05.11.2020

Das Wort zum Freitag - Stoppt Gottesdienste

Ihr wisst, wir äußern uns nicht zu jedem Thema, sondern beschränken uns auf religiöse und weltanschauliche. Manchmal wird einem ein Thema aber regelrecht aufgezwungen, Carona lässt grüßen.
Es ist klar, es muss was unternommen werden, um die ständig steigende Zahl von Neuinfektionen wieder zu stoppen. Es ist auch klar, wir alle, einschließlich unserer Politiker, stehen zum ersten Mal vor einem solchen Problem. Weiter ist klar, dass in solchen Situationen niemand alles richtig machen kann und auch ein bisschen probiert werden muss. Wie es aber zu einer derartigen Schieflage kommen kann, dass Kinos geschlossen werden müssen, während auf der anderen Seite Gottesdienste erlaubt bleiben, ist nicht erklärbar. Höchstens mit der fantastischen Lobbyarbeit, die die Kirchen machen und dafür selbst von der Autoindustrie beneidet werden. Meldungen wie diese wirken dann geradezu grotesk:

"„Ein Online-Angebot kann und soll allerdings das gemeinschaftliche Erlebnis nicht ersetzen, das zu einem Gottesdienst gehört. Darum haben wir uns auf die Suche nach kreativen Lösungen gemacht und sind mit dem Kino Lux Lichtspiele in der Benrather Straße fündig geworden“, so Pastor Holger Brede von der evangelischen Freikirche.
Hintergrund des Ortswechsels ist, dass die eigenen Räumlichkeiten durch die aktuell geltenden Abstandsregelungen für den regelmäßigen Sonntagsgottesdienst zu klein sind....Das Kino bietet in der aktuellen Phase durch seine spezielle Luftwechselanlage und die Saalgröße einen sicheren und zudem auch sehr bequemen Rahmen für alle Besucher....."

Ob das hilft, dass Gottesdienste nicht mehr als Superspreader fungieren? Wir, als einzig wissenschaftliche Religion, zweifeln daran.

Das entspricht scheinbar nicht der Erwartungshaltung mancher an uns. Wir haben in der letzten Woche zahlreiche Anfragen erhalten, von Einzelpersonen und auch scheinbar von Restaurants, ob man nicht Verzehr von Spaghetti oder ähnlichem ganz allgemein als Nudelmesse erklären könne. Etwa wie die Mail aus Magedeburg: "....Gestern abend nach Verkündigung der corona-maßnahmen ist mir eine Idee gekommen: Im Corona-Paket sollen gaststätten und Kultur geschlossen werden, kirchliche Veranstaltungen sollen aber weiter möglich sein, obwohl durch diese in verschiedenen Kirchlichen Events sehr viel Corona-viren verbreitet wurden. In gaststätten und Kultur mit Hygienekonzepten nachweislich fast nichts. Deshalb mein Vorschlag: Gaststättenbesuche als Nudelmessen der KSM umwidmen!....". Nun ja, nicht nur wegen der KSM war mir die Idee nicht so sympathisch. Wirklich Verständnis habe ich für diese Anfrage:

"Lieber Bruder Spaghettus,
seit März beutelt das Corona-Virus Deutschland. Die wenig bekannte, aber ebenso hoch infektiöse wie hoch spezialisierte Variante des CoronaSexworkVirus zwang Landesregierungen deutschlandweit, Sexarbeit und auch Prostitutionsstätten zu verbieten. Erst den jeweiligen Oberlandesgerichten gelang es, das Virus in die Schranken zu weisen und das Anbieten sexueller Dienstleistungen wieder zu ermöglichen. Im Rahmen der Sorgen um die Gesunderhaltung der Gesellschaft plädierte die Saar-Frauen-Union darauf, Sex-Tempel nicht wieder zu öffnen. Stimmt es, dass es sich bei diesen Tempeln um jede der Kirche seiner nudeligen Gottheit handelt? Keine andere Glaubengemeinschaft fällt mir ein, der eine sexpositive Haltung zuzutrauen ist. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. In Ehrerbietung Arrrgh"

Da würde ich wirklich gern helfen. Leider sind wir aber rechtlich weder als Glaubens- noch als Religionsgemeinschaft anerkannt. Über uns und unsere Nudelmessen ist es also nicht möglich, das Schlupfloch "Gottesdienst" zu nutzen. Manchmal ist das sicher schade, manchmal ist das gut so. Damit ist auch folgende Anfrage klar zu beantworten:

"Ahoi!

Dürfen Nudelmessen auch in Zeiten von Corona abgehalten werden oder sind nur noch Gottesdienste von Glaubensgemeinschaften erlaubt, die bereits in der Vergangenheit praktisch bewiesen haben, dass sich ihre Veranstaltungen gut zur Verbreitung von Coroanviren eigenen? Mast- und Schotenbruch!"

Aber nicht nur aus rechtlicher Sicht werden wir bis auf weiteres keine Nudelmessen mehr halten. Die Gefahr zum Superspreader zu werden ist, bei unseren Besucherzahlen in der Wintersaison, eher gering. Aber auch schon ein Mensch, der sich bei uns angesteckt haben könnte, wäre zu viel.

Es gibt ein Leben nach Corana, für uns und für euch alle da draußen. Bis dahin halten wir lieber die Füße still.

Ich bin überzeugt, das Monster wird mit uns sein.


 

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