29.06.2019

Das Wort zum Freitag - Auf dem Ketzertag 2019



Und so ergab es sich, dass im Jahre anno 2019 zum 22. Juni die evangelische Kirchengemeinde ihre Anhänger zu einem großen Fest des Unglaubens zu Dortmund einlud, um ihren falschen Gott zu lobpreisen und zu ehren. Anlass genug, alle Piraten der 7 Meere auf ihren freibeuterischen Zügen anzurufen und zu einer Aktion zur Bekehrung zum wahren Glauben all dieser fehlgeleiteten Seelen zu verhelfen.

Keine Kosten scheuend, jedem Sturm trotzend, eilten die Piraten auf dem schnellsten Wege ins lasterhafte Dortmund, um sich zu versammeln. Als Treffpunkt wurde die Schauburg gewählt, welche dem parallel zum evangelischen Kirchentag stattfindenden Ketzertag als abendliche Kundstätte für säkulare Vorträge und Diskussionen diente. So lief bis 14.00 Uhr ein Grüppchen von mehr als 20 statthaften und motivierten Piraten zu ihrem Prozessionszug durch Dortmund eben hier ein. Es sei freudig erwähnt, dass wir damit eine Mobilisierungsquote von über 4% erreicht haben, wovon die evangelischen Christen mit ihren mickrigen 0,57% nur träumen können.





Nach kurzer Absprache und folgender Formierung des Zuges machten sich die verbal wehrhaften Freibeuter wagemutig auf den Weg durch die weißgrünen Wogen der Evangelikalen; keiner Klippe ausweichend, verteilten die Helden des einzig wahrhaft nahrhaften Glaubens Informationsmaterial und monströses Gebäck und hielten jedem durch die Evangelikalen provozierten Streitgespräch stand – wie z. B. der Geschichte eines alten Mannes, bei dem man annehmen konnte, dass er diese Story vielleicht noch selbst erlebt hat: es ging um einen unbekannten Josef und seine Brüder, derer auch schon Thomas Mann habhaft wurde. Des Ungläubigen formulierte Angst vor dem jüngsten Gericht klärte einer der Piraten dahingehend auf, das genau das jetzt mit ihm geschehe und das er sein Jüngstes Gericht gerade in diesem Moment erlebe und durch die Umkehr zum wahren Glauben ihm sofort seine Angst genommen sei. Als Zeichen der Güte der Pastafarianer boten wir ihm zugleich die Enttaufung an; aber der Ungläubige wollte sich nicht bekehren lassen, und so gingen wir weiter unseres Weges.



Dampfnudel wurde nicht müde, den Besuchern die 30 Tage Gott zurück Garantie schmackhaft zu machen; auch Enttaufungen wurden immer wieder angepriesen und auch in mindestens zehn Fällen vollzogen – ein durch seine Nudeligkeit geweihtes Handgebläse diente uns als mystisches Werkzeug, die Spuren von Wasser und Salbung des Rituals der Ungläubigen von der Stirn der zu Enttaufenden restlos zu entfernen.





Glückselige Momente der nun befreiten Menschen erquickten unseren schweren Gang, denn auch Unbelehrbare säumten den Weg und nicht nur das: Bei der Moses-Statue vom 11. Gebot und an der Lutherstatue angekommen, lief die Freibeuterschaft auseinander, um sich unter die Ungläubigen zu begeben und in Einzelgesprächen die ein oder andere Aufklärungsarbeit zu leisten.



Doch zum größten Teil obsiegten bei den Angesprochenen Grünschalträgern immer wieder ihre eigenen Überzeugungen und in der Masse fühlten sie sich entweder zu stark oder zu schambesetzt, um zum wahren Glauben zu finden. Einige tapfere Reckinnen und Recken vom 11. Gebot und vom Ketzertag, welche dort über den gesamten Kirchentag hinweg Aufklärungsarbeit leisteten, begleiteten unseren Weg von hier an.



Nach einigen Fotos und spontanen Enttaufungen sammelten wir uns wieder, um unseren freibeuterischen Siegeszug fortzusetzen; immer wieder gab es die ein oder andere Anekdote, in der die Ungläubigen uns diffamieren oder uns der Lächerlichkeit preisgeben wollten – die darauf von uns formulierten Konter konnten sie in keinem Fall argumentativ aushebeln – wie z. B. den Hinweis darauf, dass wir die einzige Kirche ohne Kindesmissbrauch sind, und wie sie selbst in ihrer eigenen Kirche zu diesem Punkt stehen und wie sie sich dies erklären.

Und dann begab sich eine Szene, die schon im antiken Rom nicht funktionierte: ist euch das Phänomen „Verhindern durch Beten“ bekannt, indem sich bereits im alten Rom die damals verfolgten Christen vor den nahenden Römern auf die Knie warfen, und zu beten begannen, auf das das Böse an ihnen vorbei eilt und der Betende dadurch nicht berührt wird?

Genau so ein Erlebnis bot sich uns, den Pastafarianern, kurz vor Erreichen unseres Start- und Zielortes, der Schauburg. Ein Besessener warf sich vor uns auf die Knie und begann sofort zu beten – nicht, auf dass das Böse an ihm vorbeiziehe, sondern sein Wahn zwang ihn wohl dazu, uns aufhalten zu wollen. Nur durch den Einsatz der Polizei, die ihn darauf hinwies, dass er eben nicht überall beten könne und bitteschön den Weg zu räumen hätte, bevor ein Platzverweis ausgesprochen würde, konnten wir unser Ziel erreichen.



Den netten Beamten sei an dieser Stelle großes Lob ausgesprochen, geleiteten sie uns doch pflichtbewusst und sicher durch dichteste Christenmassen in ihrem Streifenwagen und zu Fuß. Es war schon ein erhebendes Gefühl, wenn sich der Streifenwagen vor uns einen Weg durch die menschengefüllte Einkaufsstraße und halb durch einen aufgestellten Christehchor bahnte um uns eine Gasse für unsere nudelige Prozession zu öffnen.




Endlich an der Schauburg angekommen, stärkten wir uns vorerst am Biervulkan, um dann mit voller Energie die Nudelmesse abhalten zu können. Diese verlief wie immer planmäßig und erfolgreich, auch wenn eine Gruppe Indoktrinierter sicherlich absichtlich genau zu diesem Zeitpunkt an der nächsten Straßenecke ihre blasphemischen Chorale schrecklich darboten.








Durch die Kohlehydrate vollends auf Vordermann gebracht, erlebten wir noch das Ende des Ketzertages mit dem Streitgespräch zwischen Michael Schmidt-Salomon und einem schwurbelnden Theologieprofessor in der Schauburg.

Zum Abschied huldigten wir ein letztes Mal an diesem Tag dem Biervulkan, auf das sich dann jeder Pirat auf seine Fregatte zurückzog, um sein Ziel des Freibeuterns wieder aufzunehmen!

Verfasst von Bruder Pasta L’adoratore, Dampfnudel und Margaritos von Bucatini

Fotos von Daniela Wakonigg und Winfried Rath

25.06.2019

Neues vom TeamFSM

Das TeamFSM grüßt alle Pastafari.

Nun sind wir schon fast eine Woche auf Raubzug.

Die Tage wurden immer länger bis hin zur ununterbrochen Helligkeit.
Unser einst so starkes Stahlross ist nur noch ein müder Klepper der sich ,laut schnaufend, seinen Weg gen Norden bahnt.
In seiner unendlichen Güte führte uns das Spaghettimonster sicher durchs Wikingerland und lies uns neue Freunde finden, die reges Interesse an ihm hegen.

Von Hamburg aus ging es, ohne Navigation, durch Dänemark und das wunderschöne Schweden, bis hin zum Polarkreis.

Heute durchquerten wir die Lofoten, vorbei an reißenden Flüssen und Bergen so schön, das jeder einzelne der heilige Biervulkan sein könnte.
Unsere nächste Station ist das Nordkap, von wo aus und das Monster mit seinen Anhängseln hoffentlich sicher durch Russland führt.
Wir geben unser bestes und wünschen euch eine spaßige Nudelmesse,

Arrrrggh,


eure Captain Dralle und Captain Brummbart.




Wer das TeamFSM auf seiner Tour verfolgen möchte, kann dies via Picdeer Instagram oder Facebook tun. Die beiden sammeln mit ihrer Tour Spenden für den Flaschenkinder Iserlohn e.V.

20.06.2019

Das Wort zum Freitag - Spaghettimonster startet neu durch



Es ist noch nicht lange her, da hatten wir berichtet, dass wir unsere Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof der Menschenrechte eingereicht haben. Wir waren voller Hoffnung und Zuversicht, obwohl wir wussten, dass dort 95% der Klagen gegen Deutschland ohne Erfolg bleiben. Ein nicht unerheblicher Teil wird wegen formellen Fehlern gar nicht erst angenommen.Das sollte uns nicht passieren.
Drei Juristen, alle schon mit Erfahrung bei diesem Gericht, haben deshalb die Beschwerde geprüft, bevor sie nach Straßburg ging. Trotzdem ist uns nun genau das passiert. Anders als allen anderen Gerichten, reicht es dem EGMR bei Vertretung von Vereinen nicht, dass der Vorsitzende dem Anwalt Prozessvollmacht erteilt. Dort möchte man noch einen Nachweis, dass der Vorsitzende wirklich der Vorsitzende ist. Der fehlte bei uns.

Das bedeutet, auf diesem juristischen Weg, dem Streit um die Nudelmessenhinweisschilder, haben wir das Ende erreicht.


Das sollte aber kein Grund sein, den Kopf hängen zu lassen. Tut sich doch bereits der nächste Weg auf.

Immer noch ist beim Oberverwaltungsgericht Potsdam unsere
Nichtzulassungsbeschwerde in Sachen Kopfbedeckung anhängig. Die sollte eigentlich schon im letzten Quartal 2018 terminiert werden. Dort dürfte es bald zu einem abschließenden Urteil kommen.
Damit wäre dann wieder der direkte Weg zum EGMR frei und wir können neu durchstarten. Auch dort ging es ja im Kern darum, ob wir Weltanschauungsgemeinschaft sind oder nicht. 

Auf zur nächsten Kaperfahrt, Piraten geben niemals auf!

07.06.2019

Das Wort zum Freitag – Die Hinrichtung des Pastafari mit dem Namen Josef K.

Ein Atheist hatte im dörflich geprägten Stadtteil Hambach der südhessischen Kreisstadt Heppenheim an der Bergstraße, unterstützt von gesellschaftlich organisierten Freunden, gegen die Verquickung von Schule und Kirche protestier. Das sogar mit teilweisem Erfolg. Was Pfarrer, Politiker und örtliche Honoratioren davon halten, haben sie mit ihrem Festwagen  zur „Brennesselkerwe“ klar gestellt. An dem hing, neben dem Schild „Stammtisch“, auch das folgende.

Da kann man nur noch schwarz sehen meint Alexander Michael Stier im folgenden Gastbeitrag:

„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne, dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet“. Das ist der einleitende Satz des Romans „Der Prozeß“ von Franz Kafka. Ich heiße Josef K. und bin der Protagonist des Romans. Danach bin ich nie mehr glücklich geworden.
Was für uniformierte Menschen waren denn das? Warum so viele, acht an der Zahl, und bewaffnet? Wovon sprachen sie? Welcher Behörde gehörten sie an? K. lebte doch in einem Rechtsstaat, die Gesetze waren sicher nicht außer Kraft gesetzt. Wie kam es dazu, dass sie ihn heimlich nachstellten?
Josef K. hatte zwei Kinder, 3 und 6 Jahre alt, bei sich zuhause. Als die stummen Männer ihn in Ketten legten und wie einen Verbrecher abführten, durften sich die Kinder von K. nicht verabschieden. Einsatztaktik nannten diese Menschen ihr behördliches Vorgehen. Das wird ganz sicher alles rechtens sein, dachte sich Josef K. Und das bestätigten sie ihm auch später so – ungefragt. Sie bestätigten ebenfalls, es gäbe Denunzianten, so etwa ein Dutzend. Deren Namen dürfe er aber niemals erfahren.
Der allmächtige Inquisitionsrichter, dem K. dann vorgeführt wurde, frage barsch und fordernd:
„Kennen Sie einen Bruder Spaghettus? Haben Sie mit ihm Kontakt? Wie oft?“
Das alles stritt Josef K. nicht ab, stets im Glauben, vor der Inquisition die Wahrheit sagen zu müssen. Es packten ihn dann aber doch Zweifel, ja sogar die Angst. Wie wird es jetzt Bruder Spaghettus damit ergehen, dass die Inquisition diese Verbindung bestätigt hat? Wird Bruder Spaghettus nun auch bedrängt? Und wie viele werden es sein? Wird Bruder Spaghettus ihn nun als Verräter ansehen? Werden ihm auch die Hände zusammengebunden? Wird er irgendwo gewaltsam verbracht? Der Inquisitionsrichter entließ K. jedenfalls unbescholten von der Anklagebank. Eine freiwillige Zahlung, und jedenfalls sein Fall war damit unwiderruflich und mit Unschuldsvermutung für immer eingestellt.
Wirklich? K. sollte doch nie wieder glücklich werden, so verlangte es doch der Roman!
Folglich tat der Inquisitionsrichter, was er tun musste: Er schrieb in seiner bester Handschrift eine geheime Notiz an seinen Dienstvorgesetzten in dem gleichen Gebäude: „Sorgerechts-Verfahren für Tochter und Sohn des Angeklagten anlegen“ Er unterstrich dabei die Worte Tochter und Sohn.
K. veröffentlichte zuvor bei Facebook die Homepage der gemeinnützigen Körperschaft KdFSM e.V. Ferner postete er, wer sich wirklich hinter dem Pastafari-Namen Bruder Spaghettus befand. Und er stellte den Trailer der Dokumentation ein, in dem Bruder Spagehttus prominent erschien. K. ließ bei Facebook keinen Zweifel daran, dass er jetzt ordentliches Mitglied der KdFSM e.V. geworden sei, und auch eine anerkennende Zuwendung in Hinblick auf deren Beschwerde beim EMGR geleistet habe. K. wusste ja um den untadeligen Rechtsstaat, und dass überall Gesetze bestanden.
Nun war K. per nachgewiesenem Brief verfügt worden, dass am nächsten Donnerstag wieder eine kleine Untersuchung in seinem Fall, jetzt also eine Begebenheit seiner beiden Kinder, stattfinden würde. Man machte ihn darauf aufmerksam, dass diese Nachforschung zunächst eine erste sei, und hielt sich offen, ob es zu regelmäßigen, wenn auch vielleicht nicht jede Woche, so doch mehrmaligen Untersuchungen in der Abfolge kommen würde. Es liege einerseits in seinem, wie auch im allgemeinen Interesse, den Prozess geschwind zu Ende zu führen, anderseits aber hätten die Prüfungen in jeder Hinsicht hundertprozentig zu erfolgen. Eine einvernehmliche Regelung sei dabei unbedingt anzustreben. Auch seine Frau, bisher niemals beschuldigt, sei geladen und zu befragen. In jedem Fall sei sein persönliches Verhalten ausschlaggebend für den Ausgang der Entwicklung. Um welches Verhalten es da ging – das weiß wirklich niemand, denn das ist offenbar unaussprechbar.
K. machte dem neuen Richter, der diese weitere Untersuchung eingeleitet hatte, vor allem mal klar, um wen es sich bei Bruder Spaghettus eigentlich handle, nämlich um den Pastafarinamen von Rüdiger Weida. Dieser sei Ehrenvorsitzender der gemeinnützigen Körperschaft „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V.” Ein Verein, der mit Satire und Humor den in weiten Teilen von der Giordano Bruno Stiftung weiterentwickelten evolutionären Humanismus als Weltanschauung verbreite. Aufklärend, ja besserwisserisch wie ein Schulbub fügte K. noch hinzu: Feen, Elfen, Götter, Geister, Engel, Trolle oder andere Fabelwesen kämen darin jedenfalls nicht vor.
Der Richter beendete die Untersuchungen und Erforschungen mit seinen Kindern noch während der Anhörung: Es läge offenbar gar kein Problem vor. Ohnehin habe man ja nur mal reden wollen. Eigentümlich und befremdlich erschien K. dennoch die Erkundigung, die wie eine Anordnung klang, ob er, K., nicht bestenfalls mal einen Monat gar nichts bei Facebook posten könne.
Josef K. traut seitdem den Schwarzmantel-Männern und ihren Laufburschen mit den Ketten nicht mehr über den Weg. Denn niemand sonst weiß besser als Josef K. darüber Bescheid, wie sein Ende tatsächlich aussehen wird. Die letzte Beschreibung seiner Bestimmung lautet nämlich wie folgt:
„Aber an K.s Gurgel legten sich die Hände des einen Herrn, während der andere das Messer ihm tief ins Herz stieß und zweimal dort drehte. Mit brechenden Augen sah noch K., wie die Herren, nahe vor seinem Gesicht, Wange an Wange aneinander gelehnt, die Entscheidung beobachteten. ‚Wie ein Hund!‘ sagte er, es war, als sollte die Scham ihn überleben.“