26.07.2019

Das Wort zum Freitag - Böse Pinguine



Im Evangelium lesen wir, dass unser überaus geduldiges Monster den ewig nörgelnden Gnom in einen Pinguin verwandelte, da der gar nicht mehr zu ertragen war. Um wirklich seine Ruhe vor dem Quälgeist zu haben, verbannte das Monster ihn in die Antarktis, wie wir alle wissen, den schlimmsten Ort, den man sich auf Erden vorstellen kann.

Dort verbrachte er viele Jahre ein eintöniges Leben. In Seiner unendlichen Güte stellte das Monster ihm auch ein paar nörgelnde Artgenossen zur Seite, was wohl ein Fehler war. Statt über den Grund der Bestrafung nachzudenken und Besserung anzustreben,  suchte der wirklich boshafte Kerl gemeinsam mit seinen Artgenossen nach einer Lösung, aus dieser misslichen Lage zu gelangen, ohne dass die Truppe sich ändern musste. Verbessern wollten sie sich in jeder Richtung, natürlich auf Kosten anderer. Sie tüftelten unermüdlich an einem wirklich miesen Plan.

Zuerst einmal begann die ganze Gruppe an ihrem Gang zu arbeiten. Wochen und Monate übten die Kerle das besonders tapsige Watscheln so intensiv, dass sie vor lauter Training ihre Körperpflege vernachlässigten. Ihre Federn verloren an Glanz, sie magerten ab. Das ging nicht. Also begannen die Tiere wieder mehr Wert auf ihre Ernährung zu legen und betrachteten sich auch genauer, als man das üblicherweise tut. Eine Federkleid musste her, dass besonders kuschelig wirkte. Es musste bei jedem den Wunsch erwecken, so einen knuffigen Pinguin streicheln zu wollen. Außerdem musste mehr Aktion geboten werden. Die Leute sollten so viel Spaß geboten bekommen, dass sie den Pinguin zu ihrem Lieblingstier erklärten. Die ganze Kolonie ackerte und rackerte auf nur ein Ziel hinaus. Sie wollten gefallen, damit sie endlich diese verdammte Antarktis verlassen konnten.

Bald waren die Anführer der Meinung, dass der nächste Schritt gemacht werden konnte. Sobald Schiffe sich in ihrer Nähe auftauchten, spulte die gewitzte Truppe ihr Programm herunter. Es dauerte nicht lange und der unvermeidliche Wunsch war geboren, dass diese Tiere zwingend in einen Tierpark oder Zoo gehörten, damit sich viele Menschen an ihnen erfreuen können. Na bitte, Ziel erreicht!

Nachdem die Voraussetzungen für eine Umsiedlung in einen Zoo gegeben waren, kam ein Schiff, um eine kleine Gruppe der Pinguine einzufangen. Die Zoologen waren überrascht, wie schnell es ihnen gelang, die Tiere auf ihr Schiff zu bekommen. Sie mussten fast gar nichts machen, die Pinguine sprangen von allein auf das Schiff. Es war verblüffend. Erfreut über die leichte Beute traten sie zufrieden und überpünktlich die Heimfahrt an.

Die Pinguine machten erstmals Bekanntschaft mit einem Zoo, überglücklich, dass sich all das Mühen der letzten Zeit am Südpol ausgezahlt hatte. Zufrieden erkundeten sie ihre neue Unterkunft, dankbar, ihr Futter geliefert zu bekommen und froh, alle natürlichen Feinde auf einen Schlag los geworden zu sein. All diese Bequemlichkeiten genießend, vergaßen sie nicht, alles zu tun, dass auch die anderen Gefährten, die noch am Südpol litten, nachkamen. Sie gaben ihr Bestes, sobald Besucher im Anmarsch waren. Kamen Kameras ins Spiel, begannen die Frackträger sofort zu posen. Sie zogen alle Register, die sie sich erarbeitet hatten. In einigen Zoos führten die Pfleger schon Pinguinmärsche durch, spazierten mit ihnen durch die Anlage. Die Besucher flippten aus vor Vergnügen. Das lockte immer mehr Menschen, die bald die meiste Zeit ihres Tierparkbesuches damit zubrachten, den Pinguinen zuzuschauen. Zuerst berichtete die Lokalpresse darüber, dann der regionale Fernsehsender und so weiter und so weiter …

Immer lauter wurde der der Ruf nach Pinguinen in den Zoos. Zuerst wollten die Großstädte aufrüsten, dann bald jede Stadt, in der es einen Zoo oder Tierpark gab. Die Zoos rüsteten auf und ermöglichten es somit den Pinguinen, sich gut zu vernetzen, da die Zoos untereinander immer mal Tiere austauschten, um frisches Blut in die Gruppen zu bringen. Eine weitere Etappe des Feldzuges der Umsiedler war genommen.

So ölig ihr Gefieder glänzte, so schmierig gaben sich die Fieslinge jetzt. In den Zoos waren sie die Nr. 1, also Grund genug, um Forderungen zu stellen. Ein friedliches Zusammenleben mit den anderen Tieren der Zoos war nicht ihr Ziel. Sie glaubten, mehr Rechte als die anderen Tierarten zu haben. Sie waren ja mehr, waren mal kleine Menschen, die durch einen dummen Umstand vom Monster verstoßen wurden. Wie konnte man sie da auf gleiche Stufe mit tumpen Tieren stellen?!

Die Pinguine gierten nach Privilegien. Zuerst forderten sie mehr und besseres Futter. Mit wachsendem Erfolg beim Publikum wuchs ihr Selbstbewußtsein. Größere und schönere Quartiere wurden gefordert. Gaben einige Pfleger dem nicht nach, lieferten die fiesen Gestalten dem Publikum schlechte Shows ab. Sanken die Einnahmen an Eintrittsgeldern, wurde das leitende Personal bis hin zum Direktor aufmerksam. Die Pfleger bekamen solche Ansagen, dass sie klein bei gaben. Das eingelullte Publikum bekam von all dem nichts mit. Es wollte Spaß und bekam ihn. Sickerte gelegentlich Insiderwissen durch, wollte das keiner wahrhaben. Dann hieß es nur: „Ach, die tun doch so viel Gutes, damit wir unsere Freude haben.“

Als die Pinguine dann aber immer größere Gehege verlangten und die Zoos und Tierparks flächenmäßig mehr und mehr erweitert wurden bzw. andere Tierarten verschwanden, weil es keine Genehmigungen zu neuem Land für die Zoos gab, da begann das vom Monster bevorzugte Volk über Gegenmaßnahmen nachzudenken. Schließlich wussten sie ja besser als alle anderen Menschen, wie es um Pinguine bestellt ist.

Die Pastafari begannen die Problematik in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Schnell fanden sie Unterstützung von anderen Menschen, die ebenfalls das Spiel der Pinguine durchschauten und natürlich die Gefahr, die lauert, wenn Lobbyisten dabei sind, ein Netz aufzubauen, um persönliche Vorteile gegenüber allen anderen Lebewesen erschleichen zu wollen. Die Pastafari schlossen sich mit allen Menschen, denen humanistisches Miteinander wichtig war, zusammen. Gemeinsam setzten sie alles daran, den Machthunger der Pinguine einzudämmen. Sie versäumten keine Gelegenheit, die Machenschaften dieser hinterhältigen Wesen aufzudecken und bekannt zu machen, um ihnen Einhalt zu gebieten. So gelang es letztlich, ihre Privilegien erst zurück zu drängen und später sie ganz abzuschaffen. Endlich herrschte wieder Gleichheit unter den Tieren im Zoo, alle Tiere hatten die gleichen Chancen und es gab neue Vielfalt in den Gehegen.

Was wir daraus lernen können?`Keine Ahnung, aber eine schöne Geschichte, oder?

Eure Elli S.

11.07.2019

Das Wort zum Freitag -
"Bruder Spaghettus" auf dem Personalausweis



So sieht er aus, mein neuer Ausweis. Na ja, fast jedenfalls, ein paar Angaben müssen nicht unbedingt öffentlich sein. Aber dass dort unter Ordens- oder Künstlername nun „BRUDER SPAGHETTUS“ steht, kann ruhig jeder wissen. Mehr noch, es sollte sogar jeder wissen. Es könnt ja glatt sein, ich unterschreibe  irgendwo mit meinem Pastafarinamen, vielleicht unter einem Kaufvertrag für ein Auto oder bei der Eröffnung eines Bankkontos. Dann sollte der jeweilige Vertragspartner schon wissen, was in meinem Ausweis eingetragen ist. Denn diese Unterschrift ist voll rechtsgültig.

Cool, oder?


Deshalb möchte ich nicht vergessen, denen besonderen Dank zu sagen, die mir zu diesem Ausweis verholfen haben.


Da wäre erstens die Person, die mich bei Facebook verpetzt hat. Mein Profil „Bruder Spaghettus“ musste ich danach umbenennen in Rüdiger D. Weida, ich wisst schon, Klarnamenspflicht und so. Nun fordere ich dort meinen alten Profilnamen zurück.


Da wäret zweitens ihr Pastafari dort draußen. Ohne euren Einsatz, der uns überall bekannt gemacht hat, ohne euer Mitziehen und Anstoßen wären wir nicht so bekannt, wie wir es heute sind. So habt auch ihr dazu beigetragen,  dass mein Antrag von der Templiner Meldestelle positiv beschieden wurde.


Da ist vor allem aber die Kirche und ihre phantastische Lobbyarbeit. Ihr gebührt mein größter Dank, denn ohne sie und ihre politischen Seilschaften würde es solche Ausweise heute gar nicht mehr geben.


Sensationelles war passiert. Wie in den meisten Ländern Europas )*  üblich, wurde im Jahre 2007 auch in Deutschland der Eintrag „Ordens- oder Künstlername“ abgeschafft. Damit sollte Bürokratie abgebaut und Verwaltungsaufwand vermieden werden, denn vor allem bei den Ordensnamen hat es immer wieder Schwierigkeiten mit dem Nachweis der Richtigkeit des Namens gegeben.


Wenn das schon erstaunlich war, ein weiterer Fakt war absolut unglaublich. Der Gesetzgeber hatte die Kirchen nicht, wie sonst bei allen erlassenen Gesetzen in Deutschland üblich, im vorab über das neue Passgesetz informiert. Aber nicht das war der Grund, warum die Kirchen ihren Lobbyapparat auf Touren brachten. Die braven Ordensleute fühlten sich ihrer Identität beraubt, quasi regelrecht hingerichtet. Also kümmerte sich das Katholische Büro in Berlin, sammelte Beschwerden, gab die an das Bundesinneministerium weiter und konnte das dann im persönlichen Gespräch von der Wiedereinführung des Ordensnamens überzeugen. Die FDP schloss sich später mit der Forderung, auch den Künstlernamen wieder einzuführen, an.


So kam es denn, wie es kommen musste. Nach einer erneuten Gesetzesänderung können nun auf Antrag sowohl Ordens- als auch Künstlernamen wieder auf dem Ausweis eingetragen werden. Eine Franziskanerin zieht Fazit: „Der Ordensname hat seinen angestammten Platz in deutschen Personaldokumenten wieder zurück erhalten. Dies, obwohl Ordensleute in der Bundesrepublik immer mehr eine Minderheit bilden und es in fast allen anderen Ländern der Europäischen Union  unüblich ist, einen Ordens- oder Künstlernamen in die Personaldokumente einzutragen. “


Allerdings, und hier kommt der Pferdefuß, nur Ordensnamen von Orden, die zu einer öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaft gehören.

Wir Pastafari und viele andere Gläubige haben also nicht die mindeste Chance auf einen solchen Namen, selbst wenn wir extra einen als eigenen eingetragenen Verein aufgestellten Orden gründen würden.

Ihr ahnt es, mein Eintrag erfolgte als Künstlername. Das ist vielleicht dem Einen oder der Anderen ein Dorn im Auge. Damit darauf hinweisen, wie unsinnig der Ordensname auf Ausweisen ist, kann man damit aber genau so gut…und nebenher bin ich nun auch noch ganz offiziell Satiriker und Aktionskünstler.

Mir gefällt das.

Deshalb schließe ich mich gern auch dem Rest des obigen Fazits an: “ Hat sich der Aufwand für die erneute Gesetzesänderung gelohnt? In jedem Fall für die Künstler, denn im Kirchenrecht spielt der Ordensname keine Rolle.“


)* Nur in der Slowakei, den Niederlanden und England gibt es diese Eintragung noch. In Irland darf nur der Künstlername eingetragen werden.

04.07.2019

Das Wort zum Freitag - Kopflos durch Religion

Die Helmpflicht für Motorradfahrer gilt auch dann, wenn man sich durch eine höhere Macht geschützt fühlt.


Symbolbild des bekanntesten Piraten,
der seinen Kopf nicht richtig schützte.

Den alteingesessenen Pastafari und die meisten Atheisten vermag das nicht zu überraschen, erinnert man sich doch an den alten Störtebeker, der schon vor vielen Jahren nicht auf seinen Kopf achtete und diesen verlor.

Manch anderer klagt für sein Recht, die Religion über den Verstand zu stellen, auch mal bis zum Bundesverwaltungsgericht. (Eine Einschätzung gibt es unter anderem hier.)


Was ist passiert?

Ein Anhänger der Sikh hatte in Konstanz eine Befreiung von der Helmpflicht beantragt, da sein Turban nicht unter selbigen passt.
Diese wurde ihm verweigert, da keine gesundheitlichen Gründe vorliegen. Damit fing der Klageweg an.
Nach dem alten Grundsatz „Jeder schützt, was ihm wichtig ist.“ hat sich also der Gläubige aufgemacht, statt eines Hirns seinen Glauben zu schützen und für sein Recht auf ungeschützte Verkehrsteilnahme zu klagen.

Meine Einschätzung

Interessant erscheint, dass die Gerichte grundsätzlich eine Beeinträchtigung der Religionsfreiheit bestätigt sahen. Die Frage, die sich hier stellt, ist dann wohl, wie das auf die Weltanschauungsgemeinschaften zu übertragen ist. Wir erinnern uns ja, dass diese gleichgestellt sind, also theoretisch.
Ich halte dieses Urteil für eine klare Absage an das Motorradfahren mit Dreispitz, glücklicherweise hatte das wahrscheinlich eh niemand von uns vor.

Auf der anderen Seite ist das Urteil aber auch eine Weichenstellung für den Prozess von Bruder Spaghettus bezüglich seines Personalausweises mit Piratenfisch, da er sich ja sehr wohl dazu verpflichtet fühlt diesen stets zu tragen und alles andere ein Eingriff in seine freie Ausübung seiner Weltanschauung ist.




Beim Führerschein hatte es da, siehe unten, keine Komplikationen gegeben.



Fazit

Auch die Verwaltungsgerichte (v.a. in Baden-Württemberg) räumen der Religion einen extrem hohen Stellenwert ein. Dass ein Sikh uns mit einem solchen Prozess zuvor kommt, beschämt uns sehr, sind wir doch sonst die, die sich mit Schenkelklopfern über die Bevorzugung von Religionen lustig machen.

Wir bleiben sportlich.

Meine Glückwünsche für den gelungenen Scherz gehen heute nach Konstanz.