22.10.2020

Das Wort zum Freitag - Unruhig in Assisi





Geschwister in Pasta.

Macht mal für den Moment – metaphorisch – die Äuglein zu und stellt euch folgendes vor:

Eure Nachbarn haben einen Sohn. Er ist fünfzehn, aufgewecktes Kerlchen, engagiert sich im Ort, hat Freunde, schraubt in seiner Freizeit gern an Computern herum – und eines Tages wird er krank. Zunächst denken alle, es sei nur ein Infekt. Aber bald schon liegt der Junge auf der Intensivstation, benötigt eine Blutwäsche, fällt ins Koma. Tage später stirbt er an Herzversagen.

Dreizehn Jahre später, ihr habt wahrscheinlich schon eine ganze Weile nicht mehr an ihn gedacht, gehen fleißige Männer und Frauen hin, graben den Jungen wieder aus, behandeln ihn mit allem was die Rekonstruktion so leisten kann, legen ihn in einen gläsernen Sarg und stellen ihn öffentlich aus.

Wenn ihr jetzt noch nicht aus der Hängematte gesegelt seid; guten Morgen.

Genau das ist nämlich mit einem jungen Mann namens Carlo Acutis geschehen. Geboren in London, gestorben in Monza, zur Verehrung ausgestellt in der Kirche Santa Maria Maggiore in Assisi. (Ja, das Assisi mit dem Franzerl)

Als ich neulich Früh, nichtsahnend, beim Frühstück davon las, fiel mir um ein Haar das Brot aus der Hand. In meinem Hinterkopf öffnete sich ein Türchen, ein kleiner Mann schaute raus, und siehe, er sprach: „Hä?“

Halten wir uns das einmal klar vor Augen: Ein Mensch stirbt. Etwas mehr als ein Jahrzehnt später setzen seine Eltern und ein paar Geistliche sich dafür ein, dass er Seliger werden soll. Das passende Wunder ist schnell gefunden (Angebliche Heilung eines Kindes das unter einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse litt.), die Maschinerie läuft auf Hochtouren. Aufgehübscht und konserviert, mit einer Silikonnachbildung als Gesicht, darf man den Jungen nun bestaunen, Selfies machen, ihn anbeten und auf Fürsprache bei Gott hoffen.

In 2020.
NACH Christus, wohlgemerkt. 

Und die Gruseltour geht weiter. Glaubt nicht, dass wir es schon überstanden hätten! Ihr kennt das; es gibt immer eine geschmacklose Fortsetzung. So will es das Gesetz.

Wie man nachlesen kann (Für den Überblick empfehle ich Wiki mit zahlreichen Fußnoten), ist Carlo seiner Mutter im Traum erschienen um ihr mitzuteilen, dass er nicht nur selig- sondern auch heiliggesprochen werden wird.

Ich will nicht pampig werden [Ok, vielleicht schon], aber kommt nur mir das wie ganz, ganz miese Trauerverarbeitung vor? 

Aber: Es geht immer noch etwas scheußlicher.

In alter Tradition ist Carlo auch nicht mehr vollständig anzutreffen; sein Herz wurde entnommen und wird in einem Reliquiar in einer anderen Kirche (Basilika San Francesco) aufbewahrt.

Und in Brandenburg streitet man sich, ob man von Omma Lieschen ein wenig Asche behalten und als Kapsel bei sich tragen darf. Milligramm anorganischer Staub. Obwohl Omma Lieschen die Idee vielleicht Spitzenklasse fand.

Ich geh mal grad raus und schreie ein bisschen....

... Jetzt kann es weitergehen.

Es ist gar nicht so lange her, da trendete in den sozialen Netzwerken ein Hashtag namens #KircheistZukunft

Wenn das die Vorstellung der Kirche von Moderne und Zukunft ist... Ich weiß auch nicht.

Es gibt bereits offizielle Gebete die Carlos Namen (und den Wunsch ihm ähnlich zu werden) enthalten, und – ohne Mist – eine Webcam die auf sein Grab gerichtet ist. Wahrscheinlich, falls sich da noch ein Wundern tun sollte. Man darf ja nichts verpassen.

Macht die metaphorischen Äuglein lieber wieder auf, sonst träumt ihr noch alb.

Sicher: Carlo war zu Lebzeiten sehr religiös, fühlte sich Jesus eng verbunden... Aber den Jungen deshalb auszustopfen und aufzubahren? Ich will ja niemandes religiöse Gefühle verletzen, aber; 

Das verletzt meine humanistischen Gefühle. Und meine Gallenblase auch.

Ich glaube jedenfalls (*ba-da-tzzzzz*), dass eine Kirche, die derlei zulässt, aktiv fördert und feiert, sehr, sehr weit vom Hier und Jetzt, von Realität und Menschenwürde entfernt ist.

Manchmal hilft wirklich nur ein kräftiges ARRRRRRRGH!


Farfalla Blacksauce, genannt die Kopfschüttelnde

15.10.2020

Das Wort zum Freitag - Halloween in der Bronx


Pit ist dafür verantwortlich, dass in der Bronx die Pastafari an Halloween nicht durch ihr Viertel streunen, um nach Weibern und Grog Ausschau zu halten, wie es unser Evangelium vorgibt. Auch Süßigkeiten an Kinder werden dort nicht verteilt. Ihr fragt euch, warum? Nun Pit ist Polizist und knabbert noch heute an einem unaufgeklärten Fall, der alles für ihn veränderte.

Pit hat einen Sohn, Jonny, der heute fast erwachsen ist. Als kleiner Junge zog Jonny mit allen anderen aus seiner Umgebung an Halloween um die Häuser, kostümiert und mit einem großen Beutel  für die zu erwartenden Süßigkeiten behangen. In Gruppen zogen alle Kinder los, hatten Spaß an ihren Verkleidungen, klingelten an den Türen der Nachbarschaft und sammelten die geschenkten Süßigkeiten ein. Jonny war mit seinen sechseinhalb Jahren der Jüngste in der Gruppe. Zudem war er sehr schmächtig und obendrein der Sohn eines Cops. Das brachte ihm wenige Pluspunkte und seit er zur Schule ging, musste er so manche Schikanen erdulden. Selbst Halloween änderte daran nichts. Die ältesten Kinder entschieden sich nur deshalb dafür, ihn mitzunehmen, weil kleine niedliche Kinder, zu denen auch Jonny zählte, am großzügigsten mit Süßkram beschenkt wurden. Der Plan ging auch diesmal wieder auf. 

Am Ende der Straße angelangt, riss Jim, der Anführer der Gruppe, Jonny seinen prall gefüllten Beutel mit dem erbeuteten Schatz aus der Hand. Die gehässige Bemerkung, dass es nur zu seinem Besten wäre, nicht so viel Süßkram zu futtern, weil sonst die Zähne faulen würden, bekam er gratis dazu. Immerhin durfte Jonny die Ausbeute des letzten Hauses für sich behalten. Jim wollte schließlich keinen Ärger mit Pit, dem sicher aufgefallen wäre, wenn Jonny mit leeren Händen nach Hause käme. Dass Jonny ihn nicht verpetzte, war sicher. 

Natürlich war Jonny sehr traurig, wusste aber auch, dass es keinen Zweck hatte, sich gegen all das zu wehren. Er war noch zu klein, nicht kräftig genug. So ging er, kaum dass er zu Hause eintraf, sofort in sein Zimmer. Er pfefferte die Süßigkeiten wütend in seine Spieltruhe und schmiss sich, so wie er war, aufs Bett, um sofort einzuschlafen. Die Eltern machten sich darüber keine Sorgen. Schließlich durfte Jonny an Halloween länger draußen sein, als üblich.

In den kommenden Tagen war Pit beruflich sehr in Anspruch genommen. Viele Überstunden fielen an, denn im Viertel kam es in Größenordnungen zu Magenverstimmungen bis hin zu Vergiftungserscheinungen. Die Krankenhäuser hatten große Schwierigkeiten, alle Patienten unterzubringen. Der Verdacht erhärtete sich, dass die Ursache in den geschenkten Süßigkeiten zu suchen war. Es folgten Befragungen über Befragungen. Zu einem Ergebnis kam man jedoch nicht. Die Aussagen waren sehr widersprüchlich. Die Kinder klingelten an vielen Haustüren, bekamen fast überall Süßigkeiten, die sich in den prall gefüllten Tüten gut vermischten.  In welchem Apfel steckte nun der Wurm? Puzzlearbeit für die Polizei und Ratlosigkeit.

Pit war erleichtert, dass Jonny nicht betroffen war. Wie auch, hatte Jonny doch seine Ausbeute weitestgehend eingebüßt. Der kleine Schatz, den er achtlos in seine Truhe warf, kam erst wieder in Erinnerung, als er zwei Freunde zum Spielen einlud. Sie kramten die Spielsachen aus der Truhe und fanden dabei die schon vergessenen Süßigkeiten. Gleich machten sich die Freunde darüber her. Jonny verzichtete, er machte sich wenig aus Süßigkeiten und war noch vom reichlichen Mittagessen knüppelsatt.  Ihm blieb daher das Krankenhaus erspart, seinen Freunden nicht. Geistesgegenwärtig witterte Pit eine heiße Spur. Jonny wurde  befragt, geradezu ausgequetscht. Pit bemerkte dabei die geringe Ausbeute an Süßigkeiten. Jonny rückte nun mit der Wahrheit heraus, dass die Süßigkeiten in seinem Beutel nur aus dem letzten Haus der Straße stammten. Nach so vielen Niederlagen in diesem Fall schöpfte Pit wieder Hoffnung, dem Übeltäter nun endlich auf den Pelz rücken zu können. So traurig Halloween für Jonny verlief, jetzt war das ein Glücksfall, um den Täter dingfest machen zu können. Pit wertete die neusten Informationen sofort in seinem Büro aus und zwei Streifenwagen machten sich auf den Weg zu dem von Jonny benannten Haus. Als sie das besagte Haus erreichten, war der Vogel allerdings schon ausgeflogen. Fall gelöst, Täter entkommen!

Pit kämpft seit diesem Tag mit allen Mitteln gegen den Brauch, an Halloween Süßigkeiten zu sammeln. Mit einem seiner Freunde besucht er jedes Jahr im Oktober Schulen und Kindergärten, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Das Praktische daran ist, dass sein Freund  Zahnarzt ist. Der kann gut argumentieren, wenn es darum geht, Süßes nicht in Unmengen zu futtern. Wenn er dann noch ein paar gruselige Fotos zeigt, ist schon im Vorfeld Halloween bei so manchem kleinen Zuhörer leicht verleidet. Also hat Pit sich eine gute Alternative gegen das Süßigkeitensammeln einfallen lassen. Statt Süßigkeiten sammeln die kleinen Geister in seinem Stadtbezirk von nun an allerdings entbehrliche Gegenstände wie Kleidung, Spielzeug, Haushaltsartikel. Bereits Anfang Oktober beginnt das emsige Treiben. Flyer werden erstellt, die die Sammelaktion ankündigen. Die Kinder teilen die Flyer aus und beginnen eine Woche später mit der Sammlung. Wer etwas abzugeben hat, bringt an seiner Haustür eine Socke an, das verabredete Zeichen, dass hier gesammelt werden kann . Haushalte, die nichts abzugeben haben, werden dadurch nicht unnötig belästigt. 

Immer mehr Menschen in der Bronx beteiligen sich an diesem neuen Brauch. Am Ende wird das Zusammengetragene in einem Raum deponiert und jeder, der möchte, kann sich das für ihn Passende gegen einen kleinen Obolus heraussuchen. Ist die Sammelaktion beendet, gibt es für Jung und Alt von den so erworbenen Einnahmen an Halloween ein großes Straßenfest. Wer möchte, kann sich gern verkleiden oder einfach im Piratenornat glänzen. So haben die Kinder an diesem Tag ihren Spaß, wie alle anderen auch. Die Erwachsenen müssen sich nicht übermäßig sorgen, dass das Fest mit einem Krankenhausaufenthalt endet. 

Da der Übeltäter von damals leider bis heute nicht gefasst wurde, überlegt euch gut, an welcher Tür ihr klingelt, meine kleinen Pastafari und denkt daran, Zähne putzen ist wichtig, nicht nur an Halloween. Schließlich seid ihr unserem Monster dabei besonders nahe.

08.10.2020

Das Wort zum Freitag - Was Würde Ein Pirat Tun II


 Zweiter Teil eines Gastbeitrags von Farfalla Blacksauce

Zu Teil 1

Das vierte WWEPT ermutigt uns ein Schiff zu bauen.

Oder zu kapern.

Was sich eben gerade mehr anbietet...

Es steht geschrieben, dass das Schiff einen Menschen erst zum Piraten macht (und zu mehr als einem Typ in einem ulkigen Dress aus Ballonseide).

Das Schiff ist Heimstatt des Piraten, sein Gefährt, sein Rückzugsort und auch sein Schutz, wenn es mal schnell gehen muss. Und sei es auch nur über drei der sieben Meere, oder sogar nur den gedanklichen Baggersee: Ein Schiff bedeutet – dem Grog nicht unähnlich – geistige Beweglichkeit.

Seien wir ehrlich: Wer kann sich ein Schiff in den Garten stellen, oder sich tatsächlich eines leisten, mit dem man die heimischen Gewässer unsicher machen und etwas gegen den Klimawandeln tun kann?

Seht ihr.

Was nun also tun? Scharf nachdenken!

Das Schiff ist vielleicht das deutlichste Attribut eines Piraten, hat die größte Durchschlagskraft im Kampf gegen die Erderwärmung (und anderes). Im Stadtverkehr ist vielleicht aber ein Fahrrad angebrachter. Oder Schusters Rappen. Mit einem Dreimaster zum Supermarkt zu segeln ist jedenfalls keine wirkliche Option.

Dieses Dilemma aber ist es, dass uns tatsächlich inspirieren sollte. Gedanklich beweglich bleiben, den Kurs anpassen können, wenn der Wind der Evidenz sich dreht, immer gut aufpassen, dass man keine ideologische Schlagseite bekommt, immer wach im Ausguck bleiben!

Das geht auch ganz ohne Planken unter den Stiefeln. Seiet selbst ein Schiff!

Statt Teer und Holz, Segeltuch und Masten soll man sich ein Schiff bauen aus dem sicheren Stand des Wissens, aus einem zuverlässigen Quellen-Kompass und einer geistigen Seekarte, die man nie scheu ist zu ergänzen und auszubessern. Kein Seemannsgarn, Männers und Weiberleut! 

(Oder der Klabautermann kommt an Deck.)

Im fünften WWEPT steht schwarz auf weiß: „Suchen Sie sich ein Weib!“

Zugleich ist gesagt: Sucht euch einen Piraten, wenn ihr Weibersleut seid.

Oder sucht euch was anderes. Ob nun Männlein und Weiblein, Weiblein und Weiblein, Männlein und Männlein oder was ganz anderes, irgendwo dazwischen: Wir sind alle Piraten und wir sind alle SEIN Wille. Alles andere ist Grütze.

Auch hier findet sich wieder eine Parallele zu den ALWMs, in denen das Monster uns gleich an mehreren Stellen lehrt, dass wir freundlich sein, Leute nicht nach Äußerlichkeiten (oder anderen natürlichen Sachen) be- und verurteilen sollen. Es ist gehupft wie gehoppelt. 

Gehet also hin, Geschwister in Pasta, und sucht euch einen Menschen (oder mehrere, siehe auch die ALWM IV und VIII, wie’s euch gefällt), der die wahre Perle in eurer Schatztruhe ist – und respektiert dabei auch immer, was andere für sich suchen und finden. 

Gerade auch in diesen wirren Zeiten können WWEPT III und V aber auch ein Sinnbild sein, ein bisschen mehr Liebe und Gemeinsamkeit in die Welt zu tragen. 

Unter der rauen Schale... Ihr wisst schon. 

„Im Zweifel Plündern!“

Nun. Dieses sechste WWEPT klingt erst einmal, als käme man damit recht leicht ins Gehege mit der einen oder anderen Behörde. Oder Klöstern im nord-östlichen England.

Und da es obendrein schon genug Religionsinstitutionen und anderes an Leuten gibt, die sich da bereichern wo ihre Griffeln nix zu suchen haben, sollten wir diesem schlechten Beispiel nicht folgen. Geld und Gut gehört sinnvoll eingesetzt (Wenn man mal von der einen oder anderen Kleinigkeit des Lebens absieht, die man sich so gönnt.), wie uns, abermals, bereits die ALWMs zeigen.

Was aber meinen unser Prophet Bobby und ES, wenn sie uns empfehlen auf Plünderfahrt zu gehen?

(Nein, ich glaube um eine Verwechslung mit Plunder geht es nicht, aber gegen Gebäck ist an sich nichts einzuwenden.)

Die wichtigsten Sätze zur Bedeutung dieses WWEPT finden sich ganz am Anfang und zum Ende des Textes:

„Inaktivität lässt sich nur vermeiden, indem man aktiv wird.“ und

„Wenn Sie wissen wollen, was in der Welt passiert, ziehen Sie los und machen Sie sich schlau!“

(Gefolgt von einem beherzten Aufruf zum Plündern; später mehr dazu.)

Inaktivität, Trägheit... Hm. Gegen Faulheit ist nichts einzuwenden, aber zu viel des Guten ist dann auch wieder ungesund, siehe die Sache mit dem Grog.

Gerade in Zeiten von Homeoffice, Corona und einfach blöden Nachbarn denen man nicht begegnen möchte, kann es wirklich eng und unleidlich unter Deck werden. Aktivität ist gefragt! Lasst euch nicht hängen, Geschwister in Pasta! Packt das Steuerrad und auf geht’s!

Dieses WWEPT ruft uns auf, die Hängematte mal einfach Hängematte sein zu lassen, und uns zu betätigen. Wieso hat das Monster uns (einigermaßen) Verstand gegeben, wenn wir ihn nicht nutzen?

Vor allem der Schluss dieser Handreichung hält uns deutlich vor Auge(n), dass wir schon selbst aus dem Sessel hochkommen müssen, wenn wir wissen wollen was los ist, was zu tun ist, was so passiert.

Das Plündern können wir hier als Suche nach Wissen verstehen. Plündern wir die lokale Presse nach Artikeln und finden wir raus, woher der Wind so weht; Plündern wir die Weiten des www und finden raus, ob das eigentlich stimmt, was die Uschi und der Klaus so sagen, oder was wirkliche Experten dazu meinen! Plündert, Geschwister in Pasta! Plündert Wissen, plündert Neues und Unbekanntes! Füttert euer Hirn genauso gut wie euren Magen.

Es muss aber auch nicht immer die große Kaperfahrt sein. Eine kleine kann es schon tun, für einen Nachmittag. Den Rest der Zeit kann man sich vielleicht kreativ betätigen (Irgendwie muss man ja Räuberbande und Perle auch beschäftigen.). Baut zum Beispiel eine Monsteranz, wie unser aller Bruder Guybrush Rigatoni.

Auf jeden Fall aber: Tut was. Nix hilft besser gegen Flaute und Seekrankheit als was ordentliches anzupacken und fertig zu kriegen.

Zu guter Letzt, die finale WWEPT, der Einlauf in den Hafen sozusagen:

„Arrrrgh!“

Das Arrrgh begleitet uns. Es ist eine überlieferte piratische Begrüßung, ein Wort zum Abschied, und ein guter Einwurf in fast jeder Lebenslage. Das Arrrrgh gehört dazu. Es ist ein Laut der freien, natürlichen Lebensäußerung eines Piraten, es steckt voll Poesie (in der man alles sehen kann was man will, so ein bisschen wie in Wolkenformationen) und kann auch mal einen deftigen Fluch zum Ausdruck bringen, wenn wirklich nichts anderes mehr hilft.

Das Arrgh erinnert uns daran, authentisch zu bleiben und nicht hinter dem Berg zu halten.

Oder, wie Prophet Bobby sagen würde:

„Will man das Piratenleben leben, muss man auch das ewige Arrrgh! akzeptieren. Ohne das wären Sie nur eine traurige Landratte.“

In diesem Sinne;

RAmen, Geschwister! 


02.10.2020

Das Wort zum Freitag - Was Würde Ein Pirat Tun?

Erster Teil eines Gastbeitrages von Farfalle Blacksauce



Geschwister in Pasta,

es ist nicht lange her, nur ein paar Tage, da schrubbte ich das Deck und ging so meiner Arbeit nach – und das Monster offenbarte sich mir!

Oder, vielmehr; eines der nudeligen Anhängsel streifte mich und ditschte mich mit der Nase voran in die Inspiration, ein „Wort zum Freitag“ zu verfassen.

Natürlich konnte ich dem nicht widerstehen und folgte dem freundlichen Hinweis.

So kommt es nun dazu: „Schwester Farfalla betrachtet die Worte des Propheten“.

Genauer: Die sieben WWEPT

Was würde ein Pirat tun?“

Diese sinnreiche Frage stellt unser geliebter Prophet Bobby in seinen Erläuterungen zum Pastafarianismus. Er beschreibt die Welt, ihre Fallstricke und die Verlorenheit, die viele Menschen in schweren Zeiten empfinden. Welche Zeit würde sich also besser eignen die WWEPT genauer zu betrachten, als die heutige?

Falls Sie gerade deprimiert sind,“ schreibt der Prophet Bobby, „dann fragen Sie sich einfach: Was würde ein Pirat tun?“


Das erste WWEPT lautet:
Ein Pirat würde einen Grog trinken!“

Dies erscheint der unkundigen Landratte sicherlich wie eine reine Ausrede zur wilden Sauferei. Was sie vielleicht auch ist. Aber: Sollen wir uns auf das offensichtliche verlassen? Nein. Wissenschaftlich-kritisch-pastafarianisch müssen wir uns fragen, welche andere Bedeutung in diesem SEINEM Ratschlag steckt.

(Als wackere Seefahrer und Seefahrerinnen aller Arten von Hartweizen sicherlich keine Schwierigkeit, sind wir doch gewohnt aus kryptischen Schatzkarten zielgenau den Weg zur Kühltruhe – äh. Schatztruhe; zur Schatztruhe zu finden. – Weiter im Text.)

Der Prophet beschreibt uns, dass der Genuss von Grog die Seele befreit, den Geist öffnet und hilft, dass einem das dröge Brot des Lebens nicht im Hals stecken bleibt.

Diese Weisheit offenbart uns die enge Verwandtschaft dieses WWEPT mit dem 5. ALWMs, indem wir aufgefordert werden, uns den Blödsinn anderer (unfreundlicher, engstirniger Doofkrappen) nicht auf nüchternen Magen anzutun.
Zweifellos eine sehr gute Handreichung!

Um mit den Ärgernissen und der steifen Brise des Lebens zurechtzukommen, muss der Geist frei, der Magen gut gefüllt, und immer eine Handbreit dienstbarer Flüssigkeiten unter dem Kiel sein.

Wer kennt das nicht? Dieses nagende Bedürfnis Leute kielholen zu schicken, weil sie für ihre Freiheit streiten, andere anstecken, unterdrücken, bevormunden und Sachen unter den Teppich kehren zu dürfen. Jener Klippen gibt es viele und man kann daran verzweifeln.
Oder: Man trinkt einen Grog.

(Übertreibt es damit aber nicht! Wir sind durch die Schriften davor gewarnt, den Geist zu weit wandern zu lassen, die Dinge zu sehr zu zerdenken, uns im Nebel auf hoher See zu verlieren. Maß ist manchmal besser als Maßkrug.)

Merket euch, Geschwister in Pasta: Sorgt gut für euch, haltet die kleinen grauen Zellen frisch, und dann – erst dann – folgt den Worten des FSM und seines Propheten und schnappt euch die Idioten.


Das zweite WWEPT lehrt uns:
Ein Pirat würde sich einen Papagei zulegen!“

Auch dies ist sehr richtig, wenngleich wir abermals genauer hinsehen müssen.
Sehet: Der Papagei, treuer Begleiter eines Piraten, lebender Snooze Button, der uns immer wieder ins Gedächtnis ruft, was wir eben gesagt, gewollt oder gemacht haben. (Auch falls man die Warnungen zum 1. WEEPT nicht ganz so eng gesehen hat.)

Bereits Prophet Bobby weist darauf hin, dass es mit echten Papageien so eine Sache ist. Wo bekommt man sie her? Was fressen die? Wie alt werden die Viecher überhaupt!?
Man will weder dem Vogeltier, noch sich oder dem Rest der Mannschaft Ärger mit der Bärbel vom lokalen Tierschutz machen, empfiehlt es sich, an dieser Stelle vom Wortlaut des Evangeliums abzuweichen.
(Machen andere Religionen ständig, da ist nichts dabei.)

Vielmehr, so meine ich zu erkennen, gemahnt uns das zweite WWEPT daran, uns immer darauf zu besinnen, was auf unseren eigenen Planken passiert und uns an die eigene Augenklappe zu packen, bevor wir anderen Meuterei ankündigen.
Zwar haben wir im Zweifel keinen Papagei, der uns daran erinnert, aber mit ein bisschen Übung wird das schon.


Das dritte WWEPT lautet darauf:
„Suchen Sie sich eine Räuberbande!“

Dieses ist zweifellos eine der schönsten Handreichungen – wenn auch eine der schwierigsten. Andere Piraten zu finden, mit denen man wirklich durch jeden Sturm segeln kann... Das kann so eine Sache sein. Allzu oft stellt sich ein alter Kumpan doch als einer raus, der einem heimlich ins Bier spuckt.
Das ist nicht fein, aber manche Wasser sind eben trübe.

Trotz der Widrigkeiten die einem auf der Suche begegnen können, trotz all der Inseln voller Schwurbler, Erzkonservativen und Denkallergikern die man umschiffen muss; die Suche lohnt sich. Und, wenn unser alter Vorfahr Odysseus einäugige Meckersäcke („Das ist MEIN Rasen, Sie!“) und Skylla und Charybdis hinter sich bringen konnte – was soll einen wackeren Pastafari aufhalten?
Ein bissfest Burg ist unser Gott.

Im Evangelium heißt es hierzu:
Ihre Männer werden Sie aufbauen, wenn Sie am Boden sind. Und wenn Ihnen blutrünstig zumute wird, werden Sie feststellen, dass diese Männer Sie „erden“, und sei es nur, indem man Sie auf einer einsamen Insel aussetzt.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Wohlan, fasst euch ein Herz und sucht eure Räuberbande!

Teil II

25.09.2020

Das Wort zum Freitag - Das Monster....

 .... muss wohl wieder mal am Biervulkan versackt sein. Vielleicht liegt es auch einfach nur faul irgendwo in ´ner Hängematte und ist eingepennt. 

Anders kann ich es mir wirklich nicht erklären, warum mich heute keine Eingebung für ein Thema zum Wort zum Freitag erreicht. 

Da bleibt nur eins, ich eifere dem Monster nach. 

Bis nächste Woche



18.09.2020

Das Wort zum Freitag - Sprich wie ein Pirat





Arrrgh, morgen ist es so weit, der 19. September, einer unserer wichtigsten Feiertage steht vor der Tür, der SwePT (Sprich-wie-ein-Pirat-Tag).


Gibt es noch dösbaddelige Landratten, die damit nichts anzufangen wissen? Der Name sagt es ja schon. Sprich wie ein Pirat. Das ist das Mindeste, was ein Pastafari an diesem Tage tun sollte. Fehlt euch Weicheiern noch das entsprechende Vokabular, habt ihr genügend Zeit, euch zu belesen und/oder Mantel- und Degenfilme sowie Piratenfilme reinzuziehen, um eure biedere Aussprache auf Vordermann zu bringen. Seid ihr dann immer noch zu weich, trinkt was Hartes, das lockert den drögen Verstand und bläst den alten Dreispitzständer mal wieder so richtig durch.

Ach ja, Dreispitz! Ihn bzw. Piratenkopftuch oder wenigstens Augenklappe solltet ihr schon an diesem Tag aus dem muffigen Seesack kramen und auch tragen. Wer von euch Schnarchnasen meinen Rat befolgte und sich Piratenfilme reingezogen hat, dem wird doch der Klabautermann ein Licht angeblasen haben, so dass euch noch mehr einfällt, wie ihr zu zünftigen Piraten werden könnt.

Bewaffnet euch. Steckt Säbel in den Gürtel, hängt Getränke, die blau machen oder rot aussehen an eure Gürtel und vor allem, schärft eure Zungen, oder muss ich erst mit dem Nudelholz drohen?!

Unser Prophet, ihr wisst schon, der, der immer in der Hängematte lümmelt, hat es in seinem und unserem Evangelium fest verankert.

WIR WOLLEN DIE ERDERWÄRMUNG STOPPEN.

Guckt nicht wie halb geöffnete Miesmuscheln. Das ist ja inzwischen jedem klar. Na ja, bei ein paar Nudelsiebträgern noch nicht so ganz. Deshalb noch mal für alle, die noch einen Pieckser von Neptuns Dreizack brauchen, um ihre Klüsen zu öffnen. Am Sprich-wie-ein-Pirat-Tag tragen wir ganz wesentlich dazu bei, das Weltklima zu retten, die globale Erderwärmung aufzuhalten.

Spätestens zum SwePT erhebt sich der verloddertste Pirat aus seiner Koje, flucht erst mal kräftig, furzt und spuckt und tut all das, was Piraten morgens so tun, bevor sie sich dann die Zähne mit Zahnpasta putzen, um Ihm zu huldigen. Dann rein in die Festtagsklamotten und raus, auf die Landratten los. Ja, das Piratenleben ist an solchen Tagen recht hart. Oft stößt der Pirat auf Unverständnis. Zwar kann jeder Mensch fluchen und tut es auch nicht selten, aber nur wir Pastafari sind Meister auf diesem Gebiet und ganz besonders am 19.09. Arrrgh

So, nun strengt mal eure Denkmurmeln an. Was erreichen wir damit? Ganz logisch nimmt nach dem 19.09. die Temperatur deutlich ab. Es wird kühler. Einen noch größeren Ruck gibt es an Halloween. Da rennen zwar auch viele Ungläubige in Piratenkostümen herum, aber oft so perfekt, dass auch die unbewusst dazu beitragen, die Erderwärmung zu stoppen. Das kann kein Zufall sein.

Also rüstet euch aus, je besser, desto mehr Erfolg haben wir bei unserer von Ihm so sehr gewünschten Mission. Helft mit, tapfere Freibeuter, geht auf die Straße und sprecht in zünftigem Piratenornat so, wie euch der Schnabel eines rauen Seebärs gewachsen ist.

Ich zähl auf euch.

Eure Elli

Erstveröffentlichung 11.09.2014

12.09.2020

Das Wort zum Freitag - Das Zweifeln der Pastafari




Mit diesem Zitat, Piraticus 13:7, beginnt unser Evangelium. Wer wüsste das nicht.


Das für mich Wichtigste kommt aber gleich danach im Vorwort:


Der Pastafarianismus mag zwar die einzige Religion sein, die auf empirischen Beweisen beruht, doch sollte nicht vergessen werden, dass es in diesem Buch um Glaubensfragen geht. Aufmerksame Leser werden im Text zahlreiche Lücken und Widersprüche finden; vielleicht sogar dreiste Lügen und Übertreibungen.…


Weil uns unser Prophet in seiner unendlichen Weisheit aber nicht gesagt hat, wo diese sind, sind wir verpflichtet, an allem zu zweifeln, Monster möge es verhüten, sogar an SEINER Existenz. Dieser Zweifel macht uns zur einzig wissenschaftlichen Religion weltweit.


Ich weiß, diesen Gemeinplatz von mir habt ihr schon öfter gehört. Er hat sich herumgesprochen und eingeprägt. Wie diese Pflicht zum Zweifel unsere Religion geprägt hat, dürfte also jedem klar sein.


Wie aber wirkt sich diese Pflicht auf den einzelnen Pastafari aus? Eine sehr interessante Frage.


Das Pastafaritum hat sich in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich entwickelt, je nach Gegebenheiten und Gesetzgebung. Natürlich auch nach den örtlichen Protagonisten. Und das ist auch gut so. So ist es bunt und (über-)lebensfähig geworden. Manche verstehen sich als Religion, manche als Religionsparodie, wir uns als Weltanschauungsgemeinschaft. Manche sind mehr am Spaß orientiert, andere eher religionskritisch und manche bieten und fördern eigene Werte. Eins aber, und wahrscheinlich nur das, ist allen gemeinsam: Die Pflicht am Zweifeln.


Empirisch ist klar, Pastafari verhalten sich unterschiedlich, weltweit und selbst in der einzelnen Gemeinde. Das ist nur normal. Aber gibt es einen gemeinsamen Kern oder sollte es den zumindest geben?


Ich denke, ja.


Wer sich dem Zweifeln verpflichtet fühlt, sollte vor allem auch an einem zweifeln, an seiner eigenen Meinung. Eigentlich sollte das sogar für jeden gelten, egal ob Pastafari oder nicht. Für die aber doch noch ein kleines bisschen mehr.

Eine Meinung bildet sich durch Wahrnehmung und deren Verarbeitung. Schon bei der Wahrnehmung schleichen sich Fehler ein. Wir nehmen alles fehlerhaft wahr. Unsere Augen, unsere Ohren, unser Geruch und Geschmack sind nicht nur überaus unterschiedlich, sondern auch mangelhaft. Wir nehmen aber auch alles selektiv wahr. Teilnehmer am gleichen Gespräch haben deshalb später eventuell völlig unterschiedliche Erinnerungen. Auch diese Erinnerungen sind wieder fehlerhaft, sie ändern sich mit der Zeit und trotzdem hält sie mancher für erwiesene Tatsachen. Letztlich ist auch die Verarbeitung sehr unterschiedlich, sowohl aus biologischen Gründen als auch einfach aus unterschiedlichen Erlebnissen und damit verbunden, unterschiedlicher Lebenserfahrung. Es gibt maximal eine Annäherung an die “Wahrheit”, nie jedoch diese selbst.


Daraus ergibt sich nur ein vernünftiger Schluss. Wenn wir an allem zweifeln müssen, dann auch und sogar zuerst an der Richtigkeit unserer eigenen Meinung.

Wenn wir uns aber unserer eigenen Meinung nicht sicher sein können, müssen wir auch akzeptieren, das Andere auch anderer Meinung sind.

Mehr noch, wir müssen sogar erwägen, dass diese Meinung näher an der Wahrheit sein kann, als unsere eigene.


Wer sich dessen bewusst ist, kann unmöglich Fundamentalist werden. Er kann auch nicht in ideologischen Grenzen denken und von vornherein alles, was über die hinaus geht, ablehnen.


Das heißt nicht, das ein Pastafari für alles! offen sein muss. Dies ergibt sich schon allein aus dem V. ALWM.  Aber es heißt, dass Pastafari offen sein müssen, dass sie niemand nur wegen seiner Meinung ausgrenzen, sondern versuchen, in fairer Diskussion unterschiedliche Meinungen abzuwägen und dabei gegebenenfalls auch ihre zu ändern. Zu versuchen, mit welchen Mitteln auch immer, anderen einfach eine Meinung aufzuzwingen oder gar Andere daran zu hindern, ihre Meinung zu äußern, sollte keinem Pastafari auch nur in den Sinn kommen.


Ist das auch so?


Wohl eher nicht. Ich erwische mich immer wieder mal beim Schubladendenken. Klar, die sind praktisch und erleichtern erst einmal die Bewältigung neuer, überraschender Situationen. Aber ich versuche immer, mir das oben Gesagte rechtzeitig wieder in Erinnerung zu rufen und so  in Diskussionen nicht zu verurteilen, sondern wirklich zu diskutieren. Oft auch streitbar. Streit ist notwendig und kann viel Erkenntnis bringen. Er muss nur in der richtigen Art und Weise ausgetragen werden. 

Möge das mir und auch euch immer besser gelingen.

04.09.2020

Das Wort zum Freitag - Wer wagt, gewinnt!



Das Jahr ist noch nicht um, der Sommer aber wohl vorbei. Damit auch die Zeit, in der regelmäßig Besucher zur Freitagsmesse erscheinen. In diesem Sommer gab es tatsächlich nicht einen Freitag ohne Messe, und das trotz Corona. Fast immer hatten wir das Wetter, um die im Freien abzuhalten, war das Wetter schlecht, waren es auch nie mehr als drei Besucher, und wir konnten sie in der Kirche feiern. Besonders interessant waren die Messen, an denen sich Gruppen angemeldet hatten, wie z.B. die FSJler der Berliner Stadtmission  oder die Schüler der Montessorischule Neuruppin, die im Rahmen des Religionsunterrichts hier waren. Genau so interessant, wenn auch auf andere Weise, waren aber auch die Tage, an denen sich verschiedene Besucher trafen und immer gab es nach der Messe noch ein schönes Gespräch, das auch schon mal bis zu zwei Stunden dauern konnte.

Kurz, der Sommer brachte reichlich Besuch. Das aber nicht mehr, wie früher, nur zu den Messen, nein, immer öfter hielten Autos, Fahrräder oder auch Wanderer unter der Woche bei uns an. Manche machten nur ein Foto, manche klingelten und wenn wir Zeit hatten, haben wir  auch die Kirche aufgeschlossen und kurz mit den Gästen geredet.


Für diese Wandlung gibt es natürlich Gründe. Zuerst sicher unsere neue Außenwerbung mit Flagge, Schaukasten und Flyerspender. Das fällt auf und bringt auch “Laufkundschaft”. Manchen sind die Nudelmessenhinweisschilder am Ortseingang aufgefallen, sie sind neugierig geworden und wollten sich informieren.

Ein weiterer Grund dürfte sein, dass wir uns immer mehr gesellschaftlich etablieren. Man kennt uns und immer mehr schätzen uns auch. Da machen Urlauber auf der Hin- oder Rückreise zum Urlaubsort schon mal einen Umweg über Templin, um unsere Kirche zu besuchen. Genau so kommen aber auch Gäste nur mal für einen oder zwei Tage nach Templin. Wir sind zur Sehenswürdigkeit geworden und genau dort führt uns die Stadt Templin ja auch auf ihrer Website, unter Sehenswertes.

Es hat sich einfach gezeigt, solide Arbeit vor Ort zahlt sich aus. Ich möchte euch Mut machen, als Gruppe oder als Einzelkämpfer, bei euch selbst etwas auf die Beine zu stellen. Es muss ja nicht gleich eine Kirche wie unsere sein. Wobei, auch da ist jemand dabei, sich nun als Rentner eine in den Garten zu stellen und Messen zu halten. Eine andere Truppe versucht gerade ihre Stadt zu gewinnen, ebenfalls einen Evolutionsweg zu bauen. Ein Besuch in Templin hat sie so begeistert, dass sie den nun nachbauen möchten.

Was immer ihr für Ideen habt, meldet euch bei uns. Wir helfen gern, und wenn es im Sinne unserer Satzung ist, sogar finanziell. Nur die Arbeit vor Ort können wir nicht abnehmen. Aber wir können euch versichern, die macht auch wirklich oft Spaß. Also legt los.

Wer wagt, gewinnt!


27.08.2020

Das Wort zum Freitag - Kultur und Religion

 
aus der Reihe "Oldies, but goldies"


Es liegt nicht an der Religion. Im nahen Osten haben Christen oft die gleichen Traditionen wie die Muslime. Es liegt also an der Kultur, und die wird nicht religiös geprägt, sondern räumlich.“

So ähnlich habe ich es neulich in einem Bericht gelesen. Es gab gleich Zustimmung, dort gäbe es in Manchem wirklich keinen Unterschied zwischen Christen und Muslimen. In der Beschneidungspraxis von Mädchen, in der fehlenden Gleichberechtigung von Frauen, im Hass auf Homosexuelle und so weiter.

Das sehe ich auch so. Aber woran liegt das? 

Ich habe mich im Netz umgesehen und gefunden, Wiki unterteilt klar in jüdische, christliche und muslimische Kultur. Es scheint also einen Zusammenhang zwischen Religion und Kultur zu geben. 

Von der Wortbedeutung her gehörten Religion und Kultur immer zusammen: Das lateinische „colere“ stand für (Land) bewohnen/ bebauen, pflegen/ schmücken, (Göttliches) verehren. Während das Nomen „cultura“ noch im Mittelalter neben landwirtschaftlicher Kultivierung auch religiöse Verehrung bezeichnete, ist letztere Dimension heute nur mehr im Wortstamm „kult-“ (von lat. „cultus“, einem zweiten mit colere zusammenhängenden Nomen“) vorfindbar: Kult, Kultus, kultisch etc.“
Das habe ich ausgerechnet auf einer christlichen Seite gefunden.

Aber gibt es mehr als einen Zusammenhang aus der Wortbedeutung? Die Kirchen scheinen das so zu sehen. Sie haben extra ein Institut für Kultur und Religion gegründet, um „
Beratung, Training und Workshops für Führungskräfte und Mitarbeitende in Kirche und Gemeinde, Diakonie und Caritas, Schule und Hochschule“ anzubieten. 

Aber auch einfache Beobachtung macht uns schon klar, Religion hat einen starken Einfluss auf die Kultur der jeweiligen Gemeinschaft. Es geht auch gar nicht anders. Wenn Juden zumindest einen Teil ihrer 613 Mitzwot ernst nehmen, kann das gar nicht ausbleiben. Ähnliches gilt für Christen und Muslime analog und natürlich auch für andere Religionen. Das betrifft alle Lebensbereiche. Bei der Kleidung müssen die einen bestimmte Kopftücher tragen, andere diverse Hüte und Hütchen. Beim Essen müssen die getrennte Töpfe für die Zubereitung der Speisen haben, welche dürfen kein Schweinefleisch essen, welche keine Kühe. In Manchem sind sich wieder alle einig. Beim Hass auf Homosexuelle, beim Fehlen sexueller Selbstbestimmung, bei der untergeordneten Rolle der Frau.  
 

Kultur wird also religiös geprägt, nicht räumlich. Wenn Christen in muslimischen Ländern ähnliche Praktiken wie Muslime pflegen, liegt das zum Einen daran, dass sie in der starken Minderheit sind und historisch gezwungen waren, sich anzupassen, zum Anderen an der Ähnlichkeit der beiden Religionen. 

Andererseits verhalten sich Angehörige der gleichen Religion in unterschiedlichen Ländern und Gesellschaften auch unterschiedlich. In manchen sind sie toleranter, in anderen fundamentaler. Während das Christentum in Europa immer mehr verweltlicht und langsam Toleranz einzieht, nimmt es in Afrika und Südamerika noch eine breite Rolle in der Gesellschaft ein und ist entsprechend selbstsicher und fundamentaler.

Für mich ergibt sich daraus, Religion und Kultur bestimmen sich wechselseitig. Je größer der Einfluss von Religion auf eine Gesellschaft, um so größer auch der Einfluss der Religion auf die Kultur. Umgekehrt lässt sich sagen, je weniger Einfluss die Religion auf die Gesellschaft hat, um so größer der Einfluss der Kultur auf die Religion. 

Daraus können wir mindestens zwei Lehren ziehen.


1. Es ist nicht sinnvoll, den Einfluss von Religion auf unsinnige gesellschaftliche Praktiken und Sitten, besonders in stark religiösen Ländern, damit relativieren zu wollen, dass diese nicht religiöser, sondern kultureller Natur wären.  Es ergibt sich lediglich die Frage, ob Religion ursächlich oder über die herrschende Kultur nur indirekt Verantwortung übernehmen muss. 

2. Es gilt für jede Gesellschaft einen kritischen Punkt zu überwinden. Den Punkt, an dem der Einfluss von Religion auf die Kultur noch größer ist als der von Kultur auf Religion. 

Das bedeutet leider nicht, ab diesem Punkt läuft alles von selbst in Sachen Verweltlichung. Wir müssen im Gegenteil immer wachsam sein, dass sich diese Entwicklung nicht wieder umkehrt. 
Es bedeutet aber, dass ab diesem Moment die Chancen einer Gesellschaft, sich statt am vermeintlichen Willen von Göttern an den Interessen der Menschen zu orientieren, enorm steigt. 

Oder, ganz einfach gesagt, es bedeutet, dass diese Gesellschaft menschlicher wird.

Erstveröffentlichung am 21.01.16

22.08.2020

Das Wort zum Freitag - Berlin, Berlin......


Alle Berliner Messen in unserem Stammlokal, dem Knofel, sind Corona zum Opfer gefallen. Die traditionelle Sommermesse im Volkspark Friedrichshain auf dem Kleinen Bunkerberg konnte aber auch das Virus nicht verhindern. Der Wunsch der "Spreeräuber", sich wieder einmal zu treffen, schien groß zu sein. Nach und nach trafen immer mehr Pastafari ein, manche sogar erst nach der Messe. Gut zwanzig Piraten waren angereist, selbst aus Osnabrück und Hannover. Nur eine französische Journalistin, mit der wir noch gerechnet hatten, ist nicht gekommen. Vielleicht hatte sie schon die Freitagsmesse in Templin überzeugt. Über die, über uns und über das, was ihr der Bürgermeister und der Geschäftsführer der Tourismus Marketing Templin auf dem Weg über den Evolutionsweg erzählten, wird sie demnächst in „Libération“ veröffentlichen.

Standesgemäß wurde die Messe mit dem Nudelsieb eingeläutet, der einzig vernünftigen Art, ein solches außerhalb der Küche zu verwenden.(Bild oben)


Weiter ging es mit der Lobpreisung der Reliquien, anschließend wurde das Glaubensbekenntnis abgelegt.


Dann kam der kulturelle Höhepunkt der Messe. Gemeinsam wurden die ersten beiden Strophen des Liedes Nr. 9 aus dem Pastfarianischen Liederbuch gesungen, "Ein bissfest Burg ist unser Gott" von Dr. Martin Nudler aus dem Jahre 1515.


Nun folgte der kulinarische Höhepunkt, unser Heiliges Abendmahl, mit Nudeln von Seinen nudligen Anhängseln und Bier von Seinem Biervulkan. Das Ende der Messe bildete wie immer das gemeinsame Gebet des Monsterunsers.


Das heißt, so ganz eigentlich nicht. Ein Pastafari war so ergriffen von der Zeremonie, dass er sich nun reif für seine Enttaufung fühlte. Wie die aber über die Bühne bringen, wir hatten weder Strom noch Fön dabei?
In dieser schwierigen Situation hat sich das Monster offenbart. Es schenkte uns die Idee, den heißen Atem von Bruder Spaghettus zu nutzen.

Niemand wird überrascht sein, dass mit dieser göttlichen Unterstützung auch noch der Sonderwunsch von Bruder Pasta Intimo Amigo erfüllt werden konnte.



Wie immer klang die Messe in gemütlicher Runde aus. Aber ein paar Piraten schien das noch nicht zu reichen, so kam es doch noch zu einem Abstecher ins Knofel, wo wir wie immer herzlich begrüßt wurden.


Auf ein Nächstes. Wenn ihr auch einmal dabei sein möchtet, bitte einfach eine Mail an info@pastafari.eu. Dann kommt ihr mit auf den Verteiler der Spreeräuber und wisst immer Bescheid.


Bis denne


 

13.08.2020

Das Wort zum Freitag - Wandelbares Monster


Bei uns hat sich einiges getan, auch äußerlich. Besonders seit Beginn der Urlaubssaison halten viele Reisende, ob mit Fahrrad, Motorrad oder Auto, vor unserer Kirche an. Bei den Pedalrittern meist, weil die Flagge, der Schaukasten und nun auch die Flyerangebote im Vorbeifahren einfach dazu animieren. 


Bei den Motorisieren ist es anders, die kommen überwiegend gezielt hierher. Das sind nicht nur Urlauber aus Templin und Umgebung, sondern oft auch welche, die auf der Fahrt vom Urlaubsort nach Hause oder umgekehrt eine kleinen Umweg gemacht haben. Manche habe es eilig, lesen nur im Schaukasten und bedienen sich an den Flyern, andere möchten auch gern mal das Innere der Kirche sehen und oft wird dann dort ein Foto gemacht.
 
Heute kam ein Pärchen mit kleinem Sohn, das eben einen solchen Umweg vom Urlaub in Südschweden auf der Reise nach Leipzig eingeschoben hat. Die kamen nicht nur, um etwas mitzunehmen, nein, sie hatten sogar etwas mitgebracht. Auf einem alten Steinhaufen in Dänemark hatten sie einen, ganz offensichtlich rituellen, Stein gefunden. Für die Finder und auch für mich war sofort klar, das muss ein Symbol des Fliegenden Spaghettimonsters aus Wikingerzeiten sein.  

Ist es nicht verblüffend, in wie viel verschiedenen Gestalten ES sich zeigt? Noch heute ist es so, dass in vielen Ländern völlig andere Monsterbilder bestehen. 

Welches Monster ist nun das Richtige? Es ist ein Zeichen für die Weisheit, die im Pastafaritum liegt, das sich für uns diese Frage gar nicht erst stellt.  Das Evangelium sagt uns, wir haben an allem zu zweifeln. 

Wenn das so ist, dann natürlich zuerst auch an unserer eigenen Meinung und wenn das so ist, wer könnte dann noch behaupten, sein Monster sei das einzig wahre?  Natürlich gehen auch wir davon aus, dass unsere eigene, auf Erfahrung und Fakten basierende Meinung richtig ist. Wäre dem nicht so, würden wir sie ja ändern. 

Aber wir wissen auch, dass Andere andere Erfahrungen haben. 
Wir wissen, dass es bei unseren Wahrnehmungen immer wieder zu Fehlern kommt und wir wissen, dass uns unsere Erinnerung immer wieder mal einen Streich spielt. 
Wir können also gar nicht die richtige Meinung haben, sondern nur eine, die wir momentan für richtig halten.  

Wenn es aber nur Meinungen gibt, die nie wirklich die Realität wieder geben, sondern nur Annäherungen sind, kann es auch viele Meinungen geben, die bei gleicher Annäherung gleich richtig sind.  Was fangen wir nun mit dieser Erkenntnis an? 

Das dürfte wohl auch von der persönlichen Prägung abhängen. Ich leite für mich daraus ab, das es falsch ist, andere Meinungen, auch wenn sie erst mal schräg daher kommen, zu verdammen.

Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung und jede ist es wert, darüber nachzudenken. Natürlich gibt es auch Meinungen, die ich dann völlig ablehne. Für mich. Aber ich akzeptiere, dass andere diese vielleicht teilen. Ich würde niemals versuchen, warum und mit welchen Mitteln auch immer, diese Meinungen zu unterdrücken. Warum auch?

Wenn ich versuche, sie mit Argumenten zu widerlegen, muss ich mich anders mit der Materie beschäftigen, als ich es bisher getan habe. Wenn ich es also auch in den meisten Fällen nicht schaffen werde, Meinungen zu ändern, habe ich doch immer etwas dazu gelernt. Vielleicht klappt es dann beim nächsten Mal mit der Überzeugungsarbeit besser, vielleicht ändert sich aber auch meine Meinung. 

Meinungsaustausch ist ein wichtiger Ansatz für gesellschaftliche Entwicklung. Wir sollten alles tun, damit der nicht gefährdet wird.

08.08.2020

Das Wort zum Freitag - Fragen über Fragen

 

Ich fange mal mit der wichtigsten Frage an, mit der, die ich mir zunächst gestellt habe: Kann man so ein Schreiben veröffentlichen?

Wie ihr seht, habe ich mich für ja entschieden. Zum Einen, weil es anonym geschieht, zum Anderen, weil ich auch noch dezente Hinweise zur Person im Text gelöscht habe. Aber auch, weil es ein schönes Thema für ein Wort zum Freitag ist. Hier das Schreiben, das gleich zwei Mal verschickt wurde,  einmal an unsere Vereinsadresse, einmal an mich persönlich:

Sehr geehrter Herr Weida,

Es mag Ihnen seltsam erscheinen, dass ich Ihnen schreibe, und wahrscheinlich ist es das auch. Trotzdem wäre ich dankbar, wenn Sie mir auf meine Fragen antworten könnten. Bitte lesen Sie diese Nachricht ganz, bevor Sie über mich urteilen. Ich möchte auf keinen Fall rechthaberisch oder dogmatisch erscheinen, allerdings wäre ich auch sehr verbunden, wenn Sie mir ernsthaft antworten könnten. Ironie oder Sarkasmus hilft mir gerade wenig weiter, zumal ich auch sehr schlecht bin, solchen herauszufiltern.

Aber lassen Sie mich von vorne anfangen. Meine Großeltern mütterlicherseits sind sehr gläubig, die meines Vaters, speziell mein Vater selbst recht atheistisch.

Ich selbst habe zwar alle katholischen Sakramente durchlaufen, aber Religion spielte in meiner Erziehung keine große Rolle. Die Bibel habe ich eigentlich immer als "Lebensweisheitssammlung", aber mit Interesse gelesen. Ich hätte mich bis vor Kurzem wohl als Taizé-Christ bezeichnet, obwohl, oder vielleicht genau weil ich mich eher zu den Naturwissenschaften hingezogen fühlte, aber wie Sie an dem Konjunktiv erkennen können, zweifle ich nun etwas, beziehungsweise ich bin verzweifelt.

Denn auch, wenn ich schon mit einigen Atheisten Kontakt hatte, gezweifelt habe ich kaum, die "Debatten" wurden sachlich geführt, waren irgendwann vorbei. Erst als ich ...., bin ich in Kontakt mit recht - ich sage nun mal aufdringlichen Atheisten - getreten, die den Glauben an sich verspotteten, als feige, dumm oder schizophren bezeichneten. Nicht direkt auf mich bezogen, da ich mich nicht als Christ "geoutet" hatte, aber seitdem denke ich darüber nach. Gut, da werden Sie eine ähnliche Meinung haben, mit dem Argument der "Zahnfee".

Nun, das ist jetzt schon einige Monate her, und seitdem Frage ich mich, was für eine Person, die nicht an Gott glaubt der Sinn des Lebens ist. Die Ansichten, die ich bekommen habe, haben mich um ehrlich zu sehen nicht überzeugt.

Meiner Ansicht nach kann man als Atheist keinen Sinn erkennen oder aber erschaffen.

Eine Sinn ist meiner Meinung nach immer etwas Nachhaltiges, ein Ziel, eine (positive) Wirkung. So ist der Sinn von Geld, dass man damit etwas kaufen kann. Man schläft, damit man am nächsten Tag ausgeschlafen ist. Man isst, damit man überlebt.

Wo ist er dann allgemein im Leben? In der Freundschaft mit den Anderen? Jeder, der heute lebt wird höchstwahrscheinlich in 100 Jahren tot sein. In der menschlichen Gesellschaft, die auch in irgendwann untergehen wird? Irgendwann wird sich niemand mehr an mich erinnern, ein Name auf einer Totentafel oder die weitergegebenen Gene so verdünnt, dass es kaum noch erwähnenswert ist. Und selbst wenn es gelingt, andere Planeten zu besiedeln, die schwarzen Löcher machen allem Leben den Grauß. Also nichts, was von den Menschen, von allem Leben der Erde übrig bleibt.

Den Sinn im Leben, den kann man sich selbst aussuchen, die Leute, mit denen man sich beschäftigt, die Themen, Dinge, die man herstellt oder verbessert, einen Garten, den man hegt und pflegt. Aber mit dem Tod endet aller solcher Sinn. Den Sinn des Lebens kann es also zumindest aus meiner Sicht ohne eine metaphysische, spirituelle Komponente geben, einen Sinn für die Ewigkeit.

Natürlich gibt es keine Versicherung für das Leben, aber wenn man sich im Leben immer wieder mit dieser Hoffnungslosigkeit, diesem Abgrund konfrontiert sieht. Auch wenn die Religion nur ein Trostpflaster ist, so ist die Wunde darunter tödlich. Ich verstehe nicht, wie z.B. Daniel Bennet oder Richard Dawkins und alle anderen, die den Sinn des Lebens verneinen, mit diesem Nihilismus klarkommen.

Was ist also die Alternative zu einem religiösem Weltbild, mit dem man leben kann, ohne zu verzweifeln?

Wie kann man man angesicht des Klimawandels Panik bekommen, aber nicht angesicht des eigenen Todes, was doch aufs Gleiche hinauskommt. Als Mensch kann man mit dem Tod meiner Meinung nach nur auf zwei Arten umgehen: Entweder durch Verdrängung oder mithilfe einer Religion oder eines Glaubens. An sich könnte man sich doch sonst einfach das Leben nehmen.

Was ich mich auch frage: Aus welchem Grund sollte man überhaupt den Klimawandel aufhalten wollen?

Atheisten verorten den Menschen komplett im Materiellen, das heißt, wenn man nicht selbst Mensch ist, könnte man den Menschen ohne Probleme mit einem Holztisch vergleichen. Die Ethik begründet sich, atheistisch oder nicht, auf der Devise der goldenen Regel, aber meiner Meinung nach gibt es einen Unterschied in der Behandlung von Ungeborenen. Rein theoretisch wäre der Klimawandel also kein Problem, da die Ungeborenen keine Menschen sind und man somit nur auf die bereits existierenden Personen auf der Erde bedacht werden. Somit ist es eigentlich egal, ob die Welt in absehbarer Zukunft oder erst später untergeht.

Eine letzte Frage direkt zu Ihrer Organisation. Ist diese komplett atheistisch aufgebaut oder gibt es auch "Doppeltmitgliedschaften", z.B. mit der Kirche oder einer islamischen Organisation? Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von Ihnen halten soll, wenn ich ehrlich bin. Wie schon gesagt, ich bin sehr schlecht, wenn es um Sarkasmus und Ironie geht.

Ich bin kein Philosoph, sondern ...., also kann es sein, dass meine Gedanken unstukturiert und alles unprofessionell ist. Aber ich bin gerade extrem niedergeschlagen und ruhelos und suche auf jede nur mögliche Weise nach Antworten. Es tut mir leid, dass ich Sie auf diese Art belästige, ich würde nur gerne Ihre Denkweise verstehen. Daher wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir antworten könnten.

Mit freundlichen Grüßen,


Hier meine Antwort, bei der ich davon ausgegangen bin, dass hier wirklich jemand Hilfe sucht. Nur deshalb habe ich überhaupt geantwortet:

Hallo ...,

da gibt es ja Einiges, was dich umtreibt. Ich bin ziemlich sicher, dass ich nicht alles beantworten kann. Am Einfachsten ist die Frage nach unserer Kirche. Wir sehen uns gar nicht als solche, sondern als Weltanschauungsgemeinschaft. Das Spaghettimonster nutzen wir nur als Parodie, einerseits, um so zu zeigen, wie Religion funktioniert, andererseits um unsere eigentliche Botschaft, den evolutionären Humanismus, unter die Leute zu bringen.

Bei uns kann jeder mitmachen, der hinter den Zielen unserer Vereinssatzung steht. Der evolutionäre Humanismus geht davon aus, dass es keine Geister, Elfen, Trollen, Götter, Feen oder sonst etwas gibt, sondern dass es auf Erden "natürlich" zugeht.  Das passt natürlich nicht zu irgendeinem Glauben, der genau das behauptet.

Im Übrigen ist es vielleicht am besten, dir einmal zu schildern, wie ich mit deinen Problemen umgehe. Ehrlich gesagt, ist nicht eins davon für mich überhaupt ein Problem. Welchen Sinn sollte denn das Leben noch haben, wenn man tot ist? Doch genau den gleichen, den es hatte, bevor man geboren war: keinen. Das ist das Normalste von der Welt und schon Epikur hatte erkannt: Der Tod geht uns nichts an, existieren wir, ist er nicht, ist er, existieren wir nicht mehr.

Mit dem Tod ist alles vorbei, genau wie bei allen anderen Tieren. Der Tod braucht nicht verdrängt zu werden, sondern einfach akzeptiert. Das ist aber doch kein Problem, vielleicht sogar eher eine Erlösung. Ewig währendes Leben, egal ob als Lebewesen oder als "Seele", wäre für mich eine Gruselvorstellung.

Einen Sinn kann man nur für sich individuell finden. Vielleicht könnten dir da die 10 Angebote des Evolutionären Humanismus weiter helfen:

http://www.leitkultur-humanismus.de/manangebote.htm

Auch dein nächstes Problem, dass man als Atheist keinen Sinn schaffen kann, ist keins. Atheismus ist doch keine eigene Weltanschauung. Es bedeutet lediglich, dass in der Weltanschauung der betreffenden Person keine Götter vorkommen. Auf diese Weltanschauung kommt es an, bei uns ist es, wie gesagt, der evolutionäre Humanismus. Unser Credo lautet: Wer Wissenschaft, Philosophie und Kunst hat, braucht keine Religion.

Damit können alle menschlichen Bedürfnisse gut erfüllt werden. Es gibt nicht den mindesten Grund, ohne religiöses Weltbild zu verzweifeln. Im Gegenteil, es befreit, denn wer will schon so grausamen Göttern wie Jahwe/Allah dienen? Wer will überhaupt nur Diener und Befehlsempfänger sein?

Der Mensch braucht keine Religion, um gut zu sein. Altruismus ist schon in uns angelegt. Religion schafft es eher, diesen Altruismus zu unterdrücken, in dem sie den Anderen nicht einfach als Anderen, sondern als Falschgläubigen bzw. Ungläubigen sieht und ihn so zum Feind macht. In dem Sinne hat Steven Weinberg völlig recht, wenn er sagt: „Religion ist eine Beleidigung der Menschenwürde. Mit ihr oder ohne sie würden gute Menschen Gutes tun und böse Menschen Böses. Aber damit gute Menschen Böses tun, bedarf es der Religion.“

Für mich ist klar, Religion ist gesellschaftsschädlich. Sie führt dazu, Menschen vom eigenen Denken abzuhalten und nur in uralten, selbst damals schon nicht besonders fortschrittlichen Schriften nach Antworten auf aktuelle Fragen zu suchen. Vor allem aber setzt sie durch ihre Dogmen sogar regelrechte Denkverbote, die die gesellschaftliche Entwicklung verhindern.

Ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen.

Mit nudligen Grüßen

Bruder Spaghettus


Darauf kam dann folgende Antwort:

Hallo Herr Weida,

Ich möchte noch einmal zurückschreiben, weil sich bei mir noch Fragen angesammelt haben, vor allem bezüglich ihres letzten Absatzes, in dem Sie Religion als gesellschaftsschädlich bezeichneten. Hier ist mir der Satz aufgefallen, Religion hält Menschen vom Denken ab und tatsächlich ist mir der Vorwurf schon öfters begegnet, doch ich verstehe einfach nicht, warum gläubig von vielen Ecken, zumindest in meiner Generation sofort mit dumm, schizophren oder unmündig gleichgesetzt wird. Und diese Gleichsetzung verstehe ich nicht, zumindest nicht in jedem Fall.

Aber zuerst möchte ich nochmals meine Position klarstellen: Ich bin ....aufgewachsen, aber alle haben sich mit Respekt behandelt, und jeder hatte sein eigenes Fachgebiet, bei dem man denjenigen immer um Rat fragen konnte. In meiner Gemeinde gab es einen Pfarrer, der .... und dessen Ansichten modern und humanistisch sind.

Ich habe bisher mit keinem Kirchenmann Kontakt gehabt, der die Evolutionstheorie geleugnet hat. Auch bei der Bibel, die ich wie gesagt immer methaphorisch gelesen habe, und die immer als unlogisch und voller Wiedersprüche gilt, habe ich als doch zumindest hilfreiche Lebensweisheitssammlung wargenommen. Kann man als Gläubiger nicht denken? Ist diese Gleichsetzung nicht genauso dogmatisch, wie es der Religion vorgeworfen wird?

Warum ist Glaube so gegen die Wissenschaft? Natürlich ist die Annahme eines tranzendenten Wesens naturwissenschaftlich nicht korrekt, genauso unwissenschaftlich ist es, diese Möglichkeit auszuschließen. Diese Frage kann man doch nur für sich selbst als Mensch beantworten, die Wissenschaft an sich muss immer bei "Weiß nicht" bleiben.

Daher kann ich diese Meinung nicht verstehen, zumal viele Ihrer Ansichten sich mit denen der "offiziellen Kirche" übereinstimmen.

Hier spreche ich explizit von einer fortschrittlichen, auch wissenschaftsbasierten Kirche, mit dem evangelikalen Spektrum kenne ich mich nicht aus und hatte auch noch keine Kontakte dahingehend.

Der Kampf gegen den Klimawandel, der bei Ihnen, als auch bei den beiden Großkirchen eine große Rolle spielt. Sowohl Sie als auch die Christen (und Muslime- mit Juden hatte ich noch keinen Kontakt), die ich kennengelernt habe betonen Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Demut.

Über Argumente, die ich häufig gelesen habe, möchte ich folgend nun meine Gedanken aufzeigen:

Auf der einen Seite wird das Argument gebracht, dass die Kirche jahrhundertelang z.B. Schwule Frauen oder Juden diskrimminiert hat, stellen sich aber freiwillig in die Tradition von Religionskritikern und Philosophen, die die gleiche Meinung vertreten. Z.B. Karl Marx als Antisemit, Nietsche: Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht.Sie waren eben auch in ihrer Zeit gefangen. Hat der Atheismus das Recht, sich weiterzuentwickeln, die Religion allerdings nicht? Dieses Argument ist für mich nicht schlüssig und fällt dadurch weg.

Eine andere Meinung, die ich in einem Forum gelesen habe: Wie kann man moralisch handeln, wenn man so doof ist und sich schon eine solch irrationale Meinung lenken lässt. "Ich kenne solche selbsternannten, christlichen Humanisten", habe ich im Humanistischen Pressedienst gelesen. Auf der einen Seite wird betont, dass Humanismus keine Religion ist, auf der anderen Seite ist man vom Humanismus ausgeschlossen, wenn man einer Religion angehört? Um ehrlich zu sein, empfinde ich dies als irrational.

Das Religion Gewalt hervorruft, wird von Christen/allgemein Religiösen oft mit den "Argumenten" Hitler, Stalin gecountert, was wiederum entkräftet wird, dass Hitler Katholik niemals exommunizierter Katholik war und Stalin... Aber das ist nicht der Punkt, Kriege gab es schon seit dem Beginn der Menschheit. Es ist ein "natürliches Phänomen", das es schon ohne Religionskonflikte gab. Die Römer haben Kriege geführt, die Kultur war effizient, trotzdem nicht unbedingt human, und das definitiv nicht aufgrund einer Religion. (Sie haben schließlich auch die Götter der Gegenseite angenommen.)

Und auch die religiös motivierten Konflikte haben weitere Hintergedanken, also wirtschaftliche Motivationen, die Religion war der Rechtfertigungsgrund.

So Gruselig die Vorstellung für Sie ist, ewig zu leben, so schlimm ist für mich der Gedanke, dass alles "umsonst" sein sollte. Seit meiner Kindheit habe ich davon Albträume.

Aus Sicht eines Nichtgläubigen ist der Glaube (sofern human und für Mitmenschen nicht gefährdend) zumindest wie ein Krückstock für eine Person mit Laufproblemen. Was sagt es über den Charakter einer Person aus, wenn sie sich darüber lustig macht, dass sie ohne nicht laufen kann? Sofern er den Krückstock nicht dafür verwendet, nach anderen zu schlagen, ist es dann nicht in Ordnung?

Mit freundlichem Gruß,

Und hier meine öffentliche Antwort und damit, zumindest für mich, das Ende des Austausches.


Hallo.....

ich dachte, ich hätte ziemlich klar beschrieben, warum Religion gesellschaftsschädlich ist und vom Denken abhält. Ich verstehe nicht, wie man da herauslesen kann, ich würde behaupten, alle Religiösen seine dumm. Wenn man Antworten auswendig gelernt hat oder ständig vorgebetet bekommt, muss man einfach nicht mehr selbst nach welchen suchen. Wenn diese Antworten dann auch noch untauglich sind, ist das schädlich für die ganze Gesellschaft. Darum geht es.

Allerdings scheint es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Bildung und Religion zu geben. Beide Seiten verhalten sich wie eine Waage, steigt die eine, sinkt die andere. Als Ursache vermute ich, jemand, der durch Bildung gelernt hat, Zusammenhänge dort zu suchen, wo sie sind und sie zu begreifen, sucht sie nicht in alten, grausamen, menschen- und besonders frauenfeindlichen Schriften. Man ist also nicht mehr nur ausführendes Organ des angeblichen Willens angeblicher Götter, sondern handelt selbst. Damit ist man auch selbst verantwortlich für sein Handeln, man kann sich nicht hinter dem Auftrag einer höheren Macht verstecken und muss seine Entscheidungen um so bewusster treffen.

Noch einmal: Atheismus ist keine Weltanschauung. Deshalb kann er sich auch gar nicht weiter entwickeln. Was sich weiter entwickeln kann, und das auch tut,  sind verschiedene atheistische Weltanschauungen, wie z.B. der Humanismus und der Utilitarismus. Natürlich dürfen sich auch religiöse Weltanschauungen weiterentwickeln. Sie tun es ja auch in gewissen Grenzen. Gegenwärtig geht die Tendenz wohl in Richtung Fundamentalismus.

Eine wissenschaftsbasierte Kirche ist allerdings eine völlige Unmöglichkeit. Dazu reicht es nicht, die Evolutionstheorie anzuerkennen, dazu müssten sämtliche Dogmen über Bord geworfen werden, nicht nur solche umstrittenen, wie die unbefleckte Empfängnis, sondern auch die Erbsünde und alle anderen bis hin zur Existenz von Göttern.

Sicher, es gibt auch Kriege  die keine religiösen Ursachen haben, aber es gibt eben auch die. Sowohl im Christentum als auch im Islam als auch beide gegeneinander. Oft ging es gegen Abspaltungen, die sich nicht an die ursprüngliche Lehre halten wollten, so bei den Hugenotten, bei den Wiedertäufern und bei der gnadenlosen Ausrottung der Katharer. Im Islam sind sich die Schiiten und die Sunniten bis heute nicht grün. Nicht immer, aber oft, ist dann wirklich die Religion die Hauptursache für den Krieg. Das die zumindest einen ausgezeichneten Vorwand bietet, wirst auch du nicht abstreiten wollen. Religion hat die Eigenschaft, die Gruppen nach innen zu stärken und nach außen zu teilen. Dann ist der  andere nicht mehr ein Mitmensch, sondern einer mit der falschen Religion. So lassen sich prima die Einen auf die Anderen hetzen.

Die Albträume wegen der Endlichkeit des Leben sind reine Erziehungssache. Wer von Anfang an damit erzogen wird und lebt, bekommt die nicht.

Sicher, Glaube mag für manchen eine Krücke sein. Die gönne ich ihm auch, jeder darf glauben, was er möchte. Deshalb habe und werde ich nie gegen einzelne Gläubige diskutieren. Mir zu unterstellen, ich würde mich darüber lustig machen, wenn jemand mit einer Krücke herumläuft und daraus Schlüsse auf meinen Charakter ableiten zu wollen, halte ich für unverschämt. Ich mache mich nicht über die Gläubigen lustig, ich weise darauf hin, dass es in der heutigen Zeit viel bessere Hilfsmittel für Gehbehinderte gibt, als Krücken.

Mit nudligem Gruß

Bruder Spaghettus


31.07.2020

Das Wort zum Freitag - Aber die Kirchen tun doch so viel Gutes


Die Zeiten der Volkskirche sind vorbei. Noch nie gab es so viele Kirchenaustritte wie im letzten Jahr. Kirchenvertreter sind besorgt und versuchen mit vielen Mitteln gegenzusteuern, im Kirchenkreis Mecklenburg werden sogar 42 Kirchen zu zeitweiligen Kinosälen. Es scheint alles nichts zu helfen, fast die Hälfte der verbliebenen Schäfchen denkt trotzdem daran, die Herde zu verlassen.

Auf der anderen Seite organisieren sich immer mehr Humanisten auf verschiedensten Ebenen. In ihren Organisationen wachsen die Mitgliederzahlen.

Trotzdem scheint beides den Einfluss der Kirchen auf die Politik nicht zu mindern, sondern eher noch zu stärken. Liegt es daran, dass trotz des Wachstums bei den Humanisten deren Gesamtzahl, der Förderkreis der giordano bruno stifung z.B. hat gerade die 10.000erMarke geknackt, im Vergleich doch noch niedrig ist?
Sie können also noch lange nicht den Druck auf die Politik ausüben, wie es der riesige kirchliche Lobbyistenapparat tut.

Mir scheint das nicht die einzige Ursache zu sein. Bald werden die Konfessionslosen bundesweit in der Mehrheit sein, in manchen Großstädten sind sie es schon jetzt. Ob nun aus traditionell geprägt, als Folge der geschickten kirchlichen Selbstdarstellung oder einfach aus Unwissen über tatsächliche Gegebenheiten, für viele ist klar: Die Kirchen tun doch so viel Gutes.

Es stimmt, die Kirchen tun auch Gutes. Aber sie tun es vor allem mit dem Geld der Anderer, vor allem der öffentlichen Hand. Caritas und Diakonie geben nicht einmal 2% an Eigenmitteln für die Arbeit des jeweiligen Sozialkonzerns auf. Verschwindend wenig für den ungeheueren Werbeeffekt, den sie damit für sich erreichen. Ganz abgesehen davon, dass Kirche auch einiges tun, was sich als überaus schädlich für die Gesellschaft erweist. Das dürfte das Gute zumindest neutralisieren.

Noch ein zweite Ansicht ist bei Konfessionslosen oft zu beobachten: Ich bin nicht gläubig, was geht es mich also an, was die machen?

Auch hierfür könnte mangelndes Wissen die Ursache sein. Die Kirchen sind so fest in den Gesetzgebungsprozess in Deutschland eingebunden, dass sie über diesen Weg das Leben aller, nicht nur das der Gläubigen, beeinflussen. Ganz massiv sieht man das beim Ringen um die Präimplantationsdiagnostik, damals wie heute. Man sieht es in der Debatte und in der Praxis der Schwangerschaftsunterbrechung und man erkennt es im Ringen um ein selbstbestimmtes Sterben.

Das sind nur die wichtigsten Beispiele, die Kirche hat wirklich überall ihre Finger im Spiel. Oft sogar so, dass selbst ihre Mitglieder nicht damit klar kommen, und dann sagen ausgerechnet Humanisten: "Ach, was geht es mich an, was die Kirche macht?"

Erst wenn wir es schaffen, immer mehr Konfessionlose aus dieser passiven Haltung in eine aktive zu bringen, werden wir es auch schaffen, den Einfluss der Kirchen auf die Politik und damit auf die Gesellschaft spürbar zu vermindern.

23.07.2020

Das Wort zum Freitag - Scientology Sex Skandal

aus der Reihe "Oldies but Goldies"



Unfassbar! Uns wurde ein Foto zugespielt, das ein völlig neues Licht auf den Umgang Scientologys mit Sex wirft.

Bisher war nur bekannt, ST nutze Wissen über sexuelle Details dazu, Gegner zum Schweigen zu bringen. Bei Nicole Kidman z.B. Der Sohn Ron L Hubbards wird sogar zitiert: «Du hast die volle Kontrolle über jemanden, wenn du jedes Detail über sein Sexleben und seine Phantasien aufgezeichnet hast. Der Fokus liegt bei Scientology auf Sex. Sex, Sex, Sex.»

Wie lässt sich nun dieses schockierende Foto einordnen? Kommen nun über führende Mitglieder der Sekte selbst Details ans Licht, die geeignet sein könnten, sie für ihre Funktion untragbar zu machen, ja die ganze Organisation in einen Strudel zu reißen? 

Ein führendes Mitglied der Sekte, Sabine Weber, Vizepräsidentin der Scientology Deutschland in Berlin, ist dort klar und eindeutig zu erkennen. Lächelnd und offensichtlich glücklich. In einer Umgebung, in der von ihr alles andere zu erwarten wäre. Die Erklärung, dass sich Sabine einfach was Flottes fürs Schlafzimmer ausleihen wollte, ist wohl kaum glaubhaft.

Leider ist es uns nicht gelungen, unserem Informanten mehr als dieses Bild zu entreißen. Mehr als die 200.000 Euro aus unserer Portokasse, die ihm viel zu wenig waren, wollten wir dann doch nicht für nähere Hintergrundinformationen ausgeben.
Wozu auch. Die Fragen, die nun unbedingt gestellt werden müssen, können auch so gestellt werden:

Was macht S. in solcher Umgebung? 
Was hat es mit den 20.000 Sexvideos auf sich? 
Sind das welche von deutschen Bürgern die damit gezwungen werden sollen, ST als Religion, als Kirche, gar als von SEINEN nudligen Anhängseln getragen, hinzustellen? 
Oder sind es Videos von Sektenmitgliedern um die am Ausstieg zu hindern? 
Sind es gar Videos von Mitgliedern aus dem innersten Kreis die diese im internen Machtkampf einsetzen wollen?
Aber warum befinden sich diese Videos dann im Verleih?

Natürlich kann alles auch ganz anders sein. Es könnte sich um wissenschaftliche Videos von Paarungsversuchen Außerirdischer handeln. Um eine Versuchsreihe Xenus den Sex seiner Untertanen so zu gestalten, dass Nachwuchs ausgeschlossen ist. Um Lehrvideos sozusagen, die ihm sein Problem der Überbevölkerung vom Hals schaffen sollten. Dann macht es auch Sinn, dass sich die Videos im Verleih befinden. Ihr wisst schon, warum. :-))
Bis heute gibt’s viel zu viel Scientologen.

Erstveröffentlichung am 16.06.2008

16.07.2020

Das Wort zum Freitag - Der Trutzorden der Weisen Retter des Heiligen Glases



Einer ergreifenden Zeremonie durften die Teilnehmer der Nudelmesse letzten Freitag in Templin beiwohnen.

Bojenkommandant Holger musste vor den Nudler treten. Der hatte das Zeremonienschwert in der Hand und forderte ihn auf, sein Haupt zu senken. Nach je zwei Schwertschlägen mit der flachen Klinge auf beide Schultern und gegen die Stirn kamen von Bruder Spaghettus die entscheidenden Worte:

"Nun, Bojenkommandant Holger, erhebe dein Haupt als "Großer Spaghettone des schäumenden Hefegetränks vom Trutzorden der Weisen Retter des Heiligen Glases"" )*. Das Große Konklave der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland hat beschlossen, dich für deine Verdienste um die Gestaltung unserer Webseite als vierten Retter in diesen uralten pastafarianischen Orden aufzunehmen."

Ich könnt euch sicher vorstellen, wie berührt der vorher nichtsahnende Bojenkommandant war. Nun steht er an der Seite der Großen Spaghettona des schäumenden Hefegetränks Elli Spirelli und Farfallina Carbonara sowie des Großen Spaghettone des schäumenden Hefegetränks Dr. Winfried Rath, die bereits 2016 anlässlich des 10jährigen Bestehens unserer Kirche in den Orden aufgenommen wurden.

Mögen Seine nudligen Anhängsel sie alle Zeit sanft berühren, sie stärken und immer den rechten Weg finden lassen.







)*  Orden haben in den Kirchen eine lange Tradition. Begründet wurde die, es wird niemanden wundern, wieder einmal von den Urpastafari, und zwar genau mit dem "Trutzorden der weisen Retter des Heiligen Glases".

Anlass war der Urknall. Ihr erinnert euch, unser liebes Monster hatte sich nach der Schaffung der Erde am Biervulkan verlustiert. So sehr, dass es aus seinem Bettchen fiel, auf das Firmament knallte und so den Urknall schuf. Das hat ein paar Piraten nachdenklich gemacht. Wo ist den jetzt das Glas, aus dem ES sein Bier geschlürft hat? Dieses Glas, benutzt von IHM, muss doch etwas ganz besonderes sein. Was, wenn es den Pinguinen oder den Kleinwüchsigen in die Hände fallen würde? Das darf nie geschehen und um das zu verhindern, war der Orden eine einleuchtende Lösung. Doch davon ein andermal mehr, das ist eine Geschichte für sich.

Was aber noch interessant ist, irgendwie ist zwar der Orden in Vergessenheit geraten, aber die Geschichte eines besonderen, von einem Gott genutzten Trinkgefäßes hatte sich, wenn auch in einer völlig absurden Art, erhalten. Die Ungläubigen gründeten einen neuen Orden, um dieses Gefäß zu suchen. Wahre Wunderdinge versprachen sie sich von ihm. Allein, gefunden haben sie ihn nie, trotz ihrer großen roten Kreuze auf ihren Gewändern. Die gehen übrigens auf die alte Sitte zurück, Töpfe, Kannen und große Gläser auf die Zäune an den Häusern zu stülpen. Waren da noch Rotweinreste drin, färbten die das Holz. Rote Kreuze stellen also einen Zaunspfahl und ein Stück der Querhölzer dar, an denen die festgemacht sind.

Na, da habt ihr wieder was dazu gelernt, stimmts?
Mich würde es freuen.