auf vielen Denkmälern steht, der so verklärt und gefeiert wird wie Luther, kann man schon mal eine Ausnahme machen.
Und wenn Juden über Juden lästern dürfen, Behinderte über Behinderte, dann dürfen auch Dicke über Dicke lästern. 

Bei Behinderten wären wir dann auch voll im Thema. Die sind nicht mit Gottes fehlerlosen Schöpfung vereinbar, mussten also vom Teufel sein oder doch zumindest irgend etwas mit ihm zu tun haben: "Wenn man aber von den teufelsähnlichen Kindern erzählt, von denen ich einige gesehen habe, so halte ich dafür, dass sie entweder vom Teufel entstellt, aber nicht von ihm gezeugt sind, oder dass es wahre Teufel sind."
Was des Teufels ist, muss vernichtet werden. Ganz konkret hat das Luther bei einem geistig behinderten Kind versucht. Er wollte es ersäufen. Seine Begründung: „Ich glaube schlicht, es sei ein Stück Fleisch ohne Seele“
Nur weil sein Landesherr das nicht ganz so sah, blieb der Junge am Leben. Grundsätzlich blieb Luther dabei seiner Meinung. Über geistig behinderte Kinder meint er, man sollte "derartig missgeborene Kinder ertränken".

Luther als Judenhetzer, als Frauenhasser, als Bauernschlächter und als Hexen- und Prostituiertenverbrenner ist schon einigermaßen bekannt. 
Verleihen wir ihm nun einen neuen Ehrentitel. Er hat ihn sich redlich verdient:

Luther, Vater der Kinder-Euthanasie


Zum Abschluss noch ein passendes Zitat und weiterführende Links.


"Die Heiligenlegenden entlarvte Luther als Märchen. An den Bibellegenden hielt er fest; am Teufelsglauben auch; am Hexenwahn auch; an der Ketzervertilgung auch; am Antisemitismus auch – am Kriegsdienst, an der Leibeigenschaft, den Fürsten. Man nennt es: Reformation." (Karlheinz Deschner)

https://www.welt.de/kultur/article126395361/Neuneinhalb-Thesen-gegen-Martin-Luther.html

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/reformation/235725/populaere-irrtuemer-rund-um-die-reformation

https://hpd.de/artikel/luther-steuergeld-fuer-hassprediger-14937

26.10.2017

Das Wort zum Freitag - Heilige Nudelmesse und Reformation




Drei Feiertage liegen eng beisammen: Weltnudeltag, Halloween und Reformationstag.

Halloween wird vom Volk am meisten gefeiert. Kein Wunder, hat sich doch herumgesprochen, das ist ein altes, pastafarianisches Fest. Immer um Halloween wird es kalt, es liegt klar auf der Hand, das kommt durch die vielen Piraten, die dann durch die Straßen ziehen.

Vom Staat wird der Reformationstag am meisten protegiert. Klar, Luther hat die Welt verändert und wird dafür gefeiert.
Noch mehr jedoch hat die Pasta die Welt verändert, der Weltnudeltag geht aber immer noch unter.  Das ist besonders ungerecht, da die Nudligation im Gegensatz zur Reformation ausschließlich positiv war.
Gegen diese schreiende Diskriminierung der Nudel hilft nur eins: Die Heilige Nudelmesse am Reformationstag.



Seid dabei, wenn wir die am
31.10.17 im MIO Restaurant Leipzig, Beethovenstraße 21
um 13:00 Uhr feiern.
Noch besser ist, ihr kommt schon 10:00 Uhr dort hin. Die gbs Leipzig lädt dann zum "Säkularen Frühstück" ein.
Das passt doch wie Piratenfaust auf Spießerauge.



Noch mehr, nämlich ein komplettes Wochenende, gibt es
am 28. und 29.10.17 in Fredelsloh und Göttingen

Das Bildungswerk Leben und Umwelt / Alte Schule Fredelsloh macht eine Veranstaltung zum Thema „Pastafari“ und die Kirche des Fliegenden Spaghettimonster. Die für euch sicher besonders interessanten Sachen habe ich mal fett gesetzt. Aber es lohnt sich ganz sicher, auch bei den anderen dabei zu sein.

Samstag, 28. Oktober 2017
➔ 9 Uhr – gemeinsames Frühstück mit Pastafari-Gedanken, Alte Schule Fredelsloh
➔ 12 Uhr – Pastafari Demo mit Nudelmesse, Altes Rathaus Göttingen (Fahrgemeinschaften)
➔ ca. 15 Uhr – Jörg bereiten Nudeln vor, wenn wir aus Göttingen wieder kommen.
(Alte Schule Fredelsloh)
➔ 19 Uhr - Vortrag und göttliche Auseinandersetzung mit Bruder Spaghettus, Schwester Elli 
Spirelli und „K.-W.“ Pastor Klaus-Wilhelm Depker (Alte Schule Fredelsloh) 

Sonntag, 29. Oktober 2017

➔ 9 Uhr – gemeinsames Frühstück mit Pastafari-Gedanken, Alte Schule Fredelsloh
➔ ca. 11 Uhr – Prozession mit Bruder Spaghettus und Schwester Elli Spirelli beim
„Lichtermarkt“ in Fredelsloh
➔ 13 Uhr – Mittag – Es gibt Spaghettis !!! 
Anmeldung:
Telefonisch bei Jörg, Alte Schule Fredelsloh 05555 522 (Ran an das Telefon!)
- Seminarkosten - „freie Selbsteinschätzung“ - Das Sparschwein steht auf dem Tisch…
- Verpflegung wird vor bereitet und gemeinsam gezaubert...

- Übernachtung möglich…..

Sogar die erste Zeitung hat schon berichtet. Eine weitere wird noch folgen.
Nun fehlt nur noch ihr.

Ich hoffe sehr, wir treffen uns irgendwo.

19.10.2017

Das Wort zum Freitag - Glaubenskodex an der Uni




Glaubenskodex?

Bisher kannte ich den Begriff noch nicht. Eine von zwei aktuellen Pressemeldungen zum Thema Religion und Gesellschaft hat das geändert.

Beide haben schon auf Facebook für einige Diskussionen gesorgt.
In der ersten ging es um einen muslimischen Feiertag. Innenminister de Maiziere hatte den vorgeschlagen, Teile der CDU und besonders der CSU das sofort kritisiert.
Na, ein Feiertag mehr ist ein Tag Arbeit weniger, ist doch also gar keine schlechte Sache, oder?
Könnte man so sehen. Ich sehe es anders. Weitere religiöse Feiertage würden den Einfluss von Religion auf die Gesellschaft stärken. Das brauchen wir gewiss nicht.

Was wir brauchen ist die schrittweise Umwandlung von religiösen Feiertagen in säkulare. Weihnachten, Ostern und Himmelfahrt haben sich schon längst vom Ursprung getrennt, die könnten als traditionelle Feiertage bleiben. Alle anderen werden ersetzt und aufgestockt auf die Zahl, die die Stadt mit den meisten Feiertagen hat. 

Das wäre Augsburg mit 14.

Ein andere Möglichkeit wäre, den Mindesturlaub anzuheben und sämtliche Feiertage, bis auf zwei, drei mit klarem Bezug zum Staat und damit allen Bürgern, abzuschaffen. 


Mehr Religion ist immer der falsche Weg, auch, wenn es, wie in dem Fall, mit einem Arbeitstag weniger zunächst einmal angenehm sein sollte.

In der zweiten Meldung ging es um die Uni Hamburg. Dort war es immer mehr zu religiösen Übergriffen gekommen, die drohten, den normalen Lehrbetrieb empfindlich zu stören. Salafisten haben auf den Fluren öffentlich gebetet, Studentinnen wurden aufgefordert, Kopftuch zu tragen, es wurde gefordert, die Vorlesungen nach den muslimischen Gebetszeiten auszurichten und anderes mehr.

Höchste Zeit, dem entgegen zu wirken, meinte die Uni und stellte einen klaren Kodex für religiöses Verhalten auf. Es ist der erste in Deutschland. Wie immer in solchen Fällen steht zu erwarten, andere Universitäten werden nachziehen.

Die obigen Forderungen sind damit vom Tisch, es wird keine öffentlichen Gebete geben und auch keine Anpassung des Lehrbetriebs an muslimische Gebetszeiten. Also alles prima?

Ganz und gar nicht. Prima wäre gewesen, sich klar zur Säkularität zu bekennen: Religion hat an der Uni nichts zu suchen.

Der Kodex bringt das Gegenteil. Er stellt im Prinzip darauf ab, jede religiöse Praxis zu erlauben, die nicht unmittelbar den Lehrbetrieb stört. Der Vormarsch religiöser Praktiken und damit die Religionisierung der Gesellschaft geht weiter. Sogar die Vollverhüllung wird ausdrücklich erlaubt und lediglich bei Prüfungen und zur Feststellung der Identität eingeschränkt.

Das hätte ich mir anders gewünscht.





13.10.2017

Das Wort zum Freitag - Bildungsfernsehen?




"Außer Thesen nichts gewesen" fragt der MDR in seiner Sendung "Fakt ist!"

An einer ergebnisoffenen Klärung dieser Frage war er gar nicht interessiert. Das zeigte die Zusammenstellung von drei befragten Bürgern, bei der sich zwei positiv zum Lutherjahr äußerten. Das zeigte sich aber vor allem auch an der Zusammenstellung der Teilnehmer der Sendung.

Dabei waren:

Christian Wolf, Pfarrer der Thomaskirche Leipzig im Ruhestand,

Irmgard Schwätzer, Präses der Synode der EKD,
Maximilian Steinhaus, Regionalgruppenkoordinator der gbs und
Benjamin Lassiwe, freier Journalist in der Diskussionsrunde sowie


Superindendentin Kristin Jahn, ehem. Pfarrerin in Wittenberg und
Dr. Reinhold Brunner, Lutherbeauftragter der Stadt Eisenach,

als Studiogäste mit eigenen Redebeiträgen.

Nun hätte man noch von einem freien Journalisten kritisches Hinterfragen erwarten können, aber das Statement von Steinhaus 

"250 Millionen Euro für den Luther-Hype, so exzessiv hat der Staat noch nie jemand gefeiert und damit gegen seine Pflicht zur weltanschaulichen Neutralität verstoßen." 
konterte Lassiwe sofort mit seinem: 
"Die Co-Finanzierung durch den Staat war gerechtfertigt. Der Staat hat mehr profitiert als die Kirchen." 

Das war echt witzig, denn wenn 202 von 250 Mio von der öffentlichen Hand kommen und gerade mal 48 Mio von der Kirche, war doch eher die der Co-Finanzierer.

Alle anderen fanden erwartungsgemäß, trotz gelegentlicher Kritik an Einzelheiten, das Lutherjahr war sinnvoll und gelungen. Wobei man sich nicht so recht einigen konnte, was eigentlich gefeiert wurde, Luther oder die Reformation.
Wenn Steinhaus kritisierte, einen üblen Hetzer wie Luther dürfe man nicht feiern, kam die Antwort, man hätte ja auch die Reformation gefeiert. 

Wenn es darum ging, die Feier und die damit Beauftragten zu benennen, war es das Lutherjahr und Lutherbeauftragte.

Darf ein weltanschaulich neutraler Staat eine weltanschauliche Feier fördern?

Diese entscheidende Frage wurde kurz abgebügelt.

Natürlich darf er das, denn es wurde ja mit der Reformation ein weltgeschichliches Ereignis gefeiert. Außerdem hätte der Staat durch volle Hotelzimmer Gewinn gemacht, die Kirchen mit Besucherzahlen weit unter den Erwartungen jedoch Minus (Lassiwe). Wie beides, niedrige Besucherzahlen und volle Hotelzimmer, zusammen passt, bleibt mir ein Rätsel. 

So ging es wohl auch Steinhaus, denn er führte an, dass die dann immerhin mit einer öffentlichen Förderung von 900 Euro pro Teilnehmer erreicht wurden. Da dürfte der Staat, trotz einiger Steuereinnahmen mehr, insgesamt großes Minus gemacht haben.
Außerdem würde selbst Gewinn für den Staat den nicht berechtigen, seine weltanschauliche Neutralität aufzugeben. 

Die ist aber, laut Wolf, sowieso nur eine Mär. 


Schwätzer wusste, der muss zwar neutral sein, darf aber rechtlich durchaus mit ihnen zusammen arbeiten. Steinhaus antwortete, das wäre zwar gegenwärtige Rechtsprechung, stünde aber nicht so im Grundgesetz. Gerade in Zeiten, wo immer mehr Menschen die Kirche verlassen und der Anteil Konfessionsloser zunehmend größer wird, müsste sich die ändern.

Lassiwe wies darauf hin, die öffentliche Hand würde auch andere Großveranstaltungen, wie Sportfeste, fördern, verfehlte damit aber wieder einmal das Thema. Die sind wohl kaum weltanschaulicher Natur.
Immerhin forderte er, die Verwendung der Mittel genau zu kontrollieren und festzustellen, wer fragwürdige Aktionen genehmigt hätte.

Ansonsten ging es eher um kircheninterne Fragen. Hat das Lutherjahr die Krise der Kirche verdeutlicht ( Wolf) oder war es ein Highlight, welches ihr Rückenwind gibt (Schwätzer)? Jahn musste auf die Frage, ob sich der massive Einsatz von Geld denn für die Kirche gelohnt und es Kircheneintritte gegeben hätte, antworten, ihr wären keine bekannt.

Schwätzer, die anfangs behauptet hatte, Sinn des ganzen Aufwandes wäre die Feier des Weltereignisses Reformation gewesen, konkretisierte dann am Ende doch noch, worum es eigentlich ging. Das Reformationsjubiläum sollte deutlich machen, was die Beziehung zu Gott an guten Dingen im Leben eines Menschen bewirken kann. 


Vorher wollte schon Wolf, die Grundlagen des Glaubens müssen wieder in der Gesellschaft präsent sein.

Der setzte auch noch einen abschließenden Glanzpunkt. Als Steinhaus forderte, der Staat möge auch Aufklärer ähnlich aufwändig wie Luther feiern und im nächsten Jahr den 70. Jahrestag der Menschenrechte, unterbrach ihn Wolf mit dem Hinweis, die Kirchgemeinden würden das jedenfalls tun. Am selben Tag hätte Luther die Bannbulle verbrannt.
Da konnte Steinhaus nur sanft und verzweifelt lächeln.






Den absoluten Knaller setzte aber der Moderator. 


Nach der Schlussbefragung der Teilnehmer, ob die Feierei denn nun sinnvoll war, kam er erneut auf das Geld zu sprechen. 250 Mio klänge erst einmal nach ganz, ganz viel, aber die Fußball WM 2006 hat 3,1 Mrd. Euro gekostet, davon 200 Mio allein die Sanierung des Olympiastadions.


Das war unerträgliche Relativierung und verfehltes Thema, denn die war eben nicht weltanschaulich geprägt.

Vor allem aber war es der klare Nachweis, diese Sendung war kein Bildungsfernsehen sondern astreine Lobbyarbeit. Diese Schlussbemerkung war klar vorbereitete Abschlussaussage.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen verkommt zum Propagandainstrument der Kirchenrepublik Deutschland.





05.10.2017

Das Wort zum Freitag - Hetze adelt



Sturm und Regen draußen, trübe Gedanken drinnen. 


Sind wir wirklich schon eine vollwertige Weltanschauungsgemeinschaft? Klar, wir haben mit dem Naturalismus zweifellos eine umfassende Erklärung für die Welt, die 8 ALWMs und die 10 Angebote des Evolutionären Humanismus sind die Richtlinien unserer Ethik, wir haben gemeinsame Riten, gemeinsame Feiertage und Feste. 



Aber reicht das schon? Ist nicht jede Weltanschauung erst eine, wenn sie wirklich auch heftig, bevorzugt aus dem religiösen Lager, angegriffen wird? 



Da fehlt uns noch was.....dachte ich jedenfalls erst. 



Dann fiel mir ein, da gab es doch schon was. Hat der evangelische Pfarrer Templins nicht gedroht, notfalls unsere Nudelmessenhinweisschilder selbst abzuschrauben? Hat uns der katholische Gemeindereferent in Templin nicht als bösartigen Karnevalsverein bezeichnet? Gab es in diesem Zusammenhang nicht mehrfache Sachbeschädigungen eben diese Nudelmessenhinweisschilder?



Das war doch schon was. Aber irgendwie fehlte da noch der rechte Schmiss. 






Ein bisschen fehlte der mir auch noch bei der Mail von Tyler Durden:

hallo rüdiger weida!


vor kurzem habe ich folgenden artikel auf heise.de im newsticker gelesen:

das oberlandesgericht brandenburg anfang august der kriche des fliegenden spaghetti monsters deutschland e.v. (der name ist der abschuss) die rechte einer relgions- und weltanschauungsgemeinschaft verwehrt! hintergrund war wohl, das ihre angebliche religons- und weltanschauungsgemeinschaft (sic!) am ortseingang von templin schilder zur 'nudelmesse' aufstellten bzw. nun dies verboten wurde! gibts da jetzt jeden freitag um 10 h spaghetti al dente für die sektenmitglieder ;-)?!


heute lass ich diesen artikel, ebenfalls auf heise.de im newsticker:

das sich das olg brandenburg mit so einem scheiss befassen mußte ist schon traurig genug! die gerichte haben weitaus wichtigere sachen zu bearbeiten! aber das ihr spinnerverein bzw. -sekte sich nun auch noch an das bundesverfassungsgericht mit der sache gewandt hat, schlägt dem fass den boden aus! ich hoffe mal, das das bundesverfassungsgericht ihrem deppenverein bzw. -sekte einen ordentliche klatsche bzw. abfuhr erteilen wird!


mfg,
tyler durden





Aber da war doch noch was. Na klar, die Mail "Ich bette für Euch und eure Sünden..Amen.." von Franz Lederer aus Österreich mit den 36 Bildanhängen. Ein paar wären sicher rechtsrelevant bei Veröffentlichung. Aber einige wollte ich euch nicht vorenthalten und habe sie hier in dem Wort verteilt. 



Der Knaller ist aber die Mail selbst, aus der ich, der Übersicht halber, die ganzen Verlinkungen und Bildchen von irgendwelchen Artikeln  auf katholisch.de gestrichen habe, die er vor jede neue Anschuldigung gesetzt hat. So wirkt die Kraft des klaren Wortes dann auch viel besser: 



Ihr Jüdischen-Nazi und Handlanger des Internationalen-Judentums habt mitgeholfen die Christenverfolgung nach Europa zu bringen..Ihr gehört vors Kriegs.- und Menschenrechtsverbrecher-Tribunal nach Den Haag..Sonst nichts..


Nach der Islamisierung-Ägyptens wurden den Christen..die nicht Konvertiert sind..ein Kreuz..wie den Juden..am Unterarm tätowiert..

6 Millionen-Muslime konvertieren jährlich zum Christentum - weil Sie Jesus dem Dschihad vorziehen--

Spanische-Katholiken werden vom IS..Terrorisiert..ihr gehört am Scheiterhaufen verbrannt oder in die Gaskammer gesteckt..mehr hat Gott für solche Monster nicht vorgesehen.. 

In Indien werden Terroranschläge gegen Katholische-Kirchen geführt..ihr gehört am Scheiterhaufen verbrannt oder in die Gaskammer gesteckt..mehr hat Gott für solche Monster nicht vorgesehen.. 

12-13 Millionen katholische-Chinesen bekennen sich zur katholischen Kirche & dem Papst..ihr gehört am Scheiterhaufen verbrannt oder in die Gaskammer gesteckt..mehr hat Gott für solche Monster nicht vorgesehen.. 

Hier kämpfen Katholiken gegen den Islam..ihr Völker.- Kriegs.- & Menschenrechtsverbrecher..ihr gehört am Scheiterhaufen verbrannt oder in die Gaskammer gesteckt..mehr hat Gott für solche Monster nicht vorgesehen.. 

Der Herr wird über Euch-Richten..wie Er über alle Richtet..Amen.. 



Was kann man daraus folgern?

1. Der Franzl kennt seinen Gott richtig gut und bettet deshalb für uns.

2. Meine trüben Gedanken waren fehl am Platz:

Wir haben es geschafft und sind endlich vollwertig!!!

29.09.2017

Das Wort zum Freitag - Must-have



Das Pastafaritum kennt ein Buch: "Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters". Ein ganz klares Must-have für jeden Pastafari. Der eine oder andere Pastafari hat noch von "The loose Cannon", einem Sammlesurium von Beiträgen verschiedener Autoren, gehört. Zunächst von der Kritik gnadenlos zerrissen wurde es nachgebessert, ist aber noch weit davon entfernt, wirklich in jedes Bücherregal zu müssen.

"Das Fliegende Spaghettimonster - Religion oder Religionsparodie", um es gleich vorweg zu nehmen, hat genau dieses Potential. Ich kann Michael Schmidt - Salomon nur zustimmen, der im Vorwort schreibt:

"Dieses Buch ist nicht weniger als ein Meilenstein der Nudeligen Theologie, das nicht nur in Deutschland, in Europa und in der UN-Vollversammlung ungeteilte Aufmerksamkeit finden sollte, sondern im gesamten Multiversum".
Dazu braucht es nur noch übersetzt zu werden, alles andere hat es bereits.

Das verwundert nicht. Daniela Wakonigg, gelernte Theologin und Philosophin, hat als Journalistin unter anderem Lesern des hpd und als Sprecherin Hörern von Deutschlandradio Kultur und Wissen bereits nachgewiesen, dass sie nicht nur ausgezeichnet recherchiert, sondern auch gekonnt mit dem Wort umgehen kann. Das Buch liest sich einfach nur so weg. Die vielen Informationen gehen fast wie nebenbei ins Hirn. Dann lassen sie sogar alte Hasen wie mich, die glauben, alles um das Monster zu kennen, staunen und Neues aufnehmen. Da gibt es doch tatsächlich Pastafari, die von Vleischbällchen reden, wenn sie unseren nudligen Gott beschreiben. Vleischbällchen, ich kannte nicht mal das Wort und dachte im ersten Moment an einen Schreibfehler. Nun weiß ich, so nennen Veganer Bällchen ohne Fleisch. Nun weiß ich auch, warum es Religionskritik schon gibt, seit Religionen aufgekommen sind, Religionsparodien aber erst in der Neuzeit. Es fehlte einfach am nötigen Abstand, den man für Satire von dem Gegenstand braucht, den man parodieren möchte.

Das und vieles mehr wird dem zufrieden schmunzelnden Leser offeriert. Dabei wird keinesfalls nur Bezug auf unsere deutsche Kirche genommen, sondern das weltweite Phänomen Pastafaritum von der Entstehung bis zu einzelnen Ausprägungen betrachtet.
Daniela Wakonigg untersucht dabei, wen wundert es, sowohl nach theologischen als auch nach philosophischen Kriterien, ob das Pastafaritum Religion oder Religionsparodie ist. Für beides findet sie gute Argumente. Letztlich muss der Leser entscheiden, welche bei ihm mehr stechen.

Viel mehr möchte ich auf den Inhalt des Buches nicht eingehen. Wer mehr dazu wissen möchte, dem empfehle ich die ausführliche Rezension von Nic.

Der schreibt dort "Eher trockenes Verwaltungsrechtsdeutsch erwartet den Leser im zweiten Teil des Buches: Dr. Winfried Rath schreibt über das "Spaghettimonster und Nudelmessenhinweisschilder aus juristischer Sicht". Der Verdacht liegt nahe, dass es sich hier um ein Plädoyer handelt, dass Dr. Rath in Frankfurt/O., Brandenburg vortrug oder demnächst in einer höheren Instanz vortragen wird."
Nein, das ist kein Pladoyer und, wie ich finde, auch kein trockenes Verwaltungsrechtsdeutsch. Klar, der leichte Schwung des Wortes aus dem ersten Teil fehlt, dem Thema geschuldet, hier. Aber alles ist durchaus auch für Laien gut verständlich dargelegt. Nur der Abschnitt "Juristische Feinheiten", der sich direkt an Juristen richtet, ist doch etwas speziell. Aber der gehört auch zu einem Direktoriumsmitglied des Instituts für Weltanschauungsrecht.

Ansonsten geht es um religiöse Kopfbedeckungen und Nudelmessenhinweisschilder, genau die beiden Sachen, in denen wir auch vor Gericht sind. Es werden Hintergründe und politische Verflechtungen erläutert, über die Sachbeschädigungen und unsere Reaktion darauf berichtet und selbst meine Beschuldigtenvernehmung durch die Polizei Wittenberg wird erwähnt. 


Fazit:

Das Buch ist unbedingt lesenswert. Mit einer Fülle von Informationen spricht es jeden an,  der sich mit Religionskritik und Weltanschauungen beschäftigt. Selbst für Religiöse sollte es interessant genug sein, um den Kauf nicht zu bereuen.

Für Pastafari ist "Das Fliegende Spaghettimonster - Religion oder Religionsparodie"  nicht nur ein Must-have, sondern vor allem auch ein Must-read.

---> zum Kauf

und hier die gute Nachricht für euch.
Wer zuerst die folgende Frage in unserer Facebookgruppe oder auf unserer Facebookseite im Kommentar zum Post beantwortet, bekommt ein von beiden Autoren signiertes Exemplar zugeschickt. :)

Was ist das Wichtigste für einen Pastafari?


14.09.2017

Das Wort zum Freitag - Septemberflüche



Jedes kleine Kind spricht irgendwann das erste Wort. Meist ist dieses Wort noch nicht astrein ausgesprochen, aber die Eltern oder Geschwister verstehen es. Später wird dann im Familienkreise gern zum Besten gegeben, welches Wort es war und wie es sich in Babysprache anhörte.
Fraukes erste zwei Worte waren „fick dich“. Sie erfuhr das nicht von ihren Eltern. Die älteren Brüder zogen sie regelmäßig damit auf, aber eher wegen der putzigen Babysprache. Ansonsten war „fick dich“ wohl der am meisten gebrauchte Spruch in Fraukes Familie.

Schon mit zwei Jahren kannte sie mehr Schimpfworte, als es normalerweise üblich ist bei Kleinkindern. Nicht nur zwischen den Eltern herrschte ein rauer und oft sehr ordinärer Ton, auch die Brüder beherrschten dieses Metier hervorragend.

Als Frauke in den Kindergarten kam, begriff sie schnell, dass ihr Jargon bei den Erzieherinnen nicht besonders beliebt war. Die anderen Kinder jedoch hingen an Fraukes Lippen, weil sie Worte zu hören bekamen, die neu waren und die bei den Erwachsenen außergewöhnliche Reaktionen erzeugten. Das war spannend, führte aber bei den meisten Eltern zu einem strikten Spielverbot mit dem Nachplappermaul. So geriet Frauke schnell ins Abseits.

Da sie jedoch ein überdurchschnittlich kluges Mädchen war, merkte sie bald, welche Worte tabu waren und vermied diese. Sie begann zwischen der Welt zu Hause und der in der Tageseinrichtung zu trennen. Als die Einschulung bevor stand, waren die Erzieher mit Frauke sehr zufrieden.

Die ersten Schultage verliefen gut. Sie fand neue Freundinnen in ihrer Klasse, freute sich darauf, lesen zu lernen und hatte große Freude am Rechnen. Trotzdem wurde sie von fast allen Lehrern ausgegrenzt. „Guck an, Frauke Hämmerling?! Hast du nicht Brüder in der 8., 6. und 4. Klasse? Na, eigentlich müssten die ja alle schon eine Klasse weiter sein?!“ So und ähnlich wurde sie von den Lehrern begrüßt. Den Demütigungen folgte Nichtachtung. Stammt man aus einer Familie, in der die älteren Geschwister weder intelligent noch besonders fleißig sind und obendrein sehr ordinär, dann muss man ähnlich drauf sein. Mit so einem Vorurteil schon in den ersten Schulmonaten kann man eigentlich nur einpacken. Fürs Selbstbewusstsein war das nicht förderlich.
Frauke hatte jedoch Glück im Unglück. Frau Schmidt, ihre Klassenlehrerin, war unvoreingenommen. Sie erkannte die gute Auffassungsgabe des Mädchens und förderte sie von Anfang an. Dankbar sah Frauke in ihrer Klassenlehrerin bald eine Art Ersatzmutter. Die Lehrerin kannte die familiären Verhältnisse ihrer Schülerin und kümmerte sich daher mehr um Frauke, als sie es eigentlich musste. Nach der Schule ging die Kleine gern bei den Schmidts vorbei. Die lebten so ganz anders als ihre Familie. Schmidts Kinder Mina und Ludger behandelten Frauke, wie andere Spielkameraden auch. Das machte vieles wett, was die alltäglich von ihren Klassenkameraden zu hören bekam. Bei der Familie fühlte sie sich pudelwohl. Dort tankte Sie Kraft und wurde selbstbewusster.

Mit dem Älterwerden kam der Wechsel in eine andere Schule. Auch wenn Frauke ihre Eltern doch immer noch gern hatte, die Schmidts blieben ihr wichtigster Anlaufpunkt. Sie empfand sie als ihr Rettungsanker bei stürmischem Seegang. Den Vergleich mochte Frau Schmidt, da Anker und Seegang wie Pasta und Fleischbällchen zu ihr gehörten. Warum, erfuhr Frauke erst, als sie zufällig das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters in einem Bücherregal entdeckte.

Sie sprach ihre Ersatzmutter darauf an und was sie hörte, lies sie staunen.
Mit Religion konnte sie gar nichts anfangen. Dazu war sie einfach zu klug und durchschaute das, was ihr da im Schulunterricht vermittelt wurde, schnell. Davon sollte sich einlullen lassen, wer wollte. Sie nicht! Weil sie aber ihre Lehrerin immer sehr bewunderte und das, was sie von ihr gehört hatte, doch etwas neugierig gemacht hat, borgte sie sich das Evangelium und las es von Anfang bis Ende. Sie fand vieles, woran sie ihren Spaß hatte. Auch von der Grundidee des Pastafaritums, an allem zu zweifeln, war Frauke angetan. Das hatte so gar nichts mit dem Einlullen anderer Religionen zu tun.

Sie diskutierte über das Gelesene noch einige Male mit den Schmidts, denn da war die ganze Familie so nudlig drauf. Bald dachte sie aber nicht mehr daran, denn sie ging in eine andere Stadt, um zu studieren. Viele neue Eindrücke strömten jetzt auf die neue Studentin ein. Zum ersten Mal fühlte sie sich frei, denn hier kannte keiner sie und die Zeit der Vorurteile schien vorbei. Niemand kannte ja ihre Vergangenheit. Dass sie selbst die einmal preis geben würde, wäre ihr nicht im Traum eingefallen.

Wie das kam, wollt ihr wissen? Das hat mit dem Pastafaritum zu tun und mit der Liebe. Paul, ein Student, der drei Semester mehr auf dem Buckel hatte, fand Gefallen an Frauke. Er diskutierte gern mit ihr, bewunderte ihre Klugheit, ihr tadelloses Benehmen und so manches mehr. Schließlich war er über beide Ohren in sie verknallt. Er nutzte jede Gelegenheit, mit ihr zusammen zu sein, lockte sie zu dieser und jener abendlichen Veranstaltung und so landeten beide irgendwann auch bei einem Pastafaritreffen. Sofort dachte Frauke an ihre Lehrerin und erzählte Paul und den anderen, dass sie das Evangelium bereits gelesen hatte. Lange Rede, kurzer Sinn, als das Treffen vorbei war, gab es zwei Pastafari mehr.

Einen Monat später trafen sich die Pastafari erneut. Sie wollten den „Sprich-Wie-Ein-Pirat-Tag“ vorbereiten. Ausgemacht war ein Treffen im Studentenclub, wo alle sich im Fluchen und Schimpfen, wie es nur Piraten tun, üben konnten. Dieser Abend sollte einfach nur Spaß bringen. Alle freuten sich, mal so richtig wilde Sprüche ablassen zu können. Paul überlegte schon Tage zuvor, wie so ein wilder Piratenhaufen wohl gesprochen haben mochte. Er wunderte sich, dass die sonst so fröhliche Frauke sich so wenig von seiner Vorfreude anstecken ließ.

Als der Abend kam, zogen beide ihr Piratenornat an und stiefelten los. Im Club angekommen, wurden sie zünftig begrüßt. Paul hielt nicht hinter dem Berg und warf massenweise derbe Sprüche in die Runde. Ein Gejohle und Geschrei setzte ein. Das eine oder andere Bierchen machte die Zungen der Piraten zusehens lockerer. Alle, außer Frauke, hatten großen Spaß. Das fiel auf und man versuchte, sie ebenfalls dazu zu bringen, wie eine Piratin zu sprechen. Keiner konnte wissen , wie sehr sie viele Jahre darunter gelitten hatte, ständig ordinäre Aussprüche hören zu müssen. Den so verhassten Namen „Fittis“ (ihr erinnert euch, die Babysprache?!) benutzten die Brüder noch heute, wenn sie Frauke meinten. Woher sollten die anderen wissen, wie schwer es für sie war, da heraus zu kommen und das alles zu vergessen. Nun, da Frauke glaubte, diesem Sumpf für immer entstiegen zu sein, sollte sie erneut ein Fußbad nehmen. Das wollte sie nicht. Aber die leicht angeheiterte Truppe bedrängte sie immer mehr, mit zu fluchen.

Erst war sie traurig, dann wütend, bis sie richtig überkochte. Ein Schwall von Schimpfwörtern der allerübelsten Sorte brach aus ihr heraus. Frauke konnte nicht mehr aufhören und wurde ungewollt zur Piratin des Abends, denn sie übertraf alles bisher Gehörte. Den anderen Piraten klappten die Unterkiefer herunter. Sie erhielt bewundernde Blicke, dann verständnisloses Starren, denn Frauke weinte hemmungslos.

Paul nahm das Häuflein Elend in den Arm und brachte sie nach Hause. Aufgewühlt, wie sie war, erzählte sie Paul aus ihrer Kindheit und er verstand. Er überlegte noch, wie er sie trösten könnte, aber schon saß Frauke kerzengerade vor ihm und lächelte ihn an. „Das hätte ich schon viel eher mal tun sollen“ meinte sie. Durch diesen Ausbruch war es ihr gelungen, über Jahre Angestautes heraus zu schreien. Sie fühlte sich erleichtert und wusste auf einmal, dass die Vergangenheit jetzt wirklich abgeschlossen war. Die inzwischen stolze Piratin des Tages überredete Paul, noch einmal mit ihr in den Club zu gehen. Sie wolle auch den anderen Pastafari erzählen, was ihre Tränen bedeuteten.

Als dann am 19. September tatsächlich der „Sprich wie ein Pirat Tag“ gefeiert wurde, war das eine Party, von der noch lange im Club erzählt wurde. So einen ausgelassenen, wüst fluchenden aber durchweg netten Haufen hatte man dort noch nie erlebt. Paul und Frauke klebten zusammen wie Pech und Schwefel und waren das Zentrum der Truppe.
Die traf sich von nun an immer wieder. Natürlich auch, als die beiden genau ein Jahr später zur pastafarianischen Hochzeit einluden.

Das Brautpaar strahlte um die Wette und genoss seinen besonderen Tag. Sie fluchten wie die Rohrspatzen, es war eine wahre Freude.



Auch heute noch hauen Sie gern raue Sprüche in die Menge, aber nur am „Sprich-Wie-Ein-Pirat-Tag“ und nur zum Spaß. 

08.09.2017

Das Wort zum Freitag - Unsere Regeln



Wir Pastafari vernetzen uns immer mehr. So gibt es schon seit einiger Zeit eine Facebookgruppe, in der wir uns gegenseitig informieren, was so in der Pastafariwelt passiert.

Dort hatte ich auch den englischsprachigen Artikel der Deutschen Welle eingestellt, in dem über unseren Gang zum Bundesverfassungsgericht berichtet wird. Der Artikel ist überschrieben mit " Not dogmatic enough to be a "religion""? Wohl deshalb hat Tanya Watkins, Chefin der australischen Pastafari, kommentiert: "Wir haben ein Dogma".

Mir war klar, und ich denke, das ist es auch euch, was sie meinte. Nämlich das Dogma, keine Dogmen zu haben. Dread Pyrate Higgs, Oberster Kommandant der Kirche von British-Columbia, meinte auch gleich: "Eine Tautologie."

Stimmt. Wo liegt der Ausweg? Er ist einfacher, als viele denken. Keine Dogmen zu haben, bedeutet ja nicht beliebig zu sein. Natürlich braucht jede Gemeinschaft Regeln. So lange die  nicht als unveränderlich gelten, sondern immer wieder überprüft und gegebenenfalls angepasst werden, sind das keine Dogmen.

Also kam meine Antwort: "Wir nennen es unsere oberste Regel".

Hier stieg dann Stephen Smith, der Kapitän von Trinidad - Tobago ein: "Ich würde gern alle eure Regeln kennen.". Gemeint können damit nur die unserer Kirche sein, die allgemeinen des Pastafaritums kennt er ja selbst.
Damit hatte er mich erwischt. Welche konkreten Regeln haben wir eigentlich? Es gibt Einiges, was sich so ergeben hat, aber eine direkte Aufstellung haben wir noch nie gemacht.

Brauchen wir die? Wenn, dann wäre jetzt ein guter Zeitpunkt.

Ich fange mal an:

- Wir akzeptieren keine Dogmen, sondern prüfen unsere Regeln und Werte immer wieder an der sich ständig ändernden Realität und neuen Erkenntnissen.

- Wir folgen dem Wunsch des Monsters und tragen Piratenoutfit, wenigstens aber piratige Kopfbedeckung oder Augenklappe.

- Pastafari, die wegen ihres Eintretens für ihren Glauben Verfolgung oder Nachteile befürchten müssen, sind von der vorigen Regel befreit.

- Wir verstehen uns als Teil der humanistischen Bewegung in Deutschland und arbeiten mit anderen humanistischen Organisationen, besonders mit der gbs, zusammen.

- Wir sind parteilich neutral und arbeiten mit keiner Partei, egal mit welcher, zusammen.

- Wir sind nicht gegen, sondern für etwas. Besonders für den evolutionären Humanismus und einen demokratischen, laizistischen Staat.

- Wir richten unsere Ethik an den 8 ALMWs und an den 10 Angeboten des evolutionären Humanismus aus.

Ich gebe zu, ich musste erst mal einen Weile grübeln, bis ich das zusammen hatte. Bestimmt habe ich noch was vergessen.

Fällt euch noch eine Regel ein, die wir uns gegeben haben?

Dann her mit euren Ergänzungen.