09.01.2020

Das Wort zum Freitag - Pastafari bashen nicht

Jesus prügelt die Händler aus dem Tempel 
Giotto di Bondone - Public domain


Das alte Jahr ist vorbei und hat uns viele Erfolge gebracht, angefangen von der ständig steigenden Mitgliederzahl bis zu weiterer gesellschaftlicher Anerkennung.
Aber in einem Punkt gab es auch einen starken Rückschlag. Nachdem es zeitweilig so aussah, als ob pastsafarianisches Denken immer mehr in der Gesellschaft Fuß fasst, hat sich nun das Gegenteil gezeigt. Dies leider gleich so deutlich und vehement, dass es schon Angst machen kann.

Was ich meine, ist die enorme Polarisierung, die sich überall zeigt. Meinungen werden nicht mehr ausgetauscht, sondern eher zu Waffen auf dem Schlachtfeld. Egal bei welchem Thema, es scheint sich das Motto durchgesetzt zu haben, wer nicht meiner Meinung ist, ist mein Feind. Entsprechend wird dann auch oft auf den eingedroschen.

Streit an allen Ecken und Enden scheint der Normalfall geworden zu sein. Das wäre eigentlich nicht weiter schlimm, wenn er denn sachlich auf Basis von Fakten und ohne jede persönliche Note geführt würde. Solcher Streit ist sogar willkommen, denn er bringt voran. Der Streit, den ich sehe, ist eher einer, bei dem es nicht um Austausch, sondern um Sieg geht, möglichst um einen endgültigen. Um den zu erringen werden auch schon mal Mittel eingesetzt, die, mal eher unterschwellig, mal eher als grobe Keule, den anderen schädigen sollen. Was schon richtig kurios ist, viele, die so vorgehen, vielleicht sogar die meisten, würden sich selbst wohl als Verfechter der Meinungsfreiheit beschreiben. Sie würden wahrscheinlich auch voll und ganz zu dem bekannten Bonmot „Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich werde bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen“ von Evelyn Beatrice Hall stehen und doch polarisieren sie.

Wie derartige Polarisierung ein ganzes Land spalten kann, habe ich einst in Ungarn erlebt. Auch dort hatten die Poliker nach der Wende weniger miteinander, sondern mehr übereinander gesprochen und sich gegenseitig beschimpft. Nach einer entscheidenden Wahl musste ich erleben, dass jahrelange alte Freunde nicht mehr miteinander redeten, weil jeder die andere Partei gewählt hatte. Solche Risse gingen durch Familien und das ganze Land. Zustände, wie ich sie mir hier nicht wünsche.

Versuchen wir im neuen Jahr dazu beizutragen, Ruhe und Sachlichkeit in die Meinungsauseinadersetzungen zu bringen und sie wieder zum Meinungsaustausch zu machen. Machen wir uns und auch anderen klar, was es heißt, pastafarianisch zu denken. Wir kennen keine Dogmen, unsere oberste Pflicht ist, nichts einfach zu akzeptieren, sondern an allem zu zweifeln und alles zu hinterfragen.

Das ist nicht immer einfach, der feste Glaube an absolute Wahrheiten ist bequemer und gibt eher ein Gefühl der Sicherheit. Mit etwas Übung und Gewöhnung kann man aber auch mit dem Zweifel gut und locker und entspannt leben.
Vor allem aber hindert der daran, so zu polarisieren. Wer an allem zweifelt, muss das auch an der Richtigkeit seiner eigenen Meinung. Wer sich eingesteht, dass er immer auch falsch liegen kann, dass sich sogar anerkannte Fakten oft genug später als falsch heraus gestellt haben, wer weiß, das nichts ohne Wahrnehmungsfehler aufgenommen und später in der Erinnerung auch noch weiter verändert wird, wem also klar ist, dass seine Meinung mit Sicherheit nicht fehlerlos ist, kann das auch nicht von anderen verlangen. Im Gegenteil, er hat nicht nur Verständnis für andere Meinungen, er begrüßt sie sogar, denn, siehe oben, richtig geführter Streit bringt uns alle voran, als Person und als Gesellschaft.

Gehen wir deshalb mit gutem Beispiel voran und hoffen wir, dass sich möglichst viele anschließen, wenn wir verkünden:


Pastafari bashen nicht!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen