28.12.2018

Das Wort zum Freitag – Moschee-Steuer

Moschee nach Einführung der Steuer
Quelle


Mehr als 12 Jahre gibt es unseren Verein „Kirche des FSM Deutschland e.V.“ nun, seitdem kämpft der Verein beständig gegen die Privilegien der Kirchen. Vieles versuchen wir einfach ähnlich auch zu tun, seien es unsere Nudelmessenhinweisschilder oder die Bilder auf amtlichen Lichtbilddokumenten. Komischerweise kommt dann immer jemand daher, der das nicht halb so lustig findet wie wir, vollkommen unverständlich. Es heißt dann: „Ihr macht euch nur lustig.“, „Ihr seid gegen Religion.“… Aber nein, wir wollen doch nur das gleiche tun dürfen was andere auch tun dürfen, die eben nicht an ES glauben sondern eben an einen dicken, haarigen, alten Mann der dort oben sitzt und IHM den Platz auf dem Sofa streitig macht.

Bruder Spaghettus hatte als Ziel immer alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften gleichberechtigt auf dem Level der Kirche des FSM Deutschland zu sehen, also als Vereine. Wie ich schon in meinem offenen Brief an den Bürgermeister Templins angedeutet habe sehe ich auch keine Probleme damit die Kirche des FSM mit den bestehenden Privilegien auszustatten, denn wenn ein jeder diese von Anfang an haben kann, sind es denn dann noch Privilegien? Eigentlich nicht. Trotzdem habe ich die Entwicklung der letzten Tage mit großem Erstaunen verfolgt und sehe unsere Fortschritte bedroht. Der Islam fordert die Ausweitung der Kirchensteuer. Aus meiner Sicht kann ich das verstehen, es ist wirklich etwas Arbeit die Beiträge selbst zu sammeln, man muss schauen, dass man von allen Mitgliedern Beiträge erhebt, wer allerdings ausgetreten ist darf natürlich nicht in dieser Gruppe sein, also muss man ihn wieder aus den Lastschriften entfernen, das wäre alles einfacher, wenn es der Staat direkt für mich, oder hier für Tini, tun würde, auch wenn er dafür eine geringe Gebühr haben möchte.

Was alles jedoch damit einhergeht liegt mir schwer im Magen, die Religionszugehörigkeit steht auf der Lohnsteuerkarte, wo sie doch in keinem Fall hingehört, auch findet eine unglaubliche Subventionierung der Kirchen durch diese Maßnahme statt, auch mit den Steuergeldern der Pastafari im Verein und dem von Atheisten usw.

Um aber meiner Linie treu zu bleiben fordere ich natürlich umgehend die Kirchensteuer auch für Pastafari und eine Überweisung direkt aufs Vereinskonto, die Daten sind den Finanzämtern ja bekannt oder können auf unserer Homepage gefunden werden. Das nächste große Projekt ist dann übrigens ein Vereinsheim, ein symbolisches Bild habe ich auch schon mal rausgesucht.


Neues Vereinsheim (Symbolbild), finanziert durch die Kirchensteuer
Quelle

20.12.2018

Das Wort zum Freitag - Anwalt dringend gesucht!

Das ganz große Gefecht steht bevor, wir segeln zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR).
Dafür wollen wir aufrüsten.

Unser bewährter Anwalt Dr. Rath wird wieder Steuermann auf unserer Fregatte sein. Aber in diesem Battle soll er Unterstützung bekommen. Wir suchen einen Rudergast für ihn. Einen, der die Strecke kennt, weil er sie schon mal gesegelt ist.


Wer kennt einen Anwalt mit Erfahrung am EGMR, einen, der mit Freude bei der Arbeit wäre und im Idealfall aus dem humanistischen/säkularen Hafen kommt?

Bitte meldet euch bei uns per Mail, falls ihr einen solchen kennt oder gar Kontakt zu einem habt: info@pastafari.eu

Bei dieser Schlacht geht es um alles. Deshalb wollen wir noch weiter aufrüsten. Wir möchten unseren Anwälten ein Gutachten mitgeben. Dazu brauchen wir jemand, der das schreibt, jemand mit besonderer Sachkunde auf dem Gebiet Religion/Weltanschauung, jemand mit entsprechender Ausbildung, z.B. Theologie, Philosophie oder so. Im Idealfall hat er oder sie durch entsprechende Titel oder Jobs eine entsprechende Reputation und kommt aus der humanistischen/säkularen  Ecke. 


Wer kennt eine(n) Sachverständige(n) für unser weltanschauliches Gutachten?Bitte schickt auch hier eine Flaschenpost mit der Kontaktadresse an info@pastafari.eu


Bei der Finanzierung bekommen wir Unterstützung. Auch unsere Kriegskasse gibt schon was her, wir sind bereit, sie zu leeren. Natürlich würden wir uns freuen, wenn doch noch ein paar Taler in der Kiste bleiben. Vielleicht möchte die Eine oder der Andere von euch indirekt mit an Bord sein, wenn in Straßburg die Kanonen donnern und wieder etwas in die Schatztruhe legen. Wir würden uns mächtig freuen, über das Gold, aber noch mehr darüber, dass ihr uns so zeigt, wir segeln nicht allein und unser Ziel ist ehrenwert.


Dr. Rath hat bereits Material gesammelt. Im Januar geht es an die Ausarbeitung der Klageschrift. Spätestens im März soll die dann beim EGMR sein. Das ist nicht so viel Zeit, wie es erst einmal aus sieht. Bitte hört euch um, teilt diesen Aufruf und versucht uns zu helfen.


Bisher war immer Verlass auf euch, wir sind sicher, daran hat sich nichts geändert.


Danke.


13.12.2018

Das Wort zum Freitag - Glaube und Rationalität

Bild von: Dying Regime, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0




Und wie jede Woche wird die Sau durchs Dorf getrieben. Wieder einmal „müssen“ alle Angst haben.  Am Anfang stand ein Vater, der Angeblich wegen des Islam nicht mehr zum Eltern-Kind-Schwimmen mit darf.

 Was war passiert?

Die Leiterin des Kurses hatte ihm eine Sprachnachricht über einen Messenger geschickt, dass es den muslimischen Frauen unangenehm sein würde und er deshalb lieber nicht mitkommen solle und stattdessen seine Frau zum Kurs schicken.

Was wurde daraus?

Mehrere Medien berichteten, unter anderem die  Zeitung mit den großen vier Buchstaben, die ja gemeinhin für ihre Seriosität bekannt ist, hier wurde als Aussage gewählt, dass Muslime das Schwimmbad wegnehmen. Auch der Focus berichtete, allerdings deutlich weniger reißerisch.

Nun kann man hier viele Fragen stellen und das müssen wir als Pastafari auch.

Bevor ich überhaupt zum Inhaltlichen komme stellt sich mir die Frage, ob das denn überhaupt eine Meldung ist, die es wert ist überregional berichtet zu werden?

Ich finde eigentlich nicht, denn weil die Leiterin eines Schwimmkurses hier eine Entscheidung im Widerspruch zur Meinung der zuständigen Behörde trifft geht die Welt nicht unter.

Nehmen uns die Muslime denn nun wirklich das Schwimmbad weg?

Ich finde nicht, denn hingehen kann ich immer noch, ja, den Kurs haben sie vielleicht kurzfristig bekommen, aber auch das scheint ja keine Entscheidung von Dauer zu sein.

Aber welchen Schluss ziehe ich jetzt daraus?

Nun, nicht so einfach, aber am Ende würde ich sagen, dass mal wieder die Religion einer Person in die Freiheit einer anderen eingegriffen hat, was ich als falsch erachte, aber das richtig gestellt wurde. Es bleibt also übrig, dass man mal wieder feststellt, dass es noch ein weiter weg ist bis Religion endlich die geringe öffentliche Rolle spielt die ihr zuzuweisen ist.

Am Dienstagabend dann mal wieder ein Terroranschlag. Was hier alles an Theorien und Meinungen unterwegs ist, ist zu viel um es wiederzugeben, aber auch hier gilt es den Worten des Monsters zu folgen und einen klaren Kopf zu behalten. Viel mehr Aufmerksamkeit möchte ich dem Täter eigentlich hier nicht schenken.

Steht uns denn nun die Islamisierung bevor?

Wohl kaum, der Islam kämpft in manchen Ausprägungen dafür oder er kämpft dafür die Rechte des Christentums auch für dich zu beanspruchen, doch schlussendlich bleibt das Problem das Gleiche, eine irrationale Überzeugung, ein Glaube der nicht an ES gerichtet ist beansprucht die Wahrheit und Privilegien für sich und das gilt es zu verhindern, mit Spaß, Gemeinschaft, Freude und ein, zwei Bier. Es gilt also in seinem Glauben rational zu bleiben, auf dass die anderen auch merken, dass das der richtige Weg ist.

Das richtige Lebensmotto

07.12.2018

Das Wort zum Freitag - Wilhelmine und der Weihnachtsmann



Wilhelmine glaubte an den Weihnachtsmann, ganz fest, und sie war schon 8 Jahre alt. Sie wollte einfach nicht wahr haben, dass es ihn nicht geben soll.

Immer wieder wurde das Mädchen in ihrer Klasse damit aufgezogen, denn außer ihr glaubte keiner mehr an das Märchen vom Weihnachtsmann. Aber tapfer verteidigte Mine, wie sie von allen genannt wurde, den Rauschebart im roten Mantel. Es brachte ihr nur noch mehr Spott ein. Trotzig hielt sie sich dann einfach die Ohren zu. Ihre Argumente, die für den Weihnachtsmann sprachen, wollte keiner mehr hören. Für die anderen war dieses Thema schon lange erledigt. Lediglich einen mitleidigen Blick erhielt die Kleine gelegentlich. Doch wie das halt so ist, wenn alle anderen nicht deiner Meinung sind, beginnt der Zweifel sich leise in deinem Kopfe auszubreiten. So beschlich er auch Wilhelmine.

Zu Hause setzte sie sich in ihren Lieblingssessel und blickte verträumt auf den mit vielen Überraschungen gefüllten Kalender, der ihr die Tage bis zum Weihnachtsfest verkürzen sollte. Er zeigte das Bild eines Weihnachtsmannes, der durch den Schnee stapfte und dabei einen Stapel Wunschzettel las, den er in den Händen hielt. Da erinnerte sich das Kind, wie es im vergangenen Jahr erstmals am Weihnachtsmann zu zweifeln begann. Warum, war Mine entfallen. Aber dass sie ihre Mama befragte, das wusste sie noch. Mit einem schelmischen Lächeln versehen, kam darauf aus Mamas Mund nur ein „Ach Minchen!“. Die Mama wollte das Geheimnis noch nicht lüften, denn sie kannte die grenzenlose Neugier ihrer Tochter. Wüsste das Kind, dass die Geschenke von den Eltern sind, wäre keine noch so verborgene Ecke im Hause davor sicher, dass ihr liebes Minchen sie nicht ausspioniert hätte. So erinnerte die Mama nur an den Wunschzettel. „Du hast ihn an den Weihnachtsmann persönlich abgeschickt. Was darin stand, wusste also nur er. So konnte auch nur er deine Wünsche kennen. Stimmts?!“

Das lag nun ein Jahr zurück. Doch auch jetzt noch lebte Mine gern in ihrer Traumwelt der Märchen und Phantasiegeschichten und dazu gehörte auch der Weihnachtsmann. Als die kleine Traumsuse aber an ihre Klassenkameraden dachte, nagten wieder leise ein paar Zweifel. Um die Grübelei zu vertreiben, zog das Mädchen sich ihre warmen Sachen an, um nach draußen zu gehen. Der Wind würde schon die Zweifel wegblasen.

Am Steg, der in einen zugefrorenen Teich führte, traf sie Hans, der einen Piratenhut auf dem Kopf trug. „Na, willst du übers Meer, um fette Beute zu machen?“ scherzte sie. Der Siebenjährige lachte nur und verriet Mine mit leuchtenden Augen, dass heute der Lichterbaum aufgestellt wird. Da geht immer alles drunter und drüber, denn am späten Nachmittag kommen ein paar Freunde in Piratenkleidung. Gemeinsam wird das erste Pastat gefeiert. „Du meinst wohl eher den Weihnachtsbaum?“ verbesserte die Weihnachtsexpertin. Hans nahm Mine einfach an die Hand und steuerte mit ihr auf sein Haus zu: „Meine Eltern dürften inzwischen den Baum aufgestellt haben. Komm mit und sieh selbst.“ Die Neugier war geschürt und bald standen die Kinder im Wohnzimmer der Familie von Hans.

Mine schaute mit großen Augen auf ein leuchtendes Etwas, was eher dem Oberteil eines Segelschiffes glich. Es waren Masten zu sehen, Segel, Netze und ganz viele Kerzen. „Das ist wunderschön aber doch nie im Leben ein Baum!“ platzte sie heraus. Hans führte seine kleine Nachbarin in sein Zimmer und nahm ein dickes Buch aus dem Regal. Er schlug die Seite mit dem Lesezeichen auf und Mine blickte auf ein stattliches Segelschiff mit all den Masten und der Takelage. Hans wusste genau, wie jeder Mast bezeichnet wird und erklärte froh drauf los, dass Mine kaum folgen konnte. So sagte sie nur: “Ah, dass ist also euer Baum!“ „Tja, so bringen wir Licht in die dunkle Jahreszeit. Dein Weihnachten ist mein Nudliges Lichterfest.“ Wilhelmine verschlug es die Sprache. Das nutzte Hans, um ihr vom Pastat, dem Nudligen Lichterfest und letztlich auch vom Lichterpiraten zu erzählen.

Langsam klangen immer mehr laute Stimmen aus der Wohnung in das Kinderzimmer. Die Gäste trudelten ein und ständig hörten die Kinder ein fröhliches Arrrgh. „Piraten können nicht anders.“ kommentierte Hans das Gehörte.

Für Mine wurde es langsam Zeit, nach Hause zu gehen. Sie wäre zwar gern noch in der fröhlichen Runde geblieben, aber es wurde langsam dunkel. Zum Abschied riefen die Erwachsenen lachend nach: „Gib auf den Wein acht!“ „Hatten die schon zu viel Grog?“ wunderte sich das Mädchen. All die neuen Eindrücke schwirrten wie Motten in ihrem Kopf herum. So machte sich ein sehr nachdenkliches Kind auf den Heimweg.

An diesem Abend hatten Mines Eltern eine sehr ruhige Tochter, die schnell im Bett verschwand. Im Traum begegnete ihr der Lichterpirat, der immer wieder sagte, dass man an allem zweifeln soll, um zu neuen Erkenntnissen zu kommen, ihr aber auch wunderschöne Geschenke mitbrachte.

Als Tage später in der Unterrichtspause wieder einmal das Thema „Weihnachtsmann“ ins Spiel kam, hörte man von der einzigen Verteidigerin des bärtigen Alten keinen Mux. Die anderen Kinder guckten verwundert, weil sie die üblichen Erklärungen erwarteten. Aber Wilhelmine blieb stumm. „Na, hast du deinen Glauben aufgegeben?“ platzte es aus ihrer Banknachbarin heraus. „Na ja, ich habe endlich nachgedacht und würde inzwischen lieber das Nudlige Lichterfest feiern, wie es die Familie von Hans aus der ersten Klasse tut. Ihm bringt der Lichterpirat die Geschenke. Lichterpirat ist jemand aus der Familie. Er kommt mit den Geschenken und in Piratenkleidung, wie es der Name schon sagt. Bei Hans übernimmt das meistens ein Onkel, der eh schon wie ein alter Seebär ausschaut. Der Lichterpirat darf die Geschenke an Groß und Klein verteilen und auch so manchen Schabernack mit ihnen treiben. Er kann sich so richtig als Pirat austoben.. Dann legt er den viel zu warmen Piratenmantel ab und ist wieder der Opa, die Tante oder Freund der Familie. Das bringt viel Spaß, sagt Hans. So würde ich gern auch feiern. Hört sich lustig an.“

Am 24. Dezember klopfte es abends laut an der Tür. Wilhelmine wusste, dass das nur einer sein konnte. Der Papa öffnete die Tür und schon stand der bärtige Mann im roten Mantel mitten im Wohnzimmer, stellte ähnliche Fragen, wie im vergangenen Jahr und wusste so einiges darüber, was Mine widerfahren war. Die übliche Aufregung der letzten Jahre stellte sich bei dem Kind allerdings nicht ein. Das verträumte Mädchen gab es nicht mehr. Genau beäugte es den Weihnachtsmann und entdeckte einiges, was an den Opa erinnerte. „Zweifeln hilft!“ schoss es Mine durch den Kopf und sie ließ den Weihnachtsmann ziehen.

Dann ging es mit großer Spannung ans Geschenke auspacken. Ein glückliches Kind hatte zu tun und freute sich dann noch mehr, als plötzlich die Großeltern im Zimmer standen. Die Familie verbrachte einen gemütlichen Abend, der viel zu schnell verging. Als Oma und Opa sich auf den Heimweg machen wollten, flüsterte Wilhelmine ihrem Opa beim Abschied ins Ohr: „Kannst du nächstes Jahr bitte mal der Lichterpirat sein?“

29.11.2018

Das Wort zum Freitag - Vernetzt euch



Geschafft!

Bojenkommandant Holger als Webmaster und ich für Text und Bilder haben uns die letzten Wochen gegenseitig vorangetrieben. Nun ist sie im Netz, unsere neue Seite. Längst ist noch nicht alles getan. Kleine Fehler müssen noch ausgebessert werden, es wird noch FAQ inklusive Erklärung pastafarianischer Begriffe geben und auch eine Seite mit Medienecho kommt noch. Vor allem aber sind noch knapp 500 Beiträge, die wir von der alten Seite übertragen haben, auf Format zu kontrollieren, in Kategorien zu ordnen und Tags zu setzen.


Während die alte Seite hauptsächlich zeigen sollte, wer wir sind, hat die neue ein anderes Grundthema. Wir haben Großes vor. Wir möchten blühende pastafarianische Landschaften in ganz Deutschland. Wir möchten ein Netz von Pastafari und Gemeinden. Gemeinsam geht alles besser, macht mehr Spaß und Ziele lassen sich eher erreichen. Das wissen alle, die schon einmal eine richtige Freibeuterparty oder gar eine Piratenhochzeit mitgemacht haben.


Lasst uns nicht sitzen, vernetzt euch!


Egal ob ihr im Verein seid oder nicht, egal ob ihr alter Seebär oder Schiffsjunge seid oder nur mal für eine Tour mit auf große Kaperfahrt wollt, nehmt Kontakt auf. Feiert unsere Feiertage mit unserem Brauchtum, so, wie es einige von uns schon lange tun. Verabredet euch zu Stammtischen, gründet Gemeinden oder trefft euch einfach mal so.  Vor allem aber, lehrt unsere Moral und unsere Ethik.


Das geht ganz einfach und auf verschiedenen Wegen.




  • Tragt euch auf unserer Karte ein und wartet, ob sich jemand meldet, der Kontakt möchte.
  • Mailt einen Kontakt auf der Karte selbst an und fragt, ob er/sie Lust auf ein Treffen hat.
  • Wendet euch an die euch nächste Kontaktperson.
Auf der Karte erkennt ihr die an dem Stern im Kreis. Auch der Pastafariname ist mit eingeblendet.


Besonders wenn ihr eine Gemeinde sucht oder selbst ein gründen möchtet, seid ihr dort gut aufgehoben. Kontaktpersonen sind immer Vereinsmitglieder, aber natürlich helfen sie allen Pastafari. 


Übernehmt unsere Bräuche. 


Das WeinAchtsfest steht bevor. Freitag ist das erste Pastat. Dann leuchtet nicht nur wieder das große Monster an unserer Kirche, dann wird auch die erste Kerze angezündet. Drei brauchen wir dieses Jahr. 

Welche Feiertage wir haben, wann und wie wir die feiern findet ihr unter Feiertage



Baut euch einen Pastatskranz. Lest euren Kindern die Wahre Weinachtsgeschichte vor, lasst den Lichterpiraten kommen oder legt die Geschenke unter den Lichterbaum.




Macht es so mit allen anderen Feiertagen und Bräuchen.

Verteilt unsere Flyer oder, wer die Möglichkeit hat, legt sie aus. In Berlin gehen wir seit Jahren immer auf den Weihnachtsmarkt und bringen dort die Wahre Weinachtsgeschichte unter die Leute. Oft ergeben sich sehr interessante Gespräche und Kontakte. Vielleicht auch was für euch? Wer Flyer braucht, kann sich bei Jan melden.


Alles zusammen kurz und piratig auf die Planke gebracht:


Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen.
Das Pastafaritum gehört zu Deutschland!


Trage auch du deine Teil dazu bei.

22.11.2018

Das Wort zum Freitag - Totensonntag

Wieder einmal steht ein stiller Feiertag an. Am Sonntag bleibt euch jede Freude verwehrt, bleibt zu Hause, packt vorher Taschentücher ein. Es ist Totensonntag, Traurigkeit ist vorgeschrieben.
QuelleLizenz

In meinem Umfeld wünschen sich viele, dass nach ihrem Ableben für sie ein Fest gefeiert wird, auf ein erfülltes Leben soll freudig zurückgeblickt werden. Doch fragt man die Kirchen, dann ist das nicht gewollt. Wer keinen Spaß hat kommt schon mal nicht auf komische Gedanken, deshalb müssen die Schäfchen sich in Trauer üben und der Staat bietet sich hier direkt als Gehilfe an und setzt für die großen Kirchen eben dies durch.

Wer sich jedoch an bestimmten Tagen plötzlich mehr von der Musik fernab der Kirchen und des eigenen Hauses gestört fühlt, der scheint sich sehr mit dem Leben anderer beschäftigen zu müssen, dem reicht das eigene nicht. Kommt da etwa Neid auf, dass andere auch ausgelassen feiern können?

Oft höre ich in dieser Debatte „ja, aber du kannst ja die anderen 365-x Tage feiern.“ Natürlich kann ich das, ich will es gar nicht, aber die Freiheit es zu können ist schön. Diese wird jedoch beschnitten, durch die x Tage an denen ich dem Tode zu gedenken habe, ob ich will oder nicht.

Vielleicht ist es Zeit doch einmal eine Kanone zu kaufen? Der Gedanke an sakralen Salut erfreut mich immer mehr.

15.11.2018

Wort zum Freitag - Pastafarikale Predigt



zur Hochzeit von
Bruder Pasta L'adoratore und Bruder Pasta Amico Intimo
am 03. Novemer 2018
in Templin

von
Kassandra Krautfleckerl

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Liebe Piratinnen und Piraten, liebes Bräutigampaar,

ich möchte meine Predigt beginnen mit einem Wort aus dem "Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters". Dort heißt es im Goldmann Taschenbuch, Seite 60, Abschnitt 2:

"In Wahrheit verbirgt sich das FSM überall um uns herum. Und Es hat Hinweise hinterlassen wie Brotkrumen, um uns den Weg zu Seiner Ewigen Nudeligkeit zu weisen."

Wort des lebendigen Spaghettimonsters.

Auf der Suche nach einem Brotkrumen war auch ich, als ich mich fragte, was ich Bruder Pasta L'adoratore und Bruder Pasta Amico Intimo anlässlich ihrer Trauung mit auf den Lebensweg geben sollte. In seiner unendlichen Güte warf mir das Spaghettimonster einen seiner Brotkrumen in den Weg.

Es gab in diesem Jahr neben der Hochzeit von Bruder Pasta L'adoratore und Bruder Pasta Amico Intimo eine weitere bedeutende Trauung. Im Mai gaben sich in der Drachentöter-Kapelle von Schloss Windsor eine amerikanische Seifenoper-Darstellerin und ein britischer Blaublütler mit Hang zu Sexparties das Ja-Wort, Harry und Meghan. Für die Predigt hatte man den Chef der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika eingekauft, den afroamerikanischen Bischof Michael Bruce Curry. Wie ein Vulkan brach er los und sorgte bei den eher gediegenen britischen Hochzeitsgästen für einige Verwirrung. Bischof Curry predigte über die Macht der Liebe, die er selbstverständlich seinem christlichen Gott als zentrale Eigenschaft zuordnete. 

"Stellt euch eine Welt vor, in der alle auf dem Weg der Liebe sind", sagte Curry. "
"Wenn alle auf dem Weg der Liebe sind, wird auf dieser Welt niemals wieder ein Kind hungrig ins Bett gehen."
 "Wenn alle auf dem Weg der Liebe sind, werden wir unsere Schwerter und Schilde niederlegen und nie wieder Krieg führen."
"Wenn alle auf dem Weg der Liebe sind, gibt es genug Platz für alle Kinder Gottes, denn wenn alle auf dem Weg der Liebe sind, werden wir einander behandeln wie Mitglieder einer einzigen großen Familie."

Als ich die Worte des Bischofs hörte und seinen schon fast pastafarianisch-paradiesisch zu nennenden Vulkanausbruch miterlebte, dachte ich mir: Wie Recht er doch hat. Um wie vieles schöner wäre diese Welt, wenn es mehr Liebe gäbe. Doch dieser arme Bischof sucht die Liebe beim falschen Gott.

"Wenn alle auf dem Weg der Liebe sind, wird auf dieser Welt niemals wieder ein Kind hungrig ins Bett gehen", sagt Bischof Curry.
-> Ich sage: Seit zweitausend Jahren hatte der christliche Gott nun Zeit, einen vernünftigen Ernährungsplan für die Menschheit aufzustellen, doch noch immer krepieren Kinder in Afrika elend an Mangelernährung. Kein Wunder bei einer Religion in deren rituellem Zentrum ein Stück Esspapier steht. Liebe sieht anders aus. Unser Spaghettimonster weiß das und versorgt die Welt liebevoll mit kalorienreichen Nudeln, auch wenn Ungläubige diesen Liebesbeweis nicht als solchen erkennen.

"Wenn alle auf dem Weg der Liebe sind, werden wir unsere Schwerter und Schilde niederlegen und nie wieder Krieg führen", sagt Bischof Curry.
-> Ich sage: Im Namen des christlichen Gottes wurde jahrhundelang gemetzelt und gemordet, was das Zeug hielt. Christliche Waffensegnungen gehörten in Deutschland noch vor nicht allzu langer Zeit zum kirchlichen Tagesgeschäft. Und tatsächlich glauben Christen, dass ihr Gott für die Liebe steht? Nein, liebe Brüderinnen und Brüder, es gibt nur einen einzigen Gott, in dessen Namen noch niemals ein Krieg geführt wurde, und das ist das Fliegende Spaghettimonster!

"Wenn alle auf dem Weg der Liebe sind, gibt es genug Platz für alle Kinder Gottes, denn wenn alle auf dem Weg der Liebe sind, werden wir einander behandeln wie Mitglieder einer einzigen großen Familie", sagt Bischof Curry.


- Ich sage: Welch ein Hohn, dies ausgerechnet als christlicher Bischof von sich zu geben! Man stelle sich vor, Bruder Pasta L'adoratore und Bruder Pasta Amico Intimo würden dem christlichen Irrglauben anhängen und hätten um eine kirchliche Trauung in einer christlichen Kirche gebeten. Mit freundlichen Segenswünschen hätte man sie davongejagt, weil ihre Geschlechtsorgane nicht fortpflanzungskompatibel sind. Bedeutet das im Christentum, für alle Kinder Gottes Platz zu haben und sie wie Familienmitglieder zu behandeln? Unserem Monster dagegen ist es vollkommen egal, ob bei einem Menschen eher obenrum oder eher untenrum was baumelt. "Kriegt es endlich in eure Dickschädel: Frau = Mensch. Mann = Mensch. Gehüpft wie gehoppelt." heißt es im Dritten "Am Liebsten Wäre Mir". Und unsere Monster meint das ebenso ernst wie seine Anhänger. Das bedeutet es, Mitglied der großen pastafarianischen Familie zu sein und von der Liebe des Spaghettimonsters umhüllt zu sein.


Natürlich gibt es noch so viel mehr Beweise Seiner Liebe:
-> Ohne das Spaghettimonster, das uns mit seinen Nudeligen Anhängseln sanft zur Erde drückt, würden wir bekanntlich in den Weltraum driften. - Was zwar eine schöne Aussicht verspricht, auf Dauer jedoch relativ tödlich wäre.
-> Während Hardcore-Christen noch immer den Klimawandel leugnen, ist unser Spaghettimonster schon viel viel weiter. In Seiner unendlichen Güte hat es uns sogar schon einen Weg hinaus aus der Klima-Misere gewiesen. Noch dazu einen so einfachen, dass ihn selbst Kleinkinder an Halloween und Karneval gehen: Das Anlegen von Piratenkleidung.
-> Nicht zuletzt betonen die Christen immer wieder stolz, dass ihr Gott sie nach seinem Ebenbild geschaffen habe. Wir Pastafari wissen, dass unser Gott dies nicht getan hat – und wir sind ihm unendlich dankbar dafür.

Trotz all dieser untrüglichen Beweise, dass es in Wahrheit das Spaghettimonster ist, dass auf der Welt die Liebe verbreitet, hat sich unsere Konkurrenz auf dem Weltanschauungsmarkt erdreistet, die Liebe für ihre Gottheit zu reklamieren. Es ist Zeit, dem entschieden entgegenzutreten und der Welt zu verkünden, dass allein das Spaghettimonster Liebe ist.

Und doch, liebe Brüder und Schwestern, weiß ich, dass es nicht einen unter uns gibt, der nicht schon einmal an Seiner Liebe gezweifelt hat. Denn, seien wir ehrlich, es ist nicht immer leicht, Pastafari zu sein.

Es gibt Menschen, die uns wegen unseres Glaubens und unserer Kleidung verlachen, die den Pastafarianismus nicht ernst nehmen und ihn in den Dreck ziehen. Einige sehen auch mitleidig auf uns herab, weil sie denken, wir würden die Piratenkluft nicht freiwillig tragen. Sie meinen, unser pastafarianisches Umfeld oder ein irrsinniger Aberglaube hätte uns in die Piratenkluft gezwungen. Doch wir hängen keinem Irrglauben an, sondern dem einzig wissenschaftlichen Glauben. Die Piratenkluft haben wir freiwillig gewählt. Aus Vernunft. Weil wir wissen, dass wir damit die Welt verändern können – und nicht nur wegen der paradiesischen Verheißung von 72 Strippern. (Und noch mehr, falls Bedarf besteht.)

Ich selbst gestehe freimütig, dass ich in der vergangenen Woche eine tiefe Glaubenskrise durchlebt habe. Und ich bin mir fast sicher, dass es vielen von Euch ebenso ergangen ist. Wie kann das Spaghettimonster zulassen, dass das Bundesverfassungsgericht unsere Verfassungsbeschwerde abweist? Wie kann es sein, dass die Richter nicht erkennen, dass wir eine Weltanschauungsgemeinschaft sind? "Monster, wo bist du?!", rief ich zum Himmel, als mich die schlechte Nachricht erreichte. Doch ich erhielt keine Antwort.

Also tat ich, was jeder Pastafari tun sollte, wenn ihn der Zweifel übermannt: Ich aß Nudeln. Und da wurde mir plötzlich eine wundersame Erleuchtung zuteil. Plötzlich wusste ich, dass ich die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in einem völlig falschen Licht betrachtet hatte. Was, frage ich Euch, dürfen wir als Pastafari niemals haben? – Dogmen! Wir sind zu stetem Zweifel verpflichtet. Das ist der Kern unseres Glaubens. Daraus folgt: Wer zweifelt, der ist im Herzen bereits Pastafari. Und nun frage ich Euch weiter: Was bedeutet es, dass die Richter des Bundesverfassungsgerichts daran ZWEIFELN, dass wir eine Weltanschauungsgemeinschaft sind? Bierelujah, sage ich, meine Freunde! Durch diesen Zweifel haben sie bewiesen, dass auch sie bereits von den Nudeligen Anhängseln des Spaghettimonsters berührt wurden. Sie wissen es nur noch nicht!

In diesem Sinne, liebes Bräutigampaar, möchte ich Euch auf den gemeinsamen Lebensweg mitgeben, dass Ihr niemals den Mut verlieren möget. Bereits der Prophet Bobby - gepriesen sei sein Name -  sagte im Siebten "Was würde ein Pirat tun": "Will man das Piratenleben leben, muss man auch das ewige Arrrgh!!! akzeptieren."

Doch das Arrrgh ist niemals von Dauer. Solltet Ihr jemals an Euch, Eurer Ehe oder gar am Spaghettimonster zweifeln, so seid gewiss, dass bereits dieser Zweifel der Beweis ist, dass das Spaghettimonster Euch liebt. Denkt stets daran: Ihr seid zwei von jenen Brotkrumen, die unser Monster hinterlassen hat, um uns den Weg zu Seiner Ewigen Nudeligkeit zu weisen. Möget Ihr diesen Weg stets gemeinsam gehen, bis der Biervulkan dereinst Euren Durst stillt.

RAmen.



08.11.2018

Das Wort zum Freitag - Hochzeit mit Zugabe


Schlimmer hätte es nicht anfangen können. Gerade waren die ersten Hochzeitsgäste eingetroffen, da kam die Nachricht, andere sind auf der Autobahn liegen geblieben. Glücklicherweise nur mit defektem Anlasser. 


Von da an war das Monster aber voll bei uns. Alle anderen kamen heil an und die Stimmung war sofort riesig. Auch das Fernsehteam war genau so unauffällig, wie bei der Absprache ausgemacht. Ihr Bericht ist toll geworden, was mit besonders freut, weil wir noch keine Bilder von der Hochzeitsfotografin bekommen haben. So können wir euch wenigstens den zeigen. Kurz sind auch die Hochzeitstorten zu sehen. Die sahen einfach toll aus.



Bei der Demo für unsere Gleichberechtigung am nächsten Tag war die Fotografin schon nicht mehr dabei, und wir haben selbst geknippst. Start war das Neue Rathaus. Dort hatte ich beim letzten Besuch Kreidezeichen über der Tür entdeckt. Die waren nicht, wie ich dachte, Gaunerzinken, sondern irgend ein katholischer Zauber. Weil so etwas in öffentlichen Gebäuden nichts zu suchen hat, mussten wir den unschädlich machen. Das ging nur mit einer kompletten Weihe des ganzen Hauses. Mit Dudelsack und Nudelwasser ging es zunächst zu einer Ecke des Hauses. Mit einem Segensspruch wurde diese mit SEINEM Wasser besprengt. 


Das wiederholte sich an der anderen Ecke.



Letztlich beteten wir gemeinsam vor dem Eingang: Oh du unser Monster, mögest du allen falschen Zauber von diesem Hause nehmen und machen, dass in ihm nur noch weise und bürgernahe Entscheidungen getroffen werden. 


Als es dann weiter Richtung Maria-Magdalenen-Kirche ging, hatte sich uns schon eine Gruppe Radfahrer angeschlossen. Da war die Reporterin des Nordkuriers schon weg, die in ihrem Bericht von 14 Teilnehmern sprach. Die Berliner Zeitung hat uns noch einen mehr zugebilligt. Tatsächlich waren wir 18 und auf dem Marktplatz zur Messe sogar über zwanzig. 



Die Polizei war auch gut und locker drauf und hat uns sicher geleitet.



 Einen Zwischenhalt gab es noch an der Kirche.



Anlass war dieses Werbeplakat. Das hatten wir, ganz entsprechend der Bestimmungen, am ersten Mast der mindestens 10m von der Kreuzung weg ist, aufgehangen.
Von allen aufgehangenen Plakaten war dies das einzige, was gestohlen wurde. Wir hängten es neu auf und zur Demo hing es noch. Als wir es abnehmen wollten, war es wieder verschwunden. Ich werde wohl mal bei der Pfarrerin nachfragen, ob sie uns helfen kann, die wieder zu beschaffen.


Die Messe auf dem Marktplatz kam gut an, auch Landratten haben am Abendmahl teilgenommen.
Vor allem aber haben wir nun in Templin eineinhalb neue Pastafari. Einer wird sogar Vereinsmitglied. Auch ein Almist war dabei, erkennbar am Nudelsieb. Unser Bruder kommt aus Russland und sicher werden wir auch ihn einmal wieder sehen. Vielleicht schenken wir ihm dann  eine Bandana.




01.11.2018

Das Wort zum Freitag - Auf zum Europäischen Gerichtshof


unter Verwendung eines Bildes von Cédric Puisney

Es ist mir ein dringendes Bedürfnis, diesem Wort eine Erklärung voran zu stellen:

Ich bin kein Verschwörungstheoretiker!

Zu dieser Vermutung könnte vielleicht der eine oder andere regelmäßige Leser kommen. Habe ich doch bereits einmal darüber berichtet, wie eine hochgradig abergläubische Person, Schwester einer Bischöfin und damals Kulturministerin von Brandenburg, regelwidrig unsere Nudelmessenhinweisschilder verboten hat.

Nun hat wiederum eine hochgradig abergläubische Person, aktives Mitglied einer katholischen Studentenverbindung, verhindert, dass über die Rechtmäßigkeit dieser Schilder, verbunden mit unserem Status als Weltanschauungsgemeinschaft, höchstrichterlich entschieden wird. Da könnte man schnell zum Schluss kommen, hier hat sich jemand gegen uns verschworen.

Was so ähnlich klingt, ist aber etwas anderes.
Sabine Kunst, jetzt Chefin der Humboldt Uni Berlin, und Ferdinand Kirchof, Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichtes, frönen zwar einem ähnlichen, doch nicht dem gleichen Aberglauben.


Sabine Kunst hat seinerzeit ihre Entscheidung zwar falsch, aber immerhin begründet.
Ferdinand Kirchof hat davon Abstand genommen.

Sabine Kunst hat eine einsame Entscheidung getroffen.
Ferdinand Kirchof hat gemeinsam mit Richterin Ott und Richter Christ (!) entschieden.

Sabine Kunst hat höchstwahrscheinlich in klarer Verteidigungshaltung ihrer eigenen Weltanschauung kompetenzüberschreitend eine andere bewusst benachteiligt.
Bei Ferdinand Kirchhof sehe ich das anders.
Bei einem noch amtierenden stellvertretenden Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes kann man davon ausgehen, dass er privat und dienstlich trennen kann. Schwer könnte dass allerdings werden, wenn höchste Richter eng mit der Kirche zusammenarbeiten und sich sogar willig vom Papst persönlich einseifen lassen, wie einst in Freiburg geschehen. Vielleicht liegen auch dort die Gründe für Entscheidungen wie diese:
"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil eine weltanschauliche Betätigung des Beschwerdeführers nicht plausibel gemacht wurde. Von einer Begründung im Übrigen wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen. Diese Entscheidung ist unanfechtbar."

Entscheidungen des BVerfGG sind immer unanfechtbar, das hat mich nicht getroffen. Als völlige Missachtung der durch die eingereichte Verfassungsbeschwerde gut begründeten Interessen unserer Weltanschauungsgemeinschaft empfand ich jedoch, dass keine Begründung geliefert wurde. Das Gesetz lässt das zu, aber in unserer Beschwerde ging es auch um Grundsätzliches, wie um die genaue Definition von Weltanschauungsgemeinschaft. Da sollte schon ein bisschen mehr kommen, als diese drei Sätze.

Wir hatten uns beim höchsten deutschen Gericht mehr versprochen. Wir waren sicher, es wird zumindest verhandelt. Die Hoffnung, dann auch ein positives Urteil zu bekommen, war nicht all zu groß. Dazu kennen wir die KirchenrepublikDeutschland zu gut.

So sehen wir dann auch diese Abweisung der Beschwerde eher positiv. Wir waren von Anfang an darauf eingestellt, auch auf europäischer Ebene unser Recht zu suchen. Dort werden wir nun sehr viel früher sein. Bis zu einer Verhandlung vor dem BVerfG hätte es noch Jahre gedauert, die wir nun sparen.

Auch Polen und die Niederlande streiten bereits. Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied. Die streiten für die Anerkennung als Religion, wir für die als Weltanschauungsgemeinschaft. Es wird darauf ankommen, diesen Unterschied richtig heraus zu arbeiten.

Aber es kommt auf noch viel mehr an. Auch die europäischen Richter könnten selbst abergläubisch sein, auf jeden Fall sind sie so sozialisiert. Aberglauben durchzieht noch heute unsere und andere Gesellschaften und ist zum Teil sogar wieder im Anstieg.
Lasst uns darum kämpfen, jeder an seinem Platz mit seinen Mitteln, dass wir diesen Aberglauben klar als solchen benennen. Es gibt keinen Grund, zwischen der Angst vor schwarzen Katzen, Wahrsagen, Voodoo, Hexerei und anderem oder organisiertem Aberglauben, wie ihn die Religionen bieten, einen Unterschied zu machen.

Nehmen wir dem Aberglauben den Respekt, den manche ihm noch entgegen bringen. Klären wir auf, dass mehrere tausend Jahre alte Regeln nicht taugen, heutige Gesellschaften zu lenken, sondern diese behindern.

Aber, und das ist ganz wichtig, bieten wir auch etwas, was den Einzelnen wie die Gesellschaft vorwärts bringt. Bieten wir unterschwellig unsere 8 ALWM´s an und machen wir mit den 10 Angeboten des evolutionären Humanismus weiter.
Dieser Humanismus, der sich ständig selbst an aktuellen Erkenntnissen erneuert, ist das, was wir zu bieten haben.

Nehmt es an und tragt es weiter.



26.10.2018

Wort zum Freitag – Weltnudeltag



Das Wort zum Freitag schließt den Weltnudeltag ab, der am 25.10. gefeiert wird. Damit sind die Nudeln und mit ihnen sicher auch das Monster, das erste Lebensmittel mit weltweitem Feiertag.

Passend zur Feier des Tages gibt es auch Neuigkeiten aus der Welt des Rechts. Die Richter des Bundesarbeitsgerichts in Sachen Kirchenarbeitsrecht, haben entschieden, ob die Kirchen in Stellenausschreibungen generell auf die Religionszugehörigkeit der Bewerber Augenmerk legen dürfen. Auch hier haben die Kirchen, wie immer, mit aller Kraft versucht, ihre ungerechten Regeln, die keine vernünftige Grundlage haben bis zum Letzten zu verteidigen, statt mit der selbst gepredigten Offenheit und Nächstenliebe, musste nun wieder ein Gericht, hier über den Umweg des EuGH, der Vernunft Gehör verschaffen.

Umso mehr stellt sich wieder einmal die Frage, wo denn bitte der Grund für diese absurde Forderung war. Die Stelle war nicht mit der Verbreitung der Glaubenslehre beauftragt, trotzdem wurde irrwitzigerweise wieder einmal indirekt unterstellt, man könne als Atheist, mehr noch als Nichtchrist, keine höheren moralischen Werte haben.

So zeigt sich auch zum Weltnudeltag wieder einmal wer Wasser predigt und Wein trinkt. Könnte es besser zusammenkommen?

Eigentlich kaum, genießt euren Freitag, auf das Urteil erstmal einen großen Teller Nudeln!(ee)

18.10.2018

Das Wort zum Freitag -
Nudelsieb, die x-te



Eriks Wort vom letzten Sonnabend hat großes Echo gefunden. Zunächst persönlich. Mienke de Wilde hat sich gemeldet und war erstaunt, warum wir davon ausgegangen sind, sie kommt nun nicht mehr nach Templin. Darauf hatte ich ihr gleich persönlich und öffentlich in einem Kommentar geantwortet. Dort bin ich auch schon kurz auf die inhaltlichen Aspekte eingegangen.
Es scheint aber angebracht, auf die noch einmal näher einzugehen.

Sammeln wir erst einmal die Fakten.

Wir haben uns 2006 gegründet. Bis 2011 war es allen Pastafari weltweit klar, wir haben Piraten zu sein. Da ist das Evangelium eindeutig. Piraten sind Sein auserwähltes Volk, wir haben uns zu bemühen, Piraten zu werden, Gebete werden eher erhört, wenn man Piratenornat oder wenigstens eine Augenklappe trägt und nur mit genügend Piraten können wir die Erderwärmung stoppen. Ganz eindeutig wollte uns das Monster als Piraten, nichts anderes:

" Außerdem zeugt es von mangelndem Respekt, unseren Glauben zu verbreiten, ohne das Ornat Seiner Wahl zu tragen - die Kluft der Piraten. Das lässt sich gar nicht genug betonen, allerdings leider nicht näher erklären, weil hier der Platz dazu nicht reicht. Die präzise Erklärung lautet:

ES wird böse, wenn wir es nicht tun."

Das änderte sich 2011. Niko Alm, damals Vorsitzender des Zentralrats der Konfessionsfreien, wollte eigentlich schon zwei Jahre zuvor ein  Zeichen gegen Kirchenprivilegien setzen. Ausgesucht hatte er sich die Sonderregel mit den Kopfbedeckungen auf der Fahrerlaubnis. Vom Fliegenden Spaghettimonster hatte er gehört, aber sonst wohl nichts darüber gewusst. Auf jeden Fall nicht, was Pastafari zu tragen haben. Deshalb hat er etwas genommen, was es in seiner Küche gab, ein Nudelsieb. Der Führerschein mit dem war ihm genehmigt wurden. Wie sich selbst für manche Behörde erst in der Auseinandersetzung darum herausstellte, gab es im österreichischen Recht eine Gesetzeslücke. In Deutschland steht irgendwo "Für die Fahrerlaubnis gelten beim Lichtbild die gleichen Vorschriften wie für den Personalausweis". Diesen Satz haben die Ösis schlicht vergessen. Deshalb kann sich dort beim Führerschein, nicht aber beim Perso, jeder aufsetzen, was er möchte, egal ob religiös oder gar nicht begründet. Somit gab es keine Möglichkeit für die Behörde, Niko seinen Führerschein zu verweigern.

Inzwischen war er Mitinitiator der Initiative gegen Kirchenprivilegien. Da fiel ihm die Fahrerlaubnis ein, die schon zwei Jahre auf dem Amt lag und auf Abholung wartete. Er veröffentlichte sie und das Nudelsieb war in der Welt.

Wir fanden die Aktion toll, haben uns aber gleich gefragt: Wieso Nudelsieb? Das kam für uns nicht in Frage. Wir wollten weiter dem Spaghettimonster und dem Evangelium folgen und haben das auch begründet. Alle, die Niko Alm folgen und ein Nudelsieb tragen, nannten wir fortan Almisten.

Aber natürlich sind wir keine normale Religion, in der Abweichler bekämpft und teilweise sogar komplett ausgerottet werden. Wir sehen die Almisten nicht als Feinde, wir helfen ihnen sogar, wenn wir können. So haben wir ihnen Grafiken und Flyer zur Verfügung gestellt und auch mit geworben, als sie für ihren Rechtsstreit unbedingt 300 Mitglieder brauchten:

"Deshalb lade ich euch nochmals ein, werdet Mitglied unserer Gemeinschaft wenn ihr aus Deutschland kommt und erklärt euch amtlich als Pastafari, wenn ihr Österreicher seid. Auch in der Schweiz gilt es, sich zusammen zu schließen. Wem das alles nichts ist, gründet eine Gemeinschaft. Gemeinscahft macht nicht nur stark, sondern auch Spaß. Aber letztlich gilt immer:



Viele Wege führen zum Biervulkan!"

Aufforderungen, dass auch wir das Nudelsieb offiziell als Kopfbedeckung anerkennen, lehnen wir allerdings ab. Das wird auch so bleiben, denn wir haben gute Gründe dafür.

1. Ja, das Pastafaritum kennt keine Dogmen, aber keine Dogmen zu haben, bedeutet nicht, keine Regeln zu haben. Da gibt es vor allem drei Punkte, die wir für wichtig und unbedingt erhaltenswert ansehen, das Prinzip Pastfaritum = Piratentum,  die 8 ALWM´s und die Pflicht zum Zweifel. 

Was heraus kommt, wenn man das eher locker sieht, zeigt sehr schön die bekannte, aber völlig unsinnige Losung "ES kochte für unsere Sünden". 
Was für ein Blödsinn, der ganz klar zeigt, es funktioniert eben nicht, christliche Standards einfach zu übertragen. 

Sünden sind Verstöße gegen göttliche Gebote. Die gibt es bei uns gar nicht, also auch keine Sünden. Mal völlig davon abgesehen, dass dieses alberne Konstrukt überhaupt nur Sinn macht bei einem schizophrenen Gott. Nur wenn die Bewusstseinsspaltung mindestens zwei in eins erzeugt hat, kann ja eins geopfert werden, damit das andere zufrieden ist. 

Bei uns braucht niemand gekocht zu werden, ES ganz gewiss nicht. ES ist der Schöpfer, der von Anfang an so war.

2. Philosophisch gesehen ist das Nudelsieb ein Antisymbol, ein Symbol gegen Kirchenprivilegien. 

Durch diese Anti-Rolle des Nudelsiebes beschränkt dieses das Pastafaritum zu sehr in eine Richtung und macht es beliebig. Es verspottet nur, aber bietet keine Alternative. Wir wollen positiv wirken. Wir bieten die 8 ALWM´s und die 10 Angebote des evolutionären Humanismus als Entwurf einer eigenen Ethik. Das käme mit dem Nudelsieb unter die Räder.

3. Die rechtliche Situation in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, spricht klar für piratige Kopfbedeckung, Dreispitz, Bandana, Tuch u.ä. Wenn man ein Foto mit religiöser bzw. weltanschaulicher Kopfbedeckung auf Ausweis oder Fahrerlaubnis durchsetzen kann, braucht es drei Voraussetzungen. Die erste ist die Anerkennung der Religion/Weltanschauungsgemeinschaft. Das allein reicht aber noch nicht. Weitere Voraussetzung ist, dass man sich zum Tragen der Kopfbedeckung persönlich verpflichtet fühlt. Als Nachweis zählt hier, dass man sie auch wirklich ständig trägt. Möchte ernsthaft jemand immer mit Nudelsieb rumlaufen?
Dritte und letzte Voraussetzung ist, dass sich diese Pflicht auch aus den religiösen Schriften ableiten lässt. In Holland bei Mienke ist es gar nicht erst bis zu dieser dritten Voraussetzung gekommen. Da war schon bei der ersten Schluss. In Canada aber war das anders. Da musste jemand seinen vorläufigen Führerschein mit Nudelsieb wieder abgeben, weil er eben diese Pflicht nicht nachweisen konnte. Mit Dreispitz oder Tuch wäre das nicht passiert, was das Beispiel von Isabelle zeigt.

Na, und ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal ist unsere konsequente Haltung schließlich auch.
Wir werden also weiter dabei bleiben, wir werden aber auch weiter die Almisten als unsere Brüder und Schwestern sehen, die nur auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel auf einen kleinen Abweg gekommen sind.




13.10.2018

Das Wort zum Freitag - Am Samstag

Heute mal etwas weiter aus der Reihe und aus dem Märchenbuch des "Jetzt nicht wirklich oder?!".


Doch Blicken wir nun in die Niederlande, seit August habe ich dieses Thema für ein Wort zum Freitag reserviert, aber immer kam etwas aktuelles dazwischen, immer kamen drängendere Sachen. Die folgende Pastafarianerin hat sich mal wieder in die hohe See der Gerichtsbarkeit begeben, so möchte ich euch den Seemannsgarn dazu spinnen.

Photograph: Piroschka van de Wouw/EPA
Photograph: Piroschka van de Wouw/EPA

Mienke de Wilde ist Pastafarianerin und hat in ihrem Heimatland, wie auch viele anderen in ihren eigenen, versucht ein Passbild mit Nudelsieb einzureichen.

Sie ist damit jedoch an den höchsten Stellen der Niederlande gescheitert, da es ja keine Pflicht in unserer Religion gibt ein Nudelsieb zu tragen. Nun möchte sie mit ihrem Fall vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen und für ihre Rechte kämpfen.

Vor dem Trubel wollte sie eigentlich einmal unsere Kirche besuchen, wollte wohl ein Bier bei Bruder Spaghettus trinken. Als dieser ihre jedoch sagte, dass er in seinen heiligen Hallen eigentlich keine Nudelsiebhüte duldet und eine Ausnahme machen würde war das plötzlich alles vom Tisch.



Was soll man da nur sagen? Die Niederlande haben recht, kein Nudelsieb soll dein Haupt zieren, klar, wir sollen keine Dogmen haben, deshalb gibt es ja auch Ausnahmen für unsere lieben Almisten (Nico Alm, der mit dem ersten Nudelsiebführerschein). Doch trotzdem sind das nur Ausnahmen und wenn man eine Pastafarianische Kopfbedeckung will, dann bitte schön einen Piratenhut, alleine schon des Klimas wegen. (Apropos, es ist Mitte Oktober und sommerlich warm...)

04.10.2018

Das Wort zum Freitag - Kirche in der DDR




Da war er wieder, der große Feiertag. Sieben Solisten und drei Bands wurden zur großen Party in Berlin auf die Bühne gestellt, aus dem Osten war keine dabei. Vielleicht lag es daran, dass viel weniger Publikum kam als geplant.


Tja, der Osten. Das ist nicht etwa der Teil Deutschlands, der sich Dank des Mutes und der Kraft seiner Bürger beispielhaft und unblutig eines aufgezwungenen Systems entledigt hat. Es ist vielmehr der Fleck Erde, der nur Dank der Kirche, speziell der evangelischen, befreit und Teil der BRD wurde. So jedenfalls, wenn man kirchlichen Selbstdarstellungen glaubt. Tatsächlich hört man, selbst in atheistischen Kreisen, neben „Aber die Kirchen tun doch so viel Gutes“ fast genau so oft „Der Kirche haben wir die Wende zu verdanken“.

Was ist dran an der Behauptung?
Ich mache es mir nun mal einfach und stelle hier meinen leicht angepassten Beitrag aus einem Forum ein, in dem die Kirche in der DDR diskutiert wurde. Deshalb werden am Rande auch noch andere Aspekte erwähnt:
Eine selbstverfasste und beim Hochschulfasching an der IHS Dresden vorgetragene Büttenrede hatte mich in die Oppositionsecke geschoben. Wo man hin geschoben wird, richtet man sich oft ein. Bei mir hat es am Ende zu 800 Seiten Stasiakte, 11 gegen mich eingesetzten IM´s und zwei operativen Vorgängen mit dem Ziel, die Gruppe um mich zu zerschlagen und mich zu vereinzeln, geführt. Angefangen hat es damit, dass ich in der Tramperszene bekannt wurde. Ich habe Hausabende veranstaltet, Kabarett gemacht und mehrere Jahre politische Faschingsprogramme im „Bärenzwinger“ geschrieben und aufgeführt. 
Irgendwann bin ich auch in der Weinbergkirche, der angesagten Jugendkirche Dresdens, gelandet, habe mir „Schwerter zu Pflugscharen“ auf die Sachen genäht und ChristophWonneberger kennen gelernt, den ich bis heute verehre. Auch in der JG Mitte in Jena war ich mehrmals und von dort aus beim beeindruckenden Pfarrer WalterSchilling in Braunsdorf.
Zunächst führte das zu einem leichten Faible für die (evangelische) Kirche. Das hat sich schnell gelegt, je mehr Einblick ich bekam. Letztlich fand ich, SED und Kirche sind ziemlich gleich, beide missbrauchen eine an sich gute Idee zum Machterhalt.(Das mit den guten Ideen sehe ich heute anders). Ich habe schnell erkannt, diese Pfarrer haben auf eigenes Risiko gehandelt und sind dafür von ihren Vorgesetzten nicht gelobt, sondern gemaßregelt worden. Viel zu dieser Erkenntnis beigetragen haben Gespräche mit dem Sohn eines Pfarrers, mit dem ich enger befreundet war.

Aus diesen meinen Erfahrungen heraus kann ich bestätigen, es hat in der späteren DDR keine Verfolgung von Christen auf Grund ihres Glaubens gegeben. Auch früher war es in der Regel nicht der Glaube selbst, sondern etwas, das auch bei Nichtchristen so eingetroffen wäre. Wenn man z.B. als Pfarrerskind nicht gleich einen Studienplatz bekam, hatte das nichts mit dem Glauben zu tun. Pfarrer zählten zu den Intelligenzlern und es gab genaue Festlegungen, wie viel Arbeiter- und wie viel Intelligenzlerkinder pro Jahrgang und Studienrichtung angenommen werden.
War der Intelligenzleranteil voll, musst man ggf. warten oder es dort versuchen, wo er das nicht war.

Ebenfalls zustimmen kann ich bei der Einschätzung, dass die Entchristlichung der DDR eine Folge der konsequenten Verbannung der Religion in den Privatbereich war und keine Folge von Repressionen gegen die Kirche. Die hatte mehr Freiräume als jede andere Gruppierung in der DDR und im Übrigen das gemacht, was Kirche immer tut, sich mit den Herrschenden arrangiert. Schließlich flossen ja auch in der DDR Mittel aus dem Staats- in das Kirchensäckel, wenn auch längst nicht in den astronomischen Höhen wie in der BRD.

Die Politik der DDR hat keine andere absolutistische Lehre in der Gesellschaft geduldet. Die christliche Lehre war rein in das Private gedrängt und gesellschaftlich wirkungslos. Es gibt immer eine Menge unterschiedlicher Ideologien in einer Gesellschaft, es gab auch Nazis und sogar Monarchisten bei uns. Entscheidend ist aber, ob die gesellschaftlich wirken oder nicht. Das Christentum hatte dazu keine Chance.

Kirche im Sozialismus entsprach dem offiziellen Selbstverständnis der Kirche. Es war kein Versuch, Einmischung des Staates zu verhindern. Die gab es trotzdem immer wieder, man hat lediglich versucht, das nicht auf dem Weg des Verbotes tun zu müssen, sondern durch folgsame Kirchenfunktionäre im Gespräch mit dem Kirchenstaatssekretär oder Führungsoffizier. Da gab es mehr als genug Kontakte zur Stasi und Pfarrer als IM´s. Als Nachweis für diese Einmischung nehme ich Brüsewitz. Auch wenn bei seiner Selbstverbrennung persönliche Ursachen und Unzufriedenheit mit dem Verhalten der Kirchenführung mit eine Rolle spielten, seine eigene Begründung war die fehlende Freiheit für die Kirchen. Bezeichnend, dass höchste Kirchenvertreter sich nicht zuerst um dessen Familie kümmerten, sondern zunächst große Sorge trugen, der Brüsewitz könnte das gute Verhältnis zur SED getrübt haben.
Jahre später, nachdem sich inzwischen auch noch Pfarrer Günther in Falkenstein am Ende des Gottesdienstes vor seiner Gemeinde verbrannt hatte, kam es dann tatsächlich zu Gesprächen zwischen Staat und Kirche, die bestimmte kirchliche Freiheiten auch vertraglich geregelt haben. Weil Günthers Fanal aber ganz klar gegen Fundamentalisten in seinem Bereich gerichtet war, wurde dieser Akt von der Kirche unter den Tisch gekehrt und kaum jemand hat überhaupt davon erfahren. Brüsewitz hingegen wurde im Nachherein als erster Motor der Wende dargestellt.

Damit beginnt die ganz große Lüge. Die Kirche hat sich immer zu den Interessen des Staates bekannt. Kritik kam höchstens in kleinen Einzelheiten.
Es waren nie die Kirche selbst, sondern immer nur einzelne Pfarrer, die sich oppositionell zeigten. Diese Pfarrer, die damals gescholten, gemaßregelt, behindert und sogar abgesetzt wurden, dienen nun zum Nachweis einer angeblich oppositionellen Kirche. Was für eine Lüge!

Das beste Bespiel dafür ist Pfarrer Christoph Wonneberger. Als er von Dresden nach Leipzig versetzt wurde, hat er auch dort Friedenskreise aufgebaut bzw. übernommen. Wie nicht anders zu erwarten, wurde er mehrmals aufgefordert, das zu unterlassen. Beim offiziellen Kirchentag in Leipzig wurde ihm und seiner Gruppe sogar die Teilnahme verweigert. Als all das nicht half, wurde er letztlich abserviert. Der linientreue Pfarrer Führer bekam den Hut auf. Womit die Kirchenbonzen nicht gerechnet hatten, war der Protest der Friedenskreise. Die wollten Christoph zurück. Letztlich bleib der Kirche nichts, als dem zu folgen. Pfarrer Führer, der Name spricht für sich, blieb jedoch der Oberboss mit dem klaren Auftrag, die Politisierung der Montagsgebete zu verhindern. Das hat er folgsam mit allen Mitteln, wenn auch erfolglos, versucht.

Ausgerechnet dieser Pfarrer Führer und Superindendent Magirius, der versucht hatte, die Oppositionellen aus der Kirche zu vertreiben, wurden nach der Wende aber von der Kirche und den Medien zu den Helden von Leipzig hochgejubelt. Christoph Wonneberger hatte gerade da einen Schlaganfall und konnte sich nicht wehren. Deshalb bekamen auch diese beiden all die Ehren, Medaillen und Orden, die eigentlich ihm zugestanden hätten.

Es hat der Kirche zweifellos gepasst, wenn nun kirchenlinientreue Typen so geehrt wurden. Nur dadurch war es möglich, die Legende „Ohne Kirche keine Wende“ zu stricken. Wäre wirklich Wonneberger Hauptperson geworden, hätte man nicht verschweigen können, wie man vorher mit ihm umgegangen ist. Es wäre klar geworden, die Kirchenlinie war alles andere als Opposition.


Bitte helft überall, diese Geschichtsfälschung aufzuklären. Die Kirche darf damit nicht durchkommen, alles andere wäre schreiende Ungerechtigkeit.

Begriffe:

IHS - Ingenieurhochschule
IM - Informeller Mitarbeiter,  "ehrenamtlicher" Stasispitzel 

 JG - Junge Gemeinde
SED - Sozialistische Einheitspartei Deutschlands
DDR - Deutsche Demokratische Republik