17.01.2019

Das Wort zum Freitag - Das Recht auf unversehrte Genitalien

Rituelle Beschneidung eines Kindes durch einen muslimischen Arzt in
einem deutschen Universitätsklinikum. Es bestand keine Vorhautverengung.
Bild:  Matthias Schreiber

Irakisch-kurdische Regierung will weibliche Genitalverstümmelung vollständig abschaffen, diese gute Nachricht des hpd gab das Thema für das heutige Wort.

Ich gebe zu, erst mal war ich überrascht, dass es überhaupt eine irakisch-kurdische Regierung gibt. Dann kam die Überlegung, es geht also nur um eine Region, aber immerhin. Beim Lesen der Kommentare war dann klar, das Thema muss tiefer beleuchtet werden.

Es wurde gefordert, gegen jede Genitalverstümmelung vorzugehen und auch die männliche zu verbieten.

Wer da denkt, die ist doch harmlos, täuscht sich schwer. Es gibt verschiedene Formen der weiblichen Verstümmelung, die schwerste, die etwa 15% der Fälle betrifft, ist klar schwerwiegender. Die Mehrzahl ist aber etwa gleich schwer oder sogar harmloser als die männliche Verstümmelung. Jährlich sterben nicht nur Frauen, sondern auch Männer an "Beschneidungen", ein Begriff, der viel zu verharmlosend ist.

Es gibt einen Unterschied. Bei Männern ist es in wenigen Fällen medizinisch sinnvoll, doch einen Eingriff vorzunehmen. Einen grundsätzlichen Vorteil aus hygienischen Gründen, wie man lange in den USA vermutet hat, gibt es nicht. Immer sind die Nachteile viel größer.

Es gibt einen weiteren Unterschied. Die männliche Genitalverstümmelung kommt weltweit etwa 5 mal häufiger vor als die weibliche. Deshalb, und weil die weibliche nur vorkommt, wo es auch die männliche gibt, kann man die männliche als die ursprüngliche Form ansehen.

Was läge also näher als davon auszugehen, wer gegen genitale Körperverletzung bei Männer kämpft, bekämpft automatisch auch die weibliche?

Natürlich dürfen wir uns trotzdem immer freuen, wenn wenigstens die FGM (F
emale Genital Mutilation) bekämpft wird. Es sollte aber auch klar sein, die endgültig auszurotten ist nur möglich, wenn auch die MGM (Male Genital Mutilation) ausgerottet wird. Auch, und gerade dort, wo religiöse Gründe angeführt werden.

Nein, das bedeutet eben nicht, diese zu verbieten. Wer als Erwachsener seinem Aberglauben gemäß das schaffen möchte, was seine oberste Spukgestalt scheinbar nicht konnte, nämlich einen Penis ohne Vorhaut, kann das gern tun. Verboten werden würde lediglich, dass Eltern ihre Kinder ihrem eigenen Aberglauben opfern dürfen. Da überwiegt dann das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und auf  seine eigene Religionsfreiheit klar die Religionsfreiheit der Eltern.

Punkt. 


11.01.2019

Das Wort zum Freitag - Heimunterricht und ein neues Jahr


Ahoi aus dem verschneiten Tübingen,



Eigentlich war ein anderes Wort geplant, aber wieder einmal ist eine Nachricht dazwischen gekommen.

Heimunterricht?

Der EMGR (vor den wir ja auch ziehen) hat entschieden, dass die Schulpflicht dem Recht auf Privatleben überwiegt.
Aus meiner Sicht gerade mit Blick auf fundamentalistische Erziehung ein großer Schritt, ermöglicht es doch, dass die Kinder eine aufgeklärte, neutrale Bildung erhalten. Auch der kritische Austausch und damit das kritische Denken, die ja schon in der Vereinssatzung stehen werden gefördert.
In diesem Fall ist es so, dass die Eltern sich einer "christlichen Fernschule" bedienten. Das sehe ich besonders kritisch.
Die Ursprünge unseres Glaubens finden sich ja in der Einbringung des Kreationismus in die Schule. Für viele Eltern im Ausland ist die Alternative dazu der Heimunterricht, hier werden wissenschaftliche Lehren teilweise komplett unterschlagen. Die Vermittlung von einfachen, grundlegenden Fakten, wie der Evolution und den Werten der Aufklärung muss eine höhere Priorität haben als die Religion der Eltern.

Nun zu den eigentlichen Plänen.

Diese halte ich gewohnt kurz.
An erster Stelle steht für mich allen Lesern und besonders allen Pastafari ein gutes, erfolgreiches neues Jahr zu wünschen.
Dazu gehört, dass ich auf den diesjährigen Kunstpreis des BfG München hinweise. Link zur Ausschreibung
Wäre es nicht vorzüglich, wenn es einen pastafarianischen Beitrag, womöglich einen pastafarianischen Gewinner gäbe?
Das Format ist sehr piratenfreundlich ohne viele Regeln und es gibt einen Piratenschatz zu gewinnen, ihr könnt aber auch, wenn ihr wollt, zu diesem beitragen und ihn vergrößern.

03.01.2019

Das Wort zum Freitag - Märkische Diskriminierende Zeitung



Wie soll ich das heutige Wort beginnen? Es geht um eine Zeitung, um Leserbriefe und um eine Beschwerde an den Presserat. Alles was gesagt werden muss, ist in den entsprechenden Sachen enthalten. Deshalb stelle ich die hier einfach ohne großen weiteren Kommentar online.
Nur eine Bemerkung noch. Manche werden sagen, das bringt eh nichts. Ich sage, vielleicht nicht direkt. Aber wenn wir uns nicht wehren gegen solche Ungerechtigkeiten, werden die zunehmen. Da hilft nur eins, laut werden, wenn wir auf welche stoßen, egal für wie groß oder klein, wichtig oder nichtig andere sie halten mögen. Macht auch ihr mit.

Beschwerde an den Presserat


Sehr geehrte Damen und Herren,

am 08.12. veröffentlichte die MAZ einen Leserbrief von Peter Linke zum Artikel „Säkular heißt nicht gottlos“ vom 03. Dezember. Er betonte die Wichtigkeit der Säkularisierung und kritisierte die jetzige Verankerung des Gottesbezuges im Grundgesetz sowie das Anbringen religiöser Symbole in staatlichen Behörden als anachronistisch und forderte dort eine Korrektur.

Ausschließlich auf diesen Leserbrief und nicht auf den Artikel selbst, antwortete Pfarrer Anselm Babin aus Netzen. Sein Brief beginnt: „Dem Leser P. Linke, der offenbar panische Angst vor der Machtübernahme radikaler Christen in Deutschland hat, ins Stammbuch:......“ und endet „Was plagt den Mann eigentlich? Zumindest sollte man sich informieren, ehe man die Leserschaft alle paar Wochen mit Äußerungen zum Thema beglückt, die schon stellenweise hart ans Paranoide grenzen.“


Diesen rein persönlichen Angriff fand ich empörend und verfasste einen entsprechenden Leserbrief, in welchem ich den Stil des Pfarrers kopierte. Mit einem Anruf des Leserbriefredakteurs der MAZ hätte ich nicht gerechnet. Der teilte mir mit, mein Brief würde am 29. Dezember veröffentlicht werden, nur der letzte Abschnitt müsse aus Platzgründen weg fallen. Ich war begeistert, solcher Service dürfte nicht selbstverständlich sein. Beim nächsten Anruf änderte sich das. Die Chefredaktion hat die Veröffentlichung abgelehnt. Die Begründung konnte ich nicht nur akzeptieren, ich fand die sogar sehr vernünftig: Leserbriefe müssen sich auf den Artikel beziehen, nicht auf andere Leserbriefe.

Aber warum galt das nicht schon beim Brief von Anselm Babin? Hier hatten sowohl Leserbrief- als auch Chefredaktion keine Bedenken. Lag es daran, dass er Pfarrer ist?

Das ist nicht auszuschließen.

Die Chefredaktion wird sicher nicht jeden Leserbrief bestätigen, sonst könnte der Leserbriefredakteur gleich eingespart werden. Der wird also nur bestimmte Briefe zur Bestätigung vorlegen. Was sind die Kriterien dafür? Es liegt nahe zu vermuten, Religion/Kirche ist eins.

Dann liegt weiterhin nahe, die Ablehnung meines Leserbriefes erfolgte nicht aus den oben angegebenen Gründen, sondern aus weltanschaulichen und ist somit Diskriminierung. Natürlich kann man es auch umgekehrt sehen. Ich wurde richtig behandelt und der Pfarrer privilegiert indem sein Brief veröffentlicht wurde, obwohl er nicht den Richtlinien der MAZ entsprach. Aber auch das wäre Diskriminierung.


Ich möchte Sie deshalb bitten, die Arbeit der Chefredaktion der MAZ im Bereich Leserbriefe zu ergründen und ggf. zu reagieren. Über eine entsprechende Information würde ich mich sehr freuen.


Mit freundlichen Grüßen


Rüdiger Weida


Anhang

Artikel „Säkular heißt nicht gottlos“
Leserbrief Peter Linke
Leserbrief Pfarrer Anselm Babin

nicht veröffentlichter Leserbrief Rüdiger Weida

Dem Pfarrer Anselm Babin, der offenbar panische Angst vor der Vollendung des Säkularismus in Deutschland hat, ins Stammbuch geschrieben: Kirche und Staat sind in Deutschland noch viel zu sehr überlappt, um von einem wirklich säkularen Staat sprechen zu können. Solche „Überlappungen“ ergeben sich nicht aus praktischen Gründen, sondern sind Folge erfolgreicher Lobbyarbeit der Kirchen. Pfarrer Babin würde sich wundern, was passieren würde, wenn sich die Kirchen aus allen außerkirchlichen Verantwortungsbereichen zurück ziehen würden. Caritas und Diakonie geben jeweils nicht einmal 2% an Eigenmitteln für die Arbeit ihrer Sozialkonzerne aus. Andere Träger würden über solch paradiesische Zustände jubeln und gern übernehmen. Die Kirchen hätten dann allerdings ihre letzte Möglichkeit verloren, den Menschen noch die Notwendigkeit ihres Erhalts in der jetzigen Form erklären zu können. Sie könnten locker dem Vereinsrecht unterstellt werden. Natürlich nicht als Kaninchenzüchterverein, aber Traditions- oder Trachtenverein passen durchaus.

Was plagt den Herrn Pfarrer eigentlich, wenn er als Ende seines Leserbriefes eine klare Beleidigung und Herabwürdigung des Verfassers eines anderen Leserbriefes wählt? Möchte er der Leserschaft klar machen, was man sich allgemein hin als christliche Nächstenliebe vorzustellen hat?


Ebenso bleibt mir ein Rätsel, wieso die MAZ den Teil des Pfarrerbriefes nicht gestrichen hat, in dem Pfarrer Babin seinen Widerpart als grenzparanoid erklärt. Eine klare Beleidigung, die schon justiziabel ist und eher was für den Boulevard wäre.



Email zur Ablehnung des Leserbriefes an die MAZ


Hallo Herr Specht,


inzwischen hat sich mein erster Ärger über die Ablehnung meines Leserbriefes durch die Chefredaktion etwas gelegt. Die Gedanken werden wieder lockerer und damit auch der Umgang mit dieser Ablehnung. Nach wie vor sehe ich in dem Fakt, dass einem Leser (Pfarrer) gestattet wird, sich auf einen anderen Leserbrief zu beziehen, für einen anderen Leser das aber der Grund ist, seinen abzulehnen, eine klare Ungleichbehandlung. Ich kann auch nicht ausschließen, dass es sich dabei um weltanschauliche Ungleichbehandlung handelt.


Deshalb habe ich mich entschlossen, in diesem Fall nicht nur auf meinem Blog zu berichten, sondern auch den Presserat zu informieren.


Dem vom Pfarrer beleidigend Angegriffenen werde ich empfehlen, eine Gegendarstellung zu verfassen und eine Unterlassungserklärung von Ihrer Zeitung zu fordern.

Das alles würde nicht nur Ihre Zeitung, sondern auch mich mehr beschäftigen, als ich eigentlich möchte. Falls eine Rücksprache mit Ihrer Chefredaktion doch noch dazu führen würde, meinen Leserbrief zu veröffentlichen, könnten wir uns das sparen. Sollte für morgen bereits Redaktionsschluss sein, wäre auch eine Veröffentlichung innerhalb der nächsten drei Ausgaben in Ordnung.

Ansonsten gilt auch für mich: Hier stehe ich und kann nicht anders.


Mit freundlichen Grüßen

Rüdiger Weida