14.11.2019

Das Wort zum Freitag - Ausgegraben: Erste pastafarianische Kirche der Welt nach Papst Al Zarkawi I. benannt

Die Zahl unserer Mitglieder steigt ständig, das Pastafaritum wird immer populärer. Viele Neupastafari wissen nicht mehr viel von den Anfängen, manche nicht einmal mehr, warum sich unser Monster einst offenbarte. Vieles davon haben wir schon einmal im Wort zum Freitag geschrieben, aber wer blättert auf unserer Seite schon so weit zurück?
Um das ein bisschen zu ändern, werden wir nach und alte Worte neu einstellen und dabei dort, wo es angebracht ist, etwas aktualisieren.



Es war ein historisches Ereignis am 14. September 2014 in Templin. Am Gründungsort der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland wurde fast auf den Tag genau 8 Jahre später die mit Sicherheit erste pastafarianische Kirche Europas, wie sich aus ersten Reaktionen ableiten lässt, wahrscheinlich sogar der Welt, geweiht.

Dank der Zustimmung unserer Bruderkirche, der Chiesa Pastafariana Italiana, trägt die nun den Namen "Papst Al Zarkawi I." Wir könnte keinen besseren Fürsprecher am Biervulkan haben als ihn. Er hat nicht nur die italienische Kirche zu einer der wichtigsten gemacht, er hat auch große Verdienste um die internationale Zusammenarbeit erworben. So war die Gründung der Pastachse Rom - Berlin ganz maßgeblich sein Verdienst.


Ganz besonders stolz waren wir, dass der Bischof von Brixen und seine Begleitung extra den weiten Weg auf sich genommen haben, um bei der Weihe dabei zu sein. Er nahm als Ehrengast an unserer Weihe teil und setzte gleich einen ersten Höhepunkt. Im Namen des Konklave der Chiesa ernannte er Bruder Spaghettus zum  "Feldherr der bissfesten Lochnudel des Schutzordens des saftigen Glaubens".


Nicht nur das wurde von zwei netten Damen von "Welt Video" aufgenommen. Wir warten gespannt auf Erscheinen ihres Videos.



Unsere Kirche ist zwar schmuck, aber nicht die Größte. Deshalb und auch wegen der begrenzten Übernachtungsmöglichkeiten hatten wir insgesamt maximal zwanzig Gäste geplant. Um zwei Tage verplant hatten wir uns mit dem Wetter. Heute strahlender Sonnenschein und 26 Grad, Sonnabend war es trübe und regnerisch. Egal, wir sind Piraten, also konnte uns das nicht abhalten. Alle bildeten hinter der Standarte ein kleine Prozession und jede Seite der Kirche wurde mit Nudelwasser geweiht.


Als an der Stirnseite unser von einer Piratenflagge verdecktes Zeichen enthüllt werden sollte, wollte das Monster wohl wissen, ob wir uns auch wirklich in die Höhe trauen. Ein tapferer Pirat enterte die Leiter um die klemmende Enthüllungsvorrichtung mit der Hand auszulösen. 




"Unter diesem Zeichen werden wir siegen!"

konnte der Nudler dann doch noch verkünden.

Auch der Altar war verhüllt, aber da funktionierte alles wie geplant. Vielleicht lag das auch daran, dass wir nicht nur vorher gemeinsam das Monsterunser gebetet haben, sondern ich auch mein Nudlergewand gegen die Piratenkluft getauscht hatte. Fordert das Evangelium doch von uns: 

" Außerdem zeugt es von mangeldem Respekt, unseren Glauben zu verbreiten, ohne das Ornat Seiner Wahl zu tragen - die Kluft der Piraten. Das lässt sich gar nicht genug betonen, allerdings leider nicht näher erklären, weil hier der Platz dazu nicht reicht. Die präzise Erklärung lautet:

ES wird böse, wenn wir es nicht tun.








Gemeinsam nahmen wir noch das Heilige Abendmahl mit "Bier von Seinem Biervulkan" und "Nudel von Seinen nudligen Anhängseln", leider haben wir davon keine Bilder, und dann kam die Predigt.
Das wir auch davon keine Bilder haben, ist noch schlimmer. Denn das Zeichen, was uns Al Zarkawi mit Monster Hilfe vom Biervulkan schickte, war ein gar mächtiges und unbedingt ein Foto wert.
Gerade hatte ich verkündet, dass die Predigt heute kurz ausfällt und nur 15 min dauert, da knallte es laut und ein helles Licht erschien. Der abgedunkelte Lampenschirm war geplatzt. Natürlich begriff ich sofort, Es wollte nicht, dass ich die anderen noch länger von der Feier fernhalten sollte, und kürzte die Predigt auf drei Minuten. 



Endlich konnte der wunderschöne und eben so leckere Monsterkuchen angeschnitten werden.
Den Biervulkan hatten die Minipiraten zuerst entdeckt. Aber die waren gut erzogen, tranken den Kasten der dort erschienen war, nicht selbst aus, sondern meldeten nur ihren Vätern, was sie dort gefunden hatten. 


So nahm die Party ihren Lauf und trotz Regen war ab und an doch noch Gelegenheit, am Feuer zu sitzen und Gitarre zu spielen, zuzuhören oder mitzusingen. 



















07.11.2019

Das Wort zum Freitag - Die Nudelmesse

Dread Pyrat Higgs, der Chef der Kirche des FSM von British Columbia, hat mich gebeten, ihm doch einmal den Ablauf unserer Nudelmesse zukommen zu lassen.
Weil Zeremonien grundsätzlich wichtig für den Zusammenhalt einer Gemeinschaft sind, weil sie Freude machen und weil sie auch eine wunderbare Gelegenheit sind, andere Zeremonien zu parodieren, veröffentliche ich sie nun auch im Wort zum Freitag.


So ungefähr läuft die Freitagsmesse im Templin. Natürlich nicht wörtlich, manchmal vergesse ich was, manchmal fällt mir was neues ein.
Ihr könnt da also auch gern was an die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten anpassen, das ist kein Problem. Nur die Grundstruktur sollte, schon allein wegen des Wiedererkennungswertes, erhalten bleiben. Es soll vor allem keine wirklich eigene Zeremonie werden, sondern immer Parodie bleiben. Sonst droht die Gefahr, dass wir uns tatsächlich zu einer eigenen Religion entwickeln. Davon braucht die Welt aber nicht noch mehr, sondern bedeutend weniger.


Heilige Nudelmesse

1. Läuten


Die Nudelmesse wird eingeleutet mit einem Metallsieb und einem Holzlöffel. Am Ende werden die Besucher begrüßt und darauf hingewiesen, dass dies die einzige Art ist, wie wir Siebe nutzen.



2. Lobpreisung unserer Religion


Dabei werden die Vorzüge unserer Religion gepriesen:

- Wir sind die einzig wissenschaftliche Religion, denn wir sind zum ewigen Zweifel verpflichtet und haben alles zu hinterfragen

- Wir sind die friedlichste Religion, denn in unserem Namen wurde noch nie ein Krieg geführt, jemand getötet oder auch nur schräg angesehen.

- Wir sind die glaubwürdigste aller Religionen, denn trotz vieler Anstrengungen haben wir es nicht geschafft, die anderen Religionen an Absurdität zu überbieten.

- Wir sind die toleranteste Religion, denn wir geben als einzige eine Gott – zurück – Garantie

- Wir sind die ehrlichste Religion, denn wir geben als einzige zu, unser Gott ist ein Monster.

- Wir haben die besten Jenseitsversprechungen: Biervulkan und Stripperfabrik


- Wir sind die letzte Hoffnung für die Erde und werden als Piraten die Erderwärmung stoppen.





3. Lobpreisung der Reliquien 


Hier kommen natürlich je Gruppe andere eigene Reliquien zum Einsatz, unsere werden nachgestellt oder der Punkt fällt weg.

Erste Reliquie: eine kleine Piratenfahne, die wir bei der Gründung unserer Kirche im Jahr 2006 gehisst hatten. Unter Zuhilfenahme geistiger Getränke haben wir alle gesehen, wie sich ein nudliges Anhängsel aus den Wolken schob und die Fahne sanft berührte.

Nach der Lobpreisung jeder Reliquie schließt der Nudler mit:
„Oh Wunder, wir preisen dich“
Die Gemeinde antwortet: „Ramen“ und legt dabei die Hände zum Monstergruß

Zweite Reliquie: Eine Flasche in der sich eine Zahnbürste und ein Stück nudliges Anhängsel befindet. Wir haben gerätselt, was uns das Monster damit sagen will, unsere Wissenschaftler haben es heraus gefunden:„Putzt euch die Zähne, und zwar mit Zahn – PASTA!“

Nudler: „Oh Wunder, wir preisen dich“
Gemeinde: „Ramen“

Dritte Reliquie: Ein Flasche weißer Rum.
In den Anfangsjahren haben wir uns in Privatwohnungen getroffen. Der Gastgeber musste Spaghetti kochen, die Gäste haben Getränke mitgebracht.
So auch einmal diese Flasche Rum.

1. Wunder: Wir haben vergessen, sie zu öffnen


2. Wunder: Der Gastgeber hat sie zur nächsten Messe mitgebracht.

3. Wunder: Wir haben wieder vergessen, sie zu öffnen

4. Wunder: Der Gastgeber hat sie wieder mitgebracht.

Da fiel es uns wie Schuppen von den Augen: Das ist unser größtes Wunder, ein Mehrfachwunder und diese Flasche, nun seit mehr als 10 Jahren verschlossen in den Händen von Piraten, unsere heiligste Reliquie.



Nudler: „Oh Wunder, wir preisen dich“
Gemeinde: „Ramen“





4. 
Gemeinsames Glaubensbekenntnis

Das wird, Stück für Stück, von einem Nudelholz vorgelesen, die Besucher falten die Hände zum Monstergruß und sprechen es nach:

Ich glaube an das Fliegende Spaghettimonster,


die Mutter, der niemals die Energie ausgeht,

die Gebärende des sphärenklingenden Himmels

und der evolutionsfreien Erde.

Und glaube an Bobby Henderson, seinen Propheten,

empfangen durch das World Wide Web,

geboren von seiner lieben Mama,

gelitten unter Kreationisten,

genervt, gelangweilt und veralbert,

hinabgestiegen in das Reich des Fundamentalismus,

am dritten Tage aufgestanden zwischen Deppen,

seine Website angegangen;

sitzend vor seinem Laptop,

dem allezeit flatline;

von dort wird er kommen,

zu parodieren die Dummen und Drögen.

Ich glaube an das World Wide Web

mit dem heiligen Pastafaritum,

Gemeinschaft der Pastafari und ihres Monsters,

Vergebung der Torheit,

an den Bier-Vulkan

und an die Stripper-Fabrik.

Ramen



5. Wir singen: "
Ein bissfest Burg ist unser Gott"

„Nun kommt der kulturelle Höhepunkt unsere Messe, wir singen gemeinsam die ersten beiden Strophen des alten Liedes von Dr. Martin Nudler aus dem Jahre 1515.“

Dazu werden Textblätter ausgeteilt.
Der Text ist eine Parodie auf „Ein feste Burg ist unser Gott“ von Luther, die Melodie wurde übernommen.


Ein bissfest Burg ist unser Gott


Er braucht nicht Wehr noch Waffen

Zu helfen uns aus aller Not.

Das könn` wir selber schaffen.

Der altschwache Feind

wird von uns beweint

Groß Macht und viel List

Ihm abgegangen ist

Den können wir bald streichen.

Mit unsrer Macht geht’s gut voran

Wird täglich neu geboren

Es streitet für uns jedermann

Dem nicht der Geist verdorben.

Fragst du, wie das ist

Wenn du Selbstdenker bist?

Dir kein Dogma droht?

Dann wirst du selbst zum Gott

Kannst selbst dein Feld gestalten.



6. Das heilige Abendmahl

„Nach dem kulturellen Höhepunkt kommt nun der kulinarische, unser heiliges Abendmahl. Das ist auch für Veganer geeignet, denn wir haben keine kannibalistischen Tendenzen. Bei uns gibt es nicht Fleisch und Blut, sondern Nudel von Seinen nudligen Anhängseln und Bier von Seinem Biervulkan.“
Der Nudler gibt jedem aus dem bereits mit Spaghetti und einem Tropfen Olivenöl gefüllten Messgefäß je ein Spaghetti in den Mund und spricht: „Nudel von Seinen nudligen Anhängseln“. Um zu zeigen, wie das am besten geht, fängt er selber an.
Die Empfänger zeigen den Monstergruß, nach dem Verzehr sagen alle „Ramen“.

Der Nudler bittet die Gäste, sich eine Flasche Bier vom Alter auszusuchen, öffnet die und füllt das Messgefäß. Er gibt einen Schluck und spricht: „Bier von Seinem Biervulkan“. Alle antworten: „Ramen“
Dann dreht er das Gefäß ein kleines Stück und teilt den nächsten Schluck.


Als letzter trinkt der Nudler den Rest langsam aus und versucht danach zu rülpsen.




7. Das Monsterunser

Zum Abschluss der Messe beten wir gemeinsam das Monsterunser. Der Nudler liest es wieder Stück für Stück vom Zeremonienschwert vor, die anderen sprechen nach. Es wird wieder der Monstergruß gezeigt.


8. Die Predigt

Die gibt es nur bei größeren öffentlichen Messen, in Templin setzten wir uns dann eher noch bei einem Kaffee in den Garten oder in die Küche und sprechen über das Monster und die Welt.

31.10.2019

Das Wort zum Freitag - Keltische Piraten




Geile Sache, heute hatten wir in Brandenburg Feiertag. Keiner musste zur Arbeit, und das nicht nur hier. Andere Bundesländer haben morgen frei.

Warum, weiß wohl niemand mehr so genau. Ich jedenfalls nicht.

Aber ich habe da so eine Vermutung: Es könnte was mit Helloween zu tun haben!

Auch, warum da nicht alle am gleichen Tag frei haben, kann ich mir erklären. In machen Bundesländern wird heftig Party gemacht, die kommen dann den Tag danach einfach nicht hoch. In anderen Bundesländern wollen sich die Leute besonders schick herausputzen, viele von ihnen als Piraten. Die brauchen denn einen Tag, um sich richtig fein zu machen. Ich finde das cool, weil es auch cool macht.

-> Jeder weiß, die Erde wird wärmer, weil es zu wenig Piraten gibt.

-> Jeder weiß, das Monster möchte deshalb, dass wir uns als Piraten zeigen.
-> Jeder weiß, Halloween ist die Anzahl der Piraten besonders hoch und
–> jeder weiß, nach Halloween wird es immer kälter.

Und das haben wir den Kelten zu verdanken, genauer, keltischen Piraten. Ich weiß das, ich hab nachgelesen.

Die haben, wenn es kalt wurde und keiner mehr aufs Wasser wollte, ihre Boote an Land gezogen. Dabei haben sie in den Wellen ihre verzerrten Spiegelbilder gesehen. Sie haben sich mächtig erschrocken. Weil die Bilder nicht wie sie, ihnen aber doch ähnlich sahen, dachten die nämlich, da wollten ihre toten Verwandten und Kameraden wieder aus den Wellen steigen und denen, die noch lebten, kräftig mitspielen. Irgendwie hatte wohl der eine oder andere da ein schlechtes Gewissen. Aber immerhin, sie waren Piraten. Die fallen nicht gleich vor Schreck um, die greifen vor dem Umfallen erst mal zum Becher. Wenn sie später wieder stehen konnten, hatten sie manchmal tolle Ideen. In dem Fall war es die Idee, sich noch übler zu verkleiden als die Spiegelbilder aussahen. So wollten sie sich selbst als Tote verbergen, denn die Rache der Geister galt ja den Lebenden, und wenn schon tot, dann aber richtig. Schminke, Attrappen und Perücken zum Gruseln waren angesagt.

Wie aber kam es zum Namen Halloween?

Die übliche Geschichte halt, jemand hatte nicht richtig zugehört. Weil die keltischen Piraten von ihrer Idee wie berauscht waren, wollten sie heftig die Sau raus lassen, gingen in die Schenke und riefen dem Kellner die Bestellung zu: Hallo Wein!
Der und die anderen Gäste hatten wohl einen Hörfehler, vielleicht hat der Pirat auch ein bisschen genuschelt. Jedenfalls verstanden alle: Hello Wien. Weil Wien damals aber noch niemand kannte, hielten das alle für den offizielen Festtagsgruß, und so machte der die Runde.

Auch wir haben die Runde gemacht und wissen nun, warum die einen sich mit viel Aufwand und Liebe als Piraten kleiden und die anderen richtig Party machen. Alles wegen der alten Kelten und, natürlich, um die Erderwärmung zu stoppen.

24.10.2019

Das Wort zum Freitag – Menschen fragen, Bruder Spaghettus antwortet





Die Zahl unserer Mitglieder steigt ständig, das Pastafaritum wird immer populärer. Viele Neupastafari wissen nicht mehr viel von den Anfängen, manche nicht einmal mehr, warum sich unser Monster einst offenbarte. Vieles davon haben wir schon einmal im Wort zum Freitag geschrieben, aber wer blättert auf unserer Seite schon so weit zurück?
Um das ein bisschen zu ändern, werden wir nach und alte Worte neu einstellen und dabei dort, wo es angebracht ist, etwas aktualisieren.

Als erste Wort in der Reihe "Ausgegraben" gibt es heute Antworten auf Fragen, die ich einst auf Gute Frage. Auch wenn die auf den ersten Blick nichts mit dem Pastafaritum zu tun haben, auf den zweiten erschließt sich das.



Inwiefern wurden die kirchlichen Rechte im Nationalsozialismus beeinträchtigt?
In keiner Weise, eher im Gegenteil. Die kirchlichen Rechte wurden im 3. Reich erheblich ausgebaut. Das bis heute gültige Reichskonkordat, ein Vertrag der die Kirchen finanziell extrem begünstigt, wurde dort geschlossen. Auch den Einzug der Kirchensteuer durch den Staat hat erst A. eingeführt.


Wohl deshalb haben die Kirchen auch gern seine Kanonen gesegnet und ihre Führer fleißig den Arm zum einzig wahren Gruß gehoben.

Widerstand gab es nur in den untersten Reihen. Nur die waren auch im KZ. Lediglich ein einziger Bischof war auch mal dort. Als Besucher. Anschließend hat er gelobt, wie ordentlich es dort zu ging.


Sind die 10 Gebote mit den Menschenrechten „verwandt“ ?
Ganz und gar nicht.

Sie verstoßen zum Teil sogar deutlich gegen diese. Die ersten vier z.B. gegen die Freiheit der religiösen Selbstbestimmung. Das 5. ist schlimm einseitig, wenn es nur von Kindern verlangt, die Eltern zu achten, aber nicht umgekehrt auch die Achtung der Eltern vor dem Kind fordert. Das 6. heißt mal du sollts nicht töten, mal du sollst nicht morden. Bei ersterem ist eindeutig, wie falsch es ist, denn es gibt das Recht sich im Fall der Notwehr bzw. der Nothilfe auch, wenn es nicht anders geht, durch töten des Angreifers zu wehren. Nicht morden zählt offensichtlich nur für die Mitglieder der eigenen Gruppe, denn an anderen Stellen wir klar zur Tötung von ungehorsamen Kindern, Homosexuellen, Anders- und Ungläubigen, Ehebrechern und Leuten, die am Sabbat Reisig sammeln aufgerufen. Hier zeigt sich also ganz besonders, dass es nicht um ein universelles Recht für alle geht, was die Menschenrechte wiederrum auszeichnet.

Das 7., du sollst nicht ehebrechen, ist vielleicht ein moralischer Hinweis, aber weder in den Menschenrechten noch im Grundgesetz oder sonst im dt. Recht verboten. Es kann also aus der Liste gestrichen werden.

Das 8., du sollst nicht stehlen, findet sich immerhin im deutschen Recht. Eventuell könnte man daraus das Recht auf Eigentum herleiten, was aber auch ohne göttliches Gebot möglich ist. Für dieses eine Gebot gibts also wenigstens ein halbe - halbe.

Gleiches könnte auch für das 9. Gebot, du sollst nicht schlecht Zeugnis reden wider deinen Nächsten gelten. Allerdings sieht man schon aus der Wortwahl, hier geht es auch nur um einen Regel zum Verhalten innerhalb der eigenen Gruppe, denn es betrifft nur deine Nächsten. Also fehlt wieder der universelle Anspruch.

Das 10. Gebot ist nicht nur absoluter Unsinn, es findet sich auch weder in den Menschenrechten noch im deutschen Recht wieder. Warum soll ich nicht das Haus meines Nachbarn begehren? Vielleicht will der es ja gerade verkaufen?

Der absolute Hammer ist aber " Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel ..." Hier sieht man mehr als deutlich, was die Bibel von der Gleichberechtigung hält. Die Frau wird mal locker schnell unter die Besitztümer des Mannes eingereiht, gleich neben Rind und Esel. Als Zugabe wird auch noch die Sklaverei akzeptiert. Also wieder ein Gebot, das klar gegen die Menschenrechte verstößt.

Es ist mir absolut schleierhaft wieso manche steif und fest behaupten, das Grundgesetz oder gar die Menschenrechte wäre von den 10 Geboten abgeleitet. Das kann nur grobe Unkenntnis oder bewusste Täuschung sein.

Tatsächlich folgen beide, Menschenrecht und Grundgesetz, den Werten von Humanismus und Aufklärung. Genau den Werten also, die die Kirchen auf schärfste bekämpft haben. Erst als die sich gesellschaftlich durchgesetzt hatten, sind die Kirchen schnell umgeschwenkt, behauptet es wäre ihre Werte und versucht so, sich als moralische Instanz hinzustellen, die sie nie war.



Wie oppositionell war die (evangelische) Kirche in der DDR?
Jeder, der zu diesem Thema schreibt sollte vor allem eins machen:

Scharf trennen zwischen den Kirchen und einzelnen engagierten Pfarrern.

Die Kirchen haben immer zu der DDR gestanden, eine "kirchliche" Opposition gegen den Staat gab es nicht. Die katholische Kirche war eh eher bedeutungslos, in der evangelischen herrschte das Motto „Wir wollen Kirche nicht neben, nicht gegen, sondern Kirche im Sozialismus sein.“

Ganz anders in der unteren Ebene. Da gab es einzelne Pfarrer, besonders im Jugendbereich und in der offenen Arbeit, die klar Position bezogen haben und dafür allen Respekt verdienen. Besonders deshalb, weil sie das nicht etwa mit Billigung ihrer Oberen taten, sondern von denen im Gegenteil oft noch gemaßregelt wurden, bis hin zur Strafversetzung.
Wieder einmal wird es Zeit, die Antworten, mit denen ich selbstlos versuche, Ratsuchenden auf ihrem Weg durchs Leben auf den richtigen zu führen. 


Ich befürchte Probleme mit den Eltern meines Freundes, da ich atheistisch bin.
Warum sollte es schädlich sein, wenn die kleinen Schwestern deines Freundes mitbekommen, dass nicht alle Menschen die gleiche Weltanschauung haben? In der Schule bekommen sie das sowieso mit. Während bis zur 2. Klasse die meisten noch an Götter glauben, ändert sich das bis zur vierten Klasse stark. Es ist also eh nicht zu ändern, dass die Schwestern früher oder später auf andere Anschauungen treffen.

Ich sehe da kein Problem. Du musst einfach damit leben, dass sie halt beten und singen und sie müssen damit leben, dass du es nicht tust. Erst wenn der Eine vom Anderen verlangt, sich seinem Verhalten anzuschließen, geht was schief, egal wer von wem.

Es wäre aber auch falsch, dem Hausfrieden zuliebe mitzusingen und zu beten. Damit würdest du den Grundstein für ständige Unterordnung unter den Willen der Familie legen und, wenn die Eltern tolerant sind, war es sowieso unnötig.

Sind die Eltern aber nicht tolerant bleibt nur die große Entscheidung. Und die muss dein Freund treffen, nämlich, ob du oder seine Eltern ihm wichtiger sind. Da es eigentlich völlig normal ist, dass die Bindung zu einem Partner stärker ist als die zu den Eltern, da es sogar wichtig ist, sich irgendwann von seinen Eltern zu lösen und, ohne die zu vergessen, doch eigene Wege zu gehen, sollte ihm die Entscheidung nicht schwer fallen. Zumal er ja überhaupt keine Schwierigkeiten damit hat, dass du nicht an seinen Gott glaubst.


Was bedeutet Wahrheitsanspruch der Religionen?
Das bedeutet ganz einfach, dass jede Relgion von sich behauptet, es wäre die einzig wahre, alle anderen erfunden und nur ihr Gott wäre der richtige.

Dieser Eindruck entsteht, weil hier bei uns vor allem die abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam herrschen, bei denen das tatsächlich so ist.

Es gab und gibt aber auch eine ganze Reihe von Religionen, bei denen das nicht so war bzw. ist. Oft haben deren Anhänger deshalb völlig friedlich nebeneinander gelebt.

Nur wer meint, die alleinige Wahrheit zu habe ist gefährlich. Egal ob es eine religiöse oder politische Wahrheit ist. Denn damit teilt er die Menschen ein in Wissende und Unwissende, in die, die den rechten Weg gehen und den falschen und so letztlich in Freund und Feind.

was bedeutet der bibel spruch selig sind die sanftmütigen,den sie werden das erdreich besitzen?
Da das Christentum überwiegend mit dem Schwert verbreitet wurde, massenhaft Kriege geführt hat, Abweichler ausgerottet, angebliche Hexen und Zauberer verbrannt und heftigst gegen die Juden gewettert hat, bedeutet das wohl, das Christentum wird das Erdreich nie besitzen.

kann ich beten nachholen?
Das kannst du unbesorgt nachholen. Es hört sowieso keiner.