22.10.2020

Das Wort zum Freitag - Unruhig in Assisi





Geschwister in Pasta.

Macht mal für den Moment – metaphorisch – die Äuglein zu und stellt euch folgendes vor:

Eure Nachbarn haben einen Sohn. Er ist fünfzehn, aufgewecktes Kerlchen, engagiert sich im Ort, hat Freunde, schraubt in seiner Freizeit gern an Computern herum – und eines Tages wird er krank. Zunächst denken alle, es sei nur ein Infekt. Aber bald schon liegt der Junge auf der Intensivstation, benötigt eine Blutwäsche, fällt ins Koma. Tage später stirbt er an Herzversagen.

Dreizehn Jahre später, ihr habt wahrscheinlich schon eine ganze Weile nicht mehr an ihn gedacht, gehen fleißige Männer und Frauen hin, graben den Jungen wieder aus, behandeln ihn mit allem was die Rekonstruktion so leisten kann, legen ihn in einen gläsernen Sarg und stellen ihn öffentlich aus.

Wenn ihr jetzt noch nicht aus der Hängematte gesegelt seid; guten Morgen.

Genau das ist nämlich mit einem jungen Mann namens Carlo Acutis geschehen. Geboren in London, gestorben in Monza, zur Verehrung ausgestellt in der Kirche Santa Maria Maggiore in Assisi. (Ja, das Assisi mit dem Franzerl)

Als ich neulich Früh, nichtsahnend, beim Frühstück davon las, fiel mir um ein Haar das Brot aus der Hand. In meinem Hinterkopf öffnete sich ein Türchen, ein kleiner Mann schaute raus, und siehe, er sprach: „Hä?“

Halten wir uns das einmal klar vor Augen: Ein Mensch stirbt. Etwas mehr als ein Jahrzehnt später setzen seine Eltern und ein paar Geistliche sich dafür ein, dass er Seliger werden soll. Das passende Wunder ist schnell gefunden (Angebliche Heilung eines Kindes das unter einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse litt.), die Maschinerie läuft auf Hochtouren. Aufgehübscht und konserviert, mit einer Silikonnachbildung als Gesicht, darf man den Jungen nun bestaunen, Selfies machen, ihn anbeten und auf Fürsprache bei Gott hoffen.

In 2020.
NACH Christus, wohlgemerkt. 

Und die Gruseltour geht weiter. Glaubt nicht, dass wir es schon überstanden hätten! Ihr kennt das; es gibt immer eine geschmacklose Fortsetzung. So will es das Gesetz.

Wie man nachlesen kann (Für den Überblick empfehle ich Wiki mit zahlreichen Fußnoten), ist Carlo seiner Mutter im Traum erschienen um ihr mitzuteilen, dass er nicht nur selig- sondern auch heiliggesprochen werden wird.

Ich will nicht pampig werden [Ok, vielleicht schon], aber kommt nur mir das wie ganz, ganz miese Trauerverarbeitung vor? 

Aber: Es geht immer noch etwas scheußlicher.

In alter Tradition ist Carlo auch nicht mehr vollständig anzutreffen; sein Herz wurde entnommen und wird in einem Reliquiar in einer anderen Kirche (Basilika San Francesco) aufbewahrt.

Und in Brandenburg streitet man sich, ob man von Omma Lieschen ein wenig Asche behalten und als Kapsel bei sich tragen darf. Milligramm anorganischer Staub. Obwohl Omma Lieschen die Idee vielleicht Spitzenklasse fand.

Ich geh mal grad raus und schreie ein bisschen....

... Jetzt kann es weitergehen.

Es ist gar nicht so lange her, da trendete in den sozialen Netzwerken ein Hashtag namens #KircheistZukunft

Wenn das die Vorstellung der Kirche von Moderne und Zukunft ist... Ich weiß auch nicht.

Es gibt bereits offizielle Gebete die Carlos Namen (und den Wunsch ihm ähnlich zu werden) enthalten, und – ohne Mist – eine Webcam die auf sein Grab gerichtet ist. Wahrscheinlich, falls sich da noch ein Wundern tun sollte. Man darf ja nichts verpassen.

Macht die metaphorischen Äuglein lieber wieder auf, sonst träumt ihr noch alb.

Sicher: Carlo war zu Lebzeiten sehr religiös, fühlte sich Jesus eng verbunden... Aber den Jungen deshalb auszustopfen und aufzubahren? Ich will ja niemandes religiöse Gefühle verletzen, aber; 

Das verletzt meine humanistischen Gefühle. Und meine Gallenblase auch.

Ich glaube jedenfalls (*ba-da-tzzzzz*), dass eine Kirche, die derlei zulässt, aktiv fördert und feiert, sehr, sehr weit vom Hier und Jetzt, von Realität und Menschenwürde entfernt ist.

Manchmal hilft wirklich nur ein kräftiges ARRRRRRRGH!


Farfalla Blacksauce, genannt die Kopfschüttelnde

15.10.2020

Das Wort zum Freitag - Halloween in der Bronx


Pit ist dafür verantwortlich, dass in der Bronx die Pastafari an Halloween nicht durch ihr Viertel streunen, um nach Weibern und Grog Ausschau zu halten, wie es unser Evangelium vorgibt. Auch Süßigkeiten an Kinder werden dort nicht verteilt. Ihr fragt euch, warum? Nun Pit ist Polizist und knabbert noch heute an einem unaufgeklärten Fall, der alles für ihn veränderte.

Pit hat einen Sohn, Jonny, der heute fast erwachsen ist. Als kleiner Junge zog Jonny mit allen anderen aus seiner Umgebung an Halloween um die Häuser, kostümiert und mit einem großen Beutel  für die zu erwartenden Süßigkeiten behangen. In Gruppen zogen alle Kinder los, hatten Spaß an ihren Verkleidungen, klingelten an den Türen der Nachbarschaft und sammelten die geschenkten Süßigkeiten ein. Jonny war mit seinen sechseinhalb Jahren der Jüngste in der Gruppe. Zudem war er sehr schmächtig und obendrein der Sohn eines Cops. Das brachte ihm wenige Pluspunkte und seit er zur Schule ging, musste er so manche Schikanen erdulden. Selbst Halloween änderte daran nichts. Die ältesten Kinder entschieden sich nur deshalb dafür, ihn mitzunehmen, weil kleine niedliche Kinder, zu denen auch Jonny zählte, am großzügigsten mit Süßkram beschenkt wurden. Der Plan ging auch diesmal wieder auf. 

Am Ende der Straße angelangt, riss Jim, der Anführer der Gruppe, Jonny seinen prall gefüllten Beutel mit dem erbeuteten Schatz aus der Hand. Die gehässige Bemerkung, dass es nur zu seinem Besten wäre, nicht so viel Süßkram zu futtern, weil sonst die Zähne faulen würden, bekam er gratis dazu. Immerhin durfte Jonny die Ausbeute des letzten Hauses für sich behalten. Jim wollte schließlich keinen Ärger mit Pit, dem sicher aufgefallen wäre, wenn Jonny mit leeren Händen nach Hause käme. Dass Jonny ihn nicht verpetzte, war sicher. 

Natürlich war Jonny sehr traurig, wusste aber auch, dass es keinen Zweck hatte, sich gegen all das zu wehren. Er war noch zu klein, nicht kräftig genug. So ging er, kaum dass er zu Hause eintraf, sofort in sein Zimmer. Er pfefferte die Süßigkeiten wütend in seine Spieltruhe und schmiss sich, so wie er war, aufs Bett, um sofort einzuschlafen. Die Eltern machten sich darüber keine Sorgen. Schließlich durfte Jonny an Halloween länger draußen sein, als üblich.

In den kommenden Tagen war Pit beruflich sehr in Anspruch genommen. Viele Überstunden fielen an, denn im Viertel kam es in Größenordnungen zu Magenverstimmungen bis hin zu Vergiftungserscheinungen. Die Krankenhäuser hatten große Schwierigkeiten, alle Patienten unterzubringen. Der Verdacht erhärtete sich, dass die Ursache in den geschenkten Süßigkeiten zu suchen war. Es folgten Befragungen über Befragungen. Zu einem Ergebnis kam man jedoch nicht. Die Aussagen waren sehr widersprüchlich. Die Kinder klingelten an vielen Haustüren, bekamen fast überall Süßigkeiten, die sich in den prall gefüllten Tüten gut vermischten.  In welchem Apfel steckte nun der Wurm? Puzzlearbeit für die Polizei und Ratlosigkeit.

Pit war erleichtert, dass Jonny nicht betroffen war. Wie auch, hatte Jonny doch seine Ausbeute weitestgehend eingebüßt. Der kleine Schatz, den er achtlos in seine Truhe warf, kam erst wieder in Erinnerung, als er zwei Freunde zum Spielen einlud. Sie kramten die Spielsachen aus der Truhe und fanden dabei die schon vergessenen Süßigkeiten. Gleich machten sich die Freunde darüber her. Jonny verzichtete, er machte sich wenig aus Süßigkeiten und war noch vom reichlichen Mittagessen knüppelsatt.  Ihm blieb daher das Krankenhaus erspart, seinen Freunden nicht. Geistesgegenwärtig witterte Pit eine heiße Spur. Jonny wurde  befragt, geradezu ausgequetscht. Pit bemerkte dabei die geringe Ausbeute an Süßigkeiten. Jonny rückte nun mit der Wahrheit heraus, dass die Süßigkeiten in seinem Beutel nur aus dem letzten Haus der Straße stammten. Nach so vielen Niederlagen in diesem Fall schöpfte Pit wieder Hoffnung, dem Übeltäter nun endlich auf den Pelz rücken zu können. So traurig Halloween für Jonny verlief, jetzt war das ein Glücksfall, um den Täter dingfest machen zu können. Pit wertete die neusten Informationen sofort in seinem Büro aus und zwei Streifenwagen machten sich auf den Weg zu dem von Jonny benannten Haus. Als sie das besagte Haus erreichten, war der Vogel allerdings schon ausgeflogen. Fall gelöst, Täter entkommen!

Pit kämpft seit diesem Tag mit allen Mitteln gegen den Brauch, an Halloween Süßigkeiten zu sammeln. Mit einem seiner Freunde besucht er jedes Jahr im Oktober Schulen und Kindergärten, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Das Praktische daran ist, dass sein Freund  Zahnarzt ist. Der kann gut argumentieren, wenn es darum geht, Süßes nicht in Unmengen zu futtern. Wenn er dann noch ein paar gruselige Fotos zeigt, ist schon im Vorfeld Halloween bei so manchem kleinen Zuhörer leicht verleidet. Also hat Pit sich eine gute Alternative gegen das Süßigkeitensammeln einfallen lassen. Statt Süßigkeiten sammeln die kleinen Geister in seinem Stadtbezirk von nun an allerdings entbehrliche Gegenstände wie Kleidung, Spielzeug, Haushaltsartikel. Bereits Anfang Oktober beginnt das emsige Treiben. Flyer werden erstellt, die die Sammelaktion ankündigen. Die Kinder teilen die Flyer aus und beginnen eine Woche später mit der Sammlung. Wer etwas abzugeben hat, bringt an seiner Haustür eine Socke an, das verabredete Zeichen, dass hier gesammelt werden kann . Haushalte, die nichts abzugeben haben, werden dadurch nicht unnötig belästigt. 

Immer mehr Menschen in der Bronx beteiligen sich an diesem neuen Brauch. Am Ende wird das Zusammengetragene in einem Raum deponiert und jeder, der möchte, kann sich das für ihn Passende gegen einen kleinen Obolus heraussuchen. Ist die Sammelaktion beendet, gibt es für Jung und Alt von den so erworbenen Einnahmen an Halloween ein großes Straßenfest. Wer möchte, kann sich gern verkleiden oder einfach im Piratenornat glänzen. So haben die Kinder an diesem Tag ihren Spaß, wie alle anderen auch. Die Erwachsenen müssen sich nicht übermäßig sorgen, dass das Fest mit einem Krankenhausaufenthalt endet. 

Da der Übeltäter von damals leider bis heute nicht gefasst wurde, überlegt euch gut, an welcher Tür ihr klingelt, meine kleinen Pastafari und denkt daran, Zähne putzen ist wichtig, nicht nur an Halloween. Schließlich seid ihr unserem Monster dabei besonders nahe.

08.10.2020

Das Wort zum Freitag - Was Würde Ein Pirat Tun II


 Zweiter Teil eines Gastbeitrags von Farfalla Blacksauce

Zu Teil 1

Das vierte WWEPT ermutigt uns ein Schiff zu bauen.

Oder zu kapern.

Was sich eben gerade mehr anbietet...

Es steht geschrieben, dass das Schiff einen Menschen erst zum Piraten macht (und zu mehr als einem Typ in einem ulkigen Dress aus Ballonseide).

Das Schiff ist Heimstatt des Piraten, sein Gefährt, sein Rückzugsort und auch sein Schutz, wenn es mal schnell gehen muss. Und sei es auch nur über drei der sieben Meere, oder sogar nur den gedanklichen Baggersee: Ein Schiff bedeutet – dem Grog nicht unähnlich – geistige Beweglichkeit.

Seien wir ehrlich: Wer kann sich ein Schiff in den Garten stellen, oder sich tatsächlich eines leisten, mit dem man die heimischen Gewässer unsicher machen und etwas gegen den Klimawandeln tun kann?

Seht ihr.

Was nun also tun? Scharf nachdenken!

Das Schiff ist vielleicht das deutlichste Attribut eines Piraten, hat die größte Durchschlagskraft im Kampf gegen die Erderwärmung (und anderes). Im Stadtverkehr ist vielleicht aber ein Fahrrad angebrachter. Oder Schusters Rappen. Mit einem Dreimaster zum Supermarkt zu segeln ist jedenfalls keine wirkliche Option.

Dieses Dilemma aber ist es, dass uns tatsächlich inspirieren sollte. Gedanklich beweglich bleiben, den Kurs anpassen können, wenn der Wind der Evidenz sich dreht, immer gut aufpassen, dass man keine ideologische Schlagseite bekommt, immer wach im Ausguck bleiben!

Das geht auch ganz ohne Planken unter den Stiefeln. Seiet selbst ein Schiff!

Statt Teer und Holz, Segeltuch und Masten soll man sich ein Schiff bauen aus dem sicheren Stand des Wissens, aus einem zuverlässigen Quellen-Kompass und einer geistigen Seekarte, die man nie scheu ist zu ergänzen und auszubessern. Kein Seemannsgarn, Männers und Weiberleut! 

(Oder der Klabautermann kommt an Deck.)

Im fünften WWEPT steht schwarz auf weiß: „Suchen Sie sich ein Weib!“

Zugleich ist gesagt: Sucht euch einen Piraten, wenn ihr Weibersleut seid.

Oder sucht euch was anderes. Ob nun Männlein und Weiblein, Weiblein und Weiblein, Männlein und Männlein oder was ganz anderes, irgendwo dazwischen: Wir sind alle Piraten und wir sind alle SEIN Wille. Alles andere ist Grütze.

Auch hier findet sich wieder eine Parallele zu den ALWMs, in denen das Monster uns gleich an mehreren Stellen lehrt, dass wir freundlich sein, Leute nicht nach Äußerlichkeiten (oder anderen natürlichen Sachen) be- und verurteilen sollen. Es ist gehupft wie gehoppelt. 

Gehet also hin, Geschwister in Pasta, und sucht euch einen Menschen (oder mehrere, siehe auch die ALWM IV und VIII, wie’s euch gefällt), der die wahre Perle in eurer Schatztruhe ist – und respektiert dabei auch immer, was andere für sich suchen und finden. 

Gerade auch in diesen wirren Zeiten können WWEPT III und V aber auch ein Sinnbild sein, ein bisschen mehr Liebe und Gemeinsamkeit in die Welt zu tragen. 

Unter der rauen Schale... Ihr wisst schon. 

„Im Zweifel Plündern!“

Nun. Dieses sechste WWEPT klingt erst einmal, als käme man damit recht leicht ins Gehege mit der einen oder anderen Behörde. Oder Klöstern im nord-östlichen England.

Und da es obendrein schon genug Religionsinstitutionen und anderes an Leuten gibt, die sich da bereichern wo ihre Griffeln nix zu suchen haben, sollten wir diesem schlechten Beispiel nicht folgen. Geld und Gut gehört sinnvoll eingesetzt (Wenn man mal von der einen oder anderen Kleinigkeit des Lebens absieht, die man sich so gönnt.), wie uns, abermals, bereits die ALWMs zeigen.

Was aber meinen unser Prophet Bobby und ES, wenn sie uns empfehlen auf Plünderfahrt zu gehen?

(Nein, ich glaube um eine Verwechslung mit Plunder geht es nicht, aber gegen Gebäck ist an sich nichts einzuwenden.)

Die wichtigsten Sätze zur Bedeutung dieses WWEPT finden sich ganz am Anfang und zum Ende des Textes:

„Inaktivität lässt sich nur vermeiden, indem man aktiv wird.“ und

„Wenn Sie wissen wollen, was in der Welt passiert, ziehen Sie los und machen Sie sich schlau!“

(Gefolgt von einem beherzten Aufruf zum Plündern; später mehr dazu.)

Inaktivität, Trägheit... Hm. Gegen Faulheit ist nichts einzuwenden, aber zu viel des Guten ist dann auch wieder ungesund, siehe die Sache mit dem Grog.

Gerade in Zeiten von Homeoffice, Corona und einfach blöden Nachbarn denen man nicht begegnen möchte, kann es wirklich eng und unleidlich unter Deck werden. Aktivität ist gefragt! Lasst euch nicht hängen, Geschwister in Pasta! Packt das Steuerrad und auf geht’s!

Dieses WWEPT ruft uns auf, die Hängematte mal einfach Hängematte sein zu lassen, und uns zu betätigen. Wieso hat das Monster uns (einigermaßen) Verstand gegeben, wenn wir ihn nicht nutzen?

Vor allem der Schluss dieser Handreichung hält uns deutlich vor Auge(n), dass wir schon selbst aus dem Sessel hochkommen müssen, wenn wir wissen wollen was los ist, was zu tun ist, was so passiert.

Das Plündern können wir hier als Suche nach Wissen verstehen. Plündern wir die lokale Presse nach Artikeln und finden wir raus, woher der Wind so weht; Plündern wir die Weiten des www und finden raus, ob das eigentlich stimmt, was die Uschi und der Klaus so sagen, oder was wirkliche Experten dazu meinen! Plündert, Geschwister in Pasta! Plündert Wissen, plündert Neues und Unbekanntes! Füttert euer Hirn genauso gut wie euren Magen.

Es muss aber auch nicht immer die große Kaperfahrt sein. Eine kleine kann es schon tun, für einen Nachmittag. Den Rest der Zeit kann man sich vielleicht kreativ betätigen (Irgendwie muss man ja Räuberbande und Perle auch beschäftigen.). Baut zum Beispiel eine Monsteranz, wie unser aller Bruder Guybrush Rigatoni.

Auf jeden Fall aber: Tut was. Nix hilft besser gegen Flaute und Seekrankheit als was ordentliches anzupacken und fertig zu kriegen.

Zu guter Letzt, die finale WWEPT, der Einlauf in den Hafen sozusagen:

„Arrrrgh!“

Das Arrrgh begleitet uns. Es ist eine überlieferte piratische Begrüßung, ein Wort zum Abschied, und ein guter Einwurf in fast jeder Lebenslage. Das Arrrrgh gehört dazu. Es ist ein Laut der freien, natürlichen Lebensäußerung eines Piraten, es steckt voll Poesie (in der man alles sehen kann was man will, so ein bisschen wie in Wolkenformationen) und kann auch mal einen deftigen Fluch zum Ausdruck bringen, wenn wirklich nichts anderes mehr hilft.

Das Arrgh erinnert uns daran, authentisch zu bleiben und nicht hinter dem Berg zu halten.

Oder, wie Prophet Bobby sagen würde:

„Will man das Piratenleben leben, muss man auch das ewige Arrrgh! akzeptieren. Ohne das wären Sie nur eine traurige Landratte.“

In diesem Sinne;

RAmen, Geschwister! 


02.10.2020

Das Wort zum Freitag - Was Würde Ein Pirat Tun?

Erster Teil eines Gastbeitrages von Farfalle Blacksauce



Geschwister in Pasta,

es ist nicht lange her, nur ein paar Tage, da schrubbte ich das Deck und ging so meiner Arbeit nach – und das Monster offenbarte sich mir!

Oder, vielmehr; eines der nudeligen Anhängsel streifte mich und ditschte mich mit der Nase voran in die Inspiration, ein „Wort zum Freitag“ zu verfassen.

Natürlich konnte ich dem nicht widerstehen und folgte dem freundlichen Hinweis.

So kommt es nun dazu: „Schwester Farfalla betrachtet die Worte des Propheten“.

Genauer: Die sieben WWEPT

Was würde ein Pirat tun?“

Diese sinnreiche Frage stellt unser geliebter Prophet Bobby in seinen Erläuterungen zum Pastafarianismus. Er beschreibt die Welt, ihre Fallstricke und die Verlorenheit, die viele Menschen in schweren Zeiten empfinden. Welche Zeit würde sich also besser eignen die WWEPT genauer zu betrachten, als die heutige?

Falls Sie gerade deprimiert sind,“ schreibt der Prophet Bobby, „dann fragen Sie sich einfach: Was würde ein Pirat tun?“


Das erste WWEPT lautet:
Ein Pirat würde einen Grog trinken!“

Dies erscheint der unkundigen Landratte sicherlich wie eine reine Ausrede zur wilden Sauferei. Was sie vielleicht auch ist. Aber: Sollen wir uns auf das offensichtliche verlassen? Nein. Wissenschaftlich-kritisch-pastafarianisch müssen wir uns fragen, welche andere Bedeutung in diesem SEINEM Ratschlag steckt.

(Als wackere Seefahrer und Seefahrerinnen aller Arten von Hartweizen sicherlich keine Schwierigkeit, sind wir doch gewohnt aus kryptischen Schatzkarten zielgenau den Weg zur Kühltruhe – äh. Schatztruhe; zur Schatztruhe zu finden. – Weiter im Text.)

Der Prophet beschreibt uns, dass der Genuss von Grog die Seele befreit, den Geist öffnet und hilft, dass einem das dröge Brot des Lebens nicht im Hals stecken bleibt.

Diese Weisheit offenbart uns die enge Verwandtschaft dieses WWEPT mit dem 5. ALWMs, indem wir aufgefordert werden, uns den Blödsinn anderer (unfreundlicher, engstirniger Doofkrappen) nicht auf nüchternen Magen anzutun.
Zweifellos eine sehr gute Handreichung!

Um mit den Ärgernissen und der steifen Brise des Lebens zurechtzukommen, muss der Geist frei, der Magen gut gefüllt, und immer eine Handbreit dienstbarer Flüssigkeiten unter dem Kiel sein.

Wer kennt das nicht? Dieses nagende Bedürfnis Leute kielholen zu schicken, weil sie für ihre Freiheit streiten, andere anstecken, unterdrücken, bevormunden und Sachen unter den Teppich kehren zu dürfen. Jener Klippen gibt es viele und man kann daran verzweifeln.
Oder: Man trinkt einen Grog.

(Übertreibt es damit aber nicht! Wir sind durch die Schriften davor gewarnt, den Geist zu weit wandern zu lassen, die Dinge zu sehr zu zerdenken, uns im Nebel auf hoher See zu verlieren. Maß ist manchmal besser als Maßkrug.)

Merket euch, Geschwister in Pasta: Sorgt gut für euch, haltet die kleinen grauen Zellen frisch, und dann – erst dann – folgt den Worten des FSM und seines Propheten und schnappt euch die Idioten.


Das zweite WWEPT lehrt uns:
Ein Pirat würde sich einen Papagei zulegen!“

Auch dies ist sehr richtig, wenngleich wir abermals genauer hinsehen müssen.
Sehet: Der Papagei, treuer Begleiter eines Piraten, lebender Snooze Button, der uns immer wieder ins Gedächtnis ruft, was wir eben gesagt, gewollt oder gemacht haben. (Auch falls man die Warnungen zum 1. WEEPT nicht ganz so eng gesehen hat.)

Bereits Prophet Bobby weist darauf hin, dass es mit echten Papageien so eine Sache ist. Wo bekommt man sie her? Was fressen die? Wie alt werden die Viecher überhaupt!?
Man will weder dem Vogeltier, noch sich oder dem Rest der Mannschaft Ärger mit der Bärbel vom lokalen Tierschutz machen, empfiehlt es sich, an dieser Stelle vom Wortlaut des Evangeliums abzuweichen.
(Machen andere Religionen ständig, da ist nichts dabei.)

Vielmehr, so meine ich zu erkennen, gemahnt uns das zweite WWEPT daran, uns immer darauf zu besinnen, was auf unseren eigenen Planken passiert und uns an die eigene Augenklappe zu packen, bevor wir anderen Meuterei ankündigen.
Zwar haben wir im Zweifel keinen Papagei, der uns daran erinnert, aber mit ein bisschen Übung wird das schon.


Das dritte WWEPT lautet darauf:
„Suchen Sie sich eine Räuberbande!“

Dieses ist zweifellos eine der schönsten Handreichungen – wenn auch eine der schwierigsten. Andere Piraten zu finden, mit denen man wirklich durch jeden Sturm segeln kann... Das kann so eine Sache sein. Allzu oft stellt sich ein alter Kumpan doch als einer raus, der einem heimlich ins Bier spuckt.
Das ist nicht fein, aber manche Wasser sind eben trübe.

Trotz der Widrigkeiten die einem auf der Suche begegnen können, trotz all der Inseln voller Schwurbler, Erzkonservativen und Denkallergikern die man umschiffen muss; die Suche lohnt sich. Und, wenn unser alter Vorfahr Odysseus einäugige Meckersäcke („Das ist MEIN Rasen, Sie!“) und Skylla und Charybdis hinter sich bringen konnte – was soll einen wackeren Pastafari aufhalten?
Ein bissfest Burg ist unser Gott.

Im Evangelium heißt es hierzu:
Ihre Männer werden Sie aufbauen, wenn Sie am Boden sind. Und wenn Ihnen blutrünstig zumute wird, werden Sie feststellen, dass diese Männer Sie „erden“, und sei es nur, indem man Sie auf einer einsamen Insel aussetzt.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Wohlan, fasst euch ein Herz und sucht eure Räuberbande!

Teil II