19.07.2018

Das Wort zum Freitag
Feiern wie die Italiener



Ihr könnt mir glauben, die können das richtig gut. Wir waren schon zwei mal mit dabei, und jedesmal ging es voll ab. Vor allem sind es eine Menge Pastafari, die sich da immer treffen. Jede Stadt hat eigene Gruppen mit eigenen Bannern. Es war einfach ein erhebendes Gefühl, mit so vielen Gleichgesinnten nachts eine Demo durch Florenz zu machen, wie auf dem Bild oben. Anschließend gab es noch ein großes Abschlusstreffen in einem Park, gleich neben einem Hostel, das fest in unserer Hand war. Hier das Abschlussfoto.


Aber zwei Tage sind zu wenig für italienische Feiern. In Salerno waren es schon drei. Sogar das Freibier an allen Tagen im Landhotel war in den Teilnehmerkosten eingeschlossen. Außerdem reichlich Programm, von Band bis Kabarett und sogar mit einer deutschen Nudelmesse.


Klarer Höhepunkt war für mich aber, nach der Demo in Salerno, ...






...die Fahrt mit einem Piratenschiff, incl. Bad, im offenen Meer. Das hatte einfach was. 



Nun endlich zum Wichtigsten. Auch dieses Jahr feiern sie wieder, und sie haben für Gäste aus dem Ausland noch Plätze frei gehalten. Das heißt, ihr könnt diesmal noch dabei sein, wenn sie in Anzio, dem Badeort Roms, vom 30. August bist 02. September feiern. Aber lasst euch nicht zu lange Zeit.

Nähere Infos gibt es hier, neben Italienisch auch in Englisch. Falls ihr Schwierigkeiten mit der Anmeldung habt, helfen wir gern weiter.











12.07.2018

Wort zum Freitag - Die Seeschlacht um das Kreuz

Seit nun bald 1,5 Monaten gilt in Bayern der Kreuzerlass. Wie zu erwarten formiert sich Widerstand, doch dieser braucht noch (d)ein Gesicht.


Turner, The Battle of Trafalgar (1806)
Klassisches Bild einer Seeschlacht

Der Bund für Geistesfreiheit München sucht mit seinen Unterstützern Privatpersonen aus Bayern, die sich an der Klage gegen den Kreuzerlass beteiligen (Link zum entsprechenden hpd-Artikel). Da die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland seit jeher eine große Anhängerschaft im Freistaat hat, sehen wir hier natürlich Potential.


Bereits im März hat Bruder Spaghettus, genau hier, ein paar Möglichkeiten genannt, euch gegen diese Vereinnahmung mit Kreuzen zu wehren, gezeigt, wie einfach es ist, ein Amt pastafarianisch zu weihen. Ein klarer, einfacher, piratischer Akt des Widerstandes.

Doch nun ist der Tag gekommen, an dem ihr mit wenigen Worten die Möglichkeit habt, in die Seeschlacht für die Freiheit zu ziehen. Statt dieser kleinen Scharmützel könnt ihr an Deck des BfG München euren Teil beitragen die Ämter Bayerns von Nachbildungen altertümlicher Folterinstrumente zu befreien.


Ob ihr nun klar als Pastafari vor Gericht zieht oder ohne Bandana und Dreispitz, das ist euch überlassen, doch wie schon Bobby Henderson sagte: „Heutzutage ist es so einfach, sich zurückzulehnen und Ausreden zu suchen. Wenn Sie wissen wollen was in der Welt passiert, ziehen Sie los und machen Sie sich schlau!“


Wir als Verein wissen, dass solche Verfahren ihre Zeit brauchen, sowohl selbst, da sie sich ziehen können, als auch von den Beteiligten, die dafür freinehmen müssen und sich vorbereiten, die Liste ist lang, doch es lohnt sich. Ihr könnt mit Fug und Recht später vor euren Enkeln prahlen und dann in Ewigkeit am Biervulkan sitzen und jedem immer wieder erzählen wie ihr dereinst in die Schlacht segeltet und die Flotte der Kreuzritter plündertet.


Das beste aber kommt erst noch, die Kosten werden zu 100% übernommen! Keiner geht an eure Schatztruhe. Meldet euch zahlreich beim BfG München (info@bfg-muenchen.de).

Für alle die nicht aus Bayern kommen gilt es natürlich weiterhin wachsam zu sein, nicht dass plötzlich Markus Söder euer Schiff kapert und dann plötzlich euer Kreuz in Bayern an der Wand hängt.

05.07.2018

Das Wort zum Freitag - Aberglaube im Fußball


Eine Art Fußball wurde schon im 17. Jhdt. in Florenz gespielt

Nun spielen sie wieder.

Aber sie rennen nicht nur hin und her, hauen sich die Beine weg und nehmen den Kopf als drittes Bein zum Toreschießen, nein, sie treiben auch sonst ganz seltsame Sachen.

Vielleicht kommt es von den Kopfbällen, vielleicht liegt es daran, dass Fußball älter ist, als gedacht, es haben sich eine ganze Reihe merkwürdiger Rituale entwickelt, die den Sieg beim Bälleschubsen bringen sollen. Erstmals hatte ich davon gehört, als berichtet wurde, wie ein Trainer heimlich eine Münze auf dem Platz des Gegners in den Rasen drückt, um dort zu gewinnen. Bestechung kann`s nicht sein, es reicht auch ein Cent. Es kann sich nur um Aberglauben handeln

Aber das ist nicht der einzige Fall. Manche wechseln das Trikot nicht, wenn sie mal gewonnen haben, andere essen kein Hühnerfleisch, tragen zu kleine oder zu große Fußballschuhe, rasieren sich nicht mehr oder wechseln das Trikot nicht, tauschen ihre Zahnpasta, tragen ein Kondom an den Füßen oder verspritzen Nonnenwasser.

Da scheint jeder sein eigenes Ding zu machen. Fast jeder.
Mir ist aufgefallen, dass viele Fußballer ein Geste machen, die immer ziemlich gleich aussieht: Finger werden zusammen gelegt, dann zeigen sie erst nach oben, dann nach unten, dann nach rechts und dann nach links. Oder war es erst nach links und dann nach rechts?

Was hat das zu bedeuten? Hatte für diese Spieler die Fitnessabteilung so einen Art Akupunktur mit den Fingern erfunden? Aber müsste das dann nicht, ähnlich wie Doping, verboten werden?

Also musste es wohl etwas anderes sein, und es musste eine Erklärung geben, warum so viele Spieler die gleiche Geste machen.

Sollten die Finger an der Stirn darauf hinweisen, dass dort die beste Stelle für den Kopfball ist? Gut möglich. Eindeutiger schien mir die Richtung nach unten. Da konnte es sich nur um eine Aufforderung an den Darm handeln, doch unbedingt durch zu halten. Verständlich. Wer will schon gern über´s ganze Spielfeld schreien: "Schiedsrichter, ich muss mal kacken". So wird es allen Fußballern gehen, nicht nur manchen. Das könnte die Gleichartigkeit der Beschwörungsformel erklären, denn auch das Tippen auf die Schultern könnte etwas sein, was für alle Spieler gilt. Sie wollen sich so daran erinnern, eine gerade Körperhaltung anzunehmen.

Aber etwas stimmt noch nicht. Wenn es so wäre, dann würden das doch alle Spieler machen und nicht nur manche. Um sicher zu gehen habe ich mal im Lexikon des Aberglaubens nachgeschlagen und dort gefunden:

"Beim Geisterbeschwören berühren wir zuerst die Stirn. Wir denken an den Luftgeist, Herrscher des Himmels, der über allem steht.
Dann geht die Hand nach unten. Wir denken an den Erdgeist, der sich ganz nach unten begeben hat und dort für uns zu Gras geworden ist. Er kam in einem Stall zur Welt, als Kind armer Eltern und er stieg tief hinab in das Erdreich, um mit starken Wurzeln am dritten Tage als Rasen aufzuerstehen.
Zum Schluss geht die Hand ganz nach links und nach rechts. Der Geist des Sieges erfasst uns ganz, er hüllt uns wie in einen Mantel und schützt uns mit seiner Macht und seiner Wut vor dem Verlieren."

Ein gute, ein vernünftige Erklärung. Was aber, wenn Spieler zweier Manschaften den gleichen Geist beschwören? Wie soll sich der Geist entscheiden? Muss er sich zerreißen?
Ist es gar vermessen von den Spielern überhaupt noch zu spielen, wenn sie die Geister angerufen haben? Müssten sie dann nicht über Sieg und Niederlage ein Geistergericht entscheiden lassen?

Müsste dann die FIFA, UEFA oder wer auch immer nicht erst recht solche Geisterbeschwörungen verbieten? Die würden ja das ganze schöne Geschäft mit dem großen Geld völlig versauen. Wer kauft sich schon teure Eintrittskarten für eine Verhandlung von unsichtbaren Geistern? Wer weiß auch, ob die überhaupt bereit wären, dazu ins Stadion zu kommen?

Jetzt, mitten beim Schreiben, fällt es mir endlich wie Schuppen von den Augen. Ich habe die Lösung. Meine ganze Recherche, meine ganzen Gedanken waren völlig umsonst. Alles war reine Zeitverschwendung. Es liegt doch ganz klar auf der Hand. Diese Zeichen sind völlig bedeutungslos, sie haben nicht die geringste Wirkung.

So erklärt sich alles. Warum Sieg und Niederlage bei Fußballspielen nicht einfach von der Anzahl der Beschwörungszeichen abhängt und warum die Schnelligkeit der Geste, die genaue Fingerhaltung, die Weite der Ausholbewegung usw. keine Vorhersage über den Ausgang eines Spieles zulassen.
Die wirken einfach nicht. Nicht im Stadion oder sonst irgendwo. Deshalb sind sie auch nicht verboten. Soll doch jeder zur Belustigung der anderen beitragen, wie er möchte.


Am 07.07.16 erstveröffentlicht und aus gegebenem Anlass wieder hochgeholt. 

28.06.2018

Das Wort zum Freitag - Doppeladler? Nö!


Argh, Pirat/innen!

Sicherlich habt ihr mitbekommen, was sich während des Fußballspiels Schweiz / Serbien vor wenigen Tagen ereignet hat: Pastafaris auf der ganzen Welt stellten beglückt fest, dass Anhänger des FSM mittlerweile sogar als Fußballprofis auftreten (natürlich in völlig unpassender Montur) und so unseren Glauben in die entlegensten Winkel tragen.

Kurze Zeit später wurden die Hintergründe bekannt: es handelte sich nicht um friedliebende Pastafaris und deren Monstergruß, sondern es war eine Geste, mit der ehemalige Staatsbürger eines Landes ein anderes Land beleidigen wollten.
Wie gehen wir nun mit dieser Unannehmlichkeit um? Augenscheinlich gibt es eine Verwechslungsgefahr dieser Geste, die tatsächlich nicht gewollt sein kann. Man könnte sich an die politischen Institutionen im Kosovo wenden, um darum zu bitten, sich ihrerseits von dieser dem politischen ‚Gegner‘ als abfällig empfundenen Handbewegung zu distanzieren und dies auch publik zu machen – und dadurch die Bevölkerung zu sensibilisieren und gleichzeitig ihre Ehrerbietung der KdFSM gegenüber öffentlich zu machen.

Oder wir ändern den Monstergruß – nur: wie sollte er dann aussehen und was, wenn wir ES dadurch verärgern? Ein großes Wagnis, das darüber hinaus noch nicht mal Öffentlichkeit / Presse generieren würde. Vielleicht sollten wir einen Piraten oder eine Freibeuterin ausfindig machen, die der albanischen Sprache mächtig ist und unserer Gemeinschaft dementsprechend unterstützend zur Seite stehen könnte, damit begonnen werden kann, dieser unsägliche Verwechslungsgefahr die Stirn zu bieten!

Sollten Glaubensgenossen andere Vorschläge haben, wäre es toll, diese zu hören – meldet euch eifrig, wir brauchen Ideen!

Ramen

Bruder Pasta Amico Intimo

22.06.2018

Wort zum Freitag – Religiöser Extremismus


Als mir klar wurde, dass mit dem Vorsitz auch die Aufgabe das Wort zum Freitag zu schreiben auf mich zu kommt dachte ich „Mensch, was schreibst du da nur jede Woche?“




Doch auch diese Woche findet sich wieder ein aktuelles Thema. Diesmal wie der Überschrift zu entnehmen religiöser Extremismus. Wieder scheint es geplante Anschläge, oder zumindest einen geplanten Anschlag zu geben, der verhindert werden konnte, wieder ist er religiös motiviert.

Grund genug für mich mir Gedanken zu machen, ob ich einmal als Vorsitzender des Vereins in die Situation kommen werde, dass ich mich von etwas Ähnlichem distanzieren muss. Klar, eigentlich gibt das Evangelium sowas nicht her, aber man weiß ja nie…



Also habe ich mich gefragt, wie sieht Extremismus im Namen des fliegenden Spaghettimonsters aus? Heraus kam obige, an eine alte mir bekannte Karikatur angelehnte, Zeichnung.



Gerade mit der Ablehnung von Dogmen und der Ausrichtung an den Werten des evolutionären Humanismus sehe ich uns gut gewappnet gegen Extremismus. Doch viele andere Religionen scheinen Fanatismus und Extremismus immer noch als Mittel zum Zweck zu nutzen oder wenigstens zu billigen. Ich spreche hier nicht vom einzelnen, der natürlich eine abweichende Meinung haben kann, doch trotzdem gibt es immer wieder radikale Vereinigungen im Namen vor allem der Bibel und des Koran.

Doch auch hier ist zu sagen, dass nicht die Religion einen Menschen dazu bringt andere zu töten, sie es jedoch leider auch nicht verhindert. Es sind Menschen die solche Taten begehen und wieder Menschen die sie dazu anstiften, hier eben im Namen der Religion, zu anderen Zeiten, an anderen Orten im Namen von etwas anderem.

Und doch kommt auch immer wieder das Heilsversprechen. Wie oft kommt es nach einem Anschlag zu einem Trauer- oder Gedenkgottesdienst. Ja, manchen mag er Trost spenden und doch versucht man den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben.



Wir sollten uns auf die Menschen fokussieren, sollten den Menschen stärker in den Mittelpunkt stellen uns um die kümmern die abgehängt wurden, sich nicht als Teil dieser Gesellschaft fühlen und ihnen eine Perspektive geben, denn solange wir das nicht tun, tun es andere, die eine Perspektive auf Glück im Jenseits versprechen.

14.06.2018

Wort zum Freitag - Burkini-Debatte die n-te


Nach dem kleinen Vereinsinternen Exkurs wieder zurück zum eigentlichen Thema.



In den letzten Tagen haben sich viele Medien mit dem Thema Burkini beschäftigt, weil ein Gymnasium eben solche für die Schülerinnen des muslimischen Glaubens gekauft hatte, damit diese am Schwimmunterricht teilnehmen können.

Erstmal ein hehres Ziel, denn immer noch ertrinken in Deutschland jedes Jahr weit mehr Menschen als vermeidbar wäre. Um dies zu verhindern ist es essentiell, dass jedes Kind schwimmen lernt.

Soviel zur reinen Sinnhaftigkeit des Schwimmunterrichts als solchem, dass da weiterhin noch Gleichberechtigung und das Verständnis von Freiheit gelehrt werden sollen lassen wir doch erstmal mal außen vor.



Wie bereits im Wort zum Freitag nach dem Corso Leopold im Jahre 2016 geschrieben erscheint es zwar tolerant das Schwimmen im Burkini zuzulassen. Wo hier die Grenze zwischen vernünftiger Toleranz und übermäßigem Nachgeben ist, das ist eine Frage, die die Gesellschaft als ganze zu beantworten hat. Unsere Meinung als Akteur in eben dieser Gesellschaft ist, dass Religionen in diesem Land gleichberechtigt sein sollten.



Dies bedeutet folgerichtig auch, dass jede (dem Einzelnen) noch so komisch anmutende Religion („Last Thursdayism“, Katholizismus, um nur zwei zu nennen) das Recht hat als solche zu existieren. Ein Werturteil über ihren Inhalt oder gar ihre gesamte Existenzgrundlage steht meiner persönlichen Meinung nach anderen nicht zu.

Trotzdem geht mit diesem Gebot sich aus den Inhalten anderer Religionen fernzuhalten auch einher, dass die Religion sich aus dem Leben derer raus hält die ihr nicht folgen. Ich gehe noch weiter, selbst jene die ihr folgen müssen im Zweifel geschützt werden, denken wir an Beschneidungen (die einfach erlaubt sind), an Missbrauch (der zumindest mit der Beichte moralisch und scheinbar auch in einigen Fällen rechtlich folgenlos bleibt), aber denken wir auch an den Burkini. Ja, viele mögen die Entscheidung die Ihre nennen diesen zu tragen, ich für mich spreche niemandem ab, dass er das auch so meint und selbst wenn alle diese Entscheidung als eigene bezeichnen, so bleibt doch stets das Bild, dass die Entwicklung dieser jungen Menschen eine andere sein könnte, wäre, wenn sie auch aus ihrer Komfortzone gerissen werden, auch erleben wie es ist außerhalb der eigenen Dogmen zu leben.

Schule ist nicht immer ein Wunschkonzert, Sexualkunde, die Evolutionstheorie, welche hinreichend bewiesen ist (was uns nicht daran hindert sie immer wieder zu hinterfragen), das alles gehört in die Schule, so eben auch der Schwimmunterricht.

Auch wenn wir ja durchaus zufrieden sein könnten, man hat ja in den meisten Schwimmbädern wenigstens Planken installiert, so müssen doch andere scheinbar noch warten (der Jediismus auf die Verteilung von Roben an die Padawan, die Protestanten auf die Verwandlung des Wassers in Wein…). Um dieses Chaos zu ersparen bleibt doch einzig auf das alles zu verzichten (wobei der Aufschrei bei der Entfernung der Planken wohl groß sein dürfte).

07.06.2018

Das Wort zum Freitag - Übergabe des Amtes



Nachdem mir Bruder Spaghettus bereits etwas vorgegriffen hat ist es für alle die bereits das letzte Wort zum Freitag gelesen haben keine große Überraschung, dass der Vorstand des Vereins gewechselt hat.

(Dieses Wort zum Freitag wird eher ein vergleichsweise internes, organisatorisches Wort zum Freitag, als ein spannender, mitreißender Artikel.)

Für den Rest: „Hallo hier sind wir.“

Natürlich heißt das, dass erstmal alles etwas anders läuft, alles sich vor allem erstmal neu einpendeln muss. Ich persönlich konnte ja zum Glück als stellvertretender Vorsitzender bereits etwas Erfahrung sammeln und möchte diese auch nutzen um vielleicht ein paar Kleinigkeiten auf Seiten des Vorstandes zu verbessern um den Verwaltungsaufwand gering zu halten.

Der Verein ist ein Templiner und wird es auch bleiben. Unsere Kirche steht dort und auch die Nudelmessen finden dort statt. Neu wird sein, dass es ein Büro geben wird, welches die neue Postanschrift bildet.

Doch mit all diesen Neuerungen geht auch etwas Altes. Es geht der alte Vorstand, gerade, dass der Kapitän seinen Hut weiter gibt an einen neuen erfüllt mich mit großer Ehrfurcht. Bruder Spaghettus war nun über Jahre das Gesicht des Vereins, wer den Verein kennt, der kannte auch den netten Herrn mit dem weißen Bart. Dieses Bild wird uns noch einige Zeit prägen.

Deshalb und aufgrund der langjährigen Arbeit und doch auch großen Verdienste um den Verein erfolgte am Tage der Amtsübergabe auch die Ernennung von Bruder Spaghettus zum Ehrenvorsitzenden des Vereins. Ein adäquater Titel steht noch aus, doch auch der wird sich finden. Vielleicht gibt es ja den einen oder anderen unter euch, der einen passenden Vorschlag hat?

Gegen Ende dieses ersten Wortes zum Freitag bleibt wohl noch auf den Anfang einzugehen. „Hallo hier sind wir.“, okay, klar, aber „Wer sind wir und wenn ja, wie viele?“

Ohne große Umschweife hier also der neue Vorstand:


Vorsitzender: Erik Eliche


Stellvertreter: Falscher Prophet

[Coming soon]

Schatzmeister: Tini Tortellini



Die Vorbereitungen zum nächsten Jahrestreffen laufen langsam an, aber dazu ein anderes Mal mehr.

31.05.2018

Das Wort zum Freitag - Ketzertagspredigt

Übergabe des Hutes
Eigentlich wollte ich heute über etwas ganz anderes schreiben. Darüber z.B., dass wir seit letztem Sonnabend einen neuen Vorstand haben.
Erik Eliche ist jetzt Vorsitzender, der falsche Prophet Stellvertreter und Tini Tortelini ist Schatzmeister.

Oder darüber, wie fleißig wir in Templin immer unsere Nudelmessenhinweisschilder putzen und als Dank an die Stadt gleich deren Städtepartnerschaftsschilder mit.



Aber dann kam die Anfrage, ob ich nicht meine Ketzertagspredigt veröffentlichen könnte.
Bitte schön, hier ist sie:


Ihr seid es gewohnt, dass ich in meinen Predigten immer Themen des Tages aufgreife. Heute gibt es eine eher persönliche, denn das wird meine letzte Predigt als Vorsitzender unserer Kirche sein.

Nach 12 Jahren an der Spitze des Vereins war ein Generationenwechsel überfällig geworfen. Wir haben schon eine Weile darauf hin gearbeitet, und konnten nun Kandidaten für einen komplett neuen Vorstand nominieren.

Ein solcher Moment ist die Gelegenheit, um Rückschau zu halten. Die fällt ganz kurz aus: es ging ständig bergauf. Man braucht nicht mehr erklären, wer wir sind. Als Teil der säkularen Gemeinschaft sind wir Mitglied im Förderkreis der gbs, hatten mehrere Veranstaltungen mit dem Bund für Geistesfreiheit und haben auch schon beim Jahrestreffen des IBKA eine Nudelmesse gehalten.

Unsere Aktionen mit den Nudelmessenhinweisschildern haben uns weltweit bekannt gemacht und sogar auf den Atlas der 11000 ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten der Welt gebracht.
Da kann man schon zufrieden sein.

Ein solcher Moment ist aber auch Gelegenheit, um allen zu danken, die das ermöglicht haben. Ich habe in den Jahren viele tolle Menschen kennen gelernt und mit einigen sogar Freundschaft geschlossen. Nennen möchte ich niemand, einfach aus Angst, jemand zu vergessen.
Nur eine Ausnahme möchte ich machen: Elli Spirelli.

Insider wissen schon lange, wie wichtig sie für unsere Kirche ist. Vieles geht auf sie zurück. Sie hat das Nudelholz als Gebetsholz erfunden, das Zeremonienschwert kreiert, den Monstergruß geschaffen und vieles mehr. Sie hat mich angestupst, wenn ich mal nicht so richtig in die Spur kam, kurz, ohne sie würde der Verein anders aussehen.


Ein solcher Moment ist aber auch eine Gelegenheit, um Fehler offen einzugestehen. Hier meine drei größten:


1. Spiritualität gibt es nicht

Einer meiner ganz großen Irrtümer. Das habe ich erkannt, als ich festgestellte, nicht nur Abergläubige, sondern auch Humanisten sind neuerdings sicher, die zu haben. Da gingen mir die Augen auf. Wenn so entgegengesetzte Positionen meinen, sich in einem Punkt zu treffen, dann muss es wirklich etwas Gemeinsames geben. Wenn es etwas Gemeinsames gibt, muss es das natürlich auch wirklich geben, keine Frage. Ich habe auch herausgefunden, was diese Gemeinsamkeit ist: die Beliebigkeit. Spiritualität ist ein Schwurbelbegriff, in den jeder einfach packen kann, was er möchte. Was so beliebig ist, existiert auch irgendwie.

Aber wo kommt diese Spiritualität her? Nicht wenige behaupten, die sei angeboren. Deshalb käme sie auch bei Atheisten vor.

Da könnte was dran sein. Allerdings reden Westatheisten ganz deutlich mehr davon, als Ostatheisten. Westatheisten waren in der Regel wenigstens als Kind abergläubisch. Auf jeden Fall sind sie in einer abergläubischen Umwelt aufgewachsen. Könnte man da nicht auch vermuten, Spiritualität wäre einfach anerzogen?

Die ARD ließ für ihre „Themenwoche Glauben“, in der unsere Kirche übrigens mit fünf verschiedenen Beiträgen vertreten war, ein Dosier „Land ohne Glauben“ anfertigen. Es ist wirklich sehr interessant, zu lesen, was da über den Osten der Republik berichtet wird, auch über dessen Spiritualität:

"Die Bindung an eine Kirche muss nicht zwangsläufig mit Spiritualität und bestimmten Glaubensvorstellungen einhergehen. Stellt man jedoch im Osten und im Westen die Frage nach der grundsätzlichen Wichtigkeit des Glaubens, halten es beide Seiten sehr unterschiedlich mit der Religion und mit persönlichen Fragen des Glaubens. So sagen zwei Drittel aller Ostdeutschen, dass ihnen Religion und Kirche nicht wichtig sind, im Westen nur ein Drittel.

Dieser Unterschied ist zwischen Ost- und Westdeutschen seit der
Wiedervereinigung etwa konstant geblieben. Die Wichtigkeit von Kirche und Religion ist auf beiden Seiten gleichmäßig zurückgegangen. Die Unterschiede zeigen sich auch, wenn Ostdeutsche und Westdeutsche ihre Religiosität
selbst einschätzen sollen. Im Osten halten sich zwei Drittel nicht für religiös, im Westen wieder nur ein Drittel.

Bei der Einschätzung der eigenen Spiritualität ist dieser Unterschied
weniger stark ausgeprägt, wobei sich die Ostdeutschen auch hier seltener für spirituell halten. Sie haben aber auch weniger spirituelle Erfahrungen.

Das deutet darauf hin, dass ein bestimmtes religiöses/spirituelles Umfeld erst zu Religiosität/Spiritualität führt, sich die Dinge gewissermaßen gegenseitig bedingen."

So groß scheint mein Fehler in der Sache dann wohl doch nicht gewesen zu sein.



2. Weltanschauung und Religion sind Gegensätze

Bei dem zweiten ist das anders. Weltanschauung und Religion waren für mich immer Gegensätze. Das sehe ich inzwischen völlig anders. Religion ist nur eine Sonderform der Weltanschauung. Um zu dem Ergebnis zu kommen reicht es, unter der großen Überschrift „Weltanschauung“ einfach zwei Kategorien anzulegen: theistische und atheistische Weltanschauungen. Unter die eine kommen dann alle mit Göttern, unter die andere alle ohne. Die hat es schon immer gegeben, angefangen von frühen östlichen Formen wie dem Janismus, dem Buddhismus und Daoismus über westliche, wie den Sophismus, den Epikurismus und die Stoa bis zum heutigen evolutionären Humanismus.

Ändern wir also einfach die Systematik. Das hätte zwei große Vorteile. Einmal würde noch klarer, Atheismus ist, genau wie Theismus,  lediglich eine Kategorie und keine eigene Weltanschauung und zweitens bräuchten wir in allen Gesetzen Religion nur durch Weltanschauung ersetzen und hätten so eine umfassende Gleichstellung.


3. Humanisten sind automatisch für eine Trennung von Kirche und Staat

Meinen dritten großen Fehler habe ich zuletzt erkannt. Ich war immer der Meinung, Humanist zu sein bedeutet auch, für einen weltanschaulich neutralen Staat zu sein. Ohne diesen ist es nicht möglich, eine offene Gesellschaft wie wir sie teilweise schon haben, zu erreichen und zu erhalten.
Der weltanschaulich neutrale Staat, so dachte ich, muss deshalb oberstes Ziel sein. In einem solchen Staat darf es keine weltanschaulichen Privilegien  geben, weder theistische noch atheistische.

Irgendwie stimmen dem auch fast alle Humanisten zu. Aber manche ihrer Organisationen wollen doch, um gleichberechtigt zu sein, Kirchenprivilegien auch für sich nutzen. Irgendwie machen wir das ja auch, wenn wir für eine Kopfbedeckung im Ausweis oder Nudelmessenhinweisschilder am Straßenrand kämpfen. Aber uns ist klar, auf dem Weg „Privilegien für alle“ lässt sich niemals wahre Gleichberechtigung erreichen. Wir wollen die deshalb nur, um zu zeigen, wie absurd sie sind.

Andere machen das um des wirtschaftlichen Vorteils willen und betonen, natürlich nur so lange, wie auch die Kirchen noch vom Staat alimentiert werden. Das ist zunächst verständlich, aber letztlich nur glaubhaft, wenn man sich nicht von diesen wirtschaftlichen Vorteilen abhängig macht und  nicht etwas aufbaut, was sich ohne sie nicht mehr halten lässt.

Wer abhängig geworden ist, wird sich irgendwann für die Beibehaltung der Privilegien stark machen. Es ist kein schönes Bild, dass ich da vor mir sehe: Kirchen und ein Teil der Humanisten gegen den Rest der Humanisten.

Aber ich bin ein alter Mann und verstehe vielleicht einfach die heutige Welt nicht mehr. Deshalb bin ich froh, dass in unserer Kirche nun der Generationenwechsel vollzogen wird. Mit neuen Kräften und mit neuen Ideen werden wir weiter die alten Ziele verfolgen.

Wir werden weiter zeigen, wie schädlich sich Religion auf die Gesellschaft auswirkt, wir werden ihr weiter den Respekt nehmen, den
manche ihr noch zubilligen, wir werden weiter konsequent für die Trennung von Staat und Weltanschauung eintreten, wir werden weiter den evolutionären Humanismus verbreiten und wir werden das weiter mit großer Fröhlichkeit, Spaß und Lust am Feiern tun.

Und wer von euch dabei sein möchte, ist herzlich eingeladen.

24.05.2018

Das Wort zum Freitag - Ketzertag 2


Zwei Wochen ist es nun her, dass wir am Ketzertag in Münster teilnahmen. Bruder Spaghettus berichtete ja schon unter erschwerten Bedingungen darüber, denn nach einem Blitzschlag waren wir mehr oder weniger vom Netz abgeschnitten.

Nun bleibt nicht mehr viel zu sagen. Die brandaktuelle Berichterstattung ist durch und ich hoffe, ihr habt alles verfolgen können. Einen Zeitungsbericht, der etwas unter gegangen ist, gibt es noch zu erwähnen und ein Video, das Münster Tube erst vor kurzem veröffentlicht hat.


Mir bleibt die schöne Erinnerung und die Dankbarkeit, was so ein kleiner Haufen Ketzer doch zu ermöglichen vermochte. Davon aber genug.

Heute möchte ich euch an meinen Erlebnissen mit den Katholiken teilhaben lassen, denn wie immer stürzten wir uns auch diesmal ins Getümmel, um Eindrücke vom Katholikentag zu gewinnen, der in diesem Jahr unter dem Motto „Suche Frieden“ stand.



Der aufgeschlossene Mitbürger


Ihn fanden wir am gut besuchten Info-Stand der Ketzer. Die Zustimmung der Passanten, die im Vorbeigehen anerkennende Worte fanden oder sich am Stand Informationsmaterial abholten und Zuspruch für unsere Aktion verlauten ließen, war erstaunlich.


Der diskussionsfreudige Katholik 


Ketzer Spaghettus lief mit unserem Banner auf den Dom zu. 
Immer wieder wurde er von Christen angesprochen und in Gespräche verwickelt. Besonders junge Christen zeigten sich aufgeschlossen. Aber wo viel Licht ist, ist auch Schatten und uns begegnete

Der Streit suchende Katholik

Scheinbar harmlos begann er mir mitzuteilen, dass er vermute, ich hätte ihn fotografiert. Er verlangte, dass ich diese Fotos löschen möge. Ich sah auf meinem Handy nach und fand nur ein Foto, auf dem er vielleicht zu sehen war. Bereitwillig zeigte ich es ihm und auch er war sich nicht sicher. Verwundert bemerkte ich, dass er enttäuscht darüber zu sein schien, sich nicht auf meinen Fotos wiederzufinden. Bald wurde es mir allerdings klar. Mit mir konnte er sich nicht anlegen, nun war Bruder Spaghettus dran, der sich gerade im Gespräch mit einer kleinen Gruppe junger Christen befand. Er fing sofort an, sich einzumischen und geschmacklose Beleidigungen auszusprechen. Dieser verirrte „Christ“ hatte wohl das Motto „ Suche Frieden“ mit dem Motto des Ketzertages „Suche Streit“ verwechselt und nicht verstanden, dass es uns Ketzern um Streitkultur und nicht Krawall ging. Aber moderne Piraten können mit Worten viel besser als mit Säbeln kämpfen und so zog der Krawallbruder bald geschlagen ab. Bierelujah!

Die niedliche Christin

Abends an einer Fußgängerampel glaubte ich meinen Ohren nicht trauen zu dürfen. Vor mir stand eine junge Frau, geschmückt mit Knicklichtern im Haar. Aus piepsiger Stimme drang ein zartes „Hallelujah“ an mein Ohr. Eine kleine Gruppe, die zu den auf „Grün“ Wartenden stieß, nahm das auf und stimmte ein. Fast hätte ich mit einem „Bierelujah“ geantwortet, aber im Gegensatz zu den Singenden wurde ich keiner Gehirnwäsche unterzogen und so genoss ich einfach den Moment, denn das kann man wohl nur an Kirchentagen erleben und das auch nicht immer.


Der fotogene Pirat


Unser wilde Haufen wächst ja bekanntlich immer mehr. So fanden sich Piraten von Bayern über den Ruhrpott bis Osnabrück an, um sich ins Getümmel zu stürzen. Wir trafen uns zufällig am Bierstand, sie schnappten unser Banner und zogen los, um Flyer zu verteilen und mit Ungläubigen ins Gespräch zu kommen. Sie hatten sichtlich Spaß und wurden am Ende mehr abgelichtet, als alles andere. So fängt es immer an. Erst finden die Christen Gefallen an stattlichen Piraten und dann am einzig wahren Glauben, dem Pastafaritum.


Ramen


PS. Wie ihr merkt, fehlen uns hier ein paar Bilder. Wer von euch noch welche hat, wir würden uns sehr freuen, wenn ihr die schickt: info@pastafari.eu

Ergänzung: Die ersten Bilder sind eingetroffen, siehe "Der fotogene Pirat".
Herzlichen Dank an Bruder Cannellonus!

18.05.2018

Das Wort zum Freitag - Ketzertag




Der Ketzertag ist tot, es lebe der Ketzertag!

Ein Fest der Säkularen inmitten der mit Steuergeldern tüchtig aufgeblasenen Feierlichkeiten, der größten Sekte der Welt. 


Im Gegensatz zum Katholikentag bekam der Ketzertag nicht einen müden Euro öffentliche Förderung. Trotzdem war es Daniela Wakonigg gelungen, ein anspruchsvolle kleine Veranstaltungsreihe zu organisieren. Der Zustrom war zu allen Veranstaltungen so groß, dass die Plätze nicht reichten. Schnell wurde ein Livestream eingerichtet. So konnten nicht nur die Besucher, die nicht mehr in den Veranstaltungssaal kamen, alles im großen Vorraum mitverfolgen, sondern auch die, die es nicht nach Münster geschafft hatten. Wir hatten die Ehre, den Abschlussgottesdienst zu halten. 


Zuvor waren wir aber schon tüchtig in der Stadt unterwegs. Mehrere Stunden hielten wir unser Banner inmitten der Ungläubigen hoch. Es gab richtig tolle Diskussionen, und einen Hardcorechristen, der uns beschimpfte, konnten wir gut als Beispiel christlicher Nächstenliebe vermarkten. 



Am Nachmittag ging es zum Bahnhof. Den hatte doch tatsächlich ein Bischof mit „geweiht“. 
Das konnte wir so nicht stehen lassen. In einer Prozession von rund 50 Leuten wedelten wir mit heiligem Nudelwasser die Flüche dieses Sektierers wieder weg. Das Monster war ganz augenscheinlich mit uns. Als der Sicherheitsdienst uns nicht in den Bahnhof lassen wollte, schenkte ES dem dann doch noch die Einsicht, was die Zeugen Jehovas dürfen, muss auch uns gewährt werden. 

Danach trafen wir uns mit anderen Pastafari, die bis aus Bayern nach Münster zur Messe gekommen waren. Während Elli S. Und ich uns erst mal im Hotelzimmer erholten, hielten die unser Banner unter den Ungläubigen hoch. Sie waren begeistert, wie oft sie fotografiert und angesprochen wurden. Flyer und Button wurden reichlich verteilt.

Dann war es so weit. Nach einem sehenswerten Vortrag „Das Fliegende Spaghettimonster – Religion oder Religionsparodie“ kamen wir auf die Bühne. 
Es war eine ergreifende Messe, was auf dem Video leider nicht so richtig rüber kommt. Leider gab es für den Livestream kein Raummikrofon das die tolle Atmosphäre wiedergeben konnte. Vor allem bei meinem „Gesang“ hätte das gute Dienste geleistet. Der war glücklicher Weise, im Saal als Einzelstimme nicht zu hören.

Es war ein ringsherum tolles Erlebnis, auch wenn wir am Ende des Tages mehr als müde waren. 
Dieser Ketzertag sollte unbedingt wiederholt werden. 

10.05.2018

Das Wort zum Freitag - Religiöse Zweifel



Als ich noch jung war, genoss ich die Gemeinschaft in streng gläubigen, wiedergeborenen, christlich evangelisch-lutherischen Gebetsvereinen. 

Ich schäme mich dafür heute nicht mehr so sehr - im Gegensatz zu meiner Vorliebe zur Kelly Family zur gleichen Zeit. Das war im Rückblick wirklich peinlich. Besonders der Tag, an dem ein guter Freund mit dem Banner „Paddy we want you“ durch die Heimatstadt zog. Aber darüber sollte ich an einer anderen Stelle schreiben.

Zumindest machte ich meine Erfahrungen mit sowas wie Sekten (auch hier wäre erneut ein Hinweis auf die Kelly Family angebracht). 
Das Erbaulichste in den Stunden der Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern war der Lobpreis und natürlich das private Bekenntnis. 

Zurückblickend finde ich den folgenden Zusammenhang besonders erwähnenswert: Jeder Gläubige kennt ein bis fünftausend Geschichten über jemanden oder sich selbst, in denen es darum geht, dass man mit seinem vorigen Leben nicht klar kam, bis man dann endlich zum richtigen Glauben kam. 
So war es zum Beispiel mit dem Agnostiker, der immer zweifelte, bis er die Liebe Gottes erfuhr. Vielleicht war manchmal auch die Partnerwahl schuld an der Misere - allerdings verlief eine jede Story in etwa gleich:

„Ich zweifelte und suchte. Dann kam jemand daher und laberte mich voll. Ganz plötzlich merkte ich, dass dieser penetrante Trottel tatsächlich die Wahrheit sagte. Dann kam der große Moment und ganz plötzlich wurde ich Christ.“


Gefolgt wurde das Bekenntnis meist von einer Runde, in der man von seinen Zweifeln am momentanen Glauben sprach. So war man z.B. nicht immer stark genug, morgens seine Bibel zu ergreifen und darin zu lesen oder das Gebet fühlte sich manchmal so an, als würde man nur gegen die Decke reden.


Dass der eine Zweifel ganz großartig ist, da er zum richtigen Glauben führt, während der zweite Zweifel vom Teufel geschickt wird, mutete niemand komisch an. Zweifel ist natürlich niemals gleich Zweifel, das wäre zu trivial.


Jetzt, da mich das FSM mit Seinen nudligen Anhängseln berührt hat, merke ich, dass der Zweifel der gleiche ist. Das ist gut so, denn das FSM liebt den Zweifel. Zweifeln schützt uns vor dem ganzen anderen Blödsinn da draußen. Zweifeln macht stark und ist gleichzeitig Dienst an IHM.

Brüder und Schwestern, das ist unsere Stärke: Der feste Glaube an ES und gleichzeitig der Zweifel an seiner Existenz. 

RAMEN



Ein Gastbeitrag von Dr. SAC

26.04.2018

Das Wort zum Freitag - Da steht er, der Söder....

© Marc Humer

....und möchte in alle bayrischen Amtsstuben das Kreuz hängen.

Ob er damit sagen möchte, es ist schon ein Kreuz mit Bayern?

Könnte möglich sein, welches Kreuz hat er nicht genau festgelegt.

Soll es nun die ganz hohe Schule mit Kadaver sein, auch Kruzifix genannt? Oder eher Modell Klappfix, so etwas praktisches aus zwei Holzleisten mit Scharnieren, die sich auch schnell zur Zigarrenschachtel falten lassen?

Das alles weiß man gar nicht so genau. Trotzdem tobt mehr als die halbe Republik. Studenten rufen, in einem Hauch von 68, zum zivilen Ungehorsam auf, Beamte rätseln, ob sie dann in ihrem Dienstzimmer auch alle anderen religiösen Symbole aufhängen oder doch lieber einfach ein Bild über das verordnete Kreuz, und sogar die Katholiken sind empört: "Kreuze sollen in die Behörden – nicht als religiöses Zeichen, sondern als Symbol der Leitkultur. Das ist ein Missbrauch des Heilszeichens.."


Bleibt die Frage, wie sollen wir Pastafari uns verhalten?

Für nichtbayrische ist das recht einfach. Die haben mal wieder herzlich was zu lachen. Es ist ein fröhliches und befreiendes Lachen, denn die wissen ganz klar, solche Religiotisierung des öffentlichen Dienstes wird eh gestoppt werden. Klagen sind schon angekündigt.

Schwierig wird es jedoch für bayrische Pastafari. Eigentlich könnten die genau so lachen, nur müssen die eventuell auch mal an dem Kreuz vorbei, wenn sie ihre Amtsgeschäfte erledigen müssen. Das kann, ja das muss, bei ihnen zu ernsthaften Gewissenskonflikten führen, steht das Kreuz doch gerade für das, was mit dem Pastafaritum so gar nicht zu vereinbaren ist: Dogmen und Gewalt.


Aber das Monster wäre nicht das Monster, wenn es uns nicht auch Hilfe aus diesem Dilemma beschert hätte: Nudelwasser.


Nehmt einfach ein bisschen mit, wenn ihr auf das Amt müsst. Nehmt auch einen Küchenpinsel mit. Den tunkt ihr in das Nudelwasser und spritz das dann in der Gegend herum. So wird jedes Amt pastafarianisch geweiht und ihr könnt es mit gutem Gewissen weiter aufsuchen. Sollte euch jemand daran hindern wollen, verweist auf diese Pastwa hier, die jeder Pastafari zu befolgen hat. Dann wird euch, von den in dieser Hinsicht sehr zuvorkommenden Bayern, das Weihen im Rahmen der Religionsfreiheit gewährt werden.


Noch besser. Versammelt euch in Gruppen, setzt eure Dreispitze auf, bindet eure Bandanas, legt eure Augenklappen an und haltet richtig schöne Zeremonien im öffentlichen Bereich vor den Ämtern ab. Gern auch mit etwas Bier von SEINEM  Biervulkan. So macht das Weihen mehr Spaß.


Wenn euch das alles nichts ist, findet einfach Trost in der Lyrik. Noch besser als "Da steht er, der Söder" reimt sich nämlich


"Da geht er, der Söder."


Geht ihr also demnächst mit eurem Kreuz verantwortungsvoll um.

20.04.2018

Das Wort zum Freitag - Gleiches Recht für alle Religionen



Wenn wir, liebe Brüder und Schwestern, gleiches Recht für alle Religionen fordern, müssen wir uns erst einmal fragen: Gibt es überhaupt ungleiches Recht zwischen den Religionen?

Schauen wir uns doch einfach mal an, welche Vorteile christliche Kirchen gegenüber unserer haben.

Es fängt ganz klein an, mit der Taufe.
Eine kirchliche Zeremonie führt zu einer rechtlich anerkannten Mitgliedschaft in einer Kirche und in Folge zu kräftigen Finanzschüben in die Kirchenkassen, denn daraus begründet sich die Pflicht zur Zahlung von Kirchensteuer.

Es geht weiter mit dem Religionsunterrichtvom Staat, und damit von uns, finanzierte Mission. Nur deshalb, um missionieren zu können, findet der in nach Religionen und Konfessionen geteilten Gruppen statt.

In der Armee gibt es die  Militärseelsorge.
Natürlich auch wieder fast völlig vom Staat und damit auch von uns Pastafari bezahlt.

In Krankenhäusern, im Gefängnis und bei der Polizei gibt es die
Sonderseelsorge. Natürlich auch wieder finanziert von....

Geborene Sitze in öffentlichen Gremien, vom Rundfunkbeirat über die Jugendhilfeausschüsse bis hin zum Fernsehbeirat garantieren, dass ein Christ auch in seiner Freizeit optimal betreut wird und nebenher noch vermieden werden kann, dass durch all zu kritische Beiträge seine Gefühle verletzt werden. Zusätzlich gibt´s noch kostenlose Sendezeit für die Kirchen in Funk- und Fernsehen. Natürlich wieder finanziert von uns.

Sucht ein Christ Arbeit, wird er, dank des kirchlichen Sonderarbeitsrechtes, vor uns bevorzugt. Kirchliche Betriebe und Einrichtungen dürfen sich, sonst strikt verboten, ihre Mitarbeiter nach der Weltanschauung aussuchen. Natürlich dürfen die dann auch keine Betriebsräte wählen oder gar streiken.

Bei so vielen Vorteilen kann man als Christ sicher  verschmerzen, dass der Staat ihm gleich die Kirchensteuer über das Finanzamt abzieht. Es bekommt ja seine Kirche und immerhin darf er, wieder auf Kosten der Allgemeinheit, die sogar noch von der Steuer absetzen.

Die Kirchen sparen durch Steuereinzug vom Staat viel  Geld, auch wenn der nicht ganz umsonst ist. Ein Vergleich mit Österreich, wo die Kirchen eigene Ämter zum Einzug betreiben müssen, hat ganz klar gezeigt, die deutschen Kirchen müssten unter diesen Bedingungen ein Mehrfaches von dem ausgeben, was sie jetzt als Entschädigung an den Staat zahlen.

Für uns alle ist hier eine Verletzung des Rechts, seine Weltanschauung nicht offenbaren zu müssen, gegeben. Denn um den Steuereinzug durch den Staat gewährleisten zu können, muss man die  zwangsweise gegenüber Ämtern und seinem Arbeitgeber angeben.

Besonders die Großkirchen, aber auch andere Religionsgemeinschaften, haben also nicht nur Vorteile gegenüber uns, nein, wir finanzieren ihnen diese Vorteile sogar mit unserem Geld.

Das heißt, wir werden nicht nur diskriminiert, sondern auch ausgebeutet!

Natürlich muss sich das ändern. In Österreich versuchen die Almisten, eine Sekte von Nudelsiebträgern, gerade, als Religion anerkannt zu werden. Sollten wir diesen Weg auch gehen? Sollten wir auch versuchen, all diese Privilegien für uns zu bekommen.

Ich sage euch: Nein, das ist nicht unser Weg. Aus zwei Gründen:
Er ist sehr mühevoll und hat wenig Aussicht auf Erfolg, vor allem aber beendet er die Ungerechtigkeit nicht, die dann weiterhin zwischen Gruppen mit unterschiedlicher Weltanschauung bestehen würden.
Wir sind keine Christen, wir gehören zu den Guten. Wir wollen keine Vorteile für uns, sondern eben diese Gleichbehandlung für alle.

Nun sagen Befürworter der Kirchenprivilegien, es wäre auch Gleichbehandlung möglich, wenn alle nach einem gleichen Maßstab gefördert würden. Dabei denken sie zuerst an die Mitgliederzahl. Aber wie ließen sich Mitgliederzahlen vergleichen, wenn die Mitgliedschaft bei den einen durch einen bei der Taufe automatisch abgeschlossenen Zwangsvertrag begründet wird, bei anderen aber vom mündigen Bürger selbst beantragt werden muss?

Nein, ein solches System der Gleichbehandlung auf gleicher Förderung kann nicht funktionieren. Es gibt es auch nicht. Die Evangelische Kirche bekommt trotz geringerer Mitgliederzahl mehr Geld vom Staat, als die Katholische. Die Höhe der Förderung wird nur durch Lobbyarbeit festgelegt.

Unser Staat soll weltanschaulich neutral sein. Neutral bedeutet, sich nicht einzumischen, weder fördernd, noch benachteiligend. Ein Staat verhält sich im Krieg neutral, indem er keine Kriegspartei unterstützt, nicht, in dem das bei allen tut. Genau so hat es bei den Weltanschauungen zu sein.

Weg mit all den Kirchenprivilegien, weg auch mit dem Sonderstatus der Körperschaft des öffentlichen Rechts, und Einbeziehung aller Vereinigungen die den haben in das Vereinsrecht.

Nicht wir müssen den Status der Kirchen bekommen, sondern die Kirchen unseren.

Macht die Kirchen zu Vereinen und fördert diese nur noch genau so, wie jeden anderen Verein....
....und, vor allem, lasst sie so, wie jeden anderen Verein auch, Rechenschaft für die Verwendung der Mittel ablegen.

Nur so ist wahre Gleichberechtigung aller Weltanschauungen möglich.


Erstveröffentlichung 06.09.2013

12.04.2018

Das Wort zum Freitag - Weltanschauung Atheismus?

Gehört der Atheismus zu Deutschland?

Diese Frage hat in unserer Facebookgruppe rege Diskussion ausgelöst. Für die meisten war das selbstverständlich.
Für mich nicht. Ich sage ganz klar, der Atheismus gehört nicht zu Deutschland.

Vor zwei Wochen hatte ich hier bereits herausgestellt, ohne zunächst zu klären, was "gehört zu Deutschland" überhaupt bedeutet, ist eine vernünftige Antwort nicht möglich.
Einfach alles, was es hier gibt, auch als dazugehörig zu erklären, hat sich als untauglich erwiesen.
Genau so untauglich ist das Verständnis, alles was wünschenswert wäre, gehörte zu Deutschland. Da dürften die Meinungen der Deutschen wohl sehr weit auseinander gehen und so eine treffende Antwort unmöglich werden.

Nur eins ist zielführend, als zugehörig zu Deutschland zu sehen, was uns zu dem gemacht hat, das wir heute sind. Dann geht es nicht um politische Verhältnisse, sondern um den Aufbau der Gesellschaft. Wir haben eine offene Gesellschaft, die auf die Stärke des Individuums und nicht auf die Unterordnung unter die Gruppe setzt. Es geht also um die Werte, die die geschaffen haben und erhalten sollen.
Die kommen ganz sicher nicht nur aus einer Quelle, aber aus einer ganz sicher nicht, aus dem Atheismus.

Gibt es, außer Gottlosigkeit, auch nur einen anderen Wert, den alle Atheisten der Welt teilen? Sicher nicht, denn Atheismus bietet keine Werte. Genau so wenig wie sein Gegenstück, der Theismus. Beide sind keine Weltanschauung, sondern lediglich Kategorien für für Weltanschauungen.

Und genau, wie sich unter Theismus die unterschiedlichsten auf Götterbasis einordnen lassen, so lassen sich unter Atheismus die unterschiedlichsten Weltanschauungen ohne Götter einordnen. Die gab es schon immer, angefangen von frühen östlichen Formen wie dem Janismus, dem Buddhismus und Daoismus über westliche, wie den Sophismus, den Epikurismus und die Stoa bis zum heutigen evolutionären Humanismus, wie wir ihn vertreten.

Diese Lehren bieten dann Werte, nicht die Kategorien, unter denen sie einzuordnen sind.

Unsere Gesellschaft heute ist geprägt von Aufklärung und Humanismus. Die haben die religiöse Prägung der Gesellschaft immer mehr zurück gedrängt und so ihre Entwicklung beschleunigt.

Nicht der Atheismus in seiner Vielfältigkeit gehört also zu Deutschland, sondern der Humanismus, auch, wenn mancher das ändern möchte.

Setzen wir uns dafür ein, dass es ihnen nicht gelingt.

05.04.2018

Das Wort zum Freitag - Von der Bedeutung des Unterschieds




Das heutige Wort zum Freitag gilt dem feinen Unterschied.




Um möglichst nah an der Praxis zu bleiben, begeben wir uns dazu auf das für Pastafari so wichtige Gebiet der Seefahrt.

Die wird, wie wir alle wissen, seit Ewigkeiten von den Schiffen des Schwarzen Benedikt dominiert.
  • Niemand konnte seinen Kurs frei selbstbestimmen, es durfte einfach nicht vorkommen, den Kurs seiner Schiffe zu kreuzen.
  • Niemand durfte seine Schiffe nach eigenen Vorstellungen bauen, sie durften einfach nicht größer und heller als seine sein.
  • Niemand durfte seine Crew nach seinen eigenen Erfahrungen das Segeln lehren, es musste so gesegelt werden, wie der Schwarze Benedikt das wollte.

Das hat sich sanft, aber unaufhaltsam geändert. Der Rote Giordano widersetzte sich mehr und mehr dem Diktat Benedikts, baute eigene Schiffe, suchte seine eigene Crew und schulte die nach seinen Erfahrungen. Die Schiffe waren schneller, hatten größere Kanonen und konnten mehr Beute laden.

Das wollte Benedikt nicht dulden. Er war klug und erkannte, das Alte war nicht mehr gut genug. Wollte er nicht jeden Einfluss auf dem Weltmeer verlieren, musste auch er neue Wege gehen. So entwarf er ein neues Schiff, besetze es mit einer neuen Generation von Seefahrern und nannte es deshalb „Generation Benedikt“. Er rüstete es modern aus, stellte neue Regeln für seine Fahrensleute auf und schickte es auf die 7 Meere.

Das Schiff war nicht groß, es hatte keine Kanonen und doch, es entfaltete seine Wirkung.
In den Seemannskneipen zeigte sich die Mannschaft großzügig, teilte Rum aus, trank besonders gern mit den Kapitänen und überzeugte die dabei, wenn der Einfluss Benedikts zu Ende ginge, würde auf den Weltmeeren das Chaos ausbrechen, blanke Anarchie herrschen und nur wir Piraten hätten den Nutzen davon. Auch das Verteilen von Rum hätte dann natürlich ein Ende.

Ein Argument, das auch viele Kapitäne überzeugte, die bisher dem Roten Giordano folgten. Sehr zum Ärger ihrer Mannschaften, die mit dessen Regeln viel besser gefahren waren, versagten sie diesem nun die Gefolgschaft.

Das führte zur Unruhe unter den Mannschaften und sie beschlossen, ihre Beute zusammenzulegen und davon ein eigenes Schiff auszurüsten, die Generation Giordano. So sollte die Generation Benedikt neutralisiert und dem Roten Giordano wieder zu mehr Einfluss verholfen werden. Eine Idee, die sich sofort unter den Seefahrern herumsprach.

In Massen opferten sie ihre Goldstücke, in Rekordzeit war das neue Schiff gebaut und bekam eine riesengroße Crew. Schnell wurden die Anker gelichtet doch schon beim Auslaufen aus dem Hafen zeigte sich, sie hatten in der Eile einiges vergessen. Kein Kapitän stand auf der Brücke, kein Steuermann am Ruder, nicht einmal Seekarten hatten sie an Bord.
So wussten sie nicht recht, wohin eigentlich steuern. Keine guten Zeichen.

Doch das Schlimmste war, sie begannen sich zu streiten. Einer von ihnen hatte ein Buch mitgebracht und fing an, in der Mannschaftskajüte daraus vorzulesen. Ein Buch, das behauptete, manche Seeleute würden manches besser können als andere. Hein, so hieß der Mann des Buches, durfte nicht mehr weiter vorlesen.

Ein großer Teil seiner Kollegen fand es einfach unverschämt, mit solchen Behauptungen die alte Lehre, alle Seefahrer können alles gleich gut, anzugreifen.

Dieses Verbot wiederum fand ein anderer Teil der Crew seinerseits unverschämt. Als mit Glück die erste Prise erobert war, schnappten sie sich dieses kleine Segelboot und suchten fortan ihren eigenen Weg.
Die Generation Benedikt schoss Salut, als sie diese Nachricht hörte und feierte drei Tage lang.


Was, so fragt ihr euch nun sicher, tapfere Piraten und edle Freibeuterinnen, will uns Bruder Spaghettus damit sagen?

Vielleicht ahnt ihr es schon. Ja, es geht um unsere oberste Piratenregel: Keine Dogmen. Deshalb könnte es uns nie passieren, dass das Lesen eines Buches verboten wird. Es könnte uns nie passieren, dass statt über den Inhalt des Buches über seine Farbe diskutiert wird. Vor allem aber könnte es uns nie passieren, dass wir nicht auf unsere eigenen Erfahrungen vertrauen.

Wir wissen, niemand ist besser für den Ausguck geeignet, als die großäugigen Bewohner von Lightningrock. Ihre Felseninsel liegt hoch über dem Meer und ihre Augen haben es gelernt, weit zu schauen.

Wir wissen, die Fahrensleute der Mammutbauminsel können längst nicht so gut sehen, aber niemand kann so schnell klettern wie sie und bessere Seeleute für das Setzen der Segel gibt es nicht.

Wir wissen, die karge und in stürmischem Gebiet gelegenen Salzinseln, in denen die Einwohner seit Generationen ums Überleben kämpfen müssen, bringt die erfindungsreichsten Seebären hervor. Niemand kann so gut wie sie Schätze verstecken und finden.

Wir wissen, niemand kann so gut Karten zeichnen und lesen und den Kurs halten, wie die Vielsegler der Tausend Inseln unter dem Wind. Kein Schiff mit einem Steuermann von dort hat je seinen Weg verloren.  


Um es kurz zu machen, ihr tapferen Pastafari:
Wir wissen, es kommt nicht darauf an, Unterschiede zu verwischen, sondern sie zu nutzen.

Wir wissen, nicht diese Unterschiede sind von Übel. Von Übel ist es nur, wenn eine Mannschaft versucht diese Unterschiede zu nutzen, um die Beute nicht gleichmäßig unter allen Piraten aufzuteilen.

Deshalb rufe ich euch auf. Suchen wir den Unterschied, freuen wir uns über möglichst viele Fahrensleute mit möglichst vielen unterschiedlichen Fähigkeiten auf unseren Schiffen. Setzen wir alle entsprechend dieser Fähigkeiten ein. Versuchen wir nicht, alle alles gleich gut zu können aber achten wir immer darauf, allen die gleiche Achtung und den gleichen Respekt zukommen zu lassen. Wir brauchen nicht die Gleichheit an Eigenschaften, sondern die Gleichheit an Rechten.

Vor allem aber erinnern wir uns immer und überall an unsere erste Piratenregel: Keine Dogmen!

(Erstveröffentlichung 27.10.2011)