26.10.2018

Wort zum Freitag – Weltnudeltag



Das Wort zum Freitag schließt den Weltnudeltag ab, der am 25.10. gefeiert wird. Damit sind die Nudeln und mit ihnen sicher auch das Monster, das erste Lebensmittel mit weltweitem Feiertag.

Passend zur Feier des Tages gibt es auch Neuigkeiten aus der Welt des Rechts. Die Richter des Bundesarbeitsgerichts in Sachen Kirchenarbeitsrecht, haben entschieden, ob die Kirchen in Stellenausschreibungen generell auf die Religionszugehörigkeit der Bewerber Augenmerk legen dürfen. Auch hier haben die Kirchen, wie immer, mit aller Kraft versucht, ihre ungerechten Regeln, die keine vernünftige Grundlage haben bis zum Letzten zu verteidigen, statt mit der selbst gepredigten Offenheit und Nächstenliebe, musste nun wieder ein Gericht, hier über den Umweg des EuGH, der Vernunft Gehör verschaffen.

Umso mehr stellt sich wieder einmal die Frage, wo denn bitte der Grund für diese absurde Forderung war. Die Stelle war nicht mit der Verbreitung der Glaubenslehre beauftragt, trotzdem wurde irrwitzigerweise wieder einmal indirekt unterstellt, man könne als Atheist, mehr noch als Nichtchrist, keine höheren moralischen Werte haben.

So zeigt sich auch zum Weltnudeltag wieder einmal wer Wasser predigt und Wein trinkt. Könnte es besser zusammenkommen?

Eigentlich kaum, genießt euren Freitag, auf das Urteil erstmal einen großen Teller Nudeln!(ee)

18.10.2018

Das Wort zum Freitag -
Nudelsieb, die x-te



Eriks Wort vom letzten Sonnabend hat großes Echo gefunden. Zunächst persönlich. Mienke de Wilde hat sich gemeldet und war erstaunt, warum wir davon ausgegangen sind, sie kommt nun nicht mehr nach Templin. Darauf hatte ich ihr gleich persönlich und öffentlich in einem Kommentar geantwortet. Dort bin ich auch schon kurz auf die inhaltlichen Aspekte eingegangen.
Es scheint aber angebracht, auf die und konkret auf unsere Ablehnung des Nudelsiebs, noch einmal näher einzugehen.

Sammeln wir erst einmal die Fakten.

Wir haben uns 2006 gegründet. Bis 2011 war es allen Pastafari weltweit klar, wir haben Piraten zu sein. Da ist das Evangelium eindeutig. Piraten sind Sein auserwähltes Volk, wir haben uns zu bemühen, Piraten zu werden, Gebete werden eher erhört, wenn man Piratenornat oder wenigstens eine Augenklappe trägt und nur mit genügend Piraten können wir die Erderwärmung stoppen. Ganz eindeutig wollte uns das Monster als Piraten, nichts anderes:

" Außerdem zeugt es von mangelndem Respekt, unseren Glauben zu verbreiten, ohne das Ornat Seiner Wahl zu tragen - die Kluft der Piraten. Das lässt sich gar nicht genug betonen, allerdings leider nicht näher erklären, weil hier der Platz dazu nicht reicht. Die präzise Erklärung lautet:

ES wird böse, wenn wir es nicht tun."

Das änderte sich 2011. Niko Alm, damals Vorsitzender des Zentralrats der Konfessionsfreien, wollte schon früher ein  Zeichen gegen Kirchenprivilegien setzen. Ausgesucht hatte er sich die Sonderregel mit den Kopfbedeckungen auf der Fahrerlaubnis. Vom Fliegenden Spaghettimonster hatte er gehört, aber sonst wohl nichts darüber gewusst. Auf jeden Fall nicht, was Pastafari zu tragen haben. Deshalb hat er etwas genommen, was es in seiner Küche gab, ein Nudelsieb. Der Führerschein mit dem war ihm genehmigt wurden. Wie sich selbst für manche Behörde erst in der Auseinandersetzung darum herausstellte, gab es im österreichischen Recht schlicht eine Gesetzeslücke. In Deutschland steht irgendwo "Für die Fahrerlaubnis gelten beim Lichtbild die gleichen Vorschriften wie für den Personalausweis". Diesen Satz haben die Ösis schlicht vergessen. Deshalb kann sich dort beim Führerschein, nicht aber beim Perso, jeder aufsetzen, was er möchte, egal ob religiös oder gar nicht begründet. Somit gab es keine Möglichkeit für die Behörde, Niko seinen Führerschein zu verweigern.

Inzwischen war er Mitinitiator der Initiative gegen Kirchenprivilegien. Da fiel ihm die Fahrerlaubnis ein, die schon zwei Jahre auf dem Amt lag und auf Abholung wartete. Er veröffentlichte sie und das Nudelsieb war in der Welt.

Wir fanden die Aktion toll, haben uns aber gleich gefragt: Wieso Nudelsieb? Das kam für uns nicht in Frage. Wir wollten weiter dem Spaghettimonster und dem Evangelium folgen und haben das auch begründet. Alle, die Niko Alm folgen und ein Nudelsieb tragen, nannten wir fortan Almisten.

Aber natürlich sind wir keine normale Religion, in der Abweichler bekämpft und teilweise sogar komplett ausgerottet werden. Wir sehen die Almisten nicht als Feinde, wir helfen ihnen sogar, wenn wir können. So haben wir ihnen Grafiken und Flyer zur Verfügung gestellt und auch mit geworben, als sie für ihren Rechtsstreit unbedingt 300 Mitglieder brauchten:

"Deshalb lade ich euch nochmals ein, werdet Mitglied unserer Gemeinschaft wenn ihr aus Deutschland kommt und erklärt euch amtlich als Pastafari, wenn ihr Österreicher seid. Auch in der Schweiz gilt es, sich zusammen zu schließen. Wem das alles nichts ist, gründet eine Gemeinschaft. Gemeinscahft macht nicht nur stark, sondern auch Spaß. Aber letztlich gilt immer:


Viele Wege führen zum Biervulkan!"

Aufforderungen, dass auch wir das Nudelsieb offiziell als Kopfbedeckung anerkennen, lehnen wir allerdings ab. Das wird auch so bleiben, denn wir haben gute Gründe dafür.

1. Ja, das Pastafaritum kennt keine Dogmen, aber keine Dogmen zu haben, bedeutet nicht, keine Regeln zu haben. Da gibt es vor allem drei Punkte, die wir für wichtig und unbedingt erhaltenswert ansehen, das Prinzip Pastfaritum = Piratentum,  die 8 ALWM´s und die Pflicht zum Zweifel. 

Was heraus kommt, wenn man das eher locker sieht, zeigt sehr schön die bekannte, aber völlig unsinnige Losung "ES kochte für unsere Sünden". 
Was für ein Blödsinn, der ganz klar zeigt, es funktioniert eben nicht, christliche Standards einfach zu übertragen. 

Sünden sind Verstöße gegen göttliche Gebote. Die gibt es bei uns gar nicht, also auch keine Sünden. Mal völlig davon abgesehen, dass dieses alberne Konstrukt überhaupt nur Sinn macht bei einem schizophrenen Gott. Nur wenn die Bewusstseinsspaltung mindestens zwei in eins erzeugt hat, kann ja eins geopfert werden, damit das andere zufrieden ist. 

Bei uns braucht niemand gekocht zu werden, ES ganz gewiss nicht. ES ist der Schöpfer, der von Anfang an so war.

2. Philosophisch gesehen ist das Nudelsieb ein Antisymbol, ein Symbol gegen Kirchenprivilegien. 

Durch diese Anti-Rolle des Nudelsiebes beschränkt dieses das Pastafaritum zu sehr in eine Richtung und macht es beliebig. Es verspottet nur, aber bietet keine Alternative. Wir wollen positiv wirken. Wir bieten die 8 ALWM´s und die 10 Angebote des evolutionären Humanismus als Entwurf einer eigenen Ethik. Das käme mit dem Nudelsieb unter die Räder.

3. Die rechtliche Situation in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, spricht klar für piratige Kopfbedeckung, Dreispitz, Bandana, Tuch u.ä. Wenn man ein Foto mit religiöser bzw. weltanschaulicher Kopfbedeckung auf Ausweis oder Fahrerlaubnis durchsetzen kann, braucht es drei Voraussetzungen. Die erste ist die Anerkennung der Religion/Weltanschauungsgemeinschaft. Das allein reicht aber noch nicht. Weitere Voraussetzung ist, dass man sich zum Tragen der Kopfbedeckung persönlich verpflichtet fühlt. Als Nachweis zählt hier, dass man sie auch wirklich ständig trägt. Möchte ernsthaft jemand immer mit Nudelsieb rumlaufen?
Dritte und letzte Voraussetzung ist, dass sich diese Pflicht auch aus den religiösen Schriften ableiten lässt. In Holland bei Mienke ist es gar nicht erst bis zu dieser dritten Voraussetzung gekommen. Da war schon bei der ersten Schluss. In Canada aber war das anders. Da musste jemand seinen vorläufigen Führerschein mit Nudelsieb wieder abgeben, weil er eben diese Pflicht nicht nachweisen konnte. Mit Dreispitz oder Tuch wäre das nicht passiert, was das Beispiel von Isabelle zeigt.

Na, und ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal ist unsere konsequente Haltung schließlich auch.
Wir werden also weiter dabei bleiben, wir werden aber auch weiter die Almisten als unsere Brüder und Schwestern sehen, die nur auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel auf einen kleinen Abweg gekommen sind.




13.10.2018

Das Wort zum Freitag - Am Samstag

Heute mal etwas weiter aus der Reihe und aus dem Märchenbuch des "Jetzt nicht wirklich oder?!".


Doch Blicken wir nun in die Niederlande, seit August habe ich dieses Thema für ein Wort zum Freitag reserviert, aber immer kam etwas aktuelles dazwischen, immer kamen drängendere Sachen. Die folgende Pastafarianerin hat sich mal wieder in die hohe See der Gerichtsbarkeit begeben, so möchte ich euch den Seemannsgarn dazu spinnen.

Photograph: Piroschka van de Wouw/EPA
Photograph: Piroschka van de Wouw/EPA

Mienke de Wilde ist Pastafarianerin und hat in ihrem Heimatland, wie auch viele anderen in ihren eigenen, versucht ein Passbild mit Nudelsieb einzureichen.

Sie ist damit jedoch an den höchsten Stellen der Niederlande gescheitert, da es ja keine Pflicht in unserer Religion gibt ein Nudelsieb zu tragen. Nun möchte sie mit ihrem Fall vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen und für ihre Rechte kämpfen.

Vor dem Trubel wollte sie eigentlich einmal unsere Kirche besuchen, wollte wohl ein Bier bei Bruder Spaghettus trinken. Als dieser ihre jedoch sagte, dass er in seinen heiligen Hallen eigentlich keine Nudelsiebhüte duldet und eine Ausnahme machen würde war das plötzlich alles vom Tisch.



Was soll man da nur sagen? Die Niederlande haben recht, kein Nudelsieb soll dein Haupt zieren, klar, wir sollen keine Dogmen haben, deshalb gibt es ja auch Ausnahmen für unsere lieben Almisten (Nico Alm, der mit dem ersten Nudelsiebführerschein). Doch trotzdem sind das nur Ausnahmen und wenn man eine Pastafarianische Kopfbedeckung will, dann bitte schön einen Piratenhut, alleine schon des Klimas wegen. (Apropos, es ist Mitte Oktober und sommerlich warm...)

04.10.2018

Das Wort zum Freitag - Kirche in der DDR




Da war er wieder, der große Feiertag. Sieben Solisten und drei Bands wurden zur großen Party in Berlin auf die Bühne gestellt, aus dem Osten war keine dabei. Vielleicht lag es daran, dass viel weniger Publikum kam als geplant.


Tja, der Osten. Das ist nicht etwa der Teil Deutschlands, der sich Dank des Mutes und der Kraft seiner Bürger beispielhaft und unblutig eines aufgezwungenen Systems entledigt hat. Es ist vielmehr der Fleck Erde, der nur Dank der Kirche, speziell der evangelischen, befreit und Teil der BRD wurde. So jedenfalls, wenn man kirchlichen Selbstdarstellungen glaubt. Tatsächlich hört man, selbst in atheistischen Kreisen, neben „Aber die Kirchen tun doch so viel Gutes“ fast genau so oft „Der Kirche haben wir die Wende zu verdanken“.

Was ist dran an der Behauptung?
Ich mache es mir nun mal einfach und stelle hier meinen leicht angepassten Beitrag aus einem Forum ein, in dem die Kirche in der DDR diskutiert wurde. Deshalb werden am Rande auch noch andere Aspekte erwähnt:
Eine selbstverfasste und beim Hochschulfasching an der IHS Dresden vorgetragene Büttenrede hatte mich in die Oppositionsecke geschoben. Wo man hin geschoben wird, richtet man sich oft ein. Bei mir hat es am Ende zu 800 Seiten Stasiakte, 11 gegen mich eingesetzten IM´s und zwei operativen Vorgängen mit dem Ziel, die Gruppe um mich zu zerschlagen und mich zu vereinzeln, geführt. Angefangen hat es damit, dass ich in der Tramperszene bekannt wurde. Ich habe Hausabende veranstaltet, Kabarett gemacht und mehrere Jahre politische Faschingsprogramme im „Bärenzwinger“ geschrieben und aufgeführt. 
Irgendwann bin ich auch in der Weinbergkirche, der angesagten Jugendkirche Dresdens, gelandet, habe mir „Schwerter zu Pflugscharen“ auf die Sachen genäht und ChristophWonneberger kennen gelernt, den ich bis heute verehre. Auch in der JG Mitte in Jena war ich mehrmals und von dort aus beim beeindruckenden Pfarrer WalterSchilling in Braunsdorf.
Zunächst führte das zu einem leichten Faible für die (evangelische) Kirche. Das hat sich schnell gelegt, je mehr Einblick ich bekam. Letztlich fand ich, SED und Kirche sind ziemlich gleich, beide missbrauchen eine an sich gute Idee zum Machterhalt.(Das mit den guten Ideen sehe ich heute anders). Ich habe schnell erkannt, diese Pfarrer haben auf eigenes Risiko gehandelt und sind dafür von ihren Vorgesetzten nicht gelobt, sondern gemaßregelt worden. Viel zu dieser Erkenntnis beigetragen haben Gespräche mit dem Sohn eines Pfarrers, mit dem ich enger befreundet war.

Aus diesen meinen Erfahrungen heraus kann ich bestätigen, es hat in der späteren DDR keine Verfolgung von Christen auf Grund ihres Glaubens gegeben. Auch früher war es in der Regel nicht der Glaube selbst, sondern etwas, das auch bei Nichtchristen so eingetroffen wäre. Wenn man z.B. als Pfarrerskind nicht gleich einen Studienplatz bekam, hatte das nichts mit dem Glauben zu tun. Pfarrer zählten zu den Intelligenzlern und es gab genaue Festlegungen, wie viel Arbeiter- und wie viel Intelligenzlerkinder pro Jahrgang und Studienrichtung angenommen werden.
War der Intelligenzleranteil voll, musst man ggf. warten oder es dort versuchen, wo er das nicht war.

Ebenfalls zustimmen kann ich bei der Einschätzung, dass die Entchristlichung der DDR eine Folge der konsequenten Verbannung der Religion in den Privatbereich war und keine Folge von Repressionen gegen die Kirche. Die hatte mehr Freiräume als jede andere Gruppierung in der DDR und im Übrigen das gemacht, was Kirche immer tut, sich mit den Herrschenden arrangiert. Schließlich flossen ja auch in der DDR Mittel aus dem Staats- in das Kirchensäckel, wenn auch längst nicht in den astronomischen Höhen wie in der BRD.

Die Politik der DDR hat keine andere absolutistische Lehre in der Gesellschaft geduldet. Die christliche Lehre war rein in das Private gedrängt und gesellschaftlich wirkungslos. Es gibt immer eine Menge unterschiedlicher Ideologien in einer Gesellschaft, es gab auch Nazis und sogar Monarchisten bei uns. Entscheidend ist aber, ob die gesellschaftlich wirken oder nicht. Das Christentum hatte dazu keine Chance.

Kirche im Sozialismus entsprach dem offiziellen Selbstverständnis der Kirche. Es war kein Versuch, Einmischung des Staates zu verhindern. Die gab es trotzdem immer wieder, man hat lediglich versucht, das nicht auf dem Weg des Verbotes tun zu müssen, sondern durch folgsame Kirchenfunktionäre im Gespräch mit dem Kirchenstaatssekretär oder Führungsoffizier. Da gab es mehr als genug Kontakte zur Stasi und Pfarrer als IM´s. Als Nachweis für diese Einmischung nehme ich Brüsewitz. Auch wenn bei seiner Selbstverbrennung persönliche Ursachen und Unzufriedenheit mit dem Verhalten der Kirchenführung mit eine Rolle spielten, seine eigene Begründung war die fehlende Freiheit für die Kirchen. Bezeichnend, dass höchste Kirchenvertreter sich nicht zuerst um dessen Familie kümmerten, sondern zunächst große Sorge trugen, der Brüsewitz könnte das gute Verhältnis zur SED getrübt haben.
Jahre später, nachdem sich inzwischen auch noch Pfarrer Günther in Falkenstein am Ende des Gottesdienstes vor seiner Gemeinde verbrannt hatte, kam es dann tatsächlich zu Gesprächen zwischen Staat und Kirche, die bestimmte kirchliche Freiheiten auch vertraglich geregelt haben. Weil Günthers Fanal aber ganz klar gegen Fundamentalisten in seinem Bereich gerichtet war, wurde dieser Akt von der Kirche unter den Tisch gekehrt und kaum jemand hat überhaupt davon erfahren. Brüsewitz hingegen wurde im Nachherein als erster Motor der Wende dargestellt.

Damit beginnt die ganz große Lüge. Die Kirche hat sich immer zu den Interessen des Staates bekannt. Kritik kam höchstens in kleinen Einzelheiten.
Es waren nie die Kirche selbst, sondern immer nur einzelne Pfarrer, die sich oppositionell zeigten. Diese Pfarrer, die damals gescholten, gemaßregelt, behindert und sogar abgesetzt wurden, dienen nun zum Nachweis einer angeblich oppositionellen Kirche. Was für eine Lüge!

Das beste Bespiel dafür ist Pfarrer Christoph Wonneberger. Als er von Dresden nach Leipzig versetzt wurde, hat er auch dort Friedenskreise aufgebaut bzw. übernommen. Wie nicht anders zu erwarten, wurde er mehrmals aufgefordert, das zu unterlassen. Beim offiziellen Kirchentag in Leipzig wurde ihm und seiner Gruppe sogar die Teilnahme verweigert. Als all das nicht half, wurde er letztlich abserviert. Der linientreue Pfarrer Führer bekam den Hut auf. Womit die Kirchenbonzen nicht gerechnet hatten, war der Protest der Friedenskreise. Die wollten Christoph zurück. Letztlich bleib der Kirche nichts, als dem zu folgen. Pfarrer Führer, der Name spricht für sich, blieb jedoch der Oberboss mit dem klaren Auftrag, die Politisierung der Montagsgebete zu verhindern. Das hat er folgsam mit allen Mitteln, wenn auch erfolglos, versucht.

Ausgerechnet dieser Pfarrer Führer und Superindendent Magirius, der versucht hatte, die Oppositionellen aus der Kirche zu vertreiben, wurden nach der Wende aber von der Kirche und den Medien zu den Helden von Leipzig hochgejubelt. Christoph Wonneberger hatte gerade da einen Schlaganfall und konnte sich nicht wehren. Deshalb bekamen auch diese beiden all die Ehren, Medaillen und Orden, die eigentlich ihm zugestanden hätten.

Es hat der Kirche zweifellos gepasst, wenn nun kirchenlinientreue Typen so geehrt wurden. Nur dadurch war es möglich, die Legende „Ohne Kirche keine Wende“ zu stricken. Wäre wirklich Wonneberger Hauptperson geworden, hätte man nicht verschweigen können, wie man vorher mit ihm umgegangen ist. Es wäre klar geworden, die Kirchenlinie war alles andere als Opposition.


Bitte helft überall, diese Geschichtsfälschung aufzuklären. Die Kirche darf damit nicht durchkommen, alles andere wäre schreiende Ungerechtigkeit.

Begriffe:

IHS - Ingenieurhochschule
IM - Informeller Mitarbeiter,  "ehrenamtlicher" Stasispitzel 

 JG - Junge Gemeinde
SED - Sozialistische Einheitspartei Deutschlands
DDR - Deutsche Demokratische Republik