15.10.2020

Das Wort zum Freitag - Halloween in der Bronx


Pit ist dafür verantwortlich, dass in der Bronx die Pastafari an Halloween nicht durch ihr Viertel streunen, um nach Weibern und Grog Ausschau zu halten, wie es unser Evangelium vorgibt. Auch Süßigkeiten an Kinder werden dort nicht verteilt. Ihr fragt euch, warum? Nun Pit ist Polizist und knabbert noch heute an einem unaufgeklärten Fall, der alles für ihn veränderte.

Pit hat einen Sohn, Jonny, der heute fast erwachsen ist. Als kleiner Junge zog Jonny mit allen anderen aus seiner Umgebung an Halloween um die Häuser, kostümiert und mit einem großen Beutel  für die zu erwartenden Süßigkeiten behangen. In Gruppen zogen alle Kinder los, hatten Spaß an ihren Verkleidungen, klingelten an den Türen der Nachbarschaft und sammelten die geschenkten Süßigkeiten ein. Jonny war mit seinen sechseinhalb Jahren der Jüngste in der Gruppe. Zudem war er sehr schmächtig und obendrein der Sohn eines Cops. Das brachte ihm wenige Pluspunkte und seit er zur Schule ging, musste er so manche Schikanen erdulden. Selbst Halloween änderte daran nichts. Die ältesten Kinder entschieden sich nur deshalb dafür, ihn mitzunehmen, weil kleine niedliche Kinder, zu denen auch Jonny zählte, am großzügigsten mit Süßkram beschenkt wurden. Der Plan ging auch diesmal wieder auf. 

Am Ende der Straße angelangt, riss Jim, der Anführer der Gruppe, Jonny seinen prall gefüllten Beutel mit dem erbeuteten Schatz aus der Hand. Die gehässige Bemerkung, dass es nur zu seinem Besten wäre, nicht so viel Süßkram zu futtern, weil sonst die Zähne faulen würden, bekam er gratis dazu. Immerhin durfte Jonny die Ausbeute des letzten Hauses für sich behalten. Jim wollte schließlich keinen Ärger mit Pit, dem sicher aufgefallen wäre, wenn Jonny mit leeren Händen nach Hause käme. Dass Jonny ihn nicht verpetzte, war sicher. 

Natürlich war Jonny sehr traurig, wusste aber auch, dass es keinen Zweck hatte, sich gegen all das zu wehren. Er war noch zu klein, nicht kräftig genug. So ging er, kaum dass er zu Hause eintraf, sofort in sein Zimmer. Er pfefferte die Süßigkeiten wütend in seine Spieltruhe und schmiss sich, so wie er war, aufs Bett, um sofort einzuschlafen. Die Eltern machten sich darüber keine Sorgen. Schließlich durfte Jonny an Halloween länger draußen sein, als üblich.

In den kommenden Tagen war Pit beruflich sehr in Anspruch genommen. Viele Überstunden fielen an, denn im Viertel kam es in Größenordnungen zu Magenverstimmungen bis hin zu Vergiftungserscheinungen. Die Krankenhäuser hatten große Schwierigkeiten, alle Patienten unterzubringen. Der Verdacht erhärtete sich, dass die Ursache in den geschenkten Süßigkeiten zu suchen war. Es folgten Befragungen über Befragungen. Zu einem Ergebnis kam man jedoch nicht. Die Aussagen waren sehr widersprüchlich. Die Kinder klingelten an vielen Haustüren, bekamen fast überall Süßigkeiten, die sich in den prall gefüllten Tüten gut vermischten.  In welchem Apfel steckte nun der Wurm? Puzzlearbeit für die Polizei und Ratlosigkeit.

Pit war erleichtert, dass Jonny nicht betroffen war. Wie auch, hatte Jonny doch seine Ausbeute weitestgehend eingebüßt. Der kleine Schatz, den er achtlos in seine Truhe warf, kam erst wieder in Erinnerung, als er zwei Freunde zum Spielen einlud. Sie kramten die Spielsachen aus der Truhe und fanden dabei die schon vergessenen Süßigkeiten. Gleich machten sich die Freunde darüber her. Jonny verzichtete, er machte sich wenig aus Süßigkeiten und war noch vom reichlichen Mittagessen knüppelsatt.  Ihm blieb daher das Krankenhaus erspart, seinen Freunden nicht. Geistesgegenwärtig witterte Pit eine heiße Spur. Jonny wurde  befragt, geradezu ausgequetscht. Pit bemerkte dabei die geringe Ausbeute an Süßigkeiten. Jonny rückte nun mit der Wahrheit heraus, dass die Süßigkeiten in seinem Beutel nur aus dem letzten Haus der Straße stammten. Nach so vielen Niederlagen in diesem Fall schöpfte Pit wieder Hoffnung, dem Übeltäter nun endlich auf den Pelz rücken zu können. So traurig Halloween für Jonny verlief, jetzt war das ein Glücksfall, um den Täter dingfest machen zu können. Pit wertete die neusten Informationen sofort in seinem Büro aus und zwei Streifenwagen machten sich auf den Weg zu dem von Jonny benannten Haus. Als sie das besagte Haus erreichten, war der Vogel allerdings schon ausgeflogen. Fall gelöst, Täter entkommen!

Pit kämpft seit diesem Tag mit allen Mitteln gegen den Brauch, an Halloween Süßigkeiten zu sammeln. Mit einem seiner Freunde besucht er jedes Jahr im Oktober Schulen und Kindergärten, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Das Praktische daran ist, dass sein Freund  Zahnarzt ist. Der kann gut argumentieren, wenn es darum geht, Süßes nicht in Unmengen zu futtern. Wenn er dann noch ein paar gruselige Fotos zeigt, ist schon im Vorfeld Halloween bei so manchem kleinen Zuhörer leicht verleidet. Also hat Pit sich eine gute Alternative gegen das Süßigkeitensammeln einfallen lassen. Statt Süßigkeiten sammeln die kleinen Geister in seinem Stadtbezirk von nun an allerdings entbehrliche Gegenstände wie Kleidung, Spielzeug, Haushaltsartikel. Bereits Anfang Oktober beginnt das emsige Treiben. Flyer werden erstellt, die die Sammelaktion ankündigen. Die Kinder teilen die Flyer aus und beginnen eine Woche später mit der Sammlung. Wer etwas abzugeben hat, bringt an seiner Haustür eine Socke an, das verabredete Zeichen, dass hier gesammelt werden kann . Haushalte, die nichts abzugeben haben, werden dadurch nicht unnötig belästigt. 

Immer mehr Menschen in der Bronx beteiligen sich an diesem neuen Brauch. Am Ende wird das Zusammengetragene in einem Raum deponiert und jeder, der möchte, kann sich das für ihn Passende gegen einen kleinen Obolus heraussuchen. Ist die Sammelaktion beendet, gibt es für Jung und Alt von den so erworbenen Einnahmen an Halloween ein großes Straßenfest. Wer möchte, kann sich gern verkleiden oder einfach im Piratenornat glänzen. So haben die Kinder an diesem Tag ihren Spaß, wie alle anderen auch. Die Erwachsenen müssen sich nicht übermäßig sorgen, dass das Fest mit einem Krankenhausaufenthalt endet. 

Da der Übeltäter von damals leider bis heute nicht gefasst wurde, überlegt euch gut, an welcher Tür ihr klingelt, meine kleinen Pastafari und denkt daran, Zähne putzen ist wichtig, nicht nur an Halloween. Schließlich seid ihr unserem Monster dabei besonders nahe.

Keine Kommentare:

Kommentar posten