12.09.2020

Das Wort zum Freitag - Das Zweifeln der Pastafari




Mit diesem Zitat, Piraticus 13:7, beginnt unser Evangelium. Wer wüsste das nicht.


Das für mich Wichtigste kommt aber gleich danach im Vorwort:


Der Pastafarianismus mag zwar die einzige Religion sein, die auf empirischen Beweisen beruht, doch sollte nicht vergessen werden, dass es in diesem Buch um Glaubensfragen geht. Aufmerksame Leser werden im Text zahlreiche Lücken und Widersprüche finden; vielleicht sogar dreiste Lügen und Übertreibungen.…


Weil uns unser Prophet in seiner unendlichen Weisheit aber nicht gesagt hat, wo diese sind, sind wir verpflichtet, an allem zu zweifeln, Monster möge es verhüten, sogar an SEINER Existenz. Dieser Zweifel macht uns zur einzig wissenschaftlichen Religion weltweit.


Ich weiß, diesen Gemeinplatz von mir habt ihr schon öfter gehört. Er hat sich herumgesprochen und eingeprägt. Wie diese Pflicht zum Zweifel unsere Religion geprägt hat, dürfte also jedem klar sein.


Wie aber wirkt sich diese Pflicht auf den einzelnen Pastafari aus? Eine sehr interessante Frage.


Das Pastafaritum hat sich in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich entwickelt, je nach Gegebenheiten und Gesetzgebung. Natürlich auch nach den örtlichen Protagonisten. Und das ist auch gut so. So ist es bunt und (über-)lebensfähig geworden. Manche verstehen sich als Religion, manche als Religionsparodie, wir uns als Weltanschauungsgemeinschaft. Manche sind mehr am Spaß orientiert, andere eher religionskritisch und manche bieten und fördern eigene Werte. Eins aber, und wahrscheinlich nur das, ist allen gemeinsam: Die Pflicht am Zweifeln.


Empirisch ist klar, Pastafari verhalten sich unterschiedlich, weltweit und selbst in der einzelnen Gemeinde. Das ist nur normal. Aber gibt es einen gemeinsamen Kern oder sollte es den zumindest geben?


Ich denke, ja.


Wer sich dem Zweifeln verpflichtet fühlt, sollte vor allem auch an einem zweifeln, an seiner eigenen Meinung. Eigentlich sollte das sogar für jeden gelten, egal ob Pastafari oder nicht. Für die aber doch noch ein kleines bisschen mehr.

Eine Meinung bildet sich durch Wahrnehmung und deren Verarbeitung. Schon bei der Wahrnehmung schleichen sich Fehler ein. Wir nehmen alles fehlerhaft wahr. Unsere Augen, unsere Ohren, unser Geruch und Geschmack sind nicht nur überaus unterschiedlich, sondern auch mangelhaft. Wir nehmen aber auch alles selektiv wahr. Teilnehmer am gleichen Gespräch haben deshalb später eventuell völlig unterschiedliche Erinnerungen. Auch diese Erinnerungen sind wieder fehlerhaft, sie ändern sich mit der Zeit und trotzdem hält sie mancher für erwiesene Tatsachen. Letztlich ist auch die Verarbeitung sehr unterschiedlich, sowohl aus biologischen Gründen als auch einfach aus unterschiedlichen Erlebnissen und damit verbunden, unterschiedlicher Lebenserfahrung. Es gibt maximal eine Annäherung an die “Wahrheit”, nie jedoch diese selbst.


Daraus ergibt sich nur ein vernünftiger Schluss. Wenn wir an allem zweifeln müssen, dann auch und sogar zuerst an der Richtigkeit unserer eigenen Meinung.

Wenn wir uns aber unserer eigenen Meinung nicht sicher sein können, müssen wir auch akzeptieren, das Andere auch anderer Meinung sind.

Mehr noch, wir müssen sogar erwägen, dass diese Meinung näher an der Wahrheit sein kann, als unsere eigene.


Wer sich dessen bewusst ist, kann unmöglich Fundamentalist werden. Er kann auch nicht in ideologischen Grenzen denken und von vornherein alles, was über die hinaus geht, ablehnen.


Das heißt nicht, das ein Pastafari für alles! offen sein muss. Dies ergibt sich schon allein aus dem V. ALWM.  Aber es heißt, dass Pastafari offen sein müssen, dass sie niemand nur wegen seiner Meinung ausgrenzen, sondern versuchen, in fairer Diskussion unterschiedliche Meinungen abzuwägen und dabei gegebenenfalls auch ihre zu ändern. Zu versuchen, mit welchen Mitteln auch immer, anderen einfach eine Meinung aufzuzwingen oder gar Andere daran zu hindern, ihre Meinung zu äußern, sollte keinem Pastafari auch nur in den Sinn kommen.


Ist das auch so?


Wohl eher nicht. Ich erwische mich immer wieder mal beim Schubladendenken. Klar, die sind praktisch und erleichtern erst einmal die Bewältigung neuer, überraschender Situationen. Aber ich versuche immer, mir das oben Gesagte rechtzeitig wieder in Erinnerung zu rufen und so  in Diskussionen nicht zu verurteilen, sondern wirklich zu diskutieren. Oft auch streitbar. Streit ist notwendig und kann viel Erkenntnis bringen. Er muss nur in der richtigen Art und Weise ausgetragen werden. 

Möge das mir und auch euch immer besser gelingen.

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