31.05.2018

Das Wort zum Freitag - Ketzertagspredigt

Übergabe des Hutes
Eigentlich wollte ich heute über etwas ganz anderes schreiben. Darüber z.B., dass wir seit letztem Sonnabend einen neuen Vorstand haben.
Erik Eliche ist jetzt Vorsitzender, der falsche Prophet Stellvertreter und Tini Tortelini ist Schatzmeister.

Oder darüber, wie fleißig wir in Templin immer unsere Nudelmessenhinweisschilder putzen und als Dank an die Stadt gleich deren Städtepartnerschaftsschilder mit.



Aber dann kam die Anfrage, ob ich nicht meine Ketzertagspredigt veröffentlichen könnte.
Bitte schön, hier ist sie:


Ihr seid es gewohnt, dass ich in meinen Predigten immer Themen des Tages aufgreife. Heute gibt es eine eher persönliche, denn das wird meine letzte Predigt als Vorsitzender unserer Kirche sein.

Nach 12 Jahren an der Spitze des Vereins war ein Generationenwechsel überfällig geworfen. Wir haben schon eine Weile darauf hin gearbeitet, und konnten nun Kandidaten für einen komplett neuen Vorstand nominieren.

Ein solcher Moment ist die Gelegenheit, um Rückschau zu halten. Die fällt ganz kurz aus: es ging ständig bergauf. Man braucht nicht mehr erklären, wer wir sind. Als Teil der säkularen Gemeinschaft sind wir Mitglied im Förderkreis der gbs, hatten mehrere Veranstaltungen mit dem Bund für Geistesfreiheit und haben auch schon beim Jahrestreffen des IBKA eine Nudelmesse gehalten.

Unsere Aktionen mit den Nudelmessenhinweisschildern haben uns weltweit bekannt gemacht und sogar auf den Atlas der 11000 ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten der Welt gebracht.
Da kann man schon zufrieden sein.

Ein solcher Moment ist aber auch Gelegenheit, um allen zu danken, die das ermöglicht haben. Ich habe in den Jahren viele tolle Menschen kennen gelernt und mit einigen sogar Freundschaft geschlossen. Nennen möchte ich niemand, einfach aus Angst, jemand zu vergessen.
Nur eine Ausnahme möchte ich machen: Elli Spirelli.

Insider wissen schon lange, wie wichtig sie für unsere Kirche ist. Vieles geht auf sie zurück. Sie hat das Nudelholz als Gebetsholz erfunden, das Zeremonienschwert kreiert, den Monstergruß geschaffen und vieles mehr. Sie hat mich angestupst, wenn ich mal nicht so richtig in die Spur kam, kurz, ohne sie würde der Verein anders aussehen.


Ein solcher Moment ist aber auch eine Gelegenheit, um Fehler offen einzugestehen. Hier meine drei größten:


1. Spiritualität gibt es nicht

Einer meiner ganz großen Irrtümer. Das habe ich erkannt, als ich festgestellte, nicht nur Abergläubige, sondern auch Humanisten sind neuerdings sicher, die zu haben. Da gingen mir die Augen auf. Wenn so entgegengesetzte Positionen meinen, sich in einem Punkt zu treffen, dann muss es wirklich etwas Gemeinsames geben. Wenn es etwas Gemeinsames gibt, muss es das natürlich auch wirklich geben, keine Frage. Ich habe auch herausgefunden, was diese Gemeinsamkeit ist: die Beliebigkeit. Spiritualität ist ein Schwurbelbegriff, in den jeder einfach packen kann, was er möchte. Was so beliebig ist, existiert auch irgendwie.

Aber wo kommt diese Spiritualität her? Nicht wenige behaupten, die sei angeboren. Deshalb käme sie auch bei Atheisten vor.

Da könnte was dran sein. Allerdings reden Westatheisten ganz deutlich mehr davon, als Ostatheisten. Westatheisten waren in der Regel wenigstens als Kind abergläubisch. Auf jeden Fall sind sie in einer abergläubischen Umwelt aufgewachsen. Könnte man da nicht auch vermuten, Spiritualität wäre einfach anerzogen?

Die ARD ließ für ihre „Themenwoche Glauben“, in der unsere Kirche übrigens mit fünf verschiedenen Beiträgen vertreten war, ein Dosier „Land ohne Glauben“ anfertigen. Es ist wirklich sehr interessant, zu lesen, was da über den Osten der Republik berichtet wird, auch über dessen Spiritualität:

"Die Bindung an eine Kirche muss nicht zwangsläufig mit Spiritualität und bestimmten Glaubensvorstellungen einhergehen. Stellt man jedoch im Osten und im Westen die Frage nach der grundsätzlichen Wichtigkeit des Glaubens, halten es beide Seiten sehr unterschiedlich mit der Religion und mit persönlichen Fragen des Glaubens. So sagen zwei Drittel aller Ostdeutschen, dass ihnen Religion und Kirche nicht wichtig sind, im Westen nur ein Drittel.

Dieser Unterschied ist zwischen Ost- und Westdeutschen seit der
Wiedervereinigung etwa konstant geblieben. Die Wichtigkeit von Kirche und Religion ist auf beiden Seiten gleichmäßig zurückgegangen. Die Unterschiede zeigen sich auch, wenn Ostdeutsche und Westdeutsche ihre Religiosität
selbst einschätzen sollen. Im Osten halten sich zwei Drittel nicht für religiös, im Westen wieder nur ein Drittel.

Bei der Einschätzung der eigenen Spiritualität ist dieser Unterschied
weniger stark ausgeprägt, wobei sich die Ostdeutschen auch hier seltener für spirituell halten. Sie haben aber auch weniger spirituelle Erfahrungen.

Das deutet darauf hin, dass ein bestimmtes religiöses/spirituelles Umfeld erst zu Religiosität/Spiritualität führt, sich die Dinge gewissermaßen gegenseitig bedingen."

So groß scheint mein Fehler in der Sache dann wohl doch nicht gewesen zu sein.



2. Weltanschauung und Religion sind Gegensätze

Bei dem zweiten ist das anders. Weltanschauung und Religion waren für mich immer Gegensätze. Das sehe ich inzwischen völlig anders. Religion ist nur eine Sonderform der Weltanschauung. Um zu dem Ergebnis zu kommen reicht es, unter der großen Überschrift „Weltanschauung“ einfach zwei Kategorien anzulegen: theistische und atheistische Weltanschauungen. Unter die eine kommen dann alle mit Göttern, unter die andere alle ohne. Die hat es schon immer gegeben, angefangen von frühen östlichen Formen wie dem Janismus, dem Buddhismus und Daoismus über westliche, wie den Sophismus, den Epikurismus und die Stoa bis zum heutigen evolutionären Humanismus.

Ändern wir also einfach die Systematik. Das hätte zwei große Vorteile. Einmal würde noch klarer, Atheismus ist, genau wie Theismus,  lediglich eine Kategorie und keine eigene Weltanschauung und zweitens bräuchten wir in allen Gesetzen Religion nur durch Weltanschauung ersetzen und hätten so eine umfassende Gleichstellung.


3. Humanisten sind automatisch für eine Trennung von Kirche und Staat

Meinen dritten großen Fehler habe ich zuletzt erkannt. Ich war immer der Meinung, Humanist zu sein bedeutet auch, für einen weltanschaulich neutralen Staat zu sein. Ohne diesen ist es nicht möglich, eine offene Gesellschaft wie wir sie teilweise schon haben, zu erreichen und zu erhalten.
Der weltanschaulich neutrale Staat, so dachte ich, muss deshalb oberstes Ziel sein. In einem solchen Staat darf es keine weltanschaulichen Privilegien  geben, weder theistische noch atheistische.

Irgendwie stimmen dem auch fast alle Humanisten zu. Aber manche ihrer Organisationen wollen doch, um gleichberechtigt zu sein, Kirchenprivilegien auch für sich nutzen. Irgendwie machen wir das ja auch, wenn wir für eine Kopfbedeckung im Ausweis oder Nudelmessenhinweisschilder am Straßenrand kämpfen. Aber uns ist klar, auf dem Weg „Privilegien für alle“ lässt sich niemals wahre Gleichberechtigung erreichen. Wir wollen die deshalb nur, um zu zeigen, wie absurd sie sind.

Andere machen das um des wirtschaftlichen Vorteils willen und betonen, natürlich nur so lange, wie auch die Kirchen noch vom Staat alimentiert werden. Das ist zunächst verständlich, aber letztlich nur glaubhaft, wenn man sich nicht von diesen wirtschaftlichen Vorteilen abhängig macht und  nicht etwas aufbaut, was sich ohne sie nicht mehr halten lässt.

Wer abhängig geworden ist, wird sich irgendwann für die Beibehaltung der Privilegien stark machen. Es ist kein schönes Bild, dass ich da vor mir sehe: Kirchen und ein Teil der Humanisten gegen den Rest der Humanisten.

Aber ich bin ein alter Mann und verstehe vielleicht einfach die heutige Welt nicht mehr. Deshalb bin ich froh, dass in unserer Kirche nun der Generationenwechsel vollzogen wird. Mit neuen Kräften und mit neuen Ideen werden wir weiter die alten Ziele verfolgen.

Wir werden weiter zeigen, wie schädlich sich Religion auf die Gesellschaft auswirkt, wir werden ihr weiter den Respekt nehmen, den
manche ihr noch zubilligen, wir werden weiter konsequent für die Trennung von Staat und Weltanschauung eintreten, wir werden weiter den evolutionären Humanismus verbreiten und wir werden das weiter mit großer Fröhlichkeit, Spaß und Lust am Feiern tun.

Und wer von euch dabei sein möchte, ist herzlich eingeladen.

24.05.2018

Das Wort zum Freitag - Ketzertag 2


Zwei Wochen ist es nun her, dass wir am Ketzertag in Münster teilnahmen. Bruder Spaghettus berichtete ja schon unter erschwerten Bedingungen darüber, denn nach einem Blitzschlag waren wir mehr oder weniger vom Netz abgeschnitten.

Nun bleibt nicht mehr viel zu sagen. Die brandaktuelle Berichterstattung ist durch und ich hoffe, ihr habt alles verfolgen können. Einen Zeitungsbericht, der etwas unter gegangen ist, gibt es noch zu erwähnen und ein Video, das Münster Tube erst vor kurzem veröffentlicht hat.


Mir bleibt die schöne Erinnerung und die Dankbarkeit, was so ein kleiner Haufen Ketzer doch zu ermöglichen vermochte. Davon aber genug.

Heute möchte ich euch an meinen Erlebnissen mit den Katholiken teilhaben lassen, denn wie immer stürzten wir uns auch diesmal ins Getümmel, um Eindrücke vom Katholikentag zu gewinnen, der in diesem Jahr unter dem Motto „Suche Frieden“ stand.



Der aufgeschlossene Mitbürger


Ihn fanden wir am gut besuchten Info-Stand der Ketzer. Die Zustimmung der Passanten, die im Vorbeigehen anerkennende Worte fanden oder sich am Stand Informationsmaterial abholten und Zuspruch für unsere Aktion verlauten ließen, war erstaunlich.


Der diskussionsfreudige Katholik 


Ketzer Spaghettus lief mit unserem Banner auf den Dom zu. 
Immer wieder wurde er von Christen angesprochen und in Gespräche verwickelt. Besonders junge Christen zeigten sich aufgeschlossen. Aber wo viel Licht ist, ist auch Schatten und uns begegnete

Der Streit suchende Katholik

Scheinbar harmlos begann er mir mitzuteilen, dass er vermute, ich hätte ihn fotografiert. Er verlangte, dass ich diese Fotos löschen möge. Ich sah auf meinem Handy nach und fand nur ein Foto, auf dem er vielleicht zu sehen war. Bereitwillig zeigte ich es ihm und auch er war sich nicht sicher. Verwundert bemerkte ich, dass er enttäuscht darüber zu sein schien, sich nicht auf meinen Fotos wiederzufinden. Bald wurde es mir allerdings klar. Mit mir konnte er sich nicht anlegen, nun war Bruder Spaghettus dran, der sich gerade im Gespräch mit einer kleinen Gruppe junger Christen befand. Er fing sofort an, sich einzumischen und geschmacklose Beleidigungen auszusprechen. Dieser verirrte „Christ“ hatte wohl das Motto „ Suche Frieden“ mit dem Motto des Ketzertages „Suche Streit“ verwechselt und nicht verstanden, dass es uns Ketzern um Streitkultur und nicht Krawall ging. Aber moderne Piraten können mit Worten viel besser als mit Säbeln kämpfen und so zog der Krawallbruder bald geschlagen ab. Bierelujah!

Die niedliche Christin

Abends an einer Fußgängerampel glaubte ich meinen Ohren nicht trauen zu dürfen. Vor mir stand eine junge Frau, geschmückt mit Knicklichtern im Haar. Aus piepsiger Stimme drang ein zartes „Hallelujah“ an mein Ohr. Eine kleine Gruppe, die zu den auf „Grün“ Wartenden stieß, nahm das auf und stimmte ein. Fast hätte ich mit einem „Bierelujah“ geantwortet, aber im Gegensatz zu den Singenden wurde ich keiner Gehirnwäsche unterzogen und so genoss ich einfach den Moment, denn das kann man wohl nur an Kirchentagen erleben und das auch nicht immer.


Der fotogene Pirat


Unser wilde Haufen wächst ja bekanntlich immer mehr. So fanden sich Piraten von Bayern über den Ruhrpott bis Osnabrück an, um sich ins Getümmel zu stürzen. Wir trafen uns zufällig am Bierstand, sie schnappten unser Banner und zogen los, um Flyer zu verteilen und mit Ungläubigen ins Gespräch zu kommen. Sie hatten sichtlich Spaß und wurden am Ende mehr abgelichtet, als alles andere. So fängt es immer an. Erst finden die Christen Gefallen an stattlichen Piraten und dann am einzig wahren Glauben, dem Pastafaritum.


Ramen


PS. Wie ihr merkt, fehlen uns hier ein paar Bilder. Wer von euch noch welche hat, wir würden uns sehr freuen, wenn ihr die schickt: info@pastafari.eu

Ergänzung: Die ersten Bilder sind eingetroffen, siehe "Der fotogene Pirat".
Herzlichen Dank an Bruder Cannellonus!

18.05.2018

Das Wort zum Freitag - Ketzertag




Der Ketzertag ist tot, es lebe der Ketzertag!

Ein Fest der Säkularen inmitten der mit Steuergeldern tüchtig aufgeblasenen Feierlichkeiten, der größten Sekte der Welt. 


Im Gegensatz zum Katholikentag bekam der Ketzertag nicht einen müden Euro öffentliche Förderung. Trotzdem war es Daniela Wakonigg gelungen, ein anspruchsvolle kleine Veranstaltungsreihe zu organisieren. Der Zustrom war zu allen Veranstaltungen so groß, dass die Plätze nicht reichten. Schnell wurde ein Livestream eingerichtet. So konnten nicht nur die Besucher, die nicht mehr in den Veranstaltungssaal kamen, alles im großen Vorraum mitverfolgen, sondern auch die, die es nicht nach Münster geschafft hatten. Wir hatten die Ehre, den Abschlussgottesdienst zu halten. 


Zuvor waren wir aber schon tüchtig in der Stadt unterwegs. Mehrere Stunden hielten wir unser Banner inmitten der Ungläubigen hoch. Es gab richtig tolle Diskussionen, und einen Hardcorechristen, der uns beschimpfte, konnten wir gut als Beispiel christlicher Nächstenliebe vermarkten. 



Am Nachmittag ging es zum Bahnhof. Den hatte doch tatsächlich ein Bischof mit „geweiht“. 
Das konnte wir so nicht stehen lassen. In einer Prozession von rund 50 Leuten wedelten wir mit heiligem Nudelwasser die Flüche dieses Sektierers wieder weg. Das Monster war ganz augenscheinlich mit uns. Als der Sicherheitsdienst uns nicht in den Bahnhof lassen wollte, schenkte ES dem dann doch noch die Einsicht, was die Zeugen Jehovas dürfen, muss auch uns gewährt werden. 

Danach trafen wir uns mit anderen Pastafari, die bis aus Bayern nach Münster zur Messe gekommen waren. Während Elli S. Und ich uns erst mal im Hotelzimmer erholten, hielten die unser Banner unter den Ungläubigen hoch. Sie waren begeistert, wie oft sie fotografiert und angesprochen wurden. Flyer und Button wurden reichlich verteilt.

Dann war es so weit. Nach einem sehenswerten Vortrag „Das Fliegende Spaghettimonster – Religion oder Religionsparodie“ kamen wir auf die Bühne. 
Es war eine ergreifende Messe, was auf dem Video leider nicht so richtig rüber kommt. Leider gab es für den Livestream kein Raummikrofon das die tolle Atmosphäre wiedergeben konnte. Vor allem bei meinem „Gesang“ hätte das gute Dienste geleistet. Der war glücklicher Weise, im Saal als Einzelstimme nicht zu hören.

Es war ein ringsherum tolles Erlebnis, auch wenn wir am Ende des Tages mehr als müde waren. 
Dieser Ketzertag sollte unbedingt wiederholt werden. 

10.05.2018

Das Wort zum Freitag - Religiöse Zweifel



Als ich noch jung war, genoss ich die Gemeinschaft in streng gläubigen, wiedergeborenen, christlich evangelisch-lutherischen Gebetsvereinen. 

Ich schäme mich dafür heute nicht mehr so sehr - im Gegensatz zu meiner Vorliebe zur Kelly Family zur gleichen Zeit. Das war im Rückblick wirklich peinlich. Besonders der Tag, an dem ein guter Freund mit dem Banner „Paddy we want you“ durch die Heimatstadt zog. Aber darüber sollte ich an einer anderen Stelle schreiben.

Zumindest machte ich meine Erfahrungen mit sowas wie Sekten (auch hier wäre erneut ein Hinweis auf die Kelly Family angebracht). 
Das Erbaulichste in den Stunden der Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern war der Lobpreis und natürlich das private Bekenntnis. 

Zurückblickend finde ich den folgenden Zusammenhang besonders erwähnenswert: Jeder Gläubige kennt ein bis fünftausend Geschichten über jemanden oder sich selbst, in denen es darum geht, dass man mit seinem vorigen Leben nicht klar kam, bis man dann endlich zum richtigen Glauben kam. 
So war es zum Beispiel mit dem Agnostiker, der immer zweifelte, bis er die Liebe Gottes erfuhr. Vielleicht war manchmal auch die Partnerwahl schuld an der Misere - allerdings verlief eine jede Story in etwa gleich:

„Ich zweifelte und suchte. Dann kam jemand daher und laberte mich voll. Ganz plötzlich merkte ich, dass dieser penetrante Trottel tatsächlich die Wahrheit sagte. Dann kam der große Moment und ganz plötzlich wurde ich Christ.“


Gefolgt wurde das Bekenntnis meist von einer Runde, in der man von seinen Zweifeln am momentanen Glauben sprach. So war man z.B. nicht immer stark genug, morgens seine Bibel zu ergreifen und darin zu lesen oder das Gebet fühlte sich manchmal so an, als würde man nur gegen die Decke reden.


Dass der eine Zweifel ganz großartig ist, da er zum richtigen Glauben führt, während der zweite Zweifel vom Teufel geschickt wird, mutete niemand komisch an. Zweifel ist natürlich niemals gleich Zweifel, das wäre zu trivial.


Jetzt, da mich das FSM mit Seinen nudligen Anhängseln berührt hat, merke ich, dass der Zweifel der gleiche ist. Das ist gut so, denn das FSM liebt den Zweifel. Zweifeln schützt uns vor dem ganzen anderen Blödsinn da draußen. Zweifeln macht stark und ist gleichzeitig Dienst an IHM.

Brüder und Schwestern, das ist unsere Stärke: Der feste Glaube an ES und gleichzeitig der Zweifel an seiner Existenz. 

RAMEN



Ein Gastbeitrag von Dr. SAC

03.05.2018

Das Wort zum Freitag - Wer kommt in den Himmel?



Für uns Pastafari völlig klar: Alle, selbst die Ungläubigen, landen dereinst an Biervulkan und Stripperfabrik. Manche halt lediglich in der zweiten Klasse, wo das Bier eher schal und die Stripperfabrik nicht frei von Geschlechts-krankheiten ist. Na ja, ein kleines bisschen Unterschied muss halt auch in der nettesten Religion der Welt sein. 

Andere haben es da wesentlich schwerer. Wie unmöglich es z.B. für Christen ist, sich mit Sicherheit so zu verhalten, dass sie dereinst im ewigen Harvenorchester mitspielen dürfen, darüber habe ich gerade im Netz eine herrliche Zusammenstellung von Bergdoktor gefunden:


Allerheiligen- wer kommt in den Himmel und wer in die Hölle?

Wenn man in der heiligen Schrift Anhaltspunkte sucht, wer nun in den Himmel und wer in die Hölle kommt, wird man einfach nicht schlau. Die Bibelschreiber sind sich in dieser Frage alles andere als einig.

Nach der Johannesoffenbarung werden nur 144'000 untadelige Männer errettet, die vor allem noch niemals Sex hatten (Offb 14, 3-4): "Diese sind's, die sich mit Frauen nicht befleckt haben, denn sie sind jungfräulich."


Nach den Evangelisten Johannes und Markus reicht es zur Errettung, einfach NUR an Jesus zu glauben (Joh 3,18): "Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet." Siehe auch:

Markus 16,16
Johannes 3,16
Johannes 3,36
Johannes 5,24
Johannes 6,47
Johannes 8,24
Johannes 14,6
Apostelgeschichte 13,39
Apostelgeschichte 16,31
Epheser 2,8
2. Timotheus 3,15


Oder doch nicht? Errettet wird man doch durch Gottesfurcht und strenges Befolgen der Gesetze, schreibt Matthäus (Mt 19,17): "Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote." Siehe auch:

Prediger 12,13
Matthäus 7,21
1. Korinther 9,24


Nein! Man muss gute Werke tun, um in den Himmel zu gelangen. Johannes schrieb schließlich, dass nur jene hervorgehen werden, (Jh 5,29) "die Gutes getan haben." Auch Jakobus sagte, dass Glaube allein nicht reicht (Jak 2,24): "So seht ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerecht wird, nicht durch Glauben allein." Siehe auch:

1. Mose 4,7
Psalter 15,1
Psalter 62,13
Matthäus 16,27
Lukas 10,25
Lukas 18,22
Römer 2,6
2. Korinther 5,10
Jakobus 2,14
Jakobus 2,17
Jakobus 2,20
Jakobus 2,26


Wieder falsch! Nur die Gnade Gottes errettet uns, egal, was wir tun (Eph 2,8-9): "Denn aus Gnade seid ihr selig geworden (…) und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken." Siehe auch:

Psalter 86,13
Jesaja 43,25
Johannes 3,27
Johannes 6,44
Apostelgeschichte 15,11
Römer 3,24
Römer 6,23
Römer 9,16
Römer 11,5-6
Epheser 2,5
Titus 3,5


Oder muss man nicht einmal gut sein, um in den Himmel zu kommen? Jesus jedenfalls meinte (Mt 21,31): "Die Zöllner (Betrüger) und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr (Ungläubige)." Der Glaube an Gott reicht also. Ein guter Mensch zu sein ist nicht nötig.


Alles falsch! Nicht Glaube, nicht Werke und nicht Gnade erlösen. Wer errettet wird, das ist vorbestimmt (Prädestination). Schliesslich steht geschrieben (Eph 1,4): "Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war."Siehe auch:

Psalter 37,23
Matthäus 20,23
Matthäus 25,34
Johannes 6,44
Apostelgeschichte 2,47
Apostelgeschichte 4,28
Apostelgeschichte 17,26
Römer 8,29
2. Korinther 5,18
Titus 2,11
1. Petrus 1,20
Judas 1,4

Aber es könnte auch ganz anders sein. Es könnten auch alle Menschen errettet werden, weil Gott (1. Tim 2,6): "alle zur Erlösung" bestimmt hat (Universalismus). Dann brauchen wir überhaupt nichts zu unserer Errettung zu tun. Siehe auch:

Markus 3,28
Johannes 1,29
Johannes 12,32
Römer 5,18
Römer 11,32
1. Timotheus 4,10
1. Timotheus 15,22
1. Johannes 2,2


Was ist eigentlich mit den Millionen Menschen, die vor Jesus' Auftreten geboren und gestorben waren? Sie haben einfach Pech gehabt. (Pred 9,5): "Denn die Lebenden wissen, daß sie sterben werden, die Toten aber wissen nichts; sie haben auch keinen Lohn mehr, denn ihr Andenken ist vergessen."


Und was ist mit den Andersgläubigen? Letztere haben definitiv keine Chance, denn Gott wird (Offb 9,15) "den dritten Teil der Menschen" vernichten. (Haben wir nicht eben gelesen, dass alle (1. Tim 2,6) zur Erlösung bestimmt sind?)


Oder reicht es etwa, einfach nur Jesus' Blut zu trinken? Dann würde der Heilige Gral wirklich ewiges Leben bringen (Jh 6,54): "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken."


Wie man es auch dreht und wendet und wie man die Verse auch interpretiert, die biblischen Aussagen bleiben unklar und unverständlich. Jeder Gläubige kann sich herauspicken, was ihm zu seiner Lebensweise gerade passt. Ein alter Theologentrick: Wenn man keine konkrete Antwort anzubieten hat, überschüttet man den Fragenden mit einem ganzen Haufen Antworten. Irgendwas stimmt immer.


Erstveröffentlichung: 03.08.2012